16 April 2016

16. April, 2016


Nicht, dass die abgelaufene Saison arm an guten Storylines gewesen wäre, aber... Playoffs, yo! In den nächsten acht Wochen ist endlich richtiger Basketball angesagt. Auch hier bei NBACHEF, wo wir euch mit Postseason-Content mästen. Zum Auftakt wie immer die acht Erstrundenserien im Schnellcheck - straight auf den Punkt.

von TIAGO PEREIRA @24Sekunden & DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick

Entrée
Das Re-Match der Western Conference Finals 2015 kommt sehr früh, bereits in der ersten Runde. Neben der offensichtlichen Dominanz der Warriors liegt dies vornehmlich an den durchweg enttäuschenden Houston Rockets, die sich – anstatt gemäß ihres Talents um Homecourt zu kämpfen – mit Mühe und Not in die Postseason schleppten und nun die Quittung für eine Spielzeit voller Nachlässigkeit, Trägheit und Inkonstanz erhalten.

73 Spiele der regulären Saison haben die Golden State Warriors gewonnen, mehr als jedes Team vor ihnen und darüber hinaus diverse Rekorde für die Ewigkeit aufgestellt – darunter der beste Saisonstart im US-Amerikanischen Profisport (20-0), die meisten Heimsiege in Folge in der Geschichte der NBA (54) und die meisten Auswärtssiege in einer NBA-Saison (34).

Im Norden Kaliforniens herrscht folglich eitel Sonnenschein und sollten ihre Scharfschützen Stephen Curry und Klay Thompson sowie die Triple-Double-Maschine Draymond Green nicht von den Aliens aus Space Jam heimgesucht und ihres Talents entrissen werden, fällt es schwer, ligaweit überhaupt mehr als ein Team zu finden, das für diese Mannschaft eine ernste Gefahr darstellt.


Im Duell mit den Rockets wird es auf beiden Seiten Dreier hageln. Die Warriors nahmen in der Regular Season mit 31,6 die meisten Würfe pro Spiel von Downtown, gefolgt von den Rockets mit 30,9. Das als moderner Basketball bezeichnete Spiel mit viel Tempo, schnellem Abschluss und oftmals kleinen Lineups wird hier glorifiziert werden.


Warum Golden State gewinnt
Kinn auf die Brust, Hand in den Schritt und einmal kräftig die Nebenhüllen durchgepustet, die Playoffs sind angesagt. Kaum sind die Blessuren vom Vorjahr verheilt und das letzte Barthaar aus den Zähnen gefischt, geht der Weg zum Titel für die Golden State Warriors erneut durch Clutch City.

Was in den letztjährigen Playoffs nach einem zähen Marsch aussah, soll dieses Mal nur eine kurz Stippvisite für den Meister werden.

Auch wenn James Harden seiner sehnsüchtig erwarteten Sommerferien beraubt wurde, keimt nur wenig Hoffnung auf Revanche in den Herzen der Texaner. Gründe dafür wären zum einen, der seit Oktober initialisierter Selbstzerstörungsprozess der Raketen, ein Kardashian bedingtes Karmadefizit und die menschliche Fackel – Stephen Curry.

Der Most Valuable Player von gestern, heute und morgen, erhält am Ende seiner ersten Regentschaft als bester Spieler der Liga erneut das dreibuchstabige Gütesiegel – W. T. F. Mit 402 verwandelten Dreier und 30 Punkten im Schnitt schickt der Point Guard der Warriors die Kinnladen seines Publikums allabendlich Fliegen fischen.


Aber nicht nur Chef Curry lässt sein Handgelenk im Takt einer AK47 abklappen. Mit 276 erfolgreichen Distanzwürfen in der regulären Saison befindet sich Klay Thompspon zwar 126 Zähler hinter seinem spritzigen Bruder, dennoch reicht es für Rang 3 der All-Time Liste. Die unterdurchschnittliche Verteidigung der Houston Rockets (#19 DefRT:105.6) wird dementsprechend mehr Katalysator als Feuerlöscher sein im Angesicht der Splash Brothers.

Die Antworten der Rockets auf das spritzigste Duo der Liga sind nach Ty Lawsons alkoholbedingten Abgang auf ein Minimum reduziert worden. Während James Harden mit Sicherheit auf seine 30+ Freiwürfe in dieser Serie kommen wird, mangelt es dem China-Import Michael Beasley (12,8 PPG) an Qualität, um der Verteidigung der Warriors Paroli zu bieten.

Verantwortlich dafür wird unter anderem der australische Betonpfeiler Andrew Bogut sein, der sich auch in dieser Spielzeit nicht viele "Mates" in der Zone macht. Neben dem Big Wombat sorgen DPOY-Anwärter Draymond Green und Festus Ezeli für die passende Stimmung der Blockparty (#2 BLK: 6,1). Wie im Vorjahr spricht alles für den Meister aus Kalifornien. Die Warriors sind offensiv wie defensiv drei Nummern zu groß, für ein sich in den Wechseljahren befindliches Houston Rockets Team.

Sollte dennoch eine oder gar mehrere der bevorstehenden Partien wider Erwartens eng werden, zückt Coach Steve Kerr seinen Trumpf – die „Todes Aufstellung“. Die kleinste Fünf der Krieger zeigt sich in dieser Spielzeit, als ein Quintett der Dominanz, dem bisher noch kein Team beikommen konnte.

Trainernovize J.B. Bickerstaff hätte sich in seinen ersten Playoffs als Head Coach sicher eine leichtere Aufgabe gewünscht, als den Zauberwürfel der Warriors. „Vier gewinnt“ und eine Runde weiter sollte es deshalb für das in Oakland ansässige beste Team der Geschichte heißen..


Warum Houston gewinnt
Nach einer Saison voller Abstimmungsschwierigkeiten, unerklärlichen Aussetzern und wenig erkennbarer Linie fällt es schwer, Argumente zu finden, warum die Rockets überhaupt ein einziges Spiel gegen die übermächtig erscheinenden Warriors gewinnen sollten.

Zuversicht macht, dass sie vor einem Jahr in den Conference Finals ebenfalls als klarer Außenseiter galten und dennoch sowohl im ersten, als auch im zweiten Spiel nur hauchdünn unterlagen. Dies obwohl die Raketen frisch aus einer anstrengenden Sieben-Spiele-Achterbahnfahrt gegen die Clippers kamen, während die Warriors mit den ersatzgeschwächten Grizzlies in den Semi-Finals kurzen Prozess gemacht hatten und entsprechend ausgeruht waren. Auch fehlten den Rockets damals verletzungsbedingt Patrick Beverley und Donatas Motiejunas.

Während letzterer aufgrund seiner Rückenprobleme noch immer nicht zu alter Form gefunden hat und für die anstehende Serie nur von Relevanz wird, wenn er kurzfristig zu seinem Low-Post-dominanten alten Ich findet, ist Beverley Houstons wirksamstes Gift gegen den designierten MVP. Der Aufbauspieler, immerhin ehemals All-Defense Second Team, wird Steph Curry nicht daran hindern, Abend für Abend von Downtown besser zu treffen als Dwight Howard von der Freiwurflinie.

Dennoch schafft er es besser als jeder andere, mit klassischem Trash Talk oder kleinen Provokationen seine Gegenspieler zu entnerven, emotionalisieren und aus dem Konzept zu bringen. Curry muss im direkten Duell gegen Beverley beweisen, dass er nicht nur athletisch, sondern auch mental auf höchstem Niveau angelangt ist. Houstons wandelnde Pest wird es ihm in beiden Kategorien nicht einfach machen.

Davon ab haben die Rockets in James Harden immer noch einen der besten Spieler der Liga, der frisch zum Spieler des Monats April (34,8 Pts und 7,2 Ass pro Spiel) gewählt wurde und nach Curry die meisten Punkte auflegt. Zwar verfügen die Warriors über exzellente Flügelverteidiger, vermochten es in den letzten beiden direkten Duellen jedoch nicht, den Bärtigen im Zaum zu halten (30 Pts, 5 Reb, 5 Ass, 3 Stl / 37 Pts, 5 Reb, 5 Ass, 3 Stl).


Selbst der sonst höchstens mäßige Dwight Howard lieferte in besagten Aufeinandertreffen zwei seiner besseren Saisonspiele ab (21 Pts, 13 Reb, 5 Ass, 3 Blk, 2 Stl /16 Pts, 15 Reb). Außerdem steigerte sich Dwight in beiden Playoff-Runs mit den Rockets im Vergleich zur Regular Season deutlich, war 2014 mit Abstand Houstons bester Mann und 2015 tragende Säule bei den Triumphen über die Mavericks und Clippers. D12 will im Juli einen letzten Maximalvertrag unterschreiben und muss nun auf der großen Bühne Argumente dafür liefern. Ein Showdown mit den Rekordjägern aus der Bay Area eignet sich dafür bestens.

Ohne Zweifel muss sehr, sehr viel zusammen kommen, um diese Serie länger als über die Auftaktpartien hinaus offen zu halten. Die Rockets brauchen exorbitant gute Dreierquoten – nicht nur von Harden, sondern etwa auch von Trevor Ariza, Patrick Beverley oder Donatas Motiejunas und gleichzeitig verhältnismäßig schwache der Warriors. Sie müssen endlich defensiv an einem Strang ziehen, die oftmals haarsträubenden und leichtfertigen Turnover unterbinden und ihre ausgebliebenen Kräfte von der Bank mobilisieren.

Hier liegt auch der kleine Funken Hoffnung. In den Playoffs 2015 wurden die Texaner nicht ausschließlich von ihren Superstars getragen: Abwechselnd sorgte manchmal Corey Brewer, manchmal Josh Smith, manchmal Jason Terry für den entscheidenden Unterschied. Diese Spieler hatten 2016 weit mehr Tief- als Höhepunkte, abschreiben darf Golden State sie aber nicht. Die seltenen aber noch immer existenten Glanzmomente dieser Veteranen macht die Rockets ein gutes Stück unberechenbar. Ins Bild passt hier Michael Beasley, der seine bisherigen Highlights (pun intended) fernab des Parketts feierte, in Houston aber immerhin für offensive Variabilität und Entlastung sorgt.

Schaffen es die Rockets, pünktlich zur Postseason ihr schlummerndes Potential zu erwecken und wachsen sie an ihrer Underdog-Rolle, wie vor einem Jahr beim Stand von 1-3 in der Serie gegen die Clippers, fühlen sich derweil die Warriors infolge der erfolgreichen Jagd auf die 73 womöglich zu satt oder sicher und werden nur ein klein wenig unvorsichtig – dann wird diese Serie für den Titelverteidiger unangenehmer, als es die jeweiligen letzten Monate vermuten ließen und die allermeisten Experten erwarten.


Stat-Salat
112,5! Die Warriors bringen mit Abstand den ligaweit besten Wert in offensiver Effizienz aufs Parkett. Bei der defensiven Effizienz reicht es "nur" für Platz vier und 100,9. Damit sind sie aber immer noch bequeme fünf Punkte vor den Rockets (105,6), die wenigstens in der Offensive (105,5 und Rang 8) einigermaßen mithalten können.

In dieser Serie treten zwei der schnellsten Teams aufeinander: Golden State weist die zweitschnellste Pace auf (101,6), die Rockets sind mit 100,1 auf dem siebten Rang.

Der krasseste Gegensatz dieser Teams kommt in der Assist/Turnover-Ratio zum Tragen: Die Warriors sind mit einem Wert von 1,91 wenig überraschend Ligaspitze, die Rockets mit 1,39 auf dem Bodensatz zu finden. Wenigstens in einer Kategorie sind die Rockets top. Ihnen gelingen die meisten Steals pro Spiel (10,0), als auch die meisten Steals per Defensive Play (8,8%).

Das letzte Team, das als Achtplatzierter einen erstplatzierten Kontrahenten eliminierte waren – richtig! – die Warriors 2007, die die 67-15 Mavericks mit einem 4-2 in die verfrühte Sommerpause schickten. Damals hatten die Krieger aber auch alle drei Spiele der Regular Season für sich entschieden.


Die Rechnung, bitte!