15 April 2016

15. April, 2016


Nicht, dass die abgelaufene Saison arm an guten Storylines gewesen wäre, aber... Playoffs, yo! In den nächsten acht Wochen ist endlich richtiger Basketball angesagt. Auch hier bei NBACHEF, wo wir euch mit Postseason-Content mästen. Zum Auftakt wie immer die acht Erstrundenserien im Schnellcheck - straight auf den Punkt.

von ANDRÉ NÜCKEL @AndreNueckel & JAN WIESINGER @WiesiG

Entrée
Die Detroit Pistons kehren nach 2009 wieder auf die Playoffs-Bühne zurück. Stan Van Gundy schwört in Motor City auf einen integren, jungen Kern, der allmählich seine ersten Früchte trägt. Angeführt von All-Star Andre Drummond sorgten die Pistons mit einer Bilanz von 44-38 für positive Schlagzeilen und sicherten sich hochverdient den achten Platz im Osten.

Für Cleveland hingegen war es eigentlich nur reine Formsache, den Osten als beste Franchise abzuschließen. Dass dieser Umstand erst am vorletzten Spieltag der regulären Saison gelang, wird LeBron James ebenso gleichgültig sein, wie die Top-Ten-Platzierungen in der offensiven (Rang vier) wie defensiven (Rang zehn) Effizienz. Detroit soll auf dem langersehnten Meistertitel lediglich die erste Etappe darstellen.


Fans und neutrale Zuschauer dürfen sich in dieser Serie auf einen Dunk-Contest freuen. James, Drummond und Co. wissen ihre Athletik gewinnbringend für spektakuläre Highlights einzusetzen. Ob #1 und gegen #8 der Eastern Conference ansonsten für einen ernstzunehmenden Schlagabtausch zu haben ist? Eher nicht. Dabei gewannen die Pistons den bisherigen Vergleich mit 3-1...


Warum Cleveland gewinnt
Als haushoher Favorit im Osten werden die Cavs den Division-Gegner aus Detroit zwar ernstnehmen, ihn aber nicht höher bewerten, als unbedingt nötig. Mit Headcoach Tyronn Lue, dessen Bilanz mit 27-14 schlechter ist als die vom geschassten David Blatt (30-11), will Cleveland endlich NBA-Champion werden und ist laut Kyrie Irving „das Team, das es immer noch zu schlagen gilt“. An der Ostküste gilt das auf jeden Fall.

Die Ausgangssituation war zu keinem Zeitpunkt wirklich gefährdet, obwohl die Toronto Raptors mit ihrer emsigen Verfolgung für die nötige Ernsthaftigkeit in der Eastern Conference sorgten – und es aus Cavs-Sicht auch mussten. Interne (LeBrons „Twitter-Affäre“, LeBrons Dremteam, Blatt) und externe (Kyries Ex-/Freundin) Störfeuer sowie anhaltende Trade-Gerüchte um Kevin Love begleiteten das Team in nahezu jeder Phase der Regular Season.

Passend zum Start der Playoffs sind die Querelen vorbei. Seit Anfang / Mitte März präsentiert sich das Team in aufstrebender Form. Das Spacing sieht besser aus,  was nicht zuletzt an dem Umstand liegt, dass Love auf der Vier endlich integriert zu sein scheint. Zwar sind bei seinen 16 Punkten, 9.9 Rebounds, 41.9% FG und 36% Dreier keine Quantensprünge auf den ersten Blick zu erkennen. Seine Aggressivität im Spiel mit dem Rücken zum Korb oder  die Bereitschaft, in der Verteidigung dagegenzuhalten, haben sich nachhaltig gravierend verbessert.

A photo posted by Cleveland Cavaliers (@cavs) on


Solange Love nicht in ein Postup gegen Drummond gerät, werden die Pistons nicht lösbare Probleme haben, den Power Forward neben Irving und James zu stoppen. Hinzu strahlt J.R. Smith permanent Gefahr vom Perimeter aus, sodass der Dreier bereits für klare Verhältnisse in Runde eins sorgen könnte. Immerhin patrouilliert mit dem angesprochenen Center von Detroit ein wahres Monster in der Zone, das die gefährlichen Drives der Wine & Golden aber nur bedingt aufhalten kann. Zur Not wird dann per Kickout ein offener Schütze gefunden, der den Spalding durch die Reusen scheppert.

Auch sonst wird die individuelle Qualität mindestens eine Klasse zu viel für van Gundys unreife Truppe sein. Sobald sich Lücken auftun, werden Irving und LBJ in den Raum schnellen und effektiv punkten. Cleveland wird die vier, maximal fünf Spiele nutzen, um sich weiter einzugrooven. Einzig die Leidenschaft Detroits könnte an den Nerven zehren, denn diese Jungs geben erst dann eine Begegnung verloren, wenn der finale Buzzer ertönt. 

Sollte der Underdog mich Lügen strafen und wider erwarten einen frühen Win holen, kann zu jeder Zeit James übernehmen. Der King demonstrierte in den vergangenen Tagen abermals seine unbeschreibliche Königsklasse und schoss sogar brandheiße 51% von außen. Wenn er jetzt sogar so swisht wie Stephen Curry, wird Kyrie mit seiner Prognose Recht behalten. Und sollte auch das nicht reichen, gibt’s noch diese äußerst ansehnliche Taktik namens Hack-a-Andre.

Eine Randnotiz habe ich noch, bevor Jan mit seinem jämmerlichen Köcher voller unglaubwürdiger Argumente ran darf: In dieser Woche heuerte mit Dahntay Jones ein Defensivass am Lake Erie an. Mal sehen, wie viel Garbage-Time er bekommen wird.


Warum Detroit gewinnt
Nun, Garbage-Time erwarte ich in dieser Serie nicht im größeren Ausmaße. Klar, #1 gegen #8 im Osten birgt im Normalfall kein sonderlich größeres Überraschungspotenzial. In den letzten Jahren sahen wir hier an achter Stelle der Rangliste nur allzu oft Franchises, die nur mit viel Glück und einer Siegesquote deutlich unterhalb der .500 in die Playoffs schlitterten, nur um dort neben den verlorenen Lottery-Chancen auch noch eine 0-4-Backpfeife via Sweep zu kassieren.

Die Detroit Pistons auf Rang acht werten die Konstellation 1. vs 8. in dieser Saison dabei erstmals deutlich auf: Mit einer Saisonbilanz von 44-38 erreichten die Jungs aus Motown Detroit zum ersten Mal seit der Saison 08/09 die Playoffs - und lagen dabei mit nur 13 Siegen hinter dem Ost-Primus und Erstenrundengegner aus Cleveland in Sichtweite aller anderen Playoffteams.

Die in den letzten Jahren komplett renovierte Rennpferd-Truppe, die unter der Führung des charismatischen Schnauzbart-Generals Stan Van Gundy reitet, wird alles in ihrer Macht stehende daran setzen, den Cleveland-Fluch auch in diesem Jahr aufrecht zu erhalten. Das Coaching der Pistons dürfte hierfür ein kaum zu überschätzender Faktor sein. Van Gundy besitzt jahrelange NBA- und Playoff-Erfahrung und konnte seine Mannschaft in den letzten beiden Saisons nach seinen Maßgaben gestalten und dem Team seine Defensivphilosophie einimpfen. Auch wenn das Team „SVG“s Pläne sicherlich noch nicht zur Gänze umsetzt, dürfte der Vorteil auf der Trainerbank in dieser Serie klar auf Seiten der Pistons zu finden sein.


Bei den Lineups seines Teams dürfte sich für Van Gundy dabei wenig Spielraum bieten. Seine erste Fünf stellt sich praktisch von alleine auf. Die Tiefe im Kader fehlt fast gänzlich, sodass Reggie Jackson, Kentavious Caldwell-Pope, Tobias Harris, Marcus Morris und Andre Drummond in dieser Serie viele Minuten sehen sollten. Die Starter-Pferde zu reiten bis sie tot umfallen ist jedoch in den Playoffs bekanntermaßen nicht ungewöhnlich.

Mental dürften sowohl die Spieler als auch ihre Crowd im legendären Palace of Auburn Hills motiviert bis in Ben Wallaces Haarspitzen in die Playoffs gehen. Allen voran Pistons-Guard Reggie Jackson, welcher zuletzt nicht unbedingt durch Sachlichkeit oder Bescheidenheit auffiel, weist dabei LeBron & Co. die deutliche Favoritenrolle zu. Er und die Pistons seien mit der Außenseiterrolle und dem geringeren Druck jedoch vollweg zufrieden und blickten erwartungsvoll auf das Aufeinandertreffen mit dem Team aus Ohio: "I don't want to fight Goliath's homeboy or little brother, I want to go and fight Goliath.“

Auch in den eigenen Reihen findet sich bei den Pistons ein solcher Goliath. Mit Center Drummond, der sich noch in seinem Rookie-Vertrag befindet, steht den Cavaliers eine wahre Zonen-Bestie gegenüber. Drummond mag zwar ein schlechter Küsser und obendrein ein desolater Freiwurfschütze sein (35,5% FT-%), ist aber mit einer brachialen Physis und Athletik ausgestattet, die in der Liga ihresgleichen sucht.

Gelingt es den Pistons, den von den potenziellen Verteidigern praktisch nicht zu beherrschenden Drummond in der Zone in Szene zu setzen und so Raum für die vier Schützen von außen oder aus der langen Mitteldistanz zu schaffen, kann man Cleveland durchaus vor ernsthafte Probleme stellen.

Defensiver Wille und Zugriff, konsequentes Rebounding und eine langsame Pace dürften weitere Schlüssel für einen möglichen Erfolg der Pistons sein. Defensiv gilt es vor allem die Drives + Kickouts von Irving und James zu minimieren und die Superstars der Cavs in der Defensive arbeiten zu lassen.

In der regulären Saison gewann man immerhin zwei der drei Duelle gegen den Divisions-Rivalen, das vierte Aufeinandertreffen am letzten Spieltag war eher ein Schaulaufen der Ergänzungsspieler, sodass selbst Dahntay Jones auf 42 Minuten Spielzeit kam. Egal wie die Serie ausgeht: Die wird er in der ganzen ersten Runde nicht spielen.


Stat-Salat
Seit Tyronn Lue Cleveland übernommen hat, erzielen die Cavs in der ersten Halbzeit 12.9 Punkte mehr als noch unter David Blatt. Kurios: In den zweiten 24 Minuten sind es 14.8 Zähler weniger. Obacht!

Die Cavs haben 880 Dreier verwandelt und damit zwar über 200 weniger getroffen als die Warriors, aber dafür hat es in der Historie nur vier Teams gegeben, die besser getroffen haben. In dieser Saison ist es der Spitzenwert hinter den Dubs.

Tristan Thompson trifft mit 61.6 Prozent am schlechtesten von der Freiwurflinie bei den Cavaliers. Das sind immerhin 26.1 Prozent mehr als Detroits Andre Drummond, der nur auf sibirische 35.5 Prozent kommt.


Die Rechnung, bitte!