15 April 2016

15. April, 2016


Nicht, dass die abgelaufene Saison arm an guten Storylines gewesen wäre, aber... Playoffs, yo! In den nächsten acht Wochen ist endlich richtiger Basketball angesagt. Auch hier bei NBACHEF, wo wir euch mit Postseason-Content mästen. Zum Auftakt wie immer die acht Erstrundenserien im Schnellcheck - straight auf den Punkt.

von PASCAL GIETLER @PascalCTB & HARALD MAINKA @Harrystocats

Entrée
Die Toronto Raptors sind 2015/2016 auf einer Mission. Nach dem erneut bitteren Ausscheiden aus der ersten Playoffrunde zeigten sich die Saurier von Saisonbeginn an fokussiert und groovten sich zeitweise zu einem ernstzunehmenden Titeltkandidaten. 

Die erneute Teilnahme an der Post Season kann nicht mehr Torontos Anspruch sein, nach Ablauf der Regular Season ist Topfavorit Cleveland im Osten nur ein Sieg entfernt. Das Team besitzt eine angenehme Mischung aus spielerischer Finesse und körperlicher Robustheit, aus jugendlichem Eifer und erwachsener Weitsicht.


Hingegen glich Indianas Spielzeit einem Ritt auf der Achterbahnfahrt. Paul George schrieb nicht nur eine der inspirierendsten Comeback-Geschichten seit Shaun Livingston, sondern war zumindest drei Monate lang so etwas wie der menschliche Favorit auf den MVP-Titel. Dann jedoch verlor nicht nur George, sondern auch das Team aus dem Hoosier Staat seinen Rhythmus und musste sogar um die fast schon sicher geglaubte Playoffs-Teilnahme zittern. 

Die Rollen sind bei diesem Aufeinandertreffen eigentlich klar verteilt: die Raptors wissen um ihre Stärken, ruhen in sich selbst und wollen unbedingt ins Conference Finale. Trotz wieder einmal herausragender Defensive taugt der Kader der Pacers nicht zu mehr als der ersten Runde. Oder?


Warum Toronto gewinnt
Die Toronto Raptors ernten endlich die Früchte von jahrelanger harter Arbeit. Das Team von Dwane Casey hat sich aus der sportlichen Irrelevanz zu einem legitimen Contender in der Eastern Conference entwickelt. Der Franchise-Rekord von 56 Siegen, der erneute Sieg der Atlantic Conference und ein wohlverdienter zweiter Platz im Osten sind die logischen Konsequenzen der guten und beständigen Arbeit in der größten Stadt Kanadas.

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Das Prunkstück der Kanadier ist erneut die gnadenlos effiziente Offensive rund um DeMar DeRozan und Kyle Lowry. Ausgestattet mit einem der besten Backcourts der Liga schafften die Raptoren erneut eine Platzierung unter den fünf effizientesten Offensiven der Liga.

Besonders auffällig bei der Offensive der Raptors: Das Team von Coach Casey generiert so viele Punkte aus Freiwürfen wie kaum ein anderes Team in der NBA. Die Indiana Pacers neigen zwar nicht zu dummen Fouls, aber die spielerische Klasse von DeMar DeRozan und seine Art Freiwürfe zu ziehen könnte in zweierlei Hinsicht ein Schlüssel zum Erfolg sein. Zum einen generiert DeRozan einfache Punkte für sein Team und zum anderen könnte Paul George aufgrund von Foultrouble vor enorme Probleme gestellt werden.

Nach zwei enttäuschenden Niederlagen in der ersten Playoffrunde dürfen sich die Raptors einfach nicht erneut vor heimischen Publikum blamieren - die Mannschaft muss sich von der lautstarken Crowd im Air Canada Center tragen lassen und im Fall der Fälle alle vier Heimpartien erfolgreich gestalten.

Natürlich verfügen auch die Indiana Pacers über gewisse Stärken, doch so stark die Pacers verteidigen, so harmloser sind sie in der Offensive. Die Raptors sind statistisch zwar kein überragendes Defensivteam, aber die schwache Pacers-Offensive sollte die Kanadier eigentlich vor keine große Herausforderung stellen. 

Die Vorzeichen könnten kaum günstiger sein - Toronto tritt den Pacers mit einem breiteren Kader, Heimvorteil und mit dem Rückenwind einer viel erfolgreicheren respektive konstanteren Saison gegenüber. Die zweite Playoff-Runde ist ein Muss.


Warum Indiana gewinnt
Verschwenden wir hier nicht unnötig Zeit: wollen die Pacers die Serie auch nur annähernd offen gestalten, muss Paul George sein Spiel, verzeiht den Anglizismus, upsteppen. Seine Strahlkraft als bester Two-Way-Player im Osten wird Indiana nicht viel nützen, wenn es George gegen die Raptors nicht gelingt, die Kupplung durchzutreten und offensiv wie ein Kevin Durant oder James Harden zu dominieren. Der Small Forward muss alles aufbieten und noch öfter die Pille in der Hand halten.

Torontos Big Men werden dabei seine erklärten Opfer sein: bis auf Bismack Biyombo finden sich keine Defensivspezialisten in Ontario, Torontos Bigs werden gerade im Pick & Roll Schwierigkeiten bekommen. Also muss Trainer Frank Vogel seinem Star George Center Ian Mahinmi zur Seite stellen, der Jonas Valanciunas oder Luis Scola beim Blockstellen bindet - einer Angriffsvariante, die die Raptors nur unterdurchschnittlich verteidigen. Mahinmis Qualitäten müssen betont werden, schließlich gehört er zu den besten abrollenden Big Men der Liga.

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Kanadas Team ist keines, dass dem Small Ball verfallen ist. Nach der Verpflichtung von Ty Lawson setzte Head Coach Vogel vermehrt auf eine Aufstellung mit drei Guards, um Paul George abseits des Balles einsetzen zu können und im Backcourt unberechenbarer zu sein. Gleichwohl sich Lawsons Addition nicht in der Bilanz niedergeschlagen hat, bringt er mit seinem Game wieder einen gewissen Flair nach Indianapolis, den zuletzt vielleicht noch Lance Stephenson versprüht hat. Das Team braucht seine Überraschungsmomente und das Playmaking von der Bank.

Dass Gelb-Blau parallel dazu defensiv alles abrufen muss, sollte jedem klar sein. Die Pacers sind für den Schlagabtausch mit dem besten Backcourt der Eastern Conference gewappnet, hat mit Lavoy Allen und Solomon Hill weitere gute Verteidiger auf der Bank. 

Hinten ist Franzosenmann Mahinmi vielleicht nicht das Alpha und Omega, aber hey: auch wegen ihm stellen die Pacers die drittbeste Defensive der NBA. Zusätzlich werden George und George dafür sorgen, dass Lowry und DeRozan wenig Zonenland sehen werden. 

Indianas Geduld am eigenen Korb ist vermutlich der Trumpf, der gegen Torontos fluktuierende Offensive ausgespielt werden muss. Freiwürfe sind für Dwane Caseys Schützlinge Brot und Butter, und leichte Punkte sind in den Playoffs sowieso tunlichst zu vermeiden. Die Pacers werden kaum Körner übrig haben, um gegen Toronto große Rückstände aufzuholen.

Wenn dann auch noch Myles Turner sein Nervenkostüm unter grellerem Scheinwerferlicht in den Griff bekommt, besitzt das Team genug Möglichkeiten, um den Schlagabtausch eng zu gestalten.


Stat-Salat
Das Gefälle zwischen statistischer Offensiv- und Defensiveffizienz ist bei keinem Team größer, als bei den Indiana Pacers ( -21; #3 DRtg; #24 ORtg)

Die Raptors dürfen zu ihrem 20. Jubiläum auf der ganz großen Playoff-Bühne spielen. Die bisherige Bilanz ist jedoch ernüchtern: Lediglich ein Mal überlebten die Dinosaurier die erste K.O.-Runde.

Seit bereits drei Jahren zählen die Toronto Raptors stets zu einem der zehn effizientesten Teams in der Offensive.


Die Rechnung, bitte!