17 April 2016

16. April, 2016


Nicht, dass die abgelaufene Saison arm an guten Storylines gewesen wäre, aber... Playoffs, yo! In den nächsten acht Wochen ist endlich richtiger Basketball angesagt. Auch hier bei NBACHEF, wo wir euch mit Postseason-Content mästen. Zum Auftakt wie immer die acht Erstrundenserien im Schnellcheck - straight auf den Punkt.

von TIM SEITTER @Timuslav & PHILIPP LANDSGESELL @Phillyland

Entrée
Die Spurs sind die Spurs. Wie schon seit Jahren haben die Texaner auch dieses Jahr wieder eine überragende reguläre Saison gespielt. Nachdem sich die Spurs in der vergangenen Saison verzockten, kein Heimrecht in der ersten Runde hatten und ausschieden, rollten sie nur so durch diese abgelaufene reguläre Saison. 

Mit LaMarcus Aldridge verpflichteten die Spurs den besten Free Agent, und LMA wurde über die Saison immer besser ins System integriert. Hauptattraktion in diesem Jahr war aber der Durchbruch von Kawhi Leonard, der in die höchste Stufe der Liga-Superstars aufzog. Der Forward verteidigte nicht nur phantastisch, sondern auch seine Offensive war die beste seiner Karriere. Den erhofften Sprung zum absoluten Führungsspieler hat Leonard in diesem Jahr geschafft. 


Wohin die Reise der Memphis Grizzlies gehen sollte, war dagegen ungewiss. Dass sie die Saison allerdings derart verkorksen würden - damit hatte wohl keiner gerechnet. Die Grizzlies in Vollbesetzung waren eine überdurchschnittlich gute NBA-Mannschaft, bevor sich alle Schlüsselspieler verletzten und lange oder gar komplett ausfielen.  

Und plötzlich wäre die Franchise lieber in der Lottery als in den Playoffs. Der nicht zu beneidende Head Coach Dave Joerger schaffte es zwar, den angesammelten Siegesvorsprung noch über die Zeit und die Postseason zu retten. Dort gehen die dezimierten Grizzlies jedoch als größter Außenseiter in ihre Erstrundenserie gegen den mehrfachen NBA-Champion aus Texas. 


Warum San Antonio gewinnt
Hier stellt sich eigentlich weniger die Frage, warum die Spurs gewinnen, sondern wie um alles in der Welt die Grizzlies auch nur ein Spiel gewinnen wollen. 4-0 lautet die reguläre Saisonbilanz zugunsten der Spurs. Auf der einen Seite steht ein Team, das aus 10-Day-Contracts zusammengestellt wurde und im Laufe der Saison mit Mike Conley und Marc Gasol seine zwei wichtigsten Spieler verloren hat. 

Lange Zeit schien der fünfte Platz für Memphis trotzdem in Stein gemeißelt zu sein, doch die Grizzlies hatten andere Pläne (sprich: keine NBA-Qualität mehr) und verloren zehn ihrer letzten elf Spiele. Memphis geht auf dem Zahnfleisch und hat es gerade noch so in die Playoffs geschafft. 

Und auf der anderen Seite stehen die Spurs, die dieses Jahr ihre 19. Playoff-Teilnahme in Folge verbuchen und mit 67 Siegen die beste reguläre Saison ihrer Franchise-Geschichte spielten. Die Spurs sind auch in diesem Jahr in jeder Playoff-Serie Favorit, solange es nicht gegen die Warriors geht. Ihre Heimbilanz ist beeindruckend: 40-1, NBA-Rekord eingestellt. 

A photo posted by San Antonio Spurs (@spurs) on


Nach kleineren Startschwierigkeiten laufen die Sporen wie eine gut geölte Maschine. LaMarcus Aldridge kam mit jeder Woche besser mit dem Spurs-System klar und legt mittlerweile starke Zahlen auf (21,2 Punkte und 10,1 Rebounds pro 36 Minuten). Lediglich ein ausgerenkter Finger im Spiel gegen die Warriors sorgt für leichte Sorgenfalten auf der Spurs-Stirn, doch im Playoff-Modus dürfte Aldridge das keine Schwierigkeiten mehr bereiten.   

Auf Matchups muss hier nicht großartig eingegangen werden. Durch die Verletzungen der Grizzlies sind die Spurs ohne jeden Zweifel auf jeder Position besser besetzt als ihre Kontrahenten. Dazu stellen die Spurs die beste Defensive der Liga. Nur  92,9 Punkte ließen sie im Schnitt pro Partie zu. Die Memphis-Offensive dagegen rangiert auf Rang 24 ligaweit und wird große Probleme haben, gegen die Spurs-Defense überhaupt zu scoren. 

Unnötig zu erwähnen, dass kein anderes Playoff-Team eine schwächere Offensiv-Bilanz aufweist. In dieser Serie Spricht einfach alles für die Herren in Silber und Schwarz, so dass alles andere als ein überdeutlicher Sweep bereits eine große Überraschung wäre.


Warum Memphis gewinnt
Die Memphis Grizzlies sind in den Playoffs und die Frage steht im Raum, wie sie das überhaupt geschafft haben. Von den letzten elf Saisonspielen gewannen sie nur eines. Mit Rückenwind in die Playoffs zu gehen sieht definitiv anders aus. 

Nicht nur auf ihre etatmäßigen Starter auf Point Guard und Center mussten die Grizzlies in dieser Saison längerfristig verzichten. Die Verletzungslage war so gewaltig, dass ein neuer Rekord für eingesetzte Spieler in einer NBA-Saison aufgestellt wurde. Das Erreichen der Playoffs mit einer Trümmertruppe ist schon ein großer Erfolg der Grizzlies und spricht für die über Jahre aufgebaute ‚Grit and Grind‘ Mentalität der Franchise. 

Ein oder zwei Siege gegen die haushohen Favoriten aus San Antonio wären schon unerhört - der Gewinn der Serie gegen eines der besten Teams einer regulären Saison eine Sensation. 

Nach den Ausfällen der beiden wichtigsten Spieler Conley und Gasol hapert es vor allem am offensiven Endes. Die Grizzlies teilen sich mit den Orlando Magic den 21. Rang der miesesten Offensiven  in der Association. Nur die Indiana Pacers sind noch schlechter platziert und nehmen an den Playoffs teil. 

A photo posted by Memphis Grizzlies (@memgrizz) on


Nun wartet mit den San Antonio Spurs das Team mit der besten Verteidigung auf Memphis. Da die Spurs die Dreier sehr effektiv verteidigen und im Kader der Grizzlies keine potente Dreierschützen stehen, muss der Korb ständig attackiert werden. Ist dies nicht möglich, bleibt der Pass zu Zach Randolph, der auch noch im gehobenen Alter für Gefahr aus dem Low Post sorgt. 

Die einzig verbleibende Offensivoption ist Lance Stephenson, und auf dem ein Großteil der offensiven Verantwortung lastet. Mit welcher Einstellung Stephenson in den Playoffs auftreten wird ist nicht vorhersehbar, aber ein engagierter, fokussierter Stephenson kann den Spurs wehtun. 

Wollen die Grizzlies in der Serie ein Wörtchen mitreden, werden sie als Team überragend auftreten müssen. All ihre Einzelspieler sind denen der Spurs klar unterlegen. Ein Vorteil könnte sein, dass Memphis einen extrem erfahrenen Kader hat. Zudem stehen mit Tony Allen, Zach Randolph & Chris Andersen eklige Gegenspieler für die Spurs im Kader, die auch die Ellenbogen einzusetzen wissen, wenn die Schiedsrichter mal nicht hinsehen. 

Viele Grizzlies-Spieler sind scharf darauf, sich auf der Playoff-Bühne zu präsentieren, um sich für eine weitere Beschäftigung in der Liga zu empfehlen. Ray McCallum wird gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber zeigen wollen, dass sie ihn zu Unrecht entlassen haben. Auch JaMychal Green will das hellere Licht in den Playoffs nutzen, um bekannter zu werden. 

Auch ein Blick in die Historie gibt ein wenig Hoffnung. 2011 besiegten die Grizzlies die top-gesetzten Spurs mit 4-2 und sorgten für eine große Überraschung... zwar mit ganz anderen Voraussetzungen als heute, aber Memphis muss sich an jedem Strohhalm festhalten. 


Stat-Salat
Memphis ist Aldridges Lieblingsgegner: Gegen die Grizzlies legte Aldridge 27.0 Punkte pro Spiel auf und schoss 65% aus dem Feld.

Eine Menge Backsteine: Die Effective Field-Goal Percentage der Grizzlies (47.7 %) wird nur noch von den LA Lakers unterboten.

Die Bank der Spurs mit einem Net-Rating von +10,9 führt die Liga deutlich an.

Memphis' Punktdifferenz von minus-2,2 pro Spiel ist die drittschlechteste aller Playoff-Teams in den letzten 20 Jahren. Nur die letztjährigen Nets (minus-2,9) und die 1996/97 Clippers (minus-2,4) waren schlechter.  


Die Rechnung, bitte!