02 April 2016

2. April, 2016


von AXEL BABST @CoachBabst

In der ACC Saison trafen Syracuse und North Carolina bereits zwei Mal aufeinander. Beide Male konnten die Tar Heels gewinnen. Zuletzt gelang dies am Senior Day Ende Februar. Allerdings dürfte allen Beteiligten klar sein, dass diese Spiele nur bedingt Aussagekraft haben und das anstehende Halbfinale einen ganz anderen Ausgang nehmen kann.

Das liegt hauptsächlich am Run der Orangemen. Alle Rotationsspieler konnten ihre Intensität in den vergangenen Wochen deutlich ankurbeln und sind dank der kürzlichen Erfolge auch mit dem notwendigen Selbstvertrauen in der Offense ausgestattet. 

Zudem schmeckt den Tar Heels die Spielweise auf mehreren Ebenen überhaupt nicht. Insofern wird es spannend zu sehen sein, wie North Carolina mit dem Druck umgeht. Im bisherigen Turnierverlauf konnten die Tar Heels erstaunlich konstant überzeugen und hatten immer eine passende Antwort parat.


UNC Offense vs. 2-3 Zone
Die Zonenverteidigung von Syracuse gehört mittlerweile seit Jahrzehnten zu den Institutionen der NCAA und ist in ihrer Form eine der unangenehmsten Verteidigungen, auf die ein Gegner treffen kann. 

Durch die Länge des Kaders und die geschickten Verlagerungen ist es sehr schwer, Überzahlsituationen zu generieren und sich Vorteile zu verschaffen. An einigen Spots kann es durch plötzliche Traps sogar zu gefährlichen Unterzahlsituationen kommen, aus denen die Orange unmittelbar Profit schlagen.

Viele Teams versteifen sich daher aus Angst vor Traps und Ballverlusten auf den Distanzwurf, was nie eine gute Idee ist. Zwar wird immer als erste Waffe gegen eine Zonenverteidigung der Dreier angeführt, allerdings trifft das nur bedingt zu. Die bisherigen Turniergegner, allen voran Virginia, nahmen zwar viele Würfe aus der Distanz und trafen zum Teil auch ordentlich, allerdings waren die Jumper weder gut herausgespielt, noch wirklich frei.

North Carolina sollte nicht nur aufgrund der abschreckenden Beispiele der vergangenen Wochenenden Abstand vom Distanzwurf nehmen. Die Tar Heels werfen als Team knapp 32 Prozent aus dem Dreipunktebereich, was sie knapp innerhalb der Top300 unterkommen lässt. Zwar können sie durchaus mal einen guten Tag erwischen und dann wie gegen Indiana auch mal elf Dreier versenken, doch solche Spiele waren in dieser Saison sehr selten.


Allerdings konnten die Heels bereits mehrfach zeigen, dass sie auch ohne sichere Schützen eine Zonenverteidigung knacken können. Beispiele hierfür sind unter anderem das Rückspiel gegen Duke oder auch Turniersiege gegen Providence und Notre Dame. 

Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, dass die Tar Heels ihre Bigs gezielt in Szene setzen müssen. Hier stehen vor allem die Guards in der Verantwortung, gute Entscheidungen zu treffen und ihre Innenspieler nicht zu vergessen. Die folgenden Szenen zeigen, wie schnell UNC eine Zone dank der Korbgefahr und der Passqualitäten der eigenen Bigs knacken kann.

Roy Williams bevorzugt vor allem Blöcke abseits des Balls, um die Verteidiger zu verwirren und den großen Spielern zu kurzen Momenten der Freiheit an ihren Sweet Spots zu verhelfen.

Im ersten Beispiel verwendet UNC zunächst einen Gegenaufstellung zur 2-3-Zone der Orange, bei der drei Außenspieler in den Lücken am Perimeter und zwei Bigs am Zonenrand postiert sind. Der Ball wird zunächst von einer Seite zur anderen gepasst, um die Verteidiger entlang der Dreierlinie zu beschäftigen. 

Erst als der Ball wieder in den Händen von Aufbauspieler Joel Berry ist, stellt Joel James in der Zone einen Screen für Brice Johnson. Die beiden haben eigentlich eine Menge Platz, allerdings stimmt das Timing nicht. James’ Block ist zu spät, weshalb Verteidiger Richardson einsinken und den Pass zu Johnson verhindern kann.

Da die Tar Heels jedoch mittels Flarescreen direkt wieder den Ball auf die andere Seite bringen, muss Richardson schnell seinen Posten verlassen, wodurch Johnson einen Moment frei ist und am Zonenrand seinen Fadeaway einbringen kann. Zwei Screens abseits des Balls reichen also, um Johnson einen seiner Lieblingswürfe zu ermöglichen.


Beim zweiten Beispiel handelt es sich um dasselbe Setplay. Der erste Pass auf Johnson klappt zwar wieder nicht, doch dieses Mal wird Blocksteller Kennedy Meeks frei. Meeks bekommt den Ball von Berry, traut sich aber keine Aktion zu. Sein Touch aus diesem Bereich hätte einen Abschluss gerechtfertigt und auch Johnson hatte eigentlich gute Position. 

Stattdessen passt er raus zu Paige, der Gbinije bindet. Die Zonenverteidigung ist in diesem Moment unsortiert und bricht durch Paiges Extrapass zu Berry komplett auseinander. Solche Dreier sind vertretbar, zumal Berry seine Würfe sicher verwandelt (37,6 Prozent).


Eine weitere Möglichkeit, die Zone der Orange zum Kollabieren zu bringen, sind schnelle High-Lows oder Low-Highs zwischen den Bigs. Meist sinken dann alle fünf Verteidiger bis in die Zone ein, wodurch die Außenspieler jede Menge Platz haben. 

In folgendem Play nutzen die Tar Heels zunächst Blöcke am und abseits des Balls, um die Verteidiger zu binden und die Verteidiger von ihren Positionen wegzulocken. Nachdem der Ball zwei Mal von Seite zu Seite bewegt wurde, kann Paige dadurch Johnson anpassen. Johnson leitet den Ball direkt zu Meeks weiter, der wiederum geistesgegenwärtig direkt auf die Weakside schaut und dort den freien Justin Jackson findet.


Ein letztes Beispiel, wie North Carolina gegen die Zone erfolgreich sein kann, zeigten die Tar Heels vergangene Woche gegen Notre Dame. Hier kombinieren sie die vorher erwähnten Elemente: Blöcke abseits des Balls und Highpost Touches. Jackson cuttet zunächst in die Zone und zieht damit die ganze Aufmerksamkeit auf sich. 

Sobald er die Verteidiger Auguste und Vasturia abgelenkt hat, verlässt Jackson die Zone und macht damit die Bahn für die eigentliche Aktion frei. Sofort stellt Pinson einen Screen für Johnson, der eigentlich schon am Zonenrand angepasst werden könnte, letztlich aber auch vom Elbow den Jumper versenkt.



Transition
Eine andere Möglichkeit, die Zonenverteidigung der Orange zu umgehen, wäre es möglichst viele Punkte durch Fastbreaks zu erzielen. Kaum ein Team ist so gefährlich im Umschalten wie die Tar Heels. Selbst nach Punkten des Gegners können die Tar Heels eigene Körbe innerhalb weniger Wimpernschläge erzielen und damit die Moral der Kontrahenten untergraben. Ausschlaggebend sind oft die präzisen Outlet-Pässe der Bigs und die harten Sprints der Flügelspieler.


Daher müssen die Orange als Kollektiv zurücksprinten. Gerade wegen der Zonenverteidigung ist problematisch, wenn bereits ein einzelner Akteur zu langsam in der Rückwärtsbewegung ist. Können sie jedoch die langen Outlet-Pässe verhindern, haben die Orangemen eine gute Chance, den Fastbreak unfallfrei zu stoppen. Ihre Transition Defense gehört insgesamt zu den besten der NCAA, da die beiden Guards an der Spitze der Zone sehr geschickt den Ballhandler am Drive hindern und oft in eine schnelle Trap verwickeln.

Andersherum müssen aber auch die Tar Heels auf der Hut sein. Denn auch wenn Jim Boeheim nur sieben Akteuren sein Vertrauen schenkt und die kurze Rotation entsprechend keine allzu ausgedehnten Laufduelle erlaubt, nutzen die Orange jede sich bietende Gelegenheit zum Fastbreak. Diese Breaks spielen sie sehr konsequent zu Ende. Ihr Vorteil besteht oft darin, dass sie durch ihre Zonenverteidigung viele Ballverluste forcieren und sich aus der Zone heraus schnell und gezielt aufteilen können. 


Aus solchen einfachen Punkten ziehen viele Spieler auch ihr Selbstvertrauen für die darauffolgenden Aktionen. Speziell die Freshmen oder auch „streaky“ Shooter Trevor Coneny holen sich durch Fastbreakpunkte die Sicherheit für die Halfcourt Offense. So können selbst wenige Fastbreaks eine fatale Wirkung für den Gegner entfalten, wenn die aus ihrer Sicht falschen Akteure punkten.


Pick & Roll/Pick & Pop
Seit der Niederlage gegen Northern Iowa scheinen Gegner die Verteidigung des Pick & Roll/Pop als die große Schwachstelle bei den Tar Heels ausgemacht zu haben. In der Tat offenbaren die Heels hier immer wieder große Schwierigkeiten, die teils unterschiedlich zu begründen sind.

Zum einen sind die beiden Center James und Meeks schlicht zu langsam, um die bevorzugte Hedge-and-Recover-Defense der Heels praktizieren zu können. Entweder können die Ballhandler sie schlagen oder die Blocksteller sind zu lange in der Zone frei. Zum anderen sind die Bigs es offensichtlich nicht gewohnt, am Perimeter verteidigen zu müssen. 

Das gilt vor allem für Johnson und Isaiah Hicks. Beide sind eigentlich schnell genug, um auch mal Guards verteidigen zu können, allerdings fehlt ihnen oft das Timing. Dadurch sind sie oft zu spät und begehen unnötige Fouls oder wissen nicht, wann sie wieder an den Guard übergeben sollen. Auch in Sachen Handchecking leisten sich die beiden oft Aussetzer und handeln sich vermeidbare Fouls ein.


Besonders die Kommunikations- und Timingprobleme werden bei Pick & Pop Situationen deutlich. Bereits häufiger versuchten Teams, die über einen Stretch Vierer verfügen, gezielt Johnson mit Pick & Pops zu attackieren. Besonders Duke versuchte solche Situationen zu nutzen, um Brandon Ingram einen Vorteil gegenüber Johnson zu verschaffen. 

Zuletzt hatte Mike Brey diesen Gedankengang und ließ viele Pick & Pops mit V.J. Beacham laufen, der vor allem zu Beginn des Spiels sehr erfolgreich seinen Vorteil ausnutzen konnte und Johnson schlecht dastehen ließ.


Mittlerweile sind die Tar Heels in der Lage, zumindest unter Zuhilfenahme eines dritten Verteidigers den offenen Wurf zu verhindern. Ist der Stretch Vierer jedoch ein passabler Passgeber, führt das schnell zu einem langen Closeout für den Verteidiger des Blockstellers. Bei Syracuse wird Tyler Lydon häufiger in Pick & Pops verwickelt und hat genug Spielverständnis für diesen Extrapass. 

Da die Offense der Orange zu einem Großteil auf Pick & Roll Aktionen basiert, werden sich die Tar Heels und speziell die Bigs von ihrer besten Seite präsentieren müssen, wenn sie leichte Punkte für Syracuse verhindern wollen.

Auch bei Handoffs hat UNC Probleme. Die Guards und Außenspieler geben oft keine gute Figur ab und lassen sich schnell auf dem falschen Fuß erwischen. Handoffs zwischen den drei Ballhandlern der Orange sind durchaus keine Seltenheit und werden ein weiterer Gefahrenherd für die Defense des letzten verbliebenen 1 Seeds sein.



Rebounding
In vielen Spielen gegen Mannschaften, die überwiegend Zonenverteidigung praktizierten, haben sich schlechte Würfe und anschließende Offensivrebounds samt Putbacks als ertragreichste Einkommensquelle der Tar Heels erwiesen. Auch im bisherigen Turnierverlauf kontrollierten sie angeführt von Johnson die Bretter und gewannen die Reboundduelle zum Teil deutlich.  


Hierin wird für Syracuse daher vielleicht sogar der entscheidende Schlüssel zum Sieg liegen. Gelingt es ihnen, die Reboundstatistik annähernd ausgeglichen zu gestalten und vor allem zweite Wurfchancen zu unterbinden, steigen die Finalchancen beträchtlich. Gerade hier präsentierten sich die über den Saisonverlauf reboundschwachen Orange im Tournament stark verbessert und legten eine Toughness und Gier an den Tag, die zuvor vermisst wurde. 

Besonders auf Tyler Roberson wird eine Menge ankommen. Mit seiner Energie konnte er im Alleingang die Spiele gegen Dayton oder auch Virginia maßgeblich beeinflussen. Er hatte gehörigen Anteil daran, dass Virginia gegen Sryacuse das Reboundduell verlor. Das passiert den Cavaliers nicht allzu oft.


Endstand
Je langsamer das Spiel wird, je mehr North Carolina von außen wirft und je ausgeglichener die Bilanz bei den Rebounds ist, desto höher sind die Chancen für die Orange.

Gleichzeitig müssen sie offensiv möglichst oft das Pick & Roll suchen, Gelegenheiten zu einfachen Punkten nutzen und hochprozentig von außen treffen.

Für UNC muss die Devise lauten, das Spiel möglichst schnell zu machen und im Setplay den Ball ans Brett zu bringen. Gelingt es den Tar Heels, die Größenvorteile auszuspielen, werden sie um die Finalteilnahme kaum zittern müssen.