24 April 2016

24. April, 2016


von ANNO HAAK @kemperboyd

*"They can boo us everyday, but they’re still going to ask for our autographs if they see us on the street." Bonzi Wells über die eigenen Fans

Freunde, da die erste NBA Playoffrunde spannend ist wie eine Wette auf einen DeAndre Jordan Freiwurf, nutze ich diese Zeilen heute für ein paar Worte über Stanley Johnson. Doch vorher erzählt Opa vom Krieg. In der Rolle als Opa: yours truly. In der Rolle als Krieg: die NBA der frühen Nuller Jahre.


Es war eine glorreiche Zeit. Eine Zeit, in der die NBA noch nicht von Schwiegermütterlieblingen wie Kevin Durant oder Stephen Curry oder feuchten Marketingagenturträumen wie LeBron James beherrscht wurde. Es war die Allen Iverson-NBA. 50 Cent war noch cool, Tattoos eine Seltenheit, die NBA war nie wieder so Gangsta.

Der König unter den Verbrecherlöwen waren die Portland Jail Blazers. Eine Truppe, die TMZ nicht schöner hätte erfinden können. Mugshot-Rating: 1 pro sieben Tage. Es wurde gekifft, geprügelt und der Trainer mit Unflätigkeiten überzogen, dass es eine Strafverteidigerfreude war. Quyntel Woods (was für ein Name!) veranstaltete mit seinem eigenen Pitbull Hundekämpfe, Damon Stoudamire rief bekifft schon mal aus Spaß die Polizei und meldete einen Raubüberfall auf sein Haus. Der King of Kings war ein Zweitrundenpick aus dem Nowitzkijahrgang mit dem anmutigen Namen Ruben Patterson.

Patterson hatte früh in seinem Leben entschieden, dass diese Welt mehr von seinem Genpool verdiene und mit seiner Frau Nachkommen gezeugt. Doch ach, da ein NBA-Profi viel auf Reisen ist und eine Spielerfrau von Berufs wegen damit befasst ist, tagsüber in den Boutiquen der Stadt Verwendung für all das nach Hause gespielte Geld des Göttergatten zu finden, engagierte die Familie P. eine Nanny. An einem dieser Abende, an denen gerade weder ein NBA-Spiel auf dem Plan stand noch Gras zur Hand war, entschied Ruben, dass es an der Zeit sei, von seinem Weisungsrecht als Arbeitgeber Gebrauch zu machen und Miss Nanny zum Multitasking aufzufordern.

Den Widerstand gegen diese Weisung versuchte unser Protagonist nach Meinung eines humorbefreiten Staatsanwalts extralegal zu überwinden. So kam es, dass sich Patterson nach jedem Vereinswechsel in ein örtliches Register eintragen lassen musste, das staatsweit Sexualstraftäter kenntlich macht.

Wenn RP nicht gerade in Meetings mit seinem Verteidigerteam gebunden war, bezeichnete er sich selbst als "Kobe Stopper", lange bevor Bryants Körper selbst diese Rolle übernahm. Das war 2002 in etwa so, als würde heute jemand behaupten, er werde Curry zu einer Dreierquote im einstelligen Bereich zwingen.

Die Blazers stoppten die Lakers dann in den 2002er Playoffs wie eine Nanny verzogene Kinder. Das heißt, sie stoppten kaum die Borsten des Besens. Zwei Jahre später stopfte Bryant Patterson in einem 2OT-Spiel erst den Ausgleich von Downtown mit ablaufender regulärer Uhr und zehn Minuten später den Game Winner ins Gesicht. So wurde Patterson ein besonders erinnerungswürdiges Opfer des Kobe Bean.

Nun also Stanley Johnson. Der ist "DEFINITIV" in LeBrons Kopf. Sagt er. Die Schädeluntervemietung scheint günstiger zu sein als eine Ein-Zimmer-Butze in Oregon. Zumindest kann er mit Stanley zwischen den Ohren ein NetRtg von 17,3 in die Register eintragen. Stanley Johnson hat wohl keine Nanny. Würde ohne Kinder auch blöd aussehen. Und irgendjemand sollte Stan the man mal erzählen, dass es einen noch nicht zum Gangsta macht, den Haarhelm von Elfried Payton zu klauen. Aber ein "Kobe Stopper" des Jahres 2016 ist er schon mal.

Fundstück der Woche
Patterson war mal ein Sonic. Keep ballin‘!