16 Mai 2016

16. Mai, 2016


Nicht, dass die abgelaufene Saison arm an guten Storylines gewesen wäre, aber... Playoffs, yo! In den nächsten acht Wochen ist endlich richtiger Basketball angesagt. Auch hier bei NBACHEF. Nach zwei Aufwärmrunden geht's mit den Conference Finals schnurstracks in Richtung Klimax.

von SEB DUMITRU @nbachefkoch & TIAGO PEREIRA @24Sekunden

Entrée
Es hätte die ultimative Basketball-Nerd-Party werden sollen: Golden State gegen San Antonio, Offense gegen Defense, die beiden besten Mannschaften der regulären Saison im Clash der Titanen; dann funkte dieses für immer und ewig kritisierte Unwetter von einem Team aus Oklahoma City dazwischen, eliminierte die Spurs auf überdeutliche Art und Weise und bittet den amtierenden Champ zum Conference Final Tanz.

Golden State ist nach überstandener Curry-Verletzung wieder komplett. Obwohl die Dubs alle drei regulären Duelle gegen die Thunder für sich entschieden, waren alle Duelle enger als die meisten Partien der Warriors. OKC ist nicht nur ein weiterer Gegner auf dem Weg ins Endspiel, sondern der vermutlich stärkste, dem dieses Warriors-Team unter Head Coach Steve Kerr jemals gegenüber stand. Die Außenseiter von Billy Donovan glauben mehr denn je an ihre Chance auf ein Upset, nach der überzeugenden und defensiv geprägten Schlacht gegen die als mindestens doppelt so stark eingeschätzten Spurs.


Diese Serie stellt nicht nur die beiden besten Offensiven der Liga gegeneinander, sondern zwei der explosivsten aller Zeiten. Das letzte Mal, das sich zwei ähnlich verheerende Attacken in einer Playoff-Serie maßen, war 1997 (Chicago vs. Utah im Finale). Fünf All-Stars, sechs der letzten sieben Scoring-Champions und zwei unterschiedlich tiefe, aber gleichsam essenzielle Achter-Rotationen prallen ab Montag in einer potentiell epischen Serie aufeinander. Wer macht's?


Warum Golden State gewinnt
Steph Curry ist wieder gesund... Ende. Okay, okay. Ihr wollt sicherlich ein paar Infos mehr haben, als dass der erste einstimmige MVP der Ligahistorie dieses Duell im Alleingang entscheiden wird. Fakt ist jedoch, dass ein gesunder Curry die Nadel empfindlich in Richtung Golden State bewegt.

Gegen Houston und Portland kamen die amtierenden Champs auch ohne ihren am Knie und Sprunggelenk verletzten Superstar zurecht. Oklahoma City ist ein ganz anderes Biest, und Currys Rückkehr gegen Portland inklusive 40-Punkte-Meisterleistung beim Overtime-Sieg in Spiel vier war vor dem anstehenden Conference Finale eine Beruhigungspille für nervöse Warriors-Fans.

Die sachkundigeren unter euch wissen sicherlich, dass Curry gegen keinen anderen Gegner in der abgelaufenen Saison besser scorte, als gegen OKC. Mit 35 Punkten im Schnitt führte der Chef seine Farben zu drei Siegen in drei Partien.


Beim Sieg Anfang Februar war der MVP für 50 Warriors-Punkte verantwortlich; im März versenkte er die Thunder mit 11 seiner 33 Zähler in den letzten viereinhalb Spielminuten; das 46-Punkte-Rekordspiel inklusive 12 Dreier und Gamewinner von der Mittellinie Ende Februar war ein 'instant classic'.

Es wird euch schocken, das zu lesen, aber: niemand bei den Thunder kann Curry bremsen. Niemand auf der Welt kann Curry bremsen. Der beste Shooter aller Zeiten spielte eine Saison für die Rekordbücher, erzielte mehr als 30 Punkte in weniger als 35 Minuten pro Abend. Seine 50-40-90 Splits waren lächerlich, seine absurden 402 Treffer von Downtown pulverisierten seinen eigenen NBA-Rekord um mehr als 100 Makes.

Golden State wäre aber nicht das erfolgreichste Team aller Zeiten, wenn es nur Curry hätte. Die Dubs stellen nicht nur den besten Backcourt im Basketball, sondern greifen mit einer homogenen, vielseitigen und mental undurchdringlichen Truppe nach dem back-to-back Titel.

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Thompson ist nicht nur Currys Wingman, sondern selbst einer der tödlichsten Spieler dieses Planeten. Ihr findet, 50-40-90 sind fette Werte für einen Shooter? Wie klingen 50-50-94? Das waren Thompsons specs gegen Portland, inklusive 31 Punkten pro Abend. Gegen Oklahoma City während der regulären Saison netzte der zweite Splash Brother sogar 53% seiner Wurfversuche ein und machte zusammen mit seinem Bruder im Geiste fast die 50 voll - im Schnitt.

Hinzu kommt seine elitäre Defensivarbeit gegen Kevin Durant und Russell Westbrook, den er zusammen mit Curry nicht gänzlich neutralisierte, aber zu ineffizienten Würfen drängte und aus seiner Komfortzone holte. Gegen Durant, dem Golden State liegt, werden Thompson, Draymond Green, Andre Iguodala und Harrison Barnes mit vereinten Kräften operieren, um dem 'Easy Money Sniper' verschiedene Looks zu gewähren und ihn zumindest nicht ins Rollen kommen zu lassen.


Die anderen Thunder-Akteure sind weitaus weniger bedrohlich: Dion Waiters wird defensiv Federn lassen, Andre Roberson ist offensiv harmlos, Enes Kanter gegen die Smallball-Aufstellungen der Dubs zu langsam und der Längenvorteil OKCs kein Faktor wie noch gegen San Antonio - weil Golden State eben kleiner, präziser und viel explosiver angreifen und verteidigen kann. Die Fähigkeit, das Spielfeld breit zu machen, die Passgenauigkeit und Eingespieltheit der Truppe von Steve Kerr wird auch ein elitäres Defensivteam wie das von Billy Donovan an seine Grenzen pushen.

Oklahoma City ist ein Schwergewicht und stellt eine ernsthafte Bedrohung dar. Alle drei Partien im Februar und März waren hart eng und höchst kompetitiv. Ihr Selbstvertrauen ist nach dem deutlichen Sieg gegen die hoch favorisierten Spurs Westbrook-Ego-gigantisch. Geht es jedoch um die sprichwörtliche Crunchtime-Wurst, weiss Golden State folgendes: sie sind der Champ, haben 30 von 34 Partien 'in the clutch' für sich entschieden und unter Kerr noch nie ein Spiel fünf oder sechs verloren. 


Warum Oklahoma City gewinnt
Warum nicht? Eine Frage die seit Wochen wie eine Schmeißfliege aus den Gesichtern der Quoten-Expertenkopf geschlagen wurde. Nervtötend prangerte sie seit dem ersten Sprungball gut sichtbar in Neon Orange auf Russel Westbrooks Schuhwerk. Warum nicht?  Es war nicht einer der üblichen Modefauxpas die sich der Point Guard erlaubte, sondern ein summendes Statement seines Sponsors. Warum nicht wir?! 

Auch wenn seit Januar die Hotels in Oakland und San Antonio für diese Jahreszeit bereits gebucht waren, was sprach gegen die Donnerblitze? Der Einfachheit halber belassen wir es bei der rhetorischen Frage. Im Schaulaufen der Goldgräber waren die Thunder eben nur eine von vielen Kardashian Schwestern, die weder für den Hauptreis, noch James Harden bestimmt schienen.



Selbst als die Kleinstädter den entscheidenden Matchball in der eigenen Halle aufliegen hatten zuckte der Alamo nur gelangweilt mit den Achseln. LaMarcus Aldridge hatte die vermeidlich sträfliche Bewachung der Thunder bereits mehrfach ausgenutzt und Kettenhund Kawhi Leonard wollte die Chesapeake Arena in seinen persönlichen Bondage Keller verwandeln. Die Spurs machten es eben wie Boris Diaw und schoben eine ruhige Kugel vor sich her im Angesicht des Todes.


Mit 14 Punkten Unterschied gewannen die Blitze jedoch das für sie alles entscheidende Spiel 6 und aus „Go Spurs Go“ wurde plötzlich „Go home Spurs, go home“. Billy Donovan erreichte damit sein fünftes Halbfinale, das erste in der Herrenliga NBA und OKC war wieder zurück in der Zukunft. Dort wo alle Kevin Durant und Russel Westbrook seit Jahren immer wieder auf ein Neues erwartet hatten - in den Western Conference Finals!

Dennoch müssen die Männer aus Oklahoma sich erneut den hässlichen Underdog Stiefel anziehen. Trotz der Tatsache, dass sie soeben ein 67 Siege Team eliminiert hatten, warten mit den Golden State Warriors nicht nur ein historisch gutes, sondern das historisch beste Team Allerzeiten auf die Thunder! Eine Bestmarke an der KD und Co. mit ihren drei Niederlagen, zwei davon in Oakland, nicht ganz unbeteiligt waren. Das Top Gun Duell der beiden besten Offensiven, im Halbfinale der NBA Playoffs verspricht trotzdem einen feinen Western Shootout.


Insgesamt neun Spieler beider Seiten punkteten in den diesjährigen Playoffs zweistellig, wovon (noch) keiner den Namen Dion Waiters trägt. Während Mike D’Antoni, in Jonah Hill Manier vor Freude schreiend diesem Run and Gun Spektakel entgegen fiebert, schreit der Thunder Trainerstab nicht vor Glück. Grund dafür: Kein Team traf in der regulären Saison besser aus dem Feld gegen die Blitze als die Krieger (eFG%  56%) - das ist nicht gut. 

Wenn die Verteidigung der Thunder einmal wieder kollektiv den Enes Kanter macht, muss standardmäßig Kevin Durant Feuer mit Feuer bekämpfen. 36 Zähler im Schnitt schenkte der selbsternannte Servant den Warriors diese Saison ein. Scheiß Spitzname, aber gut Quote für die Nummer 35. 

Damit Kevin aber seine Chance auf Rache gegenüber LeBron James für die Finalniederlage von 2012 wahrt, müssen es gegen den amtierenden Meister wohl noch ein paar mehr Pünktchen werden. Sonst findet sich schnell eine Antwort auf die Frage „Warum nicht?“.


Die Rechnung, bitte!