06 Mai 2016

6. Mai, 2016


Die Schwergewichts-Franchises machen den NBA-Titel unter sich aus, während andere Klubs die Saison 2015/16 längst abgehakt haben und optimistisch/pessimistisch in die Zukunft blicken (müssen). Wir röntgen in unserem gewohnten 30er Split alle Teams, analysieren ihre Situation und prognostizieren den bevorstehenden Sommer. Heute: die Los Angeles Clippers.

von MARC LANGE @Godzfave

Saison 15/16
Die Saison der Clippers war von vielen Enttäuschungen geprägt. Zwar zog L.A. zum fünften Mal hintereinander in die Playoffs ein und konnte zum vierten Mal in Folge mindestens 53 Spiele gewinnen – zum großen Wurf reichte es jedoch wieder nicht. 

Enttäuschung Nummer 1: die Neuzugänge. Josh Smith und Lance Stephenson sollten die Clippers in der Breite endlich besser aufstellen. Stattdessen avancierten die beiden vermeintlichen Heilsbringer zu einer Schwächung des Teams und wurden im Laufe der Spielzeit weiterverfrachtet. 

Enttäuschung Nummer 2: Verletzungspech. Blake Griffin plagte erst sein Oberschenkel, dann sein Gemüt, dann seine Hand. Dass die Clippers es ohne ihren Superstar, aber dafür mit Leuten wie Prigioni, Mbah a Moute und Aldrich  tatsächlich noch gebacken bekommen haben, 53 Spiele zu gewinnen, war die wohl beeindruckenste Leistung der Saison. 

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In den Playoffs kam es dann, wie es kommen musste: Chris Paul brach sich die Hand. Griffins Oberschenkel gab auf. Die Konsequenz: Nach einer 2:0 Führung gegen Damian Lillard und seine Trail Blazers, hieß es am Ende 4:2 für Portland. 

Wieder befinden sich die Clippers früher in der Sommerpause, als geplant. Wieder konnte das Schreckgespenst Playoffs nicht bezwungen werden. Wieder ist die große Frage: Sollte der Kern der Truppe gesprengt werden, um endlich auch in der Postseason erfolgreich sein zu können? Doch dazu später mehr. 


Offseason Agenda
Letztes Jahr waren es die Nerven, diese Saison war es schlicht und ergreifend Pech. Muss eine Mannschaft, die auf dem Papier eigentlich so stark ist, wirklich komplett umgekrempelt werden? 

Natürlich könnte die Small Forward-Position mehr als nur ein kleines Upgrade vertragen. Allerdings sind die Clippers dort mit Green, Pierce, Johnson und Mbah a Moute in der Breite eigentlich nicht schlecht besetzt. Speziell wenn Green eine ganze Vorbereitung mit den Jungs von Doc Rivers durchzieht, scheint ein neuer Flügelspieler nicht unbedingt nötig zu sein. 

Im Draft wird bei den Clippers – wie immer – nicht viel los sein. So blöd es auch klingt: In der Offseason sollten sich einfach alle Spieler so gut wie möglich regenerieren, um mit diesem Team noch ein allerletztes Mal anzugreifen. 


Personal
DeAndre Jordan bleibt Los Angeles nach all dem Hick-Hack letztes Jahr mit Dallas wohl erhalten. Chris Paul und Blake Griffin haben noch ein Jahr Vertrag, ehe sie eine Player Option ziehen können. Rivers, Aldrich und Jonson besitzen bereits für nächste Saison eine Spieleroption. 

Nach momentanem Stand wird der Kern der Clippers erhalten bleiben. Coach/GM Rivers hat bereits deutlich gemacht, dass er seine wichtigsten Spieler nicht traden wird. Ein letztes Mal werden es Paul, Jordan, Griffin und Redick, (der sich 2016/17 ebenfalls in seinem letzten Vertragsjahr befindet) also noch einmal versuchen wollen. 


Der amtierende Sixth Man of the Year, Jamal Crawford, ist bislang noch nicht mit an Bord. Hier wird Doc Rivers vielleicht noch ein wenig Überzeugungsarbeit leisten müssen, ehe sich J-Crossover einem anderen Contender anschließt. 

Ein großes Fragezeichen steht noch hinter der Zukunft von Paul Pierce. In den letzten Tagen wurden Gerüchte laut, dass "The Truth" die Sneaker an den Nagel hängen möchte – verständlich mit 38 Jahren. Leistungstechnisch wäre Pierce allerdings kein allzu großer Verlust mehr für die Clippers. 


Draft
Los Angeles hat den 25. und 33. Pick im anstehenden Draft. Die große Spielerauswahl am 23. Juni wird beim Team von Steve Ballmer erneut eine untergeordnete Rolle spielen. Der Fokus wird auf  der Verpflichtung von Veteranen zum Minimum oder der Mid-Level-Exception liegen.


Kohle
Durch die dicken Verträge von Paul, Griffin und Jordan ist kaum finanzieller Spielraum vorhanden. Knapp 83 Millionen Dollar sind bereits verplant. Obwohl der Salary Cap auf über 90 Millionen ansteigt, sind für die Clippers keine großen Sprünge möglich.


Dementsprechend sind also keine neuen Superstars zu erwarten. Vielleicht gelingt via Trade noch eine ganz ordentliche Ergänzung in der Rotation – das war es dann aber auch. Wie eben erwähnt, werden es das Vet Minimum oder die Mid-Level-Exception richten müssen. 


Zukunft
Die Zukunft der Clippers ist ungewiss. Die ganze Kraft der Organisation wird in die nächste Saison gesteckt, um mit den bekannten Stars endlich einmal in die Finals zu kommen. Sollte dies nicht gelingen, wird es wohl zum unvermeintlichen Split der "großen 3" kommen. 

Speziell Chris Paul wird sich nach einem neuen Arbeitgeber umsehen. Zu diesem Zeitpunkt wird CP3 33 Jahre alt sein. Andere Teams werden sich die Finger nach Griffin und Jordan lecken, die in zwei Jahren wohl auf dem absoluten Höhepunkt ihres Schaffens angekommen sind. 

Die Clippers befinden sich für 2016/17 also in einem klassischen Make-or-Break-Year. Und auch wenn die Kalifornier nicht unbedingt die größte Fanbase in der NBA haben: Die Ära Lob City hätte es sich verdient, zumindest im letzten Versuch einmal über die zweite Runde hinauszukommen.