26 April 2016

26. April, 2016


Die Schwergewichts-Franchises machen den NBA-Titel unter sich aus, während andere Klubs die Saison 2015/16 längst abgehakt haben und optimistisch/pessimistisch in die Zukunft blicken (müssen). Wir röntgen in unserem gewohnten 30er Split alle Teams, analysieren ihre Situation und prognostizieren den bevorstehenden Sommer. Heute: die Milwaukee Bucks.

von STEFAN DUPICK @Hoopsgamede

Saison 15/16
Die Saison 2015/16 in Milwaukee war eine einzige Enttäuschung. Auf die Überraschungssaison 2014/15 mit 41 Siegen ließen die vermeintlich verbesserten Bucks nun 33 Siege folgen. Unter dem Strich bedeutet das Lottery statt Playoffs... und große Enttäuschung unter den Fans.

Im Sommer sah alles noch so gut aus. Der Verlängerung mit Khris Middleton folgte die überraschende Verpflichtung von Greg Monroe, der zu einem Eckpfeiler der Offense werden sollte. „Moose“ konnte die hohen Erwartungen jedoch nicht bestätigen und bleibt die größte Enttäuschung der Saison.

Die Suche nach dem richtigen System gestaltete sich zudem deutlich schwieriger als erwartet. Immer wieder hatten die Bucks mit Verletzungen zu kämpfen. Jabari Parker brauchte lange um nach seiner Verletzung im Vorjahr endlich Fuß zu fassen, auch Khris Middleton konnte die Leistungen der Vorsaison lange nicht bestätigen.

Letztlich war es die Verletzung von Michael Carter Williams, die zu einem deutlichen Lichtblick für die Zukunft führte. Coach Jason Kidd ließ Giannis Antetokounmpo als Point Guard starten und das Spiel wurde flüssiger. Neben Giannis zeigten auch Parker und Middleton zunehmend ihre Qualitäten und dass die Zukunftshoffnungen in Milwaukee nicht unbegründet sind.


Offseason Agenda
Die Vorbereitung auf den Draft ist von hoher Bedeutung, denn die Wahrscheinlichkeit auf einen Top-10 Pick ist hoch und es gibt einige potentielle Kandidaten, die in das Anforderungsprofil der Buck passen könnten.

Nebenbei heißt es für Coach Jason Kidd, die Mannschaft weiter zu formen und an einem System zu feilen, welches die Talente der einzelnen Spieler hervorhebt und zusammenbringt. Da lief in der abgelaufenen Saison wenig bis gar nichts zusammen.

Der Kern des Teams ist noch extrem jung und wird sich entwickeln. Speziell an den Wurfquoten muss jedoch gearbeitet werden, denn mit Ausnahme von Middleton und Jerryd Bayless trifft kein Spieler in diesem Kader hochprozentig von Außen.


Das Management wird mehrere auslaufende Verträge auf der Agenda haben, zudem wäre die Ergänzung des Kaders um Veteranen sinnvoll. Die wichtigsten Fragen mit Blick auf die unmittelbare Zukunft lauten: Was machen wir mit Greg Monroe? Und was mit Michael Carter-Williams?


Personal
Die Verträge von OJ Mayo, Greivis Vasquez, Jerryd Bayless und Miles Plumlee laufen aus. Eine Verlängerung mit Mayo und Vasquez ist unwahrscheinlich und dürfte nur zu reduzierten Konditionen unterschrieben werden, zumal Mayo fürstlich bezahlt werden möchte, was seiner Leistung nicht (mehr) angemessen ist.

Eine Verlängerung mit Bayless ist hingegen deutlich wahrscheinlicher. Jerryd Bayless ist der perfekte Back-Up Point Guard, spielt solide, trifft gut von außen, beschwert sich nicht und dürfte zu einem fairen Preis zu haben sein.


Eine weitere interessante Personalie ist Michael Carter Williams. MCW hat Talent, spielt aber viel zu inkonstant. Die Zukunft des Point Guards hängt stark von den Planungen von Jason Kidd ab. Sollte der Coach MCW noch immer als hoffnungsvolles Projekt sehen, dann könnte MCW im kommenden Jahr für Energie von der Bank sorgen, ansonsten ist ein Trade im Bereich des Möglichen.


Draft
Nach der Saison ist vor der Saison. Getreu diesem Motto fiebern die Bucks bereits jetzt dem Draft entgegen. Ein Top-10 Pick ist wahrscheinlich, und während alle Experten darüber diskutieren, ob Ben Simmons oder Brandon Ingram als Nummer eins Pick weggehen werden, hoffen die Bucks auf einen Center.

Da Greg Monroe nicht der richtige Center für die jungen Hirsche zu sein scheint, dürfte im Draft ein weiterer Big Man verpflichtet werden. Neben dem Österreicher Jakob Poeltl ist auch Skal Labissiere ein Kandidat, der bis zu den Bucks fallen könnte.

Während Poeltl dem Team speziell in der Defensive direkt helfen könnte, ist Labissiere als Projekt zu betrachten. Einst wurde der Haitianer als Nummer eins Pick gehandelt, konnte den Vorschusslorbeeren jedoch nicht gerecht werden und ist somit die riskantere Variante. 


Kohle
Für die kommende Saison sind bisher 52,4 Mio. $ garantiert. Die Bucks haben somit ordentlich finanziellen Spielraum. Dabei darf jedoch nicht vergessen werden, dass zahlreiche Verträge auslaufen und verlängert werden wollen.

Der teure Vertrag mit Greg Monroe, der dem Center im kommenden Jahr stolze $17 Mio. beschert, ist bei derzeitiger Betrachtung schmerzhaft. Allerdings werden die Bucks weiter versuchen, Monroe im System zu verankern und einen geeigneten Platz für den Big Man in der Rotation zu finden.

Der vorhandene finanzielle Spielraum dürfte für die Verpflichtung von Veteranen verwendet werden, die dabei helfen das Team zu führen und im Sinne von Jason Kidd zu entwickeln.

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Zukunft
Obwohl die abgelaufene Saison einen Schritt zurück darstellte: Die Zukunft in Milwaukee ist nach wie vor rosig und könnte durch eine geschickte Spielerwahl im Draft noch besser werden. Diese Mannschaft hat Zeit.

Die vier wichtigsten Spieler sind alle unter 26 Jahre junge (Monroe 25, Middleton 24, Antetokounmpo und Parker jeweils 21), langfristig an den Club gebunden und noch weit von der Entfaltung ihres vollen Potentials entfernt.

Sollte dieses Quartett durch einen talentierten Rookie ergänzt werden, einige der auslaufenden Verträge verlängert werden oder eine Handvoll wertvoller Veteranen hinzu addiert werden, dann dürften die nächsten Jahre in Milwaukee sehr viel Spaß machen. 

Die Transformation in einen Contender geschieht jedoch nicht über Nacht. Es dürfte als noch zwei bis drei Jahre dauern, ehe die Bucks in der Liga wirklich ernst genommen werden. Wenn dieser Klub aber geduldig weiter arbeitet, ist schon bald sehr viel möglich.