15 April 2016

15. April, 2016


Nicht, dass die abgelaufene Saison arm an guten Storylines gewesen wäre, aber... Playoffs, yo! In den nächsten acht Wochen ist endlich richtiger Basketball angesagt. Auch hier bei NBACHEF, wo wir euch mit Postseason-Content mästen. Zum Auftakt wie immer die acht Erstrundenserien im Schnellcheck - straight auf den Punkt.

von ANDRÉ NÜCKEL @AndreNueckel & JAN WIESINGER @WiesiG

Entrée
Wenn das Matchup zwischen Atlanta und Boston schon spannend ist, dann ist es das zwischen den Miami Heat und den Charlotte Hornets erst recht. Beide Teams teilen sich mit den Hawks und Celtics den 48-34 Record, jedoch hat die Franchise vom South Beach den Tiebreaker für sich entschieden. Bei ein oder zwei anderen Wins wäre daher auch eine komplett andere Konstellation möglich gewesen.

Trotzdem, das muss an dieser Stelle deutlich hervorgehoben werden, ist das Einlaufen der Heat auf Rang drei im Osten ein guter Ausgang für alle Beteiligten. Der Meister von 2013 besitzt das größte Talentlevel dieser Playoff-Mittelklasse und zeigte abermals, dass er jeglichen Rückschlägen trotzen kann. Nicht wenige trauen Coach Erik Spoelstra sogar den ganz großen Wurf zu.


Bei Charlotte ist die Erwartungshaltung natürlich deutlich geringer. Im zweiten Jahr nach dem Rebranding zu den Hornets ist der Sprung in die Postseason gelungen, und alleine das ist schon ein Erfolg. 

Dabei zeigte der Vertreter aus North Carolina, dessen Besitzer Michael Jordan ist, phasenweise starken Basketball und entwickelte sich durch All-Star-Snub Kemba Walker zum heimlichen League-Pass-Liebling.


Warum Miami gewinnt
Kaum eine Franchise in der Liga stand in den letzten Jahren so sehr für das personifizierte Pech wie die Miami Heat: Nach LeBrons Abgang kam in der letzten Saison der problematische Gesundheitszustand des designierten Franchise-Players Chris Bosh dazu, wobei zeitweise gar dessen gesamte NBA-Karriere auf dem Spiel stand. 

Trotz der Akquisition von Guard Goran Dragic verpasste man in der vergangenen Saison die Playoffs. Auch wenn es in dieser Saison sportlich besser lief, erwischte es Bosh erneut. Sein Gesundheitszustand scheint dabei aber ein wohlgehütetes Geheimnis am South Beach zu sein, wobei eine Rückkehr in der ersten Playoffrunde gänzlich ausgeschlossen scheint. 

Warum sollten die Heat also ohne Bosh eine Chance gegen die in der regulären Saison punktgleichen und brandheißen Hornets haben? Die Antwort ist so einfach und zugleich so abgewetzt wie die Ledertasche eines Oberstudienrats kurz vor der Pension: Erfahrung! 

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Zeitgleich mit Boshs Ausfall konnten sich die Floridianer die Dienste Joe Johnsons sichern. In 29 Spielen legte dieser solide 13.5 Punkte pro Begegnung auf und die Heat gewannen 19 dieser Partien. „Iso Joes“ Clutchness kann in den Playoffs zu einem Faktor werden. Nur zusammen mit Dwyane Wade (151) bringt Johnson (87) es auf stolze 239 Playoffspiele. 

Tiefe und Erfahrung besitzt das Team aus Miami nur zu gut. Mit Coach Erik Spoelstra steht ein nach wie vor junger, aber bereits sehr erfahrener Coach an der Seitenlinie, der mit dem Team am South Beach bereits viele Hochs und einige Tiefs erleben durfte. Der Kader ist dabei variabel und kann vom Coach für praktisch jedes Matchup perfekt eingestellt werden. 

Wade ist noch immer ein herausragender Anführer, der im Angriff seinen Mitspielern auch bei seiner zehnten Playoff-Teilnahme noch Kreationen bereitet, welche jeden 3-Sterne-Koch vor Neid erblassen lassen. Wades Kreise und seine Penetrationen wären auf Seiten der Hornets maximal durch Top-Verteidiger Kidd-Gilchrist einzudämmen, der jedoch bekanntlich ausfällt. Klar, auch Batum mag ein herausragender Verteidiger sein. Aber setzt man ihn auf Wade an, brennt es zweifellos schnell an anderer Stelle. 

Und selbst wenn es wider Erwarten gelingen sollte, Wades Kreise einzuengen, so ist er als primärer Ballhandler der Heat keinesfalls alternativlos. Goran Dragic erfüllt vor allem in der zweiten Saisonhälfte zunehmend die an ihn gestellten Erwartungen. Kraftvollen Pick-and-Rolls und brutalen Alley-Oop-Anspielen mit Center-Bestie Hassan Whiteside wird der wenig athletische Frontcourt der Hornets ebenfalls nicht gewachsen sein. 
  
Da in diesem Aufeinandertreffen von beiden Seiten nicht unbedingt mit hell leuchtenden, offensiven Feuerwerken zu rechnen ist, wird die Serie für Miami nicht zuletzt in der Defense entschieden werden. Die Hornets sind von der Dreierlinie ein überdurchschnittlich gefährliches Team. Hier gilt es, die Dreier-Optionen der Hornissen klein zu halten, aggressiv zuzustellen und ihnen dosiert die Drives in die Zone zu gewähren. 

Dort wartet mit Whiteside ein mobiler und athletischer Center, welcher, egal ob in der Starting Five oder von der Bank, beinahe jedem Offensivspieler der Liga durch sein Shotblocking bereits das Fürchten gelernt hat. Beim 98-95 der Heat gegen die Hornets im Februar lieferte der 26-jährige gar ein seltenes Triple Double – mit Blocks! 
  
Auch wenn es sicherlich einfachere Gegner für die Heat in Runde 1 gegeben hätte: Mit den Hornets wird man fertig. Insekten mögen bekanntlich kein Feuer.


Warum Charlotte gewinnt
„Wir hatten 2014 absolut keine Chance gegen Miami“, blickt Walker auf die letzte Playoff-Serie, damals noch als Bobcats, zurück. „Absolut gar keine.“ Die Big Three um LeBron James verprügelte Charlotte mit einem 4:0-Sweep in der ersten Runde. Ein ähnliches Resultat ist diesmal nicht zu erwarten, denn Trainer Steve Clifford hat sich einen hochinteressanten Kader zusammengestellt, der im Osten überraschte.

Dabei fällt mit Michael Kidd-Gilchrist ein bedeutendes Puzzlestück fast schon die komplette Saison aus. Der elitäre Wingdefender sollte neben Walker zum Gesicht der Franchise aufsteigen, weshalb das Jauchzen nach seiner erneuten Schulter-Läsion nicht zu überhören war. Aber wie fängt ein Team den Verlust einer Stütze auf? Genau: im Kollektiv. 

Mit 37.5 Punkten pro Spiel stellt der Jordan-Klub die siebtbeste Bank der Liga. Mindestens acht Baller servieren 8.7 Zähler pro Nacht – mit MKG sind es sogar neun. Dieser Topwert könnte gegen Miami das berühmte Zünglein an der Waage sein, denn die Heat haben eine deutlich schwächere zweite Garde (Platz 27).

Ein weiterer Faktor, der in diesem Zusammenhang in Erscheinung tritt, ist Sixth Man Hassan Whiteside. Der wuchtige Pivot bringt eine schier unbändige Athletik auf den Floor, die Clifford nur bedingt matchen kann. Der abgehalfterte Al Jefferson oder Cody Zeller sind beide nicht für ihre körperlichen Vorzüge bekannt – sollte der gemeine Fan meinen. Bis dato waren es durchschnittlich 9.3 Punkte und 7.8 Rebounds in vier Aufeinandertreffen. Das sollte auch ein Zielwert für die Playoffs sein.

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Dass die Defense ebenso Dwyane Wade bei ähnlichen Werten halten wird, ist utopisch. Hier wird vor allem Nicolas Batum gefragt sein, der nach seinem Trade aus Portland die bisher stärksten Leistungen seiner Karriere gezeigt hat. Mit 14.9 Punkten, 6.1 Brettern und 5.8 Assists könnte der Franzose Eric Bledsoe den Titel des „Mini-LeBrons“ sogar streitig machen. Dabei ist vor allem seine D erwähnenswert:  Seine direkten Gegner treffen nur 42.6% ihrer Würfe – ein Minus 1.6%.

Apropos Wurf: Charlotte wird auf Spacing setzen, denn neben Batum treffen auch Walker, Marvin Williams und Courtney Lee mindestens durchschnittlich gut – Lee und Williams kratzen sogar an der 40-Prozent-Marke. Das öffnet Platz für Drives, die vor allem vom Star dieser Truppe kommen werden: Kemba Walker.

Er ist das Herz sowie die Seele der Hornets und vielleicht sogar der Hauptgrund, warum Charlotte diese famose Bilanz aufweisen kann. Während der Recherche für diese Preview ließ sich der Name des Points Guards (20.9 PPG, 5.2 APG, 4.4 RPG) nahezu unter jeder wichtigen Statistik finden. Folglich ist die Nicht-Berücksichtigung für das All-Star Game eine noch größere Farce.  

Das Guard-Duell mit Goran Dragic, der seinen Mann um 3.7% schlechter treffen lässt, wird eines der Highlights dieser Runde sein. Zwar spricht die Form eindeutig für Walker, aber wie viel Saft ist noch im Tank? Mit 2885 Minuten haben nur Gordon Hayward (2893) und James Harden (3125) mehr Spielzeit auf dem Buckel.

Aber auch hier gilt: Durch die Kadertiefe erhält Walker genügend Rückendeckung wie Entlastung, um sich seine Auszeiten zu nehmen – und die wird er benötigen, damit Clifford den nächsten Coup feiern darf. Für neutrale Anhänger gilt auf jeden Fall Einschaltpflicht; denn hier riecht es stark nach einer Runde, die über die volle Distanz gehen wird. Warum ich das denke? Die Season-Series endete nicht umsonst 2-2 und wurde jeweils erst im Schlussviertel entschieden.


Stat-Salat
Charlotte rangiert in der offensiven (105.1) und defensiven (101.8) Effizienz auf Rang neun. Damit hat sich der Angriff (vorher 97.6) um sagenhafte 19 Plätze verbessert.

Mit nur 11.7 Ballverlusten pro Spiel verursachen die Hornets die wenigsten Turnover der Association.

Absolut mies: Miami trifft den Dreier nicht. Lediglich 33.6% der Würfe slashen. Dafür verteidigen sie ihn gut: Nur 34% Erfolgsquote bei den Gegnern.

Bewegung, bitte: In 54.6% der Angriffe hält ein Miami-Spieler den Spalding nicht länger als zwei Sekunden. Durch viele Blöcke und Cuts werden Räume im Midrange-Areal gesucht.


Die Rechnung, bitte!