16 Juni 2016

16. Juni, 2016


Die alte Rookie-Garde eben erst ausgezeichnet, steht eine brandneue bereits in den Startlöchern. Am 23. Juni geht für weitere 60 Youngster ein Lebenstraum in Erfüllung, wenn sie Commissioner Adam Silver in der NBA willkommen heißt. Wir behalten eine unserer liebsten Traditionen hier bei NBACHEF bei und checken im Vorfeld alle Talente dieses Jahrgangs... in unseren patentierten Draft Spotlights.

von AXEL BABST @CoachBabst

Die vergangene College Saison wurde oft als "Year of the Senior" bezeichnet, da so viele Meisterschaftsanwärter von ihren erfahrenen Spielern getragen wurden. Namen die dann fielen waren in der Regel Buddy Hield, Denzel Valentine oder Malcolm Brogdon. Ein Spieler, der immer erst am Ende dieser Aufzählung - wenn überhaupt - genannt wurde, ist Brice Johnson.

Dass er am Ende zum All American Spieler gewählt wurde, kam jedoch nicht von ungefähr. Johnson spielte eine herausragende Saison, legte im Schnitt ein Double Double auf und war der beste Spieler des diesjährigen Finalisten aus North Carolina.

Als Freshman war Johnson ein spindeldürres Sprungwunder, das von Basketball nicht viel verstand und weit davon entfernt war, zu den besten Innenspielern der NCAA gezählt zu werden. Mit seiner Schnelligkeit und seiner Athletik passte er allerdings hervorragend in das tempoorientierte System der Tar Heels und erhielt daher schon als Neuankömmling viele Minuten von Trainer Roy Williams.

Als Sophomore gehörte Johnson bereits zu den wichtigsten Stützen des Teams. Sein Standing in der Mannschaft stieg, als im Folgejahr Topscorer James Michael McAdoo das Team Richtung NBA verließ und damit der Starterposten auf der Position Vier frei wurde. Johnson und Marcus Paige waren fortan die beiden Keyplayer bei UNC, auf die sich das Team verlassen konnte.


In seiner letzten Saison konnte Johnson nochmal eine Schippe drauflegen. Er gewann an Konstanz und ließ in so manchem Spiel keine Zweifel mehr an seinen Fähigkeiten zu. Gegen Florida State erzielte er 39 Punkte und sammelte gleichzeitig 23 Rebounds ein, womit er sich in den Geschichtsbüchern der Tar Heels als erster Spieler mit einem 30-Punkte-20-Rebounds-Spiel verewigte. Auch die beiden Spiele gegen Duke, in denen er addiert 47 Punkte und 40 Rebounds auflegte und die Bretter dominierte, waren Machtdemonstrationen.

Einziger Wehrmutstropfen war das verlorene Finalspiel gegen Villanova, als Johnson den entscheidenden Fehler beging und womit Johnson selbst einem Bilderbuch Abschluss seiner College Karriere im Weg stand.

Nichtsdestotrotz kann Johnson unverzagt der Zukunft entgegenblicken, denn ein Platz in der ersten Runde ist ihm so gut wie sicher. Selbst Lottery-Teams werden sich das Paket, das Johnson mitbringt, genau ansehen und abwägen, wie viel aus dem Senior noch herauszuholen ist. Denn Johnson scheint noch nicht am Ende seiner Entwicklung angelangt zu sein.

Johnson ist ein phänomenaler Athlet, der mit seinen Aktionen Staunen in die Gesichter der Zuschauer zaubern kann. Johnson kann nicht nur hoch springen und schnell rennen, sondern macht beides in einer beeindruckenden Manier. Er lässt seine Dunks und Rebounds kinderleicht und mühelos aussehen und bringt immer wieder Aktionen zustande, mit denen die Zuschauer nicht rechnen, selbst wenn sie seine Sprungkraft kennen.

Auch in der NBA wird der Power Forward daher auffallen und sich seinen Platz auf Highlight Tapes sichern. Er passt hervorragend in die schnelle Spielweise der NBA und wird keine Umgewöhnungszeit brauchen, da die Tar Heels eine Geschwindigkeit an den Tag legen, die vielen NBA Teams nahe kommt.


Johnson vereint eine gute Sprunghöhe mit schnellen, explosiven Absprüngen. Er braucht nicht viel Zeit, um nach dem Ballerhalt hochzusteigen und dem Verteidiger keine Chance für Störversuche zu lassen. Diese Qualität wird in der NBA besonders wertvoll sein. 

Hinzu kommt, dass Johnson ein sehr schneller Big Man ist und gerade als Rimrunner oder im Fastbreak seine Gegenspieler in der Regel überläuft. So kreiert er Überzahlsituationen und verschafft entweder sich oder seinen Mitspielern freie Würfe, da er in Lücken cuttet und dadurch finishen kann oder eine Hilfe bindet.

Seine Athletik nutzt Johnson nicht nur im Fastbreak oder in der traditionellen Secondary Offense der Tar Heels. Auch und gerade als Offensivrebounder tritt Johnson in besonderem Maße in Erscheinung. Er hat ein Gespür für den richtigen Ort und scheint Rebounds magisch anzuziehen. Selbst wenn er mal eine schlechtere Ausgangsposition haben sollte, bleibt Johnson aktiv, versucht seine Sprungkraft und seine Armlänge einzusetzen und angelt sich dadurch viele Loseballs. 

Dank seines schnellen zweiten Sprungs kann Johnson nach dem Offensivrebound direkt den Putback im Korb unterbringen. Es gibt keinen Spieler im diesjährigen Draft, der schneller ein zweites Mal in der Luft steht als Johnson. Der Bodenkontakt zwischen den beiden Sprüngen ist minimal und oft ist der zweite Sprung sogar noch höher als der erste.


In einigen Szenen wird ersichtlich, wie gut Johnson darin ist, seinen eigenen Gegenspieler zu bestrafen, wenn dieser ihn alleine in der Zone stehen lässt, um bei einem Drive zu helfen. Wird Johnson allein gelassen, landet der Fehlwurf mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit in seinen Händen. Zudem ist er in der Lage seine gute Innenposition zu halten, sollten kleinere Verteidiger als zweite Hilfe zu ihm rotieren. Johnsons Verteidiger müssen sich daher genau überlegen, ob sie wirklich helfen sollten.

Ein weiterer großer Pluspunkt sind Johnsons schnelle Reaktionen und guten Hände. Der Big hat seine Pranken immer ausgefahren und ist bereit dafür, einen Ball, der in seine Richtung springt, festzuhalten. Hat er das Leder ein Mal berührt, lässt er es in der Regel nicht mehr los. Selbst im Gemenge der Zone behält Johnson den Ball genau im Auge und schlägt mit seinem überragenden Greifreflex zu.

Dieser überträgt sich auch auf Situationen im Setplay. Auf Durchstecker seiner Guards ist das Sprungwunder immer vorbereitet und lässt sich nur ausgesprochen selten solche Gelegenheiten zum Scoren entgehen. Seine folgenden Abschlüsse sehen zwar manchmal etwas hektisch aus, landen aber in der Regel sehr sicher im Korb. Johnsons Treffsicherheit sinkt sogar eher, je länger er den Ball in den Händen hält, weil er dann oft zu lange über den Kontakt vom Gegenspieler nachdenkt und sich nicht mehr entscheiden kann, wie er finishen soll.


Zwei Dinge stechen bei Johnson in solchen Catch-and-Finish-Situationen heraus. Zum einen ist dies die Tatsache, dass er so regelmäßig teils sehr schwierige Pässe fängt. Zum anderen - und das ist vielleicht sogar die noch wichtigere Eigenschaft - bereitet Johnson das Fangen so vor, dass er direkt das Anspiel verwerten kann.

Beim Fangen geht Johnson automatisch in einen sehr schnellen Zweikontakt über, durch den er die Explosivität und die Stabilität bei folgendem Absprung und Abschluss sicherstellt. Johnson bringt den Ball außerdem augenblicklich in eine Position, an der nur wenige bis gar keine Verteidiger noch stören können. Die Wahrscheinlichkeit von Steals und Blocks ist dadurch sehr gering.

Allerdings zeigen die letzten beiden Szenen im Zusammenschnitt, dass Johnson mit Kontakt noch nicht sonderlich gut umgehen kann und seine Trefferquote sofort sinkt, sollte er keinen klaren Weg zum Korb haben. In der vorletzten Szene achtet Johnson zunächst auf den herannahenden Helpsideverteidiger Plumlee, wodurch ihm beim Anvisieren des Korbes Zeit entgeht und der Layup deutlich sein Ziel verfehlt. In der letzten Szene weicht Johnson sogar dem Kontakt aus und versucht sich an einer Art Floater, der ebenfalls nur geringe Erfolgsaussichten aufweist.


Hier muss Johnson weiter an seinem Körper arbeiten. Zwar ist er deutlich besser unterwegs als noch als Freshman, allerdings immer noch nicht so gut, wie er sein sollte und wie auch oft kolportiert wurde. Bei der Draft Combine brachte er es auf knapp 95 Kilogramm, was angesichts einer Größe von etwa 2,10m in Schuhen deutlich zu wenig ist. Von North Carolina wurde Johnson mit zehn Kilos mehr auf den Rippen geführt, die jedoch schon aus der Ferne einfach nicht zu sehen waren.

Diese fehlende Masse beeinflusst natürlich mehrere Facetten seines Spiels. Am stärksten ist vermutlich sein Spiel im Lowpost betroffen. War Johnson als Freshman noch ein reiner Verwerter und Finisher, hat er mittlerweile auch ein paar Bewegungen am Zonenrand verinnerlicht. Seine Schnelligkeit und sein guter Touch bilden für diese Moves die Grundlagen.

Am liebsten erhält Johnson den Ball am rechten Zonenrand, um sich dann schnell zur Baseline zu drehen und je nach Distanz entweder per Baby Hook über das Brett oder Fadeaway zwei Punkte zu erzielen. Wenn Johnson die richtige Position beziehen kann, sind diese beiden Abschlüsse nicht zu verteidigen und fallen sehr sicher. Johnson ist einfach zu schnell und zu hoch, um dem Verteidiger eine Chance zu einer regelkonformen Abwehr zu gestatten.


Johnson ist auf keinen Fall als versierter Postscorer zu bezeichnen, ist aber auch kein hoffnungsloser Fall. Touch, Gespür und Schnelligkeit sind vorhanden. Allerdings fehlen ihm noch die Mittel, seine Talente richtig einzusetzen. Seine Fußarbeit ist noch ausbaufähig und auch sein Gespür für die richtigen Abschlüsse lässt zu wünschen übrig.

Teilweise agiert er zu hektisch, in anderen Situationen wirft den Ball bei Jumphooks nicht früh genug los und verliert durch seine Hangtime die Konzentration. Richtige Postmoves hat Johnson noch gar nicht. Es geht bisher vor allem darum, dass Johnson sich zu Spots vorarbeiten kann, die ihm gefallen.

Immerhin kann er sich oft im Fastbreak gute Position erlaufen und ist geschickt darin, seinen Gegenspiel per Seal auf dem Rücken zu halten. Sein Timing bei Lobpässen und seine schnellen Finishes machen ihn zu einem einfachen Passziel.

Da Johnson weder technisch noch physisch reif für den Zonenrand der NBA Arenen ist, sollte Johnson sich eher als Faceup Vierer orientieren, die momentan ohnehin im Trend liegen. Johnsons Wurf hat sich im Verlauf der letzten vier Jahre dramatisch verbessert. Nicht nur die Freiwurfquoten (57%-62%-68%-78%) legen diese Vermutung nahe. Johnsons ganze Wurfbewegung sieht wesentlich besser aus. Er wirft keine Bogenlampen mehr wie noch in den ersten Jahren. Sein Release ist mittlerweile konstant.

Diese Verbesserungen übertragen sich auch auf Spielsituationen, wo Johnson zuletzt gerne auch mal als Pick & Pop Spieler den Mitteldistanzwurf treffen konnte. Bevorzugt drückt er von den Seiten zwischen Zonenrand und Dreierlinie ab, von wo aus er auch notfalls das Brett als Hilfe nutzen kann.
In seinen vier Jahren nahm Johnson zwar keinen einzigen Dreier, allerdings ist es nicht gänzlich ausgeschlossen, dass er durchaus mal ein respektabler Schütze werden kann.

Der Wurf sieht sauber aus und verspricht eine größe Reichweite tragen zu können. Bei den Tar Heels ist es schlicht nicht erwünscht und oft nicht notwendig, dass Bigs Dreier nehmen. Allerdings wäre er der erste NBA Spieler, der über vier Collegejahre keinen einzigen Dreier nahm und in der NBA Distanzwürfe regelmäßig trifft.


Johnson steigt bei seinen Sprungwürfen ebenso schnell und hoch in die Luft wie bei seinen anderen Abschlüssen auch. Sein Release ist schnell und das Abklappen des Handgelenks sauber. Die Schnelligkeit und das Timing der gesamten Wurfbewegung lassen in Kombination mit seinem weichen Touch das Potential zu einem konstant guten Werfer aufkommen.

Bei seinen Fehlwürfen tendiert Johnson zu einem späten Release. Ähnlich wie bei den Jumphooks bleibt er zu lange in der Luft und verliert dadurch den Schwung vom Absprung. Dadurch sind die Würfe zu kurz und zu flach. Bei Freiwürfen lehnt sich Johnson gelegentlich mit dem Oberkörper nach hinten, was die Wurfbewegung verzerrt.

Neben seiner Wurfstabilität muss Johnson ansonsten daran arbeiten, unnötige Ballverluste zu vermeiden. Zwar hat er sich wesentlich besser unter Kontrolle als noch in früheren Jahren, doch die Anzahl an dämlichen Aktionen, die dem eigenen Team Punkte kosten, ist immer noch zu hoch.


Johnson kann am ehesten vor sich selbst geschützt werden, wenn er nicht zu viel abwägen muss, sondern die Lösung klar ist und er sich zwischen möglichst wenigen Optionen entscheiden muss. Je komplexer die Situation, desto eher neigt er zu schlechten Entscheidungen und schwerwiegenden Ballverlusten.

Offensiv ist Johnson direkt als Rebounder, Finisher und Rimrunner zu gebrauchen. Dazu weist er Potential als Faceup und Pick & Pop Spieler auf. Allerdings muss er dringend an Masse zulegen und sich ein besseres Spielverständnis aneignen, um sein offensives Outcome zu maximieren. Gelingt ihm das, wird er ein überdurchschnittlich guter NBA Big im Angriff sein.

In der Verteidigung gerät die Pick & Roll Defense bei großen Spielern immer mehr ins Zentrum der Überlegungen. Hier ist Johnson noch sehr wankelmütig unterwegs. Das liegt vorrangig aus meiner Sicht an der fehlenden Ausbildung, die er in diesem Zusammenhang erhielt. Die Tar Heels hatten als Team in der vergangenen Saison in vielen Spielen große Probleme bei der Pick & Roll Verteidigung. Oft waren sich die Spieler nicht sicher, wie sie es verteidigen sollten und wie sie die entsprechende Variante umsetzen sollten.

Entsprechend viele Versionen kamen zum Einsatz, aber keine konnte wirklich auf Dauer als Lösung herhalten. Johnson verrichtete von allen Bigs den besten Job als Verteidiger des Blockstellers und war in solchen Situationen - wenn fokussiert - auch durchaus erfolgreich. Dennoch war dies nicht immer der Fall und Johnson sah in vielen Situationen nicht gut aus.


In der ersten Szene sind sich die beiden involvierten Bigs wieder unsicher, wie sie sich verhalten sollen. Johnson erfüllt seinen Part bis zum Screen gut: Er geht in eine tiefe Grundhaltung und lässt sich von Point Forward Ingram nicht schlagen. Allerdings ist dann nicht klar, ob und wann Johnson zu Ingram zurückkehren soll oder die beiden Tar Heels ihre Gegenspieler switchen. Letzteres tun sie und können mit etwas Glück einen schwierigen Floater über Johnsons ausgestreckten Arm forcieren.

Beim zweiten Angriff funktioniert die Kommunikation wesentlich besser und Johnson zeigt seine Qualität. Er kann Guard Trimble, der zu einem der besten fünf Guards der NCAA im Pick & Roll gehört, vor sich halten und rechtzeitig zu seinem eigenen Gegenspieler zurück sprinten.

In den Situationen drei und vier wird jedoch ersichtlich, dass Kommunikationsprobleme durch gute Werfer direkt bestraft werden. Zunächst hält Johnson zu viel Abstand und erlaubt Trimble den Pullup. Anschließend bleibt er beim Pick & Pop sehr lange beim Ballhandler und muss den Dreier seines Gegenspielers hinnehmen.

In den letzten beiden Szenen ist Johnson wieder nicht in der richtigen Position. Zuerst steht er zu weit draußen und lässt den Split zu. In der letzten Szene verhindert Johnson den Dreier nicht entschieden genug, was unverständlich ist, da Ballhandler Rathan-Mayes seine vorherigen vier Dreier allesamt einnetzen konnte.

Johnson wird in der NBA also Erfahrungen in solchen Situationen sammeln müssen, um Missverständnisse zu minimieren. Grundlegend hat Johnson jedoch die nötigen Werkzeuge eines guten Pick & Roll Verteidigers. Er hat lange Arme und ist schnell auf den Beinen unterwegs. Selbst Switchen ist daher eine Option. Seine Schnelligkeiten mit Händen und Füßen überträgt sich auch auf die Eins-gegen-Eins-Defense.


Brice Johnson hat die Schnelligkeit und Länge, um bei Closeouts gute Schützen am Wurf zu hindern. Allerdings muss er sich noch angewöhnen, seine Arme effektiver zu nutzen. Seine Fußarbeit ist zwar schnell, allerdings gerät Johnson bei Jab Steps und ähnlich Fakes zu schnell aus dem Gleichgewicht.

Sehr beeindruckend sind die Sequenzen gegen Dukes Brandon Ingram. Kaum ein Spieler konnte Ingram in der vergangenen Saison über einen so langen Zeitraum so oft zu schwierigen Würfen und Ballverlusten zwingen wie Johnson, obwohl dieser eine solche Spezialaufgabe überhaupt nicht gewohnt war.

Dank seiner schnellen Hände, seiner langen Arme und seines explosiven ersten Schrittes kann Johnson auch immer wieder in Passwege sprinten, Bälle abfälschen oder Würfe blocken.

Als Rimprotector hat Johnson allerdings noch einige Arbeit vor sich. Er verlässt sich noch zu sehr auf seine Sprunggewalt und seine Schnelligkeit, weshalb er bei Rotationen oft eine Milisekunde zu spät ist. Gegen körperlich überlegene oder athletisch ebenbürtige Gegenspieler sieht er dann öfter mal schlecht aus und kann wenig ausrichten.


In der ersten Szene rotiert Johnson nicht weit genug in die Zone hinein, weshalb Allen das Foul ziehen kann. In vielen anderen Situationen kann sich Johnson solche Schönheitsfehler erlauben, weil er schnelle Hände und lange Arme hat. Gerade als Defensivrebounder konnte Johnson oft mit spektakulären Aktionen auf sich aufmerksam machen und damit ein wenig schwache Boxouts unter den Teppich kehren.

In den letzten beiden Akitonen gelingt ihm das beispielsweise nicht. Beide Male können sich die Seminoles einen Offensivrebound trotz körperlicher Unterlegenheit sichern. Das sollte Johnson in der NBA möglichst nicht so oft passieren. Auch hier würde ihm zusätzliche Masse sicher gute Dienste leisten.

Johnson hat defensiv eine Menge Potential, muss aber mentale Aussetzer und verpasste Aufgaben abstellen. Die Variabilität aus ordentlicher Perimeter Defense und starkem Rebounding ist nicht sonderlich oft bei Bigs anzutreffen und momentan heiß begehrt bei den Profis.

Zusammenfassend ist Johnson ein Spieler, der enormes Potential als Two-Way-Player besitzt. Selbst wenn er sich nicht mehr sonderlich entwickeln sollte, kann er sich auf eine Rolle als Rotationsspieler durchaus Hoffnungen machen, da sein Rebounding, seine Athletik und seine Finishes in der NBA immer einen Platz ermöglichen. Dennoch wäre es wichtig, dass Johnson sich körperlich weiterentwickelt, seinen Jumper verfeinert und an seiner Teamdefense arbeitet.

Wie wahrscheinlich und schnell diese drei Entwicklungen eintreten, ist schwer zu sagen. Johnson wird wenige Tage nach dem Draft 22 Jahre alt und scheint damit einen Nachteil zu haben, allerdings wird man das Gefühl nicht los, dass Johnson noch lange nicht am Ende seiner Entwicklung angelangt ist.

Er konnte sich bisher jedes Jahr steigern und wird in vielen Bereichen vom NBA Establishment profitieren. Zudem konnte er mental enorm reifen. Er ist zwar immer noch ein Spieler, der von seinen Emotionen lebt, allerdings hat er sie mittlerweile wesentlich besser im Griff und lässt sich nicht mehr so leicht frustrieren.