14 April 2016

14. April, 2016


Nicht, dass die abgelaufene Saison arm an guten Storylines gewesen wäre, aber... Playoffs, yo! In den nächsten acht Wochen ist endlich richtiger Basketball angesagt. Auch hier bei NBACHEF, wo wir euch mit Postseason-Content mästen. Zum Auftakt wie immer die acht Erstrundenserien im Schnellcheck - straight auf den Punkt.

von ANDRÉ NÜCKEL @AndreNueckel

Entrée
Atlanta versus Boston! Das wird wahrlich eine der spannendsten Serien in der ersten Playoffrunde. Mit einer jeweiligen Bilanz von 48-34 entschied nach 82 Spielen lediglich der Tiebreaker zu Gunsten der Hawks, die das bisherige Kräftemessen mit 3-1 gewinnen konnten. Ein Vorbote? Puh.

Brad Stevens darf sich jedenfalls bestätigt fühlen, den richtigen Weg mit seinen Celtics eingeschlagen zu haben. Letztes Jahr noch als Achter in die Playoffs eingezogen, fehlte aktuell lediglich ein Sieg für den Heimvorteil. Dementsprechend motiviert wird der Rekord-Champion sein, diesmal auch den Sprung in das Conference-Semifinal zu packen. Schaffen sie das? Puuh.


Beim Record-Check ist Atlanta natürlich der große Verlierer. Letztes Jahr wälzten die Spurs des Ostens mit 60 Siegen jeden Gegner nieder, aber diesmal reichte es nur für zwölf weniger. Wer hier allerdings enttäuscht ist, hat die Prozesse rund um die NBA nicht verstanden und sich in den letzten sieben Monaten kein einziges Game reingezogen. Ansage? Puuuh.


Warum Atlanta gewinnt
Wenn in dieser Serie eine Favoritenrolle verteilt werden muss, dann obliegt sie den Falken aus Georgia. Mit Paul Millsap und Al Horford stehen zwei All-Stars im Roster von Mike Budenholzer, die an beiden Enden des Courts den Unterschied ausmachen können. Den Abgang von Kettenhund DeMarre Carroll zu den Toronto Raptors hat weitestgehend Kent Bazemore aufgefangen, der mit 36.2% zu einem soliden Dreierschützen aufgestiegen ist.

Zwar hat Kyle Korver seinen unfassbaren Touch der letzten Saison verloren, ist aber im Backcourt neben Jeff Teague immer noch ein essentieller Faktor. Threezus trifft von Downtown mit 39.8%, Teague gar mit 40.1%. Das Zusammenspiel der beiden in Kombination mit Sixth Man Dennis Schröder narrt nach wie vor die gegnerischen Verteidigungslinien. Da hilft vor allem der unfassbare Antritt der beiden Point Guards, der zahlreiche offene Spots für die Schützen generiert oder in einfachen Layups endet.

Mit 19.1 Assists pro Game übertrumpft ATL sogar das große Vorbild San Antonio (18.9) und legt damit ligaweit die zweitmeisten Vorlagen auf. Dass die Golden State Warriors natürlich noch teamdienlicher agieren (20.5), muss an dieser Stelle eigentlich nicht erwähnt werden. Ein klares Indiz für die Qualität, die Budenholzer seit 2013 etabliert hat.

Dabei ist das selbstlose Angriffsspiel nicht die Kernkompetenz des Vierten: Atlanta definiert sich über die Defensive. Carrolls Fehlen macht sich durch ein funktionierendes Kollektiv kaum bemerkbar. Die Stärken der einzelnen Puzzlestücke sind sensationell aufeinander abgestimmt, sodass kaum eine Rotation verschlafen wird, und dabei ist es Mitnichten egal, wie der Kontrahent angreift. 

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Dieser Fakt wird insbesondere gegen Boston spannend zu beobachten sein, da den Kelten neben Isaiah Thomas eine veritable Scoring-Option fehlt. Es ist gut vorstellbar, dass Thomas von Bazemore bewacht wird.

Dadurch entsteht zwar einerseits ein Mismatch, aber sobald der kleine Einser eingebremst wird, sieht es sehr, sehr gut für die Hawks aus. Noch zwei Stats gefällig? Gegen Atlanta treffen die Mannschaften um zwei Prozent schlechter – Bestwert – und die Effizienz unter dem eigenen Ring ist mit 98.8 eine Top-Quote.

Und bevor jetzt wieder die kritischen Stimmen ertönen, die behaupten, hier fehlt der glasklare Star im Team, der muss sich einfach nochmal Millsap reinziehen. Der Power Forward ist einer der unterschätztesten Baller überhaupt. Er führt die Statistiken unter anderem bei den defensiven Win-Shares (6.0) an und zählt in 17 weiteren Bewertungen zu den Besten seiner Zunft. Wenn sich ein Kawhi Leonard über die Verteidigung definieren darf, dann darf er das auch. Over and out.


Warum Boston gewinnt
Wie oben bereits erwähnt, ist diese Saison bereits ein großer Erfolg für die Celtics. Trainer Stevens darf sich durchaus Hoffnungen auf den Coach des Jahres machen, weil er es erneut geschafft hat, ein äußerst kleinteiliges Mosaik nochmal auf ein neues Level zu hieven. Allen voran war die Entscheidung, Thomas endgültig zum Starter zu berufen, eine wichtige und richtige.

Mit 22.2 Punkten pro Match trägt er Boston über weite Strecken der Saison auf seinen kleinen, dürren Schultern und wird auch den Hawks Schwierigkeiten bereiten, wenn er von Teague oder Schröder gedeckt wird. Steht Korver auf dem Parkett, wird der gerissene Übungsleiter versuchen, seinen All-Star in ein Dribbling gegen den Shooting Guard zu schicken, um so leichte Punkte zu generieren. 

Die #5 des Ostens erzielt zwar die fünfmeisten Zähler der NBA (105.7), würde jedoch einen etwaigen Ausfall ihres Playmakers nicht kompensieren können. Hier sind Avery Bradley und Jae Crowder gefragt, die ihrerseits nicht nur hervorragende Defender sind, sondern mittlerweile auch hier Handwerk in im Angriff verstehen.

Vor allem Crowder, der in der MIP-Diskussion immer wieder genannt wird, bringt durch seinen Leistungssprung eine gute Tiefe. Er trifft von außen zwar nur unterdurchschnittlich (33.7), weiß aber dafür seinen stählernen Körper gewinnbringend einzusetzen. 

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Hier verbirgt sich übrigens ein Vorteil von Boston: keine ausgewiesene Stärke zu haben. Die Polyvalenz von Stevens Schützlingen lässt zu, sich optimal auf jeden Gegner einzustellen, denn ein hervorragender Mix aus Quantität und Qualität steht zur Verfügung.. So ist Center Kelly Olynyk die größte Gefahr am Perimeter (40.9% Dreier), Even Turner der gefährlichste Postup-Spieler (0.98 Points pro Play) oder Amir Johnson eine Waffe im Pick & Roll (1.14 Points pro Play). Ein wahres Paradoxon also.

Wenn wir schon die Defense der Hawks loben, müssen wir auch ein Shoutout an den TD Garden geben. Okay, weniger der Halle, vielmehr dem homogenen Roster, der sein Handwerk versteht und jeden Gegner durch seine Flexibilität in die Verzweiflung treiben kann. Mit einer defensiven Effizienz von 100.9 teilen sich die Kelten den vierten Rang mit den Warriors und Clippers. Auch in anderen Kategorien ähnlichen sich die Werte mit denen der Hawks.

In vielerlei Hinsicht ist es ein sehr ausgeglichenes Matchup, in dem beide Franchises Antworten auf die vermeintlichen Lösungen des anderen finden könnten. Die individuelle Qualität spricht sicherlich ein Stück weit für die Hawks, aber das Herz gehört dagegen Boston. Es wird eine enge Runde, die über die Offensive entschieden wird, denn verteidigen können beide.


Stat-Salat
29.4% aller Hawks-Abschlüsse sind Layups. Kein Team nutzt den Korbleger häufiger als Atlanta. Interessant: Auf die meisten verwandelten Layups kommt Boston mit 1241 (ATL: 1171). #achtungfastbreak

Steht für Kyle Korver Verteidigungsspezialist Thabo Sefolosha mit dem Rest der Starting Five (Teague, Bazemore, Millsap, Horford) auf dem Parkett, erzielen die Gegner rund 2.9 Punkte mehr. #defense

Isaiah Thomas ist erst der dritte Kelte hinter Larry Bird und John Havlicek,  der mindestens 22 Punkte und sechs Assists pro Spiel aufgelegt hat.  #Allstar

Kein Team warf in der Saison öfters: Mit 89.2 Field Goal Attempts haut Boston aus allen Lagen auf den Korb. Bitter nur, dass mit 43.9% die Effizienz fehlt. Platz 24 ligaweit. #miesebriese


Die Rechnung, bitte!