26 Mai 2016

26. Mai, 2016


Die Schwergewichts-Franchises machen den NBA-Titel unter sich aus, während andere Klubs die Saison 2015/16 längst abgehakt haben und optimistisch/pessimistisch in die Zukunft blicken (müssen). Wir röntgen in unserem gewohnten 30er Split alle Teams, analysieren ihre Situation und prognostizieren den bevorstehenden Sommer. Heute: die Denver Nuggets.

von STEFAN DUPICK @Hoopsgamede

Saison 15/16
Die Saison der Nuggets kann sehr zwiegespalten betrachtet werden. Einerseits haben die Nuggets die Playoffs deutlich verpasst und mit einer Bilanz von 33 zu 49 Siegen keine Rolle im Westen der NBA gespielt.

Andererseits bot die Saison den Nuggets die Chance zu lernen, auszuprobieren und zu wachsen. Das Verletzungspech schlug in der Mile High City mächtig zu. Danilo Gallinari und Jusuf Nurkic fielen für lange Zeit aus. 

Mit Ausnahme von Will Barton konnte kein Nuggets Spieler alle 82 Saisonspiele bestreiten. Das Verletzungspech hatte jedoch auch etwas Gutes, denn somit hatten junge Spieler wie eben Barton, Gary Harris sowie die beiden Rookie Emmanuel Mudiay und Nikola Jokic die Chance, zu spielen und viel zu lernen.

Barton entwickelte sich über die Saison zu einem der besten 6th Men der NBA. Die beiden Neulinge Mudiay und Jokic konnten bereits zeigen, dass sie eine Zukunft in der Liga haben. Auch Harris konnte sich positiv entwickeln. 

Bei allen personellen Upgrades darf die Stagnation von Kenneth Faried jedoch nicht vergessen warden. Der Forward spielte eine solide Saison, konnte die in ihn gesetzten Erwartungen jedoch nie erfüllen und blickt einer ungewissen Zukunft bei den Nuggets entgegen.


Offseason Agenda
Der Kern dieses Teams ist bereits vorhanden. Jetzt gilt es für Coach Mike Malone, der mit dem Wachstum seiner Spieler durchaus zufrieden war, das junge Team zu entwickeln, zu verbessern und auf die nächsten Aufgaben vorzubereiten. Der Weg zurück in die Playoffs ist kein einfacher.

Mudiay (20), Harris (21), Jokic (21), Nurkic (21), Barton (25) und Joffrey Lauvergne (24) sind alle noch verdammt jung und wollen geführt werden. Im Sommer dürften alle erwähnten Spieler hart an ihren körperlichen und basketballerischen Fähigkeiten arbeiten und sich weiter steigern.


Gallinari, Faried und Wilson Chandler sind alle noch mehrere Jahre unter Vertrag und gelten als die Veteranen dieses Teams. Beide Flügelspieler, Gallinari und Chandler, waren in der vergangenen Saison lange verletzt und müssen kontinuierlich wieder aufgebaut werden. Beiden kommt als Führungsspieler jedoch eine wichtige Rolle zu.

Faried muss langsam zeigen, dass er dieses Team positiv beeinflussen kann und dass die in ihn gesetzten Erwartungen nicht zu hoch waren. Generell ist jeder der drei Langzeit-Nuggets jedoch auch ein potentielles Trade-Objekt, denn es können nur so viele Minuten verteilt werden.

Management und Coach müssen irgendwann entscheiden, auf wen sie in Zukunft vermehrt setzen möchten. Da auch der Draft in diesem Sommer eine prominente Rolle spielen wird, um das Team punktuell zu verstärken, wächst die Rotation auf über zehn fähige Spieler an. Früher oder später wird es zu Reibungen kommen.


Personal
Die Nuggets sind personell gut aufgestellt. Das Team ist jung und breit besetzt, und zwar auf fast allen Positionen. Im Sommer laufen lediglich zwei Verträge aus, nämlich die von D.J. Augustin und Mike Miller.

Darrell Arthur darf aus seinem Vertrag aussteigen - angesichts der Tiefe im Frontcourt eine fast logische Entscheidung. Alle drei Profis sind solide Ergänzungsspieler, die durchaus ihren Mehrwert in einem solch jungen Team hätten, das durchaus die richtige Mischung aus Youngstern und Veteranen sucht.

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Augustin ist ein solider Back-Up Point Guard und beschwert sich nicht, wenn er hinter Mudiay von der Bank kommt. Er kann für wichtige Verschnaufpausen sorgen und das System von Malone umsetzen helfen. Allerdings ist da ja auch noch Jameer Nelson, dessen günstiger Deal noch bis 2018 läuft.

Interessant wird sein, ob und wie Denver auf den großen Positionen ausdünnen wird. Mit Jokic, Nurkic, Faried, Lauvergne, vielleicht Arthur und eventuell einem oder zwei Rookies ist die Lineup bis oben hin voll mit Big Men, die allesamt Spielzeit verlangen werden. Im Backcourt (Mudiay/Harris) und auf dem Flügel (Gallinari/Barton/Chandler) ist die Situation um einiges übersichtlicher.

Auf dem Free Agent Markt werden die Nuggets keine großen Sprünge machen, auch wenn sie über genügend Cap Space für einen Max Deal verfügen. Die großen Namen wie Kevin Durant, Al Horford oder Mike Conley haben absolut kein Interesse daran, zu einer Mannschaft im Rebuild nach Colorado zu wechseln. Spieler wie Courtney Lee, Amir Johnson oder Mirza Teletovic hingegen dürften realistischere Objekte der Begierde sein. 


Draft
Der Draft spielt in diesem Sommer eine sehr wichtige Rolle in Denver. Die Nuggets verfügen über drei Picks in der ersten Runde. Zwar ist keiner unter den Top-5 dabei, die Positionen 7, 15 und 19 könnten jedoch gute und talentierte Spieler nach Denver bringen.

Hinzu kommen zwei weitere Picks in der zweiten Runde für insgesamt fünf - eine gigantische Ausgangssituation, die nur von den unersättlichen Boston Celtics (8 Picks) übertroffen wird. Dass Denver alle Picks behält, ist unwahrscheinlich, schliesslich kann jeder Kader nur eine bestimmte Anzahl an Spielern tragen. Trades sind während der Draft-Nacht aber immer angesagt, die Nuggets sind obendrein in strategisch günstigen Bereichen positioniert.


Zwar sind absolute Superstar-Kaliber in diesem Jahr Mangelware, allerdings tümmeln sich zahlreiche Prospects mit NBA-Potential unter den Top-60, so dass die Nuggets mit ihren Picks selbst dann ein paar Rotationsspieler abgreifen dürften, wenn sie nicht alle ins Schwarze treffen.


Kohle
Finanziell sieht es in Colorado genauso gut aus wie in fast jeder anderen nordamerikanischen Stadt. Der Salary Cap steigt auf über 90 Mio. $ an, also verfügt auch Denver über ausreichend Kohle. Die Nuggets haben 10 Spieler unter Vertrag, hinzu kommen drei Rookies in der ersten Runde - falls diese alle gehalten werden.

Je nachdem, wie sich die Franchise hinsichtlich D.J. Augustin und Mike Miller entscheidet, ob Darrell Arthur seine Spieleroption zieht und zum Beispiel die Option von Lauvergne gezogen wird, kann der finanzielle Spielraum der Nuggets auf bis zu 30 Mio. $ ansteigen.


Zukunft
Die Zukunft in Colorado sieht viel besser aus als noch vor einem Jahr. Die Nuggets verfügen über viele junge Spieler mit langfristigen Verträgen und genügend Potential. Hinzu kommt die drei Erstrundenpicks und fünf ingesamt in diesem Draft, die den ein oder anderen vielversprechenden Spieler nach Denver bringen könnten.

Das Projekt in Denver ist noch am Anfang. Es wird noch eine ganze Weile dauern, bis alle Zahnräder greifen, aber die Warterei dürfte sich lohnen. Es sieht zwar nicht danach aus, dass der aktuelle Kader einen potentiellen Superstar enthält. Dafür sind jedoch einige vielversprechende NBA Talente mit an Bord.

Wie lange es noch dauert, bis die Nuggets wieder in den Playoffs auftauchen, ist eine schwer zu beantwortende Frage. Fest steht, dass die schwierigste Etappe - die Suche nach ein paar talentierten Spielern - mittlerweile gemeistert ist.

Nuggets-Fans, die in den letzten Jahren wahrlich nicht viel Freude hatten, dürfen sich also auf die Zukunft freuen. Die Nuggets sind ein Beweis dafür, dass es auch ohne ganz hartes Tanking möglich ist, eine Franchise von Grund auf in eine positivere Richtung zu entwickeln.