02 April 2016

2. April, 2016


von AXEL BABST @CoachBabst

Als sich Oklahoma und Villanova im Dezember beim Pearl Harbor Invitational gegenüberstanden, trafen dort zwei Teams aufeinander, die mit den jetzigen Sooners oder Wildcats nicht mehr viel gemein haben. Beide Teams konnten sich spielerisch enorm entwickeln, weswegen dieses Spiel nicht als Referenz, sondern eher als Mahnung dienen sollte, von welcher Spielart sich beide Teams am Samstag entfernen müssen.

Das Spiel endete in einem sinnlosen Dreierregen, an dessen Ende Oklahoma die Oberhand behielt. Doch beide Teams bewiesen spätestens im Tournament, welche Entwicklung sie in den vergangenen drei Monaten durchliefen. Beide Teams haben mittlerweile mehr Struktur in der Offensive, agieren generell zielstrebiger und wirken auch in der Verteidigung gefestigter. 

Selbst den größten Skeptikern sollte mittlerweile klar geworden sein, dass beide Teams mehr drauf haben, als nur an guten Tagen ihre Dreier zu versenken und damit Spiele zu gewinnen. Sowohl Oklahoma als auch Villanova legen sich nicht mehr auf ihre Sprungwürfe fest, sondern suchen auch gezielt ihre Bigs. Selbst wenn das nicht klappt, versuchen die Außenspieler mittlerweile zuerst den Weg zum Korb zu finden, ehe sie das Feuer aus dem Dreipunktebereich eröffnen.

Buddy Buckets
Bei Oklahoma ist Buddy Hield die zentrale Figur in der Offensive. Allerdings fand in der Art und Weise, wie er die Hauptrolle spielt, eine bemerkenswerte Entwicklung statt. Hield muss erstens nicht mehr der beste Scorer des Teams sein und fabelhafte Statistiken auflegen, damit die Sooners gewinnen können. Zweitens ist er selber sehr viel variabler bei seinem Scoring geworden. 

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Begeisterte er zu Saisonbeginn noch mit seinen wahnwitzigen Dreiern aus vollem Lauf im Fastbreak und aus allen Lagen, kann er solche Spiele zwar immer noch scheinbar problemlos aus dem Ärmel schütteln - wie seine Performance gegen Oregon zeigt. 

Aber auch im Setplay ist Hield wesentlich effektiver geworden und kann mittlerweile sehr vielseitig eingesetzt werden, wobei natürlich vieles noch auf seinem starken Dreier aufbaut. Daher dürfen sich Hields Bewacher weiterhin keine einzige unaufmerksame Sekunden leisten, denn Hield braucht nicht viel Zeit und nicht viel Platz für seine Würfe:


Hield fällt jedoch auch immer öfter dadurch auf, dass seine Gegenspieler viel zu paranoid bei seiner Bewachung sind, weswegen sich große Freiräume für seine Mitspieler eröffnen. 

Der Senior entscheidet sich bei seinen Drives immer öfter für den Kickout und hat auch oft genug Optionen entlang der Dreierlinie zur Hand, da die Hilfen bei seinen Drives sehr früh kommen und sich die Defense nur noch auf ihn konzentriert. Teilweise gehen Teams sogar dazu über, Buddy durch spärlich platzierte Traps zum Pass zu zwingen, um den Dreier oder Drive zu verhindern.

Ein weiteres probates Mittel von Lon Kruger besteht darin, Hield als Blocksteller zu nutzen. Aufgrund seines ausgezeichneten Wurfs haben seine Gegenspieler so viel Angst vor einem schnellen Pop-Out, dass sie lieber an Hield kleben, anstatt beim Drive zu helfen.


Sehr beliebt sind bei den Sooners Isolations für Hield. Hield erhält dabei meist den Ball auf dem Flügel und hat dann die ganze Seite für sich. Besonders aus Einwürfen heraus versuchen die Sooners, Hield damit schnelle Scores zu ermöglichen. 

Bei den Isolations zeigt Hield, wie stark er sein Ballhandling und auch seine Courtvision verbessert hat. Er sieht früh, wann die Hilfe kommt und entscheidet sich dann schnell, ob der Platz für einen eigenen Abschluss ausreichend ist oder welchen Mitspieler er anspielen kann.


Viele Teams versuchen daher mittlerweile, den Pass auf Hield äußerst aggressiv zu unterbinden. Oft fehlt ihnen einfach der entsprechende Verteidiger, um Hield im Eins-gegen-Eins verteidigen zu können. Allerdings läuft Hield auch sehr geschickt seine Backdoorcuts, weshalb das aggressive Deny oft ein Schuss ins Knie ist.


Allerdings kann Hield auch dann ein integraler Bestandteil der Halbfeldoffense sein, wenn er überhaupt nicht den Ball berührt. Das macht sich vor allem beim Pick & Roll bemerkbar. Hier wird Hield oft als einziger Angreifer auf der ballentfernten Seite platziert. Durch seine pure Anwesenheit und den Respekt vor seinem Distanzwurf weichen ihm seine Gegenspieler nicht einen Zentimeter von der Seite. Entsprechend können sie nicht beim Blocksteller helfen und ihn bumpen. 


Dadurch sammeln die Sooners jedes Mal zwei einfache Punkte ein, wenn es der Ballhandler im Pick & Roll schafft, eine gute Entscheidung zu treffen. Erleichtert wird diese Aufgabe oft durch die Tatsache, dass meist Isaiah Isaiah Cousins als Aufbauspieler fungiert und Größenvorteile gegenüber seiner Gegner hat. Auch die gute Körperkontrolle und Sprungkraft eines Khadeem Lattin erweisen sich als überaus hilfreich.


Ein Unterschied wird sofort deutlich, wenn sich nicht Hield auf der Weakside befindet, wie die folgende Szene gut demonstriert. Hier ist es Freshman Christian James, der auf der Weakside positioniert ist. Von ihm traut sich die Verteidigung zu helfen. 

Lattin wird beim Abrollen kurz gebumped, wodurch das Timing nicht mehr passt und sich Ballhandler Jordan Woodard kurzfristig eine andere Option suchen muss. Seine Wahl fällt aus Mangel an Alternativen auf Dante Buford, dessen Abschluss missglückt.


Begeht der Verteidiger allerdings den Fehler, den Blocksteller zu bumpen und damit Hield frei an der Dreierlinie stehen zu lassen, können die Folgen gravierend sein. Nicht nur Hields Dreier ist in solchen Momenten eine Waffe. Hield attackiert nun auch Closeouts sehr geschickt und finden auch seine Mitspieler, wenn sie frei sind.


Hield hat sich über die Saison zu einem sehr kompletten Offensivspieler auf NCAA Ebene entwickelt und ist damit nur sehr schwer aus dem Spiel zu nehmen. Sobald ein Team jedoch zwanghaft versucht, Hields Kreise einzuengen, kann das schnell fatale Fehler bedeuten und Hields Mitspielern offene Würfe und einfache Punkte einbringen.


Villanova Defense
Gespannt darf man daher sein, wie Jay Wright Hield und der um ihn herum aufgebauten Offensivmaschinerie beikommen möchte. Denn Villanovas Defense war bislang der Hauptgrund für die teils deutlichen Resultate und auch den Elite Eight Sieg über Kansas.

Ein wesentliches Merkmal ist, dass die Wildcats bei Pick & Roll Situationen nicht vor dem Switch zurückschrecken. Bei den Positionen Eins bis Vier gibt es ohnehin nur geringfügige Unterschiede in der Qualität der Perimeter Defense und selbst die Bigs Daniel Ochefu oder Darryl Reynolds können Guards am Drive hindern. 


Dieses ständige Switchen kann den Rhythmus einer Offense empfindlich stören. Denn viele Aktionen verlieren einfach ihre Wirkung. Speziell beim Blocken-und-Abrollen haben gegnerische Guards oft Probleme mit der Länge der Verteidiger nach dem Switch. Spieler wir Mikal Bridges sind nur schwer zu umkurven und gelingt dies, doch fehlt den Ballhandlern oft der Blick für das restliche Geschehen auf dem Court. Die Verteidiger am Ball können sich des Weiteren auch auf die Unterstützung ihrer Mitspieler verlassen. Oft erfolgt diese Hilfe, indem sie ein Offensivfoul annehmen. 

Durch die vielen Switches verringern sich neben den zugelassenen Drives auch die Kommunikationsfehler bei Hilfen, da sich eigentlich alle fünf Spieler jederzeit in ihrer vorgesehenen Position befinden. Auch die Teamdefense funktioniert als Konstrukt wesentlich besser als bei anderen Teams, da sich jeder Spieler auf dem Feld dafür verantwortlich fühlt, anfallende Aufgaben zu übernehmen. Jeder Spieler verteidigt am Perimeter, hilft, boxt aus und reboundet.


Neben der Mannverteidigung ist die Zonenpresse der Wildcats jedoch mindestens genauso wichtig. Gegen Kansas war sie sogar spielentscheidend, da sie den entscheidenden Ballverlust der Jayhawks provozierte. Auch hier spielt der bereits erwähnte Bridges eine zentrale Rolle. Durch seine Kombination aus Länge, Sprungkraft und Schnelligkeit hatten in dieser Saison bereits viele gegnerische Aufbauspieler gewaltige Probleme beim Ballvortrag. Er nimmt ihnen viel Sicht und erschwert Pässe wesentlich. 

Kurz nach der Mittellinie erreicht der Ball dann oft die eigentliche Gefahrenzone. Sobald der Ballhandler die Mittellinie überschreitet und sich in der Nähe der Seitenlinie befindet, muss er sich auf eine aggressive Trap gefasst machen. Speziell wenn Bridges und Ryan Arcidiacono die beiden Verteidiger beim Doppeln sind, scheint ein Turnover sehr wahrscheinlich zu sein.

Neben der Presse und der Mannverteidigung haben die Wildcats auch noch eine 2-3-Matchup-Zone im Petto. Die Kommunikation ist hervorragend und durch die Länge des Teams wird es schwer, gute Würfe zu erspielen. Folglich zwingt Nova die Gegner auf diese Weise zu vielen Notwürfen oder gar Regelverstößen in Form von abgelaufenen Angriffszeiten.


Theoretisch sind die Wildcats also gut gerüstet für die offensive Feuerkraft der Sooners. Allerdings trafen diese zuletzt auf Oregon. Die Ducks nutzen eine ähnliche Presse und praktizieren ebenfalls eine Matchup-Zone, womit Oklahoma jedoch keinerlei Schwierigkeiten hatte. Und auch das ständige Switchen der Gegenspieler wird die Sooners nur bedingt irritieren können, da sie selber jede Menge switchen und entsprechend Erfahrung im Trainingsalltag sammeln konnten.


Villanova Offense
Die vielleicht wichtigste Entwicklung bei den Wildcats hat jedoch im Angriff stattgefunden. Wurde ihnen in den vergangenen Jahren und auch zu Beginn dieser Spielzeit (zurecht) das Klischee einer soften, auf Dreier versessenen Mannschaft angelastet, sind sie mittlerweile eine sehr ausgewogene Mannschaft in der Offensive. 

Besonderen Anteil daran haben Ochefu und Josh Hart. Ochefu konnte sich von einem rein defensiv orientierten Rimprotector zu einem passablen Lowpostcenter mausern. Mittlerweile ist er ein sehr brauchbarer Scorer am Zonenrand, auf den sich Coach Wright verlassen kann, wenn mal Sand im Getriebe ist. Selbst seine linke Hand benutzt der Senior nun.

Hart hat hingegen an seinem Ballhandling gearbeitet und kann dadurch wesentlich stringenter zum Korb ziehen. Auch Freshman Bridges gibt den Wildcats offensiv eine weitere Scoringoption mit seinen Drives.


Ochefu könnte in der Tat eine zentrale Rolle im Gameplan der Wildcats spielen, sollten die Guards Probleme bei der Penetration haben oder die Würfe von außen nicht fallen. Bei seinen Postups hat Ochefu oft eine Menge Platz, da alle anderen Spieler oberhalb der Freiwurflinie sind. Meist versucht Ochefu das auszunutzen, indem er seinen Gegenspieler weit nach außen schiebt und auf den hohen Lobpass spekuliert.

Er weiß genau, wie er seinen Gegenspieler abschirmen muss, damit der Pass ankommen kann. Da andere Verteidiger weite Wege zur Hilfe zurücklegen müssen und durch die vielen Cuts abseits des Balls auch oft nicht die nötige Aufmerksamkeit an den Tag legen, sind die Lobpässe relativ häufig von Erfolg gekrönt.


Interessanterweise sind genau diese Art von Pässen und Angriffsstrategien ein Mittel, gegen das die Defense der Sooners im Saisonverlauf immer wieder mal ratlos wirkte. Beispiele lassen sich in den Begegnungen mit Kansas oder Iowa State finden. Selbst Texas A&M hatte zuletzt Erfolg mit einem solchen Lobpass, verfolgte diese Strategie aber nur sehr sporadisch:



Endstand
Wie erfolgreich die Sooners sein können, wird zu einem hohen Grad davon abhängig sein, wie gut sie Buddy Hield in Szene setzen können oder er andersherum seinen Mitspielern Freiräume eröffnet. Diese Freiheiten müssen dann natürlich auch genutzt werden. Gerade Ryan Spangler und Isaiah Cousins haben noch Steigerungspotential. 

Villanova wird im Gegenzug darum bemüht sein, Hield so gut es geht aus dem Spiel zu nehmen. Mit Josh Hart und Mikal Bridges verfügen sie immerhin über zwei exzellente Verteidiger, die Buddy tatsächlich stoppen könnten. Auch Aufbauspieler Ryan Arcidiacono könnte eine Option sein.

Generell wird die Partie ein Aufeinandertreffen auf Augenhöhe sein, in der Kleinigkeiten über Sieg und Niederlage entscheiden können. Dass beide Teams relativ ähnlich spielen (switchen viel, gutes Shooting, viel Pick & Roll) macht die Sache umso spannender. 

Villanova könnte unter dem Korb leicht bevorteilt sein, während Oklahoma in Hield über den besten Individualisten des Spiels verfügt. Dass das Spiel erst mit dem letzten Angriff entschieden wird, ist nicht unwahrscheinlich.