24 Mai 2016

24. Mai, 2016


Die Schwergewichts-Franchises machen den NBA-Titel unter sich aus, während andere Klubs die Saison 2015/16 längst abgehakt haben und optimistisch/pessimistisch in die Zukunft blicken (müssen). Wir röntgen in unserem gewohnten 30er Split alle Teams, analysieren ihre Situation und prognostizieren den bevorstehenden Sommer. Heute: die New Orleans Pelicans.

von PASCAL GIETLER @PascalCTB

Saison 15/16
Megavertrag für Anthony Davis, die erste Playoff-Teilnahme in der Ära nach Chris Paul und ein frischer Head Coach aus dem Coaching-Staff des Meisters aus Golden State: Die New Orleans Pelicans kamen auf ihren großen Flügeln mit einer guten Portion Rückenwind in die Saison 2015/16 geflogen. 

Umso ernüchternder sehen die Fakten in der Retrospektive aus: 30 Siege, eine unterdurchschnittliche Offensive, eine katastrophale Defensive und eine der meist beschäftigten Krankenstationen in der NBA. Die abgelaufene Saison war für die Anhänger der Pellies einfach nur zum Vergessen. 

Die Probleme für NOLA waren vielfältig. Der sportliche Misserfolg ist jedoch vor allem auf das große Verletzungspech zurückzuführen. Beim Durchwühlen der diesjährigen Statistiken findet man in den Tiefen des Zahlen-Wirrwarrs folgende Aneinanderreihung von Ziffern: 33 in 10. 

Was auf den ersten Blick aussieht wie die Anzahl von Derek Fishers Sexpartnerinnen, verteilt auf zwei volle Arbeitswochen, ist tatsächlich die Anzahl der Minuten, die die fünf besten Spieler der Pelicans (Anthony Davis, Tyreke Evans, Jrue Holiday, Ryan Anderson und Eric Gordon) gemeinsam auf dem Court standen... und zwar in ganzen zehn Partien. 

Es ist wenig überraschend, dass die Pellies in diesen Spielen einen Record von 6-4 vorweisen konnten. Gerade aufgrund dieser Dynamik kann man Gentry und der Mannschaft das katastrophale Abschneiden in dieser Saison irgendwie schon durchgehen lassen.


Offseason Agenda
In New Orleans wurde viel ausprobiert. Vieles davon war verletzungsbedingt, improvisiert und sicherlich nicht auf die Zukunft ausgelegt. Schließlich musste Alvin Gentry irgendwie fünf Spieler aufs Parkett stellen.

Prinzipiell muss sich das Front Office in Louisiana mal mit dem bestehenden Kern auseinandersetzen und entscheiden, welche Spieler sich für ein weiteres Engagement in 2015/16 bewiesen haben. Drei Personalien sind in der Offseason besonders interessant:


1.) der verletzungsgeplagte Jrue Holiday, der unter Gentry zum Großteil nur von der Bank kam und in sein letztes Vertragsjahr geht. Plant New Orleans weiter mit dem ehemaligen All-Star Point Guard, oder nutzt das Front Office den guten Eindruck, den Holiday in den Minuten, in denen er spielen konnte, gemacht hat, um ihn zu traden?

2.) Können die Pellies Restricted Free Agent Ryan Anderson irgendwie vom Bleiben überzeugen? Nach Bandscheibenvorfall kam Anderson eindrucksvoll zurück, war der zweitbeste Punktesammler für die Pelikane (17,0 PPG) und der beste Ersatzscorer der NBA.

3.) Wie um alles in der Welt wird man den Vertrag von Ömer Asik los? Jede Erläuterung dieses Standpunktes wäre Zeitverschwendung.


Personal
Hot Take: Sitzt Alvin Gentry nach dem Verpassen des Mindestziels auf dem Hot Seat? So wie es aussieht, dürfte der erfahrene Coach in seine 14. Saison als Chef auf der Bank gehen. Jedoch wird die Luft von Beginn an ziemlich dünn für ihn sein. 

Ob sich das Front Office bereits mit Alternativplänen auseinandersetzt? Falls ja, viel Erfolg dabei! Tom Thibodeau? Weg. Frank Vogel? Weg! Dave Joerger? Ebenfalls nicht verfügbar. Die vertragslosen Coaches mit bewiesener Defensivphilosophie sind relativ knapp.

Darüber hinaus muss das Front Office einfach herausfinden, welche Spieler mit Anthony Davis funktionieren. Der bereits angesprochene Jrue Holiday tut das. Tyreke Evans tut das eher nicht. Beide zusammen nehmen 22 Mio. $ vom Cap weg. 


Beide bringen natürlich (wenn fit) Leistungen, aber mit Ausnahme der beiden verfügt NOLA nur bedingt über Tradechips, um einen sinnvollen Deal einzufädeln, der die Mannschaft voran bringt. Hinzu kommt noch die Tatsache, dass die Pelicans am Draft-Abend an sechster Stelle picken dürfen und die Klasse von 2016 mit vielversprechenden Guards gespickt ist. 

Neben eventuellen Tradegeschäften werden sich die Pelicans wohl auch von der Zwangsehe mit Eric Gordon lösen. Der dauerverletzte Guard wollte bereits vor vier Jahren dringend zu den Phoenix Suns wechseln. Die Tatsache, dass er seinen gut dotierten Vertrag in Gänze bei den Pelicans erfüllt hat, ist einzig und allein seinem sinkenden Marktwert geschuldet. 


Draft
Die Pelicans dürfen wie bereits erwähnt an der sechsten Stelle picken. Dort lauern einige verlockende Talente, die allesamt gut nach Louisiana passen würden. Fakt ist, dass die Pellies irgendwie alles brauchen - Backcourt, Frontcourt, Tiefe... völlig egal. 

Somit muss NOLA unbedingt den „best player available“ picken. Entweder Kris Dunn, Jaylen Brown, Jamal Murray oder Buddy Hield werden definitiv noch verfügbar sein. Mit keinem dieser Talente würde New Orleans irgendeinen Fehler begehen. 


Interessant wird es für die Pelicans auch in der zweiten Runde. An #39 und #40 darf sich N'awlins back-to-back am Buffet bedienen - oder das Paket aus diesen beiden Picks für einen späten Erstrundenpick eintauschen. 

Empfehlenswert wäre es für New Orleans, solide Seniors ohne dicke Krankenakte zu picken, um eine ähnliche Notlage wie in dieser Saison und eine weitere JIMMERTIME zu vermeiden.


Kohle
Finanziell geht es den Pelicans trotz auslaufender Verträge von Eric Gordon und Ryan Anderson keinesfalls gut. Aktuell müssten die Pellies ihrem verletzungsanfälligen Kader rund 70 Mio. $ zahlen.

Es besteht dank des ansteigenden Salary-Caps durchaus Handlungsspielraum, jedoch haben viele andere Teams mehr finanzielle Möglichkeiten und eine bessere Infrastruktur als New Orleans. 

Falls es nicht zu einem Trade von Holiday, Evans oder Asik kommen sollte, werden sich die Pelicans maximal in der Tiefe verstärken können - was jedoch in Anbetracht der jüngeren Vergangenheit ein Schritt in die richtige Richtung wäre.


Zukunft
Prinzipiell sieht die Zukunft in New Orleans nicht so stockduster aus, wie es nach den vorangegangen Textfetzen den Anschein macht. Mit Anthony Davis verfügt N'awlins in den nächsten Jahren weiterhin über einen der besten Spieler der Welt. 

Das alleine ist bereits der alles entscheidende Grundpfeiler, wenn man als Franchise positiv in die Zukunft schauen möchte. Nichts ist schwerer, als den einen Superstar zu finden, um den herum alles andere aufgebaut werden kann. Dieser Klub hat ihn.

Die „Altlasten“ und die „Win-Now-Mentalität“ nach ADs Rookie-Saison kommen aktuell noch ein wenig auf die Pelicans zurück. Die negativen Auswirkungen dieses kurzfristigen Denkens und Handelns bekommen Franchise und Fans momentan noch zu spüren.

Mit dem nötigen Finetuning jedoch, einigen smarten Verbesserungen am Kader und ein bisschen Geduld dürfte im Smoothie King Center (dieses Highlight habe ich mir extra bis zum Schluss aufgehoben. Unfassbar guter Name!) schon sehr bald wieder Playoff-Basketball gespielt werden. Vielleicht ja schon 2016/17.