10 Mai 2016

10. Mai, 2016


Die Playoffs sind on! Bei so viel irrsinniger Action pro Woche macht es nicht immer Sinn, traditionell zu berichten. Nicht weiter schlimm: die nbachefsquad ist zur Stelle wie Steph Curry in Crunchtime und versorgt euch wöchentlich mit artgerechten Häppchen zur Postseason-Action 2016.

von NBACHEFSQUAD

Chefsache
Seb Dumitru @nbachefkoch ... Unanimous. Einstimmig. Gab's noch nie bei der MVP-Wahl in der National Basketball Association. Bis heute.


Stephen Curry gewann den Award für den wertvollsten Spieler der Liga in einer 61 Jahre nicht da gewesener Deutlichkeit, räumte alle 131 Erststimmen ab und darf vor Spiel fünf gegen Portland in der heimischen Oracle Arena die zweite Maurice Podoloff Trophäe in Folge entgegen nehmen... ehe seine Warriors die Trail Blazers in den Sommerurlaub schicken werden.

Dass Curry diese Auszeichnung gewinnen würde, stand bereits im Dezember fest. Die 73-9 Rekordsaison der Golden State Warriors und sein eigener, irrsinniger Produktivitätsoutput machten dieses "Rennen" zu einer mehrmonatigen Schlaftablette. Curry erzielte mehr als 30 Punkte in weniger als 35 Minuten pro Spiel, traf 50-45-91 Prozent aus dem Feld/Dreier/Freiwürfe und stellten eine Bestmarke nach der anderen auf.


Seine absurden 402 Treffer von Downtown pulverisierten seinen eigenen NBA-Rekord um mehr als 100 Makes. Der beste Schütze aller Zeiten hat im Eiltempo Boden auf die besten Spieler aller Zeiten gut gemacht, eine der effizientesten Saisons aller Zeiten abgeliefert (31.5 PER, achtbester Wert ever und bester für einen Point Guard jemals) und den Basketball im Alleingang revolutioniert.

Selbst den Kritikern und chronischen Hatern sind mittlerweile die Argumente gegen die transzendente Aura des heute besten Spielers des Planeten ausgegangen. Falls nicht: Shut the F*ck Up! Es ist Steph Currys Welt. Wir alle leben nur in ihr.


Schruuuder
Torben Siemer @LifeofTorben ... „Ich habe nur versucht, aggressiv zu sein.“ Diese Worte wählt Dennis Schröder in der Pressekonferenz nach Spiel vier, in dem die Cleveland Cavaliers wie schon im letzten Jahr seine Atlanta Hawks mit dem Besen in die Sommerpause geschickt haben.

Für den 22-Jährigen persönlich ist dieses Spiel vier ein weiterer Schritt dahin, endlich für sein Team starten zu dürfen. Wie schon in Spiel eins der Serie ist Schröder klar besser als der auf Point Guard startende Jeff Teague, erhält deutlich mehr Spielzeit und weiß diese zu nutzen.

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27 Punkte und sechs Assists waren es da, 21 und sechs hier. Schröder steht fast das gesamte letzte Viertel auf dem Feld und beweist defensiv, dass er es längst mit elitären Scorern wie Kyrie Irving aufnehmen kann. 

Dass er offensiv die einzig konstante Option seines Teams ist, kannte er bisher nur aus der Nationalmannschaft. Seinen Zug zum Korb bekommen auch die Cavaliers kaum in den Griff, sodass Schröder mit seinen 13 Punkten im Schlussabschnitt die Hawks allein im Spiel hält. Von den finalen acht Zählern erzielt er sechs und legt die anderen zwei per Pass zu Al Horford auf. 

Nicht nur für Schröder beginnt damit jetzt ein spannender Sommer – nach der kommenden Saison 2016/17 werden sowohl er als auch Teague Free Agents. Beide sind sich in ihrer Spielweise zu ähnlich, um gemeinsam auf dem Feld zu stehen.

Bereits in dieser Saison beschäftigte die Frage „Teague oder Schröder?“ das Front Office. Nach den selbstbewussten Playoff-Auftritten von Schröder gibt es gute Gründe, dass dieser bald seinen Namen nach den Worten „Starting at Point Guard“ hört.


Es regnet Dreier
André Nückel @AndreNueckel ... Wahnsinn! Mit 18 Dreiern in der ersten Hälfte und sieben weiteren in den Vierteln drei und vier stellten die Cleveland Cavaliers mit sagenhaften 25 Treffern von Downtown in Game 2 der Conference-Semifinals einen neuen NBA-Rekord auf. Gegen überforderte Atlanta Hawks swishte nahezu jeder Versuch durch die Reusen.

Dass in diesem besagten Match gleich zehn verschiedene Baller den Distanzwurf trafen, spricht für eine „äußerst“ unterschätzte Qualität der Cavs.

In der medialen Aufmerksamkeit stehen die Golden State Warriors oder Houston Rockets primär im Fokus der besten – im Falle der Raketen wohl eher voluminösesten – Shooter-Teams der Liga. Dabei netzten die „Wine & Gold“ in der regulären Saison bereits 880-mal den Spalding aus mindestens 7.24 Meter Entfernung ein.

Dieser Wert reicht ligaweit hinter den Splash Brothers nur für Rang zwei, aber in den Playoffs dominiert die von Tyronn Lue gecoachte Truppe den Dreier, wie die nachfolgende Grafik illustriert:

Mit durchschnittlich 16.9 erfolgreichen Abschlüssen traf in der Playoffs-Historie noch keine Franchise häufiger. Eine Steigerung von 7.1 Körben im Vergleich zum Vorjahr! Dass auch die Quote mit 46.6% die potenteste der Postseason ist, muss an dieser Stelle eigentlich nicht mehr erwähnt werden.

Mit 4.3 Treffern bei 8.1 Versuchen und einem Erfolgswert von 52.6% ist J.R. Smith die größte Gefahr von Außen, wie LeBron James bestätigt: „J.R. ist der Einzige von uns, der jederzeit grünes Licht hat, abzudrücken. Das darf sonst keiner.“ Dabei jagen auch Channing Frye (58.8%) Kyrie Irving (55.6%) und Kevin Love (41.7%) den Wurf zuverlässig durch den Ring.

On top kommt die Tatsache, dass die überragende Mehrheit der Dreier vorbereitet wird. Bei 24 Assists pro Spiel zirkuliert das orangene Ballwerk äußert flüssig durch die Hände der Cavaliers und wird erst dann für einen Abschluss verwendet, wenn der Schütze den bestmöglichen Spot erhält. 
Trotz der Big Three agiert Cleveland immens teamdienlich – und das macht sie zum großen Contender. Der Dreier ist dabei nur die Kirsche auf der Torte. 


Entzerren, bitte!
Mattis Oberbach @MattisOb ... Das Salary Cap haben sie schon gemeinsam. Den Kontinent auch. Jetzt kann der Kalender folgen.

In der NFL wird zwischen August und Februar Football gespielt, im März und April werden die College-Spieler auseinander genommen, im Mai findet der Draft statt und im Juli beginnen die Training Camps. Es wird tatsächlich nur kurz im Juni langweilig, durchgeatmet.

Die NBA lässt die Draft Lottery stattfinden, noch bevor die Finals beginnen. Sportlich gesehen sind es zwei verschiedene Welten, ach, Universen, aber doch geht kurz die Aufmerksamkeit verloren. 

Gibt es gute Gründe dafür, den Draft kaum eine Woche nach der Vergabe der Championship abzuhalten? Man könnte dem NBA-Fan das ganze Jahr über Freude bereiten. Wieso also nicht mal alles etwas entzerren?


Vom Joerger zum Gejagten
Tiago Pereira @24Sekunden ... Jobsicherheit ist in der NBA wie Byron Scotts Trainer des Jahres-Auszeichnung: Alle wissen, sie existiert, aber keiner glaubt daran. Zeugen jenes Aberglaubens wurden die Hüter der Trainingspylonen in Indiana und Memphis. Binnen 24 Stunden durften sowohl Frank Vogel als auch Dave Joerger ihre Sachen aus den Spinden räumen und ihrer alten Arbeitsstätte Lebewohl sagen.


Zwei der besten Trainer der Association landeten auf der Straße, nachdem sie ihre Teams mit aller Kraft - und in Joergers Fall ein wenig schwarzer Magie - in die Playoffs schleppten. Die beiden General Manager Larry Bird und Chris Wallace verabschiedeten ihre Ex-Coaches mit der „Es liegt nicht an dir, sondern an mir“ - Ansprache und ‚swipeten‘ sofort fröhlich auf der Tinder-Trainerbörse nach Nachfolgern.

Zwischen Verwirrung und Enttäuschung über den Verlust zwei der besten Klemmbretthalter der Liga finden sich auch in diesen Entlassungstweets einige Schlangen im Gras. Joerger bat zum dritten Mal einer anderen NBA-Franchise den Tanz an, während die Grizzlies an der Bar zusehen sollten, wie ihr Star sich woanders seine Lorbeeren abholte. Dass die Chefetage in Memphis irgendwann vor Wut Joerger den Drink ins Gesicht schütten würde, war abzusehen.

Im Hoosier State war es Frank Vogel, der vor Larry Bird auf die Knie fiel und um seinen Job flehte. Doch die Legende blieb kalt. Ein Neuanfang sollte her, fern vom defensiven Basketball, für den Vogel bekannt war, hin zu dem sexy Ballgeschubse, das sie in Oakland betrieben. Bird hatte diesen fiebrigen Tagtraum bereits seit dem All Star Break, wollte jedoch aus Rücksicht auf Vogel dem Team eine Chance in den Playoffs geben. 

Nun muss in beiden NBA-Franchises ein Nachfolger auserkoren werden, der mit nicht mehr als einem Stein und Zippo-Feuerzeug in der Hand den Kampf um die Larry O’Brien-Trophäe gewinnen soll. Rick Carlisle, der MacGyver unter den NBA-Trainern, hätte daraus bereits eine atomare Vernichtungswaffe gebastelt, aber einer wie er steht Bird und Wallace nicht zur Verfügung. Deswegen binden sich Mike Brown und Byron Scott erneut ihren feinsten Sonntagsschlips, bereit für das nächste Vorstellungsgespräch. So viel zum Thema Jobsicherheit in der NBA.