03 Mai 2016

3. Mai, 2016


von TORBEN ADELHARDT @Torben41

NBA-Playoffs – jene mystische Zeit, in der Helden geboren werden, Dynastien entstehen und sich Legenden manifestieren. Es muss jedoch nicht immer gleich die ganz große Theatralik-Keule geschwungen werden, wenn wir das Geschehen in der Postseason der NBA analysieren und in einen Gesamtkontext setzen. 

Manchmal sind die Playoffs auch einfach nur die Zeit, in der sich ein Spieler durch seine Darbietungen auf der größeren medialen Bühne, die die Postseason mit sich bringt, in das kollektive Bewusstsein der NBA-Gemeinde spielt. 

Wie im Fall von Myles Turner. Okay, Turner erhielt zwar im Februar die Auszeichung zum Rookie des Monats der Eastern Conference  (13.4 PPG, 6.6 RPG, 1.8 BPG), aber die Schlagzeilen wurden in dieser Saison eher von Karl-Anthony Towns, Jahlil Okafor, Kristaps Porzingis und D'Angelo Russell dominiert. 


Teilweise wirkte der damalige Freshman in der Texas-Offensive wie ein Hochbegabter, der sich aus purer Langweile das Leben selbst schwerstmöglich machen wollte. Turnaround-J's direkt am Mann oder auch Stepback-Jumper aus der Mitteldistanz prägten sein offensives Erscheinungsbild.

Während seine vier genannten Rookie-Kollegen bereits im Urlaub verweilen, zeigt Turner in der Playoff-Serie gegen die Toronto Raptors stattdessen warum er vor der letztjährigen NCAA-Saison noch als potentieller Top-5 Draftpick galt.

Verletzungen, der Logjam im Frontcourt der Texas Longhorns sowie seine mangelhafte Entscheidungsfindung im Halfcourt sorgten dann dafür, dass Turner im Verlauf der College-Saison immer mehr an Draft-Hype verlor. 

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Skip Forward: NBA-Playoffs 2016. Turner zaubert gegen die Raptors 11,3 PPG, 6,5 RPG und 3,2 BPG im Schnitt auf das Parkett. Zahlen, die die Leistungen des Erstjahresprofis nur bedingt illustrieren können. Denn es ist die Mischung aus Pick-and-Roll-Defense und Pick-and-Pop-Option im Angriff, die Turner an den Tag legt, die jeden NBA-Fan begeistern sollte. 

Wie der Pacer sich sowohl nach einem Switch oder auch im Hedge-and-Recover präsentiert, ist aller Ehren wert und einer der Hauptgründe, warum die Raptors bislang so Probleme haben, nach einem Pick-and-Roll effizient im Halbfeld oder auch direkt am Ring zu Abschlüssen zu kommen. 

An dieser Stelle möchte ich kurz auf meine Worte aus Indianas Season Preview verweisen:
„Und notfalls gibt es noch einen Extra-Fernseher für Myles Turner. Sollte er fit bleiben und seine Foulanfälligkeit bei der Beschützung des eigenen Korbs minimieren, dann steht in den Reihen der Pacers ein heißer Anwärter auf den „RoY-Award“. 

Alles klar, der „RoY-Award“ war angesichts der unfassbaren Leistungen von KAT nie wirklich realistisch. Aber es ist einfach schön zu sehen, dass Turner jetzt in den Playoffs sein Potential, welches selbst in seiner „enttäuschenden“ College-Karriere stets offensichtlich war, abruft. 

Dass wir aktuell nur den Anfang einer vielversprechenden NBA-Karriere sehen, sollte eigentlich jedem Beobachter klar sein.