05 April 2016

5. April, 2016



'5-Second-Violation' ist unser neuer, monatlicher-oder-so Newsletter, der euch in unregelmäßigen Abständen erschreckende Entwicklungen, unpopuläre Meinungen und einen Eimer voll Hass liefert - ohne Rücksicht auf Verluste, political correctness oder Live-Ball Turnovers.

von ROMAN SCHMIDT @sch_rom

Another one bites the dust
Anthony Davis wurde vor kurzem am Knie operiert, seine aktive NBA-Saison 2015/16 ist offiziell finito. Sportfans wären nicht Sportfans, wenn sie nicht bereits jetzt, während die Operationsnähte noch nicht gezogen und die Krankenhausrechnungen beglichen sind, darüber diskutieren würden, ob Anthony Davis zu fragil und ein weiteres Kapitel des dicken Bandes „Great big men with big, bad bodies“ ist. 

Macht euch nichts vor, die nächsten Big Men auf der Liste scharren bereits mit den Hufen. Drummond-Fans schielen bereits auf die Stats, Anhänger von Boogie Cousins sind sich eh längst sicher und Karl-Anthony Towns fängt gerade erst an und wird bereits jetzt geliebt.

Hier gibt es offensichtlich zwei Seiten und ich werde für keine Partei ergreifen. Allerdings… ich liebe das Chaos und sich im Internet zerfleischende Fangruppen, daher werde ich euch AD-Hatern ein paar Argumente zum an den Kopf schmeißen geben: 


Hätte Dwyane Wade, jemand, der von der Allgemeinheit gerne den Stempel „injury prone“ aufgedrückt bekommt, das Ende dieser Spielzeit halbwegs verletzungsfrei überstanden, kämen beide Spieler in den letzten vier Jahren auf knapp 260 Spiele. 

Davis' Teamkollege Ryan Anderson wird im selben Zeitraum voraussichtlich auf 10 bis 20 Spiele weniger kommen als die Braue, allerdings ist das auch derselbe Ryan Anderson, dessen Karriere 2014 beinahe durch eine grausame Wirbelsäulenverletzung beendet wurde. D-Wade!! Ryan Anderson!!! Vielleicht bleiben wir auch einfach mal auf dem Teppich.


Too Much, Too Soon?
Die Boston Celtics werden, egal ob ihr Schweizer Taschenmesser Jae Crowder in diesen Tagen wieder ins Spielgeschehen einsteigt, die Playoffs erreichen. Selbst ohne den Zusatz „in der Eastern Conference“ ist das mit Blick auf diesen Kader eine Sensation kleiner Stufe. 

Mal im Ernst: Boston hat keine Vollzeit-Center oder -Power Fowards. Ihr Frontcourt ist eine schwindelerregende Rotation aus Jared Sullinger, Kelly Olynyk, Amir Johnson, David Lee, Jonas Jerebko und Tyler Zeller. In einem Vakuum ist die NBA-Tauglichkeit jedes einzelnen in dieser Reihe mindestens teilweise diskutabel. 

Und wer hält dieses Sextett zusammen? Brad Stevens, Mastermind, Spielerflüsterer, heimlich Batman und Sexgott. Evan effing Turner spielt produktive Minuten in Beantown. Um unser aller Seelenfrieden zu wahren, ignorieren wir Letzteres.

Man muss kein Pessimist sein, um diesem Kader trotz allem einen weitreichenden Playoff-Run abzusprechen. Generell kann man behaupten, dass dieser Erfolg, den die Celtics derzeit feiern und auch zurecht feiern, zu früh kommt. Schließlich müssen für die Zukunft der Kobolde einige grundlegende Fragen beantwortet werden, die noch nicht beantwortet wurden.

  • Wer ist der Franchise Point Guard?
Avery Bradley, Isaiah Thomas und Marcus Smart sind von ihrer nominellen Größe her die Kandidaten für den Point Guard Job in diesem Team. Betrachtet man jeden einzelnen im Vakuum, ist schwer zu sagen, welcher dieser Jungs der beste für den Job ist. Bradley, den man heutzutage eher als „Combo-Guard“ bezeichnen würde, fällt am ehesten aus dieser Rolle heraus und funktioniert am besten als Off-Guard. Immerhin ist er ein passabler Shooter und exzellenter Verteidiger im Eins-gegen-Eins. 

Ein noch besserer Verteidiger ist Marcus Smart, der trotz seiner Größe jedem Spieler bis zu Small Forwards unter die Haut geht. Als Ballverteiler ist er besser als Bradley. Allerdings fehlen ihm dessen Shooting Touch und Schnelligkeit.

Wohingegen der Dritte in der Runde, Isaiah Thomas, beides bietet, aber defensiv kompensiert werden muss. Dafür ist Thomas All-Star, go-to Scorer und emotionaler Anführer dieser Truppe, die kollektiv längst seine Mentalität übernommen hat.


Solange Marcus Smart sein Shooting nicht erheblich verbessert und sich vor Thomas (der in meinen Augen immer noch als 6th-man Instant Offense Guy besser aufgehoben wäre, jaaaa ich weiss...) spielen kann, bleibt die Minutenverteilung weiterhin eine Quantenrechnung. Allerdings weiß ich nicht, wie weit die heutige Menschenfusions-Forschung ist. Möglicherweise kann man auch da etwas machen und die Drei zusammen packen.

  • Was wird aus James Young?
Ist das nicht der Typ, der wegen Bill Simmons‘ Reaktion am Draft-Day berühmt wurde? Lebt der noch? Kann mal jemand bei ihm klingeln? James?

  • Was wird aus den restlichen young guns?
Außerdem sitzen neben den eben genannten Guards noch Terry Rozier und RJ Hunter auf der Bank, welche die Rotationen der Zukunft noch verkomplizieren werden. Na super.

Aber mal im Ernst: ich kritisiere hier an einem Team herum, das erst vor kurzem die Warriors zu Hause geschlagen hat, was Brad Stevens einen Sitz in der Hall of Fame garantieren sollte. Darüber hinaus werden sie, dank der Nets, derzeit in der Top-5 draften können. Träumen wir nur mal kurz und stellen uns die Celtics vor, wenn der Pick sogar in die Top-2 rutschen würde. Oh me, oh my.

Außerdem haben sie den vielleicht besten Coach im Osten. Stevens' Erfolge mit den Celtics werden auch kommenden Free Agents nicht entgangen sein. Es ist auch schlicht schön zu sehen, dass man, um in der NBA wettbewerbsfähig zu sein, nicht jahrelang den Sport verweigern muss - auch wenn man im Rebuild steckt. Der Erfolg, den die Boston Celtics dieses Jahr haben, sieht in diesen Tagen absolut nachhaltig aus. Womit ich mir zum Schluss auch noch komplett selbst widersprochen hätte...


Head-to-Head Edition
Jedem, der sich an sachlichen und objektiven Gedankengängen erfreut und den ich bis hierhin nicht ohnehin verloren habe, wird vom Lesen des kommenden Teils abgeraten. Jeder, der sich gerne über komplett unbeweisbare Vergleiche von Spielern aufregt, weil er es selbst ohnehin viel besser weiß, der ist herzlich willkommen.

Anthony Davis vs. Karl-Anthony Towns
Wenn wir schon bei AD und KAT waren, können wir auch gleich diese tricky Frage in den Raum stellen. Immerhin war Anthony Davis das neue große Ding der Zukunft. Der beste Big Man der nächsten 5-10 Jahre. Und dann kommt KAT um die Ecke.

Ein Big Man, der praktisch alles kann und das alles auch noch irgendwie gut. What? Klar, der Vergleich geht heute noch positiv für Davis aus, aber in vier Jahren könnte Towns eine defensivere Version von AD sein. Und wir alle wissen, was Championships gewinnt. Richtig, die Warriors.

Prime Wade vs. Prime Kobe
„Majestätsbeleidigung!“, schreien Fans der Lakers und Heat aus einem Hals, doch lasst mich das aufdröseln. Kobes Karriere ist ein Brett, an das nur wenige Spieler herankommen. 20 Jahre auf durchgehend hohem Niveau (mit Abzügen in der B-Note) sind nichts, das man in einem Vergleich beiseite wischen kann. Doch wann war er auf seinem absoluten Höhepunkt?

2002/03 hat ein 24-jähriger Kobe Bryant 30 Punkte inklusive 6 Assists und 7 Rebounds aufgelegt - in 82 Spielen und 41,5 Minuten pro Spiel. Uff. Danach folgten zwei von Verletzungen geplagte Saisons, worauf die Mamba von 2005 bis 2008 Feuer auf die NBA regnen ließ.


Holy f**king s**t. Erkläre mir diese Statistiken, ohne zu fluchen oder die Worte „Voodoo“ und „Space Jam“ zu benutzen. Dummerweise ist dies genau die Zeit, in der seine defensiven Statistiken nachließen, vor allem „defensive box plus/minus“ liebt ihn nicht (im Schnitt bei -1).

Allerdings weiß ich auch nicht, was wir erwarten, wenn Kwame Brown Minuten als Center bekommt. Die Lakers waren damals fast so mies wie heute. Fast. Chronologisch sind wir hier bereits bei D-Wade, der von 2008 bis 2010 Leid und Verderben in der Eastern Conference verbreitete.


Und das nicht zu knapp. Wade erzielte zwar weniger Punkte- und auf diesem Niveau sind knapp 3 Punkte eine Menge- allerdings lieben ihn die Effizienz und Advanced Stats über alles. Eben erwähntes defensive box plus/minus schließt der Blitz aus Miami mit guten +2 ab.


Das wirklich Abgefahrene ist das komplette Box plus/minus. Wade schloss 2008/09 mit satten +10,7 ab. Kobe kommt in seiner Karriere nie über +6,4. Um es kurz zu machen: Das ist unglaublich viel. Um es noch kürzer zu machen: Mehr hat Michael Jordan nach 1991 nie mehr erreicht.

Und auch der Eye-Test bezeugt das. D-Wade war auf seinem Zenit eine One-Man-Wrecking-Crew. Das ist bestimmt keine sehr populäre Meinung, aber Prime D-Wade war der zweitbeste Shooting Guard aller Zeiten. Und er schielte in Richtung Platz eins.

Nick Young vs. Iggy Azalea
Einen der beiden müsst ihr retten, der oder die andere fällt eine Schlucht herab. Wen? Gut, ich gebe zu, der hier ist wirklich schwer. 

Derrick Rose vs. Russell Westbrook
Dies hier war vor nicht allzu langer Zeit eine ernsthafte Diskussion. Wir werden alle so schnell alt...