17 April 2016

16. April, 2016


Nicht, dass die abgelaufene Saison arm an guten Storylines gewesen wäre, aber... Playoffs, yo! In den nächsten acht Wochen ist endlich richtiger Basketball angesagt. Auch hier bei NBACHEF, wo wir euch mit Postseason-Content mästen. Zum Auftakt wie immer die acht Erstrundenserien im Schnellcheck - straight auf den Punkt.

von TORBEN SIEMER @LifeofTorben & MARC LANGE @godzfave44

Entrée
Der Vierte gegen den Fünften, das von der regulären Saison ausgehend spannendste der vier Erstrunden-Duelle. Und dennoch treffen mit den Los Angeles Clippers und Portland Trail Blazers hier zwei völlig verschiedene Ausgangssituationen aufeinander – nicht nur, weil trotz der benachbarten Tabellenplätze die Clippers (53-29) als Vierter neun Spiele mehr als die Trail Blazers (44-38) gewonnen haben.

Entspannt in dieses Matchup gehen kann das junge Team aus Portland: Neun Spieler verließen Oregon nach der Erstrundenniederlage im letzten Jahr, neun neue sollten neben dem einzig verbliebenen Starter Damian Lillard den Rebuild beschleunigen. Al-Farouq Aminu und vor allem CJ McCollum haben sich als Leistungsträger etabliert und statt auf der Lottery-Bühne finden sich die Blazers entgegen aller Vorhersagen in der Postseason wieder. 


In Los Angeles dagegen ist das „andere Team“ inzwischen klar die Nummer eins der Stadt – was fehlt, ist der Playoff-Erfolg. Nicht nur der epische Kollaps in den Semifinals 2015 soll vergessen gemacht werden, auch für die Schlüsselspieler stehen wichtige Wochen an. 

Chris Paul ist der vielleicht beste Point Guard seiner Generation, weiter als Runde zwei ging es für ihn bisher dennoch nicht. Blake Griffin kehrt nach Verletzung und Suspendierung pünktlich zurück, spielt aber unter Beobachtung. Sollten auch in diesem Jahr die eigenen Ansprüche wieder nicht erfüllt werden können, könnte das Trio Paul – Griffin – DeAndre Jordan bald Geschichte sein. 


Warum L.A. gewinnt
Die Trail Blazers sollten eigentlich nicht in den Playoffs sein. Und das ist ein Kompliment. Während alle über den offensiv mega-potenten Backcourt der Blazers sprechen, scheinen viele zu vergessen, dass die Clippers hier auch eine ihrer vielen Stärken haben. Mit kombinierten 35,8 Punkten im Schnitt gehören Chris Paul und der (statistisch) beste Scharfschütze der NBA – J.J. Redick – zur Elite der Liga. 

A video posted by LA Clippers (@laclippers) on

Mit dem gefährlichen Tandem allein hört es aber noch nicht auf: Jamal Crawford (14.2 PPG) hat auch diese Saison wieder bewiesen, weshalb er ein Dauerkandidat auf die Trophäe Sixth Man of the Year ist. 

Dazu kommt noch ein solide spielender Austin Rivers, der den Mix auf den kleinen Positionen komplettiert und die Blazers vor einige Herausforderungen stellen wird. Geht Lillard oder McCollum mal die Luft aus, kann Portland-Coach Terry Stotts nicht auf so eine Bank zurückgreifen. 

Kommen wir zum großen Vorteil der Clippers: der Frontcourt. Hier wird Portland, über die Serie hinweg, Schwächen offenbaren. DeAndre Jordan (12.7 PPG, 13.8 RPG, 2.3 BPG) kann mittlerweile nicht nur unter dem eigenen Korb dominieren und wird sowohl Mason Plumlee als auch Ed Davis vor massive Probleme stellen. 

Das wird er auch tun müssen, denn der Schlüssel von Portlands sensationeller regulären Saison lag unter anderem in der starken Arbeit am offensiven und defensiven Brett. Blake Griffin (21.4 PPG, 8.9 RPG, 4.9 APG) muss noch ein wenig Rost abschütteln, ehe er wieder auf dem gewohnten Niveau agieren kann, stellt aber durch seine Mischung aus Scoring, Shooting, Rebounding und Playmaking eine große Herausforderung für Portlands Defensive dar.

Sollte er fit sein, wird seine Dynamik und Flexibilität in der Offensive den Unterschied ausmachen. Wie will Rip City dieses Duo konstant stoppen? Allgemein können die Clippers als Team auf fast jeder Position aus allen Rohren feuern – die Blazers sind diesbezüglich deutlich beschränkter. 

Auch wenn Los Angeles die Saison über einige Schwierigkeiten hatte: Das Team hat sich zur rechten Zeit gefunden. Ob Wes Johnson, Pablo Prigioni oder Cole Aldrich: Die komplette Rotation hat ihren Teil dazu beigetragen, dass die die Clippers immerhin als viertbestes Team im Westen in die Post-Season starten, obwohl sie lange auf einen ihrer wichtigsten Spieler verzichten mussten.

Trotz Fehler in der Off-Season (J-not-so-smoove-anymore & Lance Stephenson) und gebeutelt von Verletzungspech, hat Doc Rivers alle Teile rechtzeitig zu einem funktionierenden Konstrukt zusammengefügt. Diese bravourös gemeisterte Herausforderung sollte sich jetzt in den Playoffs auszahlen.         


Warum Portland gewinnt
Allein der Einzug in die Postseason ist für die Portland Trail Blazers schon ein Erfolg, der ihnen vor der Saison kaum zugetraut worden war. Vier der fünf Starter kehrten nicht zurück, allein Damian Lillard blieb dem geneigten Fan im Moda Center als Erinnerung an die gute alte Zeit erhalten. Als junges, weitgehend unerfahrenes Team starteten die Blazers in die neue Saison und übertrafen selbst die kühnsten Erwartungen.

Der gerade genannte Lillard soll nun als Anführer seine Mannschaft zu vier Siegen und der zweiten gewonnenen Playoff-Serie in drei Jahren führen – und kann den Start der Serie wohl kaum erwarten, wie folgender Tweet mehr als nur erahnen lässt.


Lillard ist der erste Trail Blazer, der am Saisonende bei Punkten (25.1 PPG; Platz sechs) und Assists (6.8 APG; acht) zu den Top 10 der NBA gehört. Und trotzdem musste er im Februar zuschauen, als sich die All-Stars zum munteren Dreier-Shootout in Toronto trafen. Nicht erst seitdem, aber dadurch ganz besonders hat der 25-Jährige eine ordentliche Portion Wut im Bauch; um zu zeigen, wie falsch diese Entscheidung war. 

Der Point Guard hat trotz einer deutlich höheren Nutzungsrate (31.3%, im Vorjahr 26.9%) kaum an Effizienz verloren und sich klar als erste Option in der Offensive etabliert. Dass er zudem seinen enttäuschenden Auftritt in den letztjährigen Playoffs vergessen machen will, schadet seiner Aggressivität auf dem Parkett sicher nicht.


Die zweite Option bildet CJ McCollum. Der Shooting Guard hat den Aufwärtstrend der Vorsaison fortgesetzt und dürfte sich in Kürze mit dem Titel Most Improved Player schmücken können. 20.8 Punkte legte er in 80 Spielen durchschnittlich auf und vervielfachte damit seinen Karriereschnitt – und verbesserte dennoch alle seine Wurfquoten. Beiden gemein ist, dass sie, bei kleinen Colleges ausgebildet, die „Us Against Everybody“-Attitüde längst verinnerlicht haben. McCollum hat zudem bereits im Vorjahr in den Playoffs nochmal ein paar Kohlen nachgelegt und wird dies auch jetzt tun wollen.

Head Coach Terry Stotts und die von ihm implementierte Offensive sind ein weiteres Plus für Portland: Nur fünf Teams können ein höheres Offensivrating aufweisen, die im Ligavergleich durchschnittliche Pace dürfte den Blazers mit Blick auf das langsamere Tempo in den Playoffs durchaus entgegenkommen. 

Stotts gilt spätestens seit dieser Saison als einer der fähigsten Coaches der Association und ist zurecht Kandidat für die Auszeichnung als Trainer des Jahres. Nach der weit besser als erwartet verlaufenen regulären Saison dürfte es ein leichtes für ihn sein, seine Jungs für die Bonus-Spiele zu motivieren. 

Ebenfalls überdurchschnittlich ist das Rebounding der Blazers – am offensiven Brett gehört Portland dank Ed Davis (4.8 O-Rebs per 36) und Mason Plumlee (3.5 O-Rebs per 36) zu den Top drei der Liga, als Team sammeln sie 25.9% der verfügbaren Abpraller ein. Am eigenen Korb reichen 76.2% der Rebounds für Platz 13. 

Die Los Angeles Clippers dagegen finden sich am offensiven wie am defensiven Brett jeweils auf Platz 28 wieder, die damit verbundenen - und in den Playoffs noch einmal wertvolleren - zweiten und dritten Chancen werden sie nutzen müssen. Ähnlich groß ist der Unterschied zwischen beiden Kadern, was das Alter angeht: Während die Blazers mit 24.3 Jahren das jüngste Playoff-Personal dieser Saison stellen, sind nur drei Mannschaften älter als die im Schnitt 29.7 Jahre alten Clippers. 

Der finale Grund: Diese 2016er Ausgabe der Trail Blazers hat schlicht nichts zu verlieren. Das mag jetzt zwar ein paar Mark ins Phrasenschwein kosten, aber: Vor Saisonbeginn haben auch wir Rip City nicht mehr als ein paar Ping-Pong-Bälle in der Lottery zugetraut, wie viele andere Beobachter sahen wir diese Mannschaft im Rebuild und deshalb näher an Platz 15 als an Platz acht. Das Selbstvertrauen sollte also riesig sein, die Vorfreude auf die große Bühne ebenso. Lasset die Spiele beginnen!


Stat-Salat
Die sechst- und achtbeste Offensive der NBA treffen hier aufeinander. Die Rating von 108.8 (POR) und 108.3 (LAC) liegen nah beieinander – groß aber ist der Unterschied bei der Defensive. Hier zählen die Clippers zu den Top-Fünf, während die Blazers (Platz 20) dort nur ein Playoff-Team hinter sich lassen konnten.

Sowohl Clippers als auch Blazers gehören zu den treffsichersten Mannschaften von jenseits der Drei-Punkt-Linie: Portland (37%) und Los Angeles (36.4) platzierten sich hier im Ligavergleich auf den Positionen vier und sechs.

Problematisch für Portland: Dem Gegner gestatteten sie eine Dreierquote von 37.1% (Platz 28). Los Angeles (33.8%, Platz fünf) dagegen verteidigt den Dreier elitär. 

Groß auch die Diskrepanz im Rebounding: Während sich die Blazers offensiv (25.9% der verfügbaren Rebounds, Platz vier) viele zweite Chancen erarbeiten, überlassen die Clippers (73.8% der verfügbaren Defensiv-Rebounds, Platz 28) diese dem Gegner überdurchschnittlich oft.

Nur drei Teams stehen pro Spiel öfter an der Freiwurflinie als die Clippers. Sie treffen aber diese nur mit einer Quote von 69.2%. Dass DeAndre Jordan (43%) knapp ein Viertel dieser Versuche zu verantworten hat, ist dabei sicher nicht förderlich.


Die Rechnung, bitte!