11 April 2016

11. April, 2016


Die Schwergewichts-Franchises machen den NBA-Titel unter sich aus, während andere Klubs die Saison 2015/16 längst abgehakt haben und optimistisch/pessimistisch in die Zukunft blicken (müssen). Wir röntgen in unserem gewohnten 30er Split alle Teams, analysieren ihre Situation und prognostizieren den bevorstehenden Sommer. Heute: die Brooklyn Nets.

von PASCAL GIETLER @PascalCTB

Saison 15/16
Schon vor Beginn der Saison war klar, dass die Brooklyn Nets höchstens um einen einstelligen Tabellenplatz in der Eastern Conference mitspielen würden. Viele Experten prognostizierten sogar, dass die Mannschaft aus dem Borough sich nur unmittelbar vor der Panzerdivision aus Philadelphia positionieren würde - wie recht diese Exeperten doch hatten.

Die Nets haben besonders zu Beginn der Spielzeit in vielen Partien ordentlich mitgespielt und schnupperten an Sensationssiegen wie zum Beispiel im Aufeinandertreffen mit den Golden State Warriors, wo die Nets erst in der Overtime untergingen. 

Sportlich erinnert die Saison 2015-16 an die guten, alten New Jersey Nots-Zeiten und der Masterplan von Mikhail Prokhorov und Billy King geht neben dem „Process“ als eine der gescheiterten Maßnahmen in die NBA-Annalen ein. (Oder trustet hier noch jemand?)

Was trotz katastrophaler Leistungen - auf mehreren Ebenen - Mut machen sollte: Mikhail Prokhorov hat sich dazu entschlossen, die Reißleine zu ziehen. Er jagte den in Ungnade gefallen GM Billy King samt Coach Lionel Hollins zum Teufel. Dieser „Reset“ war eine mehr als überflüssige Maßnahme - es kann somit von hier an nur noch besser werden.


Offseason Agenda
Die vermeintlich wichtigste Position innerhalb einer Franchise haben die Brooklyn Nets bereits mit Sean Marks neu besetzen können. Der einstige Assistant-GM der San Antonio Spurs wird ab sofort die Geschicke der Nets lenken.

Mit der Verpflichtung von Sean Kilpatrick bewies Marks bereits ein gutes Gespür für Talent - die Nets brauchen jedoch mehr von diesen guten Personalentscheidungen. Neben der offensichtlich nötigen Akquirierung junger Talente dürfte an oberster Stelle auf Marks' Offseason Agenda jedoch die Suche nach einem neuen Head Coach stehen! 


Gesucht wird ein defensivorientierter Trainer, der es nebenbei noch irgendwie schaffen sollte, die wenigen jungen Talente (namentlich Chris McCullough, Rondae Hollis-Jefferson und den kommenden Zweitrundenpick) zu entwickeln.

Sean Marks muss sich jedoch auch Gedanken machen, ob er mit Thad Young und Brook Lopez planen möchte. Beide haben individuell eine ordentliche Saison gespielt, verfügen über adäquate Verträge und könnten bei vielen Playoff-Teams eine gute Rolle spielen. 

Wenn die Nets in naher Zukunft etwas am Drafttag zu tun haben wollen, funktioniert dies wohl nur, wenn sie sich von Young und/oder Lopez trennen - idealerweise schon in diesem Sommer.


Personal
Die Nets gehen mit bestenfalls vier fähigen NBA-Spielern in die kommende Saison - Thad Young, Brook Lopez, Rondae Hollis-Jefferson und Jarrett Jack könnten auch in der Saison 2016/17 noch bei den Nets unter Vertrag stehen. 


Bei Jack müssen sich die Nets jedoch entscheiden, ob sie den Point Guard weiter im Kader haben wollen. Jacks Vertrag ist nur zu 500.000 $ garantiert, er könnte somit nach überstandenem Kreuzbandriss leicht aus dem Kader gestrichen werden. 

Typische Underachiever wie Shane Larkin und Thomas Robinson werden wohl entweder die kommende Saison auf der Bank verbringen, getradet oder aus den bestehenden Verträgen herausgekauft.

Rund um die Trainersuche ist es verdächtig ruhig geworden - offensichtliche Namen wie Tom Thibodeau oder Mark Jackson stehen zwar schon länger im Raum, jedoch wäre es nicht verwunderlich, wenn sich Marks die Absolventen der Popovichschen Schule für Basketballkunst genau anschaut und einen unerfahrenen Coach an die Seitenlinie stellt. 


Draft
*hihi* Witzig. Der Bildschirm hat „Draft“ gesagt. Ich würde ja weinen, aber ich habe nach dieser Saison leider keine Tränen mehr übrig. 

Müssen wir an dieser Stelle wirklich spekulieren, wen die Nets mit ihrem frühen Zweitrundenpick ziehen möchten? Müssen wir? Gut. Dann kündige ich hiermit. Macht den Scheiß ohne mich. Ich geh‘ mich betrinken.


Kohle
Mit aktuell rund 57 Mio. $ an feststehenden Gehaltsaugaben stehen die Nets - wie viele Teams - im Sommer mit vollen Taschen da. Es darf jedoch bezweifelt werden, dass Brooklyn im Sommer bei irgendeinem Spieler, der nicht auf den Namen Kevin Durant hört, „all-in“ gehen wird. 


Sean Marks wird wohl versuchen, einen einigermaßen kompetitiven Kader aus günstigen Spielern mit kurzen Verträgen zusammenzustellen. Viel hängt bei diesen Entscheidungen natürlich von der Zukunft der beiden Frontcourtler Young und Lopez ab.

Nur mal so am Rande: Deron Williams bekommt in der kommenden Saison noch 5.5 Mio. $ von den Nets überwiesen. What a time to be alive.


Zukunft
Wo sieht die Zukunft bitte mieser aus als in Brooklyn? Ohne Identität, Draftpicks und All-Stars gehen die Nets in die Offseason. Wenn Sean Marks auch nur eine der drei Baustellen in ein Wohnhaus verwandelt, können die Fans schon mal dankbar sein.

Brooklyn hat endgültig bewiesen, dass man nicht mit der Brechstange und Bargeld zum Contender werden kann - die Nachwirkungen dieser Taktik bekommt die Franchise in den nächsten drei Jahren zu spüren.

Falls es die Brooklyn Nets irgendwie schaffen, dass Front Office, Ownership und Trainerstab gemeinschaftlich an einem Strang ziehen, können die Fans eventuell sogar auf 30+ Siege in der kommenden Saison hoffen.

Dennoch sieht die nähere Zukunft unfassbar mies aus. Die Zahl zum Sonntag lautet: 1 - so viele Erstrundenpicks haben die Nets an den kommenden drei Draftabenden...INSGESAMT! Wo soll das Talent für bessere Zeiten also bitte herkommen?