13 April 2016

13. April, 2016


Die Schwergewichts-Franchises machen den NBA-Titel unter sich aus, während andere Klubs die Saison 2015/16 längst abgehakt haben und optimistisch/pessimistisch in die Zukunft blicken (müssen). Wir röntgen in unserem gewohnten 30er Split alle Teams, analysieren ihre Situation und prognostizieren den bevorstehenden Sommer. Heute: die Minnesota Timberwolves.

von PETER DREWS @PeterDrews1990

Saison 15/16
„With the first Pick in the 2015 NBA Draft, the Minnesota Timberwolves selected Karl-Anthony Towns from the University of Kentucky“. Mit diesen Worten läutete NBA-Chef Adam Silver im Juni die Zukunft der Wolves ein. Zusammen mit den 2014er Nummer eins Pick Andrew Wiggins sollte dem Team aus Minneapolis eine große Zukunft vorausgesagt werden.

Kurz vor Saisonbeginn dann die Nachricht, die nicht nur die Timberwolves, sondern die komplette NBA in Trauer verfallen ließ: Head Coach Flip Saunders erlag mit 60 Jahren einem schweren Krebsleiden. 

Was danach folgte, waren unzählige Mitleidsbekundungen aus dem ganzen Land. Eine der emotionalsten kam von Kevin Garnett, der seine Karriere bei seinem ersten NBA-Team ausklingen lassen wird und mit Flip Saunders seinen ersten NBA Coach verlor.

In den letzten Jahren noch Assistant Coach, führte Sam Mitchell eines der jüngsten Teams (Durchschnittsalter: 24,7 Jahre) als Head Coach in die neue Saison, die vor allem als Übergangssaison in die Bücher eingehen wird. Die Entwicklung der „Young Guns“ stand an erster Stelle. Kevin Garnett gab seine 20 Jahre NBA Erfahrung an die nächste Generation weiter, Towns sprach oft von einem Vater-Sohn Verhältnis. Auch Tayshaun Prince und Andre Miller kamen als Mentoren für die Youngster wichtige Rollen zu.

Spielerisch begann die Saison stabil. Nach 16 Partien standen die Wolves mit einer Bilanz von 8-8 ordentlich dar. Danach folgte dann eine Niederlagenserie, sodass auch im 12. Jahr in Folge relativ früh klar war, dass die Playoffs wieder ohne Beteiligung der Timberwolves stattfinden würden. Seit 2004 wartet Minnesota nun auf die Rückkehr in die Postseason.

Trotz der insgesamt trüben Saison gab es mehrere Hoffnungsschimmer, namentlich das Zusammenspiel von Wiggins, Ricky Rubio, Zach LaVine und Towns. Der Rookie of the Year Award wird bereits mit seinem Namen graviert sein. Towns führt die Rookies unter anderem in den Kategorien Punkte, Rebounds, PER und Winning Shares an. 

18.2 Zähler, 10.5 Rebounds und 1.7 Blocks lesen sich ziemlich beeindruckend für einen 20-Jährigen. Zudem erzielt KAT ein Player Efficiency Rating von 22.4. Mit diesen Stats reiht er sich in die Garde von Shaquille O’Neal oder Tim Duncan in deren Rookie Saisons ein.


Offseason Agenda
Das Ziel ist auf Dauer klar definiert und nennt sich Playoffs. Die mit Abstand längste Playoff-Dürre in der NBA will überwunden werden. Um dieses Ziel zu erreichen, muss GM Milt Newton im Sommer die Stellschrauben an einigen Positionen enger drehen.

Auch wenn es in der Schnelllebigkeit der NBA schwer fällt, muss sich das komplette Umfeld in Geduld üben. Dass ich den Towns Bandwagon nicht erst seit heute fahre, ist bekannt. Er ist das neue Gesicht der Minnesota Timberwolves, die Mannschaft muss um ihn aufgebaut werden. Dass man mit Aktionismus keine Titel gewinnt, haben die Brooklyn Nets sehr überzeugend gezeigt, also immer mit der Ruhe.


Minnesota braucht vor allem einen guten Trainer, der weiß wie man junge Spieler entwickelt. Diesbezüglich wird sicherlich auch der momentane Head Coach Sam Mitchell auf den Prüfstand gestellt. So schwer die Situation für ihn und alle Timberwolves im letzten Sommer auch war: ab der neuen Saison muss der Blick nach vorne gehen, der Erfolg muss an erster Stelle stehen.

Alternativen wird es im Sommer genügend geben. Tom Thibodeau, Kevin McHale oder auch der frühere Thunder Coach Scott Brooks sind auf dem Markt. Dazu kommen noch die Trainer, die bei ihren jeweiligen Franchise nach der Saison ihren Hut nehmen dürfen.

Daneben wird Newton entscheiden müssen, ob und wie viele Veteranen neben Garnett noch notwendig sein werden, um den Kader auszufüllen. Das Fundament steht; jetzt geht es darum, die restlichen Bausteine drumherum zu legen. 


Personal
Der Kader sollte auch über den Sommer hinweg zum Großteil zusammen bleiben. Die Verträge von Tayshaun Prince und Greg Smith laufen aus und werden wohl nicht verlängert. Wenn möglich sollte der Versuch unternommen werden, den Vertrag von Nikola Pekovic loszuwerden. 

In den nächsten beiden Jahren würde Pekovic 23 Mio. $ von den Timberwolves überwiesen bekommen. Ob er diese nach seiner Achillessehnen-Verletzung noch Wert ist oder als Back Up von Towns überhaupt noch eine Rolle in diesem Team hat, ist mehr als fraglich. Ein Buyout wäre ebenfalls möglich.


Über die Free Agency wird es traditionell schwer, Spieler zu akquirieren, die freiwillig in den kalten Norden kommen. Stars wie Kevin Durant, Bradley Beal oder Mike Conley werden bei ihren jeweiligen Teams bleiben oder aber zu Teams wechseln, die um den Titel mitspielen werden. Dennoch hat Minnesota genügend Kaderplätze und Geld zur Verfügung, um einen oder mehrere solide Profis zu verpflichten.

Bleibt noch zu klären, was im Sommer mit Ricky Rubio passiert. Der quirlige Aufbauspieler zeigte mit 10 Punkten und 8 Assists eine durchaus solide Saison. Angeblich hat GM Newton sich zur Trade Deadline diverse Angebot für Rubio angehört, u.a. kamen wohl Anrufe der Milwaukee Bucks und New York Knicks.

Sollten sich die Wolves tatsächlich entscheiden, den Spanier zu traden oder den Weg ohne ihn weiter zu gehen, müssen sie erst adäquaten Ersatz finden. LaVine ist kein Point Guard, und die Liste der überdurchschnittlichen Verteidiger mit Playmaker-Qualitäten in der NBA nicht besonders lang.


Draft
Der Draft ist für die vermeintlich kleinen Mannschaften die wohl einfachste Möglichkeit, schnell und kostengünstig an neue Spieler zu kommen und das eigene Talentlevel aufzustocken. Im letzten Jahr noch mit dem Nummer eins Pick ins Rennen gegangen, müssen sich die Timberwolves diesmal vermutlich mit etwas weniger zufrieden geben. Prognosen rechnen ihnen derzeit den fünften Pick zu.

Auch an der Stelle sind jedoch klare Verstärkungen zu haben. Ein Kandidat wäre zum Beispiel Kris Dunn. Der 22-jährige Point Guard von den Providence Friars lebt von seiner Vielseitigkeit - 16.4 Punkte, 5.3 Rebounds und 6.2 Assists sprechen deutliche Zahlen.

Außerdem verfügt Dunn über gute körperliche Voraussetzungen und eine gute Defense. Sollte Minnesota sich im Draft für einen Aufbauspieler entscheiden, wäre die Entscheidung über einen Abgang von Ricky Rubio sicherlich ebenfalls leichter zu treffen.


Kohle
Wer hat eigentlich im Sommer keine vollgestopften Taschen? Bei den Timberwolves stehen die Spielergehälter in der neuen Saison mit knapp 62 Millionen Dollar in den Büchern.

Das Cap Space wird in der neuen Saison auf knapp 90 Millionen Dollar ansteigen... genug Platz also für einen Maximalvertrag, auch in Minnesota. Ob damit jemand zu locken ist, bleibt eine andere Frage.


Die Verträge der Leistungsträger (Towns, Wiggins, Rubio, LaVine) sind auf die nächsten Jahre gesichert. Auch die Ergänzungsspieler, die noch mindestens ein Jahr helfen müssen, die Timberwolves zu stabilisieren, stehen über die Saison hinaus unter Vertrag.


Zukunft
Die Zukunft hier ist gesichert. Die Timberwolves haben eine junge Mannschaft mit zwei überaus talentierten Spielern, die beide als Säulen eines künftigen Meisterschaftsaspiranten dienen können.

Mit den beiden Nummer eins Picks Towns und Wiggins hat die Mannschaft also ihren festen Kern, um den herum ein künftiger Contender aufgebaut werden muss. Wie das Management diesen Weg weiter geht, ist eine der spannendsten Fragen im Land der 10.000 Seen. 

Durch wenige kleine Kniffe, kleine Trades oder Free Agent Signings, kann entweder echte Hilfe in Form von NBA-Veteranen verpflichtet werden, die die Lücken im Kader ausfüllen und die nötige Erfahrung mitbringen.

Oder aber die Macher bleiben ausschließlich beim eingeschlagenen Pfad, setzen fast exklusiv auf die interne Verbesserung ihrer Youngster und darauf, dass sie mit den Jahren zu einer gefährlichen Einheit verschmelzen, die die Liga dominieren wird.

Egal, durch welches Tor die Wolves in der Offseason gehen: ihr Team wird bereits in der neuen Spielzeit stark verbessert auftreten, die 30-35 Siege Barriere locker nehmen und vor allem dank Towns und Wiggins schon 2016/17 um einen der letzten Playoff-Plätze mitspielen. Nach 2017 gibt es nach oben kaum eine Grenze.