24 Mai 2016

24. Mai, 2016


Die Schwergewichts-Franchises machen den NBA-Titel unter sich aus, während andere Klubs die Saison 2015/16 längst abgehakt haben und optimistisch/pessimistisch in die Zukunft blicken (müssen). Wir röntgen in unserem gewohnten 30er Split alle Teams, analysieren ihre Situation und prognostizieren den bevorstehenden Sommer. Heute: die Washington Wizards.

von STEFAN DUPICK @Hoopsgamede

Saison 15/16
Nach Runde zwei in den Playoffs der Vorsaison hatten die Wizards große Ziele und wollten den Osten der NBA erneut aufmischen. Mit einer Bilanz von 41 zu 41 sollte es in der aktuellen Saison jedoch nicht für die Postseason reichen.

Spätestens die Verletzung von Bradley Beal und sein Ausfall für 27 Spiele zerstörte alle Hoffnungen in der Hauptstadt. Ein John Wall alleine konnte das Team selbst im schwachen Osten nicht tragen.

In der Offensive lagen die Wizards mit 104,1 erzielten Punkten ligaweit auf Rang 9. Da in der Defensive jedoch lediglich Platz 21 belegt wurde und die Wizards durchschnittlich 104,6 Punkte zuließen, rückte die erfolgreiche Offensive in den Hintergrund.

Zum Ende der regulären Saison konnten sich die Wizards zwar fangen, beendeten das Jahr mit einer Serie von 6 zu 4 Siegen. Dieser positive Trend lag nicht zuletzt an der Genesung von Beal und an der Verpflichtung von Markieff Morris. Der Forward wurde im Laufe der Saison per Trade aus Phoenix verpflichtet und zeigte vielversprechende Leistungen.

Der Abstand aus den ersten Saisonmonaten war jedoch nicht mehr wettzumachen, so dass die Wizards die reguläre Runde nur an Position zehn beendeten. Nach dieser enttäuschenden Saison war es nicht überraschend, dass Coach Randy Wittman seinen Hut nehmen musste und durch Scott Brooks ersetzt wurde.


Offseason Agenda
Das Team der Wizards ist jung und talentiert und muss daher reifen und zusammenwachsen. Durch die frühzeitige Verpflichtung des neuen Head-Coachs Scott Brooks wird der Weg verdeutlicht, den Washington gehen will.

Der Coach of the Year 2009/10 gilt als Player’s Coach. Brooks kann gut mit seinen Spielern kommunizieren und ist in der Lage, junge Spieler zu entwickeln. Beide Fähigkeiten sind bei den Wizards in ihrer derzeitigen Situation sehr gefragt.


Markieff Morris muss sich einleben, um als „Stretch Four“ das Feld breit zu machen, damit der Backcourt um Wall und Beal mehr Freiräume bekommt. Coach Brooks' größte Aufgabe ist es, Wall und Beal auf ein neues Level zu heben. Beide Spieler müssen zukünftig zeigen, dass sie eine Franchise tragen können.   

Washington muss entscheiden, ob dieser Kern einfach nur neue Impulse benötigt - und mit dem neuen Head Coach endlich den angestrebten Erfolg einfahren kann, den zwei Conference Semifinals in Folge andeuteten.

Oder aber, ob es mehr Sinn macht, um Wall und eventuell auch Beal völlig neu zusammenzustellen - auch auf die Gefahr hin, radikal umbauen zu müssen und nicht sofort wieder um die Top-4 in der Eastern Conference mitspielen zu können. 


Personal
Bradley Beal ist die bedeutendste Personalie des Sommers. Der Shooting Guard wird Restricted Free Agent. Hohe Angebote anderer Teams sind sehr wahrscheinlich. Allerdings werden die Wizards jedes Angebot matchen und Beal somit mit sehr hoher Sicherheit behalten. 

Beal sieht sich als Max-Player. Die Wizards sehen ihn jedoch nicht in dieser Rolle, da der Guard zu verletzungsanfällig ist. Sollte von einem anderen Team jedoch ein Max-Angebot kommen, dürften die Wizards auch bei diesem mitziehen - alleine schon, weil sie außer Wall keinen ähnlich talentierten Spieler im Kader haben.


Weitere interessante Personalien sind Jared Dudley, Ramon Sessions und Alan Anderson. Dudley würde gerne in Washington bleiben, die Wizards möchten Dudley gerne behalten, so lange der Preis stimmt. Die Verpflichtung von Morris hat ihn jedoch redundant gemacht. Auch Sessions und Anderson wollen den Markt testen.

Ein Fragezeichen steht auch hinter Nene. Der Brasilianer wird nicht jünger und auch seine Leistungen lassen zunehmend nach. Zu einem fairen Preis würden die Wizards mit Sicherheit einer Verlängerung zustimmen, zumal der Markt für den Power Forward nicht zu groß sein dürfte. Kann der sich aber damit abfinden, nur noch 20 Minuten von der Bank zu bekommen?

Und dann wäre da natürlich noch der große Preis des Sommers: Kevin Durant. Der Superstar ist in Washington aufgewachsen und das ist der Grund, warum die Wizards ernsthaft glauben, dass sie eine Chance auf eine Verpflichtung haben. 

Für Durant gibt es jedoch ganz andere Angebote. Somit sollten die Wizards den Durant-Traum einen Traum sein lassen und sich um realistischere Szenarien bemühen, zum Beispiel die Verpflichtung eines soliden Backups für John Wall auf Point Guard.


Draft
Der Draft spielt in Washington in dieser Saison leider keine Rolle. Der Erstrundenpick der Wizards geht nach Phoenix, der Zweitrundenpick nach Atlanta. Da kein incoming Pick abzusehen ist, ohne im Vorfeld per Trade aktiv zu werden, können die Wizards in diesem Jahr nur zuschauen. 


Kohle
Die auslaufenden Verträge von Nene, Beal, Dudley, Alan Anderson, Ramon Sessions und Garrett Temple sorgen dafür, dass ordentlich Cap Space zur Verfügung steht. 

Je nachdem, wie viel für die Verlängerung von Bradley Beal draufgeht, wäre immer noch genug Geld für Kevin Durant oder einen anderen Free Agent im Maximalbereich vorhanden.

Da KD jedoch nicht nach Washington zurückkehrt, sollten sich die Wizards um Ergänzungsspieler und Veteranen bemühen, die dem Team bei ihrer Entwicklung helfen. Egal, ob auf Point Guard, auf dem Flügel oder auf den großen Positionen - die Wizards haben genug auf der hohen Kante, um in verschiedenste Richtungen zu denken. 


Zukunft
Die Zukunft in Washington sieht nach wie vor gut aus. Auch wenn die aktuelle Saison ein Reinfall war, so muss das für die Zukunft nichts Negatives heißen.

Wall und Beal sind noch immer eines der spannendsten Projekte der Liga. Beide Guards sind noch jung und können unter Coach Brooks einen Sprung machen. 

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Neben dem verheißungsvollen Backcourt gibt es auch noch Otto Porter Jr., Kelly Oubre und Markieff Morris. Keiner der drei Spieler ist älter als 26 Jahre. Porter und Oubre sind gar erst 22 bzw. 20 und besitzen noch massives Potential. 

Selbst Center Gortat kann mit seinen 32 Jahren noch ein paar Jahre auf solidem Niveau spielen, so dass sich die Wizards keine Sorgen machen müssen, talentmäßig nicht genügend in der Hand zu haben.

Dieses Talent zu fördern, wird künftig die Aufgabe von Brooks und seinem Trainerstab sein. Schafft er es hier, ähnlich produktiv zu arbeiten wie vor ein paar Jahren in Oklahoma City, winkt diesem Team eine rosige Zukunft.