04 April 2016

4. April, 2016


von AXEL BABST @CoachBabst

Der Saisonhöhepunkt steht bevor und die letzten verbliebenden Teilnehmer der March Madness kämpfen um den Titel. Mit Villanova und North Carolina konnten sich verdientermaßen die beiden mit Abstand besten Teams des Turniers durchsetzen.

Beide Colleges konnten auf ihrem Weg zum Finale teils sehr beeindruckende Siege verzeichnen. Speziell Villanova demonstrierte in den letzten Partien die eigene Stärke und konnte Oklahoma die höchste Niederlage in einer Final Four Partie bescheren.


Neben der Brisanz der Begegnung und der Dominanz der antretenden Kontrahenten wird zudem spannend zu beobachten sein, welches Team seinen eigenen Stil durchsetzen und sich dadurch möglicherweise den entscheidenden Vorteil sichern kann.

Eine zentrale Rolle dürfte daher das Pick & Roll spielen. UNC hat bei der Bekämpfung des Blocken-und-Abrollen immer noch Schwierigkeiten, während Villanova in fast jedem Angriff mehrere Blöcke nutzt, bis sich die Möglichkeit zum Drive oder aber der offene Wurf ergibt.

UNC verteidigt das Pick & Roll oft per Flat Defense, bei der der Verteidiger des Blockstellers absinkt und dem Ballhandler somit den Drive wegnehmen soll. Dafür ist aber der Wurf sehr offen, was guten Schützen eiskalt bestrafen. Syracuse konnte dadurch viele Punkte und einigermaßen gute Würfe erspielen.

Im ersten Beispiel aus dem Halbfinale slippt Tyler Roberson als Blocksteller den Screen. Dadurch muss Brice Johnson sich auf Roberson konzentrieren und kann den Drive in die Zone nicht verhindern. 

Joel Berry lässt Ballhandler Trevor Cooney viel zu leicht penetrieren und kann am Ende den Jumper nicht wirklich erschweren, weil ihm die Zentimeter fehlen und Cooney geschickt Abstand kreiert.


Auch in der nächsten vergleichbaren Situation sind wieder Johnson und Berry als Verteidiger involviert. Dieses Mal stellt Roberson den Block zur Baseline, was Villanova sehr gerne und auch genau von dieser Stelle praktiziert. Johnson sinkt extrem weit ab und verlässt nicht mal die Zone:


Das ist eine Einladung für Michael Gbinije, der nicht lange zögert und sofort abdrückt. Gegen die Guards der Wildcats dürfen solche Lücken auf gar keinen Fall entstehen, denn diese sind allesamt gefährliche Werfer und lassen sich solche Gelegenheiten in der Regel nicht entgehen.


Auch im dritten Beispiel gelangt Gbinije wieder viel zu einfach in die Zone. Kennedy Meeks steht Marcus Paige eher im Weg, als dass er mithelfen würde, den Drive zu unterbinden. Viel zu spät macht Meeks die Bahn frei, weshalb Paige Gbinije nicht mehr abdrängen kann. Beim Jumper hat er keine Chance, das Resultat noch zu beeinflussen. Dafür fehlen ihm die nötigen Zentimeter.


Auffallend bei allen drei Aktionen sind die extremen Unterschiede in den Distanzen. Die Bigs scheinen nicht genau zu wissen, wie viel Abstand sie halten soll, wo sie sich zu platzieren haben und wann sie aktiv werden müssen. Da alle drei Sequenzen sich in unmittelbarem Abstand zueinander ereigneten und die Ballhandler gleiche Qualitäten haben, ist auch nicht davon auszugehen, dass Coach Williams hier bereits Adjustments vornehmen wollte. Eine klare Abstimmung fehlt einfach.

Noch gravierender werden die Fehler jedoch, wenn die Verteidiger vorher bewegt werden und es sich nicht nur um ein einfaches Pick & Roll handelt. In der folgenden Defense müssen die Tar Heels zwei Blöcke nacheinander mit demselben Blocksteller verteidigen.

Das erste Pick & Roll hedgen die Heels und verändern damit ihre Verteidigungsweise. Allerdings ist das gegen Gbinije, einen zwei Meter großen Aufbauspieler, keine sonderlich gute Entscheidung, da er schlicht über die Verteidiger gucken und passen kann. Zudem ist Joel James ein relativ langsamer Big, der seine Zeit zur Recovery braucht. 

Durch den langen Rückweg entsteht Verwirrung, ob die Bigs ihre Gegenspieler tauschen sollen oder nicht. Isaiah Hicks will switchen und orientiert sich zu Blocksteller Coleman, doch auch James läuft auf Coleman zu. 


Die beiden verunsichern sich gegenseitig, was dazu führt, dass sich letztlich niemand um ihn kümmert und der Syracuse Big einen Layup hat.


Villanova attackiert, wie bereits hier dargestellt, am liebsten aus Horns oder einer 4-Out-Aufstellung heraus mit vielen solcher Pick & Rolls. Die Offense der Wildcats ist deswegen so schwer zu verteidigen, weil sie gutes Spacing, mit ordentlichem Entscheidungsverhalten, gutem Ballmovement und einem gewissen Maß an Toughness beim Zug zum Korb verknüpfen. Um die Variabilität zu unterstreichen folgen ein paar Beispiele aus dem Halbfinale gegen Oklahoma.

Die besten Entscheidungen trifft in der Regel Aufbauspieler Ryan Arcidiacono. Da er den Wurf aus dem Dribbling trifft, zum Korb ziehen kann und ein guter Passgeber ist, kann sich die Defense oft nicht darauf einstellen, was er machen wird und muss ihn daher zu einer Entscheidung zwingen. Hier zeigt Arcidiacono seine ganze Klasse, weil er die sich bietenden Optionen genau durchleuchtet und die richtige auswählt.

In dieser Situation verdeutlicht er seine Passqualitäten. Sein No-Look-Päss ist von höchster Güteklasse und bedarf an einem hohen Maß an Konzentration und Übersicht. Auch Daniel Ochefu unterstreicht seine spielerische Progression und verwertet das Anspiel.


Zudem ist oft von Vorteil, dass die Wildcats mit zwei Aufbauspielern gleichzeitig auf dem Feld agieren. Jalen Brunson kann ähnliche Qualitäten aufweisen wie Arcidiacono und profitiert von der Aufmerksamkeit, die dem Senior zuteil wird. 

In der folgenden Szene nutzt er die Tatsache, dass außer Ochefu alle anderen Mitspieler samt Verteidiger oberhalb der Dreierlinie postiert sind. Nachdem er seinen Gegenspieler geschlagen hat, kann kein weiterer Verteidiger rechtzeitig helfen.


Eine weitere Option, die von den Ballhandler im Pick & Roll häufig gewählt wird, ist der Crosscourt-Pass. Da die Spieler auf der  Weakside stets in Alarmbereitschaft sind, können sie Closeouts schnell attackieren und wieder einer Hilfe entgehen oder werden von den helfenden Verteidigern erst zu spät gehindert.


Auch gegen weniger aggressive Verteidigungen und die von den Tar Heels praktizierte Flat Defense sind die Guards dank ihrer Wurfqualitäten gerüstet. Jeder der potentiellen Ballhandler ist ein ordentlicher Werfer und kann aus dem Dribbling ohne groß zu zögern den Jumper verwandeln.


Alles in allem scheinen die Wildcats also für jede Verteidigungsvariante, die von den Tar Heels ausgepackt werden könnte, gerüstet zu sein. Da der Großteil ihrer Angriffe durch Pick & Rolls entscheidend geprägt wird, besteht zudem nicht die Gefahr, dass sie diese Schwachstelle der Heels ungesühnt lassen. 

Bisher hatte UNC extreme Schwierigkeiten gegen Teams, die derart viele Pick & Rolls liefen. Das Spacing und die Anwesenheit von vier Schützen auf dem Feld werden zudem dafür sorgen, dass sich die Wege bei Hilfe verlängern und die Bigs der Tar Heels in unangenehme Situationen versetzt werden.

Die Tar Heels müssen hingegen versuchen, ihre Größenvorteile am Brett auszuspielen. Hier sind die Wildcats auf dem Papier unterlegen, da sie mit Ochefu und Darryl Reynolds nur zwei Bigs im traditionellen Sinne aufweisen können. Allerdings sind auch die anderen Spieler allesamt gute Rebounder und übernehmen beim Kampf um die Überreste der vergebenen Würfe viel Verantwortung.

Sobald jedoch auch der Gegner ähnlich aggressiv zu Werke geht, werden die Wildcats Probleme haben, ihr defensives Brett zu kontrollieren. Selbst gegen die Sooners, die kein sonderlich großes Team sind, ließen die Wildcats einige Angriffe der Sooners mit mehreren Wurfgelegenheiten zu. Diese Sequenzen hätten durchaus das Spiel verändern können, wenn OU nicht so sorglos mit den offenen Würfen umgegangen wäre.


Sehr viel wird daher von Daniel Ochefu abhängen. Kann der Big Man es alleine mit der zahlenmäßigen Überlegenheit der Tar Heels aufnehmen und zudem auch offensiv Nadelstiche setzen oder wird UNC die Bretter kontrollieren?

Gerade die Anzahl der Putbacks und Transition Punkte kann über den Ausgang des Spiels entscheiden. Im Setplay besteht die Gefahr, dass die Tar Heels sich kaum klare Wurfchancen erarbeiten können und sich auf Jumpshots versteifen. 

Bei der Secondary Offense oder auch den diversen Box-Sets, die hier bereits besprochen wurden, ist vorstellbar, dass die Wildcats einfach alle Screens switchen und damit die Effizienz der Plays dramatisch reduzieren.

Gelingt es dann nicht, Größenvorteile auszunutzen und stattdessen das Glück in Distanzwürfen zu suchen, werden die Tar Heels Probleme bekommen, einfache Punkte zu erzielen. 

Je langsamer das Spiel sein und je ausgeglichener sich das Reboundduell gestalten wird, desto größer werden die Chancen der Wildcats auf die Meisterschaft. Solange sie in der Offensive ihr Tempo und ihre Geduld beim Pick & Roll ausspielen, werden sie zudem konstant gute Würfe erhalten und damit auch die Aussichten auf Fastbreakpunkte der Tar Heels reduzieren.