29 April 2016

29. April, 2016


Nicht, dass die abgelaufene Saison arm an guten Storylines gewesen wäre, aber... Playoffs, yo! In den nächsten acht Wochen ist endlich richtiger Basketball angesagt. Auch hier bei NBACHEF. Nach der ersten Runde geht's mit den Conference Semifinals schnurstracks in Richtung Klimax.

von TIM SEITTER @Timuslav & PHILIPP LANDSGESELL @Phillyland

Entrée
Experten und Fans waren sich lange Zeit einig, dass der Titel -wie auch schon im letzten Jahr - nur über die Golden State Warriors gehen würde. Zwar ist der amtierende Meister immer noch Favorit, doch seit der Verletzung von Steph Curry rückt das Matchup zwischen San Antonio und Oklahoma City immer mehr in den Blickpunkt. 

Sollten die Warriors die Conference Finals erreichen, wäre Curry wohl wieder an Bord, doch in welcher Verfassung, steht auf einem andern Blatt. So kommt es, dass dem Gewinner der Serie Spurs gegen Thunder hohe Chancen auf das Finale ausgerechnet werden können.  


Auch ohne die besonderen Umstände kommt die Serie zwischen San Antonio und Oklahoma City einem kleinen Finale gleich. Kawhi Leonard, Kevin Durant und Russell Westbrook gehören dieses Jahr zum erweiterten MVP-Kandidaten Kreis, und auch der Supporting-Cast der Stars lässt kaum Wünsche offen. Die Spiele dieser Serie haben das Potenzial, ein Fest zu werden.


Warum San Antonio gewinnt
Das größte Plus, das die Spurs in dieser Serie auf ihrer Seite haben, ist der Heimvorteil. Die beste reguläre Saison Bilanz der Franchise Geschichte ermöglichte Platz zwei in der Western Conference und garantiert eben diesen Heimvorteil gegen jedes Team in den Playoffs, außer gegen die Rekord-Warriors. Wie entscheidend der Heimvorteil für San Antonio ist, zeigt ein weiterer Blick auf die reguläre Saison. Mit 40-1 wurde der aktuelle Rekord für die meisten gewonnenen Heimspiele in einer Saison eingestellt. 

Trotzdem wird das Duell gegen die Thunder den Herren aus Texas alles abverlangen. Nachdem die verletzungsgeplagten Grizzlies in der ersten Runde erwartungsgemäß mit 4-0 in den Urlaub geschickt wurden, wartet mit Oklahoma City ein fitter und hungriger Gegner. Die Thunder haben schwere Geschütze, besonders in Westbrook und Durant, doch die Spurs können dem einiges entgegensetzten. 

Mit dem frisch gekürten back-to-back Defensive Player of the Year, Leonard, und dem exzellenten Verteidiger Danny Green, sollte es den Spurs gelingen, die beiden Superstars in Schach zu halten. Besonders Green zeigte in dieser Saison gegen die Thunder immer wieder seine Verteidigerqualitäten. 

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Nicht umsonst stellen die Spurs die beste Defensive der regulären Saison. Weiterer positiver Fakt in dieser Konstellation: die Spurs können es sich erlauben, Tony Parker in der Defensive zu verstecken, da den Thunder ein dritter Perimeter-Mann fehlt, der das bestrafen könnte.
     
Ein weiterer Schlüssel zum Sieg für San Antonio wird die Dreipunktelinie sein. Die Thunder schließen den Dreier in den Playoffs bisher mit 36,4% ab, während die Texaner den Dreier mit 29,7% überragend verteidigen und ihn selbst mit 47,1% treffen. Zwar muss man auch den jeweiligen Gegner der beiden Mannschaften in der ersten Playoffrunde berücksichtigen, doch die Zahlen der regulären Saison bestätigen den Eindruck, dass San Antonio das Duell an der Dreierlinie für sich entscheiden wird. 

Neben den Dreiern haben die Sporen in LaMarcus Aldridge eine weitere Offensivwaffe im Arsenal. Der Foward hat sich im Lauf der Saison immer besser ins Spurs-System integriert und spielt mittlerweile eine große Rolle, sowohl im Offensiv- als auch im Defensivspiel der Spurs.

Auch wenn die Serie kein Selbstläufer wie das Matchup gegen die Grizzlies wird, sind die Spurs den Thunder alles in allem überlegen. Defensiv werden sie in der Lage sein, die Offensivpower der Thunder zu bändigen, offensiv haben sie genug Optionen, um ihrem Gegner weh zu tun, und an der Seitenlinie steht immer noch der erfolgreichste aktive Head Coach in der NBA: Gregg Popovich.

Außerdem sind die Spurs die erfahrenere Truppe und Oklahoma City hat dieses Jahr so seine Schwierigkeiten gegen gute Teams, späte Führungen in Siege umzuwandeln. Kleiner Fun Fact am Rande: Seit Tim Duncan 40 Jahre alt geworden ist, haben die Spurs noch kein Spiel verloren.   


Warum OKC gewinnt
Ein Team mit zwei der besten fünf Spieler in den eigenen Reihen wird immer eine Chance auf den Gewinn einer Serie haben. Russell Westbrook und Kevin Durant können ganze Serien alleine entscheiden. Wird nur das reine Talent betrachtet, haben die Thunder das beste Duo auf diesem Planeten. 

Die beiden Superstars werden gegen die Spurs natürlich nicht alleine ausreichen. Wollen die Thunder die Spurs wirklich fordern, müssen sie an beiden Enden des Feldes produktiv bleiben - und das über 48 Minuten. Oklahoma City hatte in der regulären Saison, wie auch in der ersten Runde der Playoffs gegen die Dallas Mavericks, immer wieder längere Schwächeperioden.

Gegen die meisten Teams der Liga kann das noch aufgefangen werden. Die Spurs jedoch werden das gnadenlos ausnutzen. Nach dem lockeren Aufgalopp gegen die Mavericks wartet jetzt mit den San Antonio Spurs ein Schwergewicht auf die Thunder, das ihnen in allen Bereichen des Spiels höchste Konzentration abverlangen wird.  

Beim Duell des Zweiten gegen den Dritten dürften die meisten Spiele erst in der Crunch Time entschieden werden, die schon fast traditionell eine Schwäche der Thunder ist. Das hat sich auch in der aktuellen Spielzeit nicht verändert: In der regulären Saison wurden 15 Führungen im Schlussviertel noch hergegeben, dazu die peinliche Niederlage gegen die Mavericks im Spiel Zwei in den Playoffs, als überhaupt nichts mehr lief.  

Crunch Time ist aber bekanntlich auch Superstar-Zeit, und davon hat OKC gleich zwei mit Premium-Gütesiegel. Das Problem der Thunder war häufig, dass die restlichen Spieler auf dem Parkett die beiden Superstars nur schwer komplementieren konnten. Ein Ende des Feldes musste bisher immer geopfert werden. Spielt OKC mit Steven Adams und Andre Roberson, leidet die Offensive, mit Enes Kanter und Anthony Morrow hingegen leidet die Verteidigungsarbeit. Head Coach Billy Donovan steht hier vor der gewaltigen Aufgabe, die passenden Lineups für die entscheidenden Minuten zu finden - hat aber zahlreiche Optionen zur Verfügung, um angemessen zu reagieren.


Die Spurs werden einen ausgefeilten defensiven Plan für Westbrook und Durant parat haben. Deshalb ist es eminent wichtig, eine dritte Scoring-Option zu finden. Hier steht hinter jeder Option ein großes Fragezeichen. Robersons Dreipunktwurf ist schwach, Anthony Morrow ist als Verteidiger nicht zu gebrauchen, und auf Dion Waiters sollte jeder der bei Verstand ist, nicht setzen. Serge Ibaka - eigentlich die klare Nummer Drei in Oklahoma City - spielt keine gute Saison und könnte zu einem Schlüsselspieler in der Serie werden. 

Auf der Point Guard Position haben die Thunder einen klaren Vorteil. Westbrooks Geschwindigkeit ist von Tony Parker nicht zu verteidigen, und weil auch Patty Mills seine Probleme gegen Russ hat, werden ihn die Spurs nur als Team stoppen können. Hier wird entscheidend sein, welche Entscheidungen Westbrook trifft, sobald die Hilfe kommt. Kann Westbrook seine Geschwindigkeitsvorteile nutzen, um die richtigen Plays zu machen? 

Die umgestellte Spielweise der Spurs wird den Thunder entgegenkommen. Die Texaner haben in dieser Saison ihren Fokus auf das Spiel im Low Post ausgelegt und sind den Weg von einem hautsächlich auf Dreiern basierenden System weggegangen. Durch Aldridge und auch Leonard kreieren die Spurs ihre Würfe von innerhalb der Dreipunktlinie.

Da die meisten Spurs-Lineups nur aus zwei potenten Dreierschützen bestehen, kann OKC den Spurs den Platz in der Zone wegnehmen. Wird das auf Drives und Cuts aufgelegte System der Spurs eliminiert, haben die Texaner keine Waffen im Eins-gegen-Eins, wie die Thunder mit Westbrook und Durant. 


Stat-Salat
Leonard macht den Unterschied: Kevin Durant schoss nur 39% aus dem Feld, wenn Leonard ihn verteidigte. Ohne Leonard traf Durant 58%.

Läuft auch offensiv: Gegen kein Team scorte Leonard besser (28 Punkte im Schnitt) als gegen die Thunder. 

Überragende Erste Fünf: Auf 100 Ballbesitze gerechnet, fegte die Thunder-Lineup (27,2 Punkte Unterschied) über die Dallas Mavericks hinweg. Keine andere Lineup mit mindestens 35 Minuten in den Playoffs kommt an diesen Wert heran.  

Tieeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeef: Die Spurs-Bank hat ein positives Net Rating von 25.2- Bestwert in den Playoffs. 


Die Rechnung, bitte!