25 März 2016

25. März, 2016


von AXEL BABST @CoachBabst

Virginia Cavaliers (1)
Nach einem lockeren Auftaktmatch gegen Hampton (81-45) mussten sich die Cavaliers gegen Butler deutlich steigern, um das erste Wochenende zu überstehen. Butler führte lange Zeit und erst spät konnte Virginia dank Malcolm Brogdon doch noch die Partie entscheidend wenden und am mit 77-69 gewinnen.

Virginia spielt den langsamsten Basketball der NCAA, was einerseits an ihrer betonierten Defense liegt, zum anderen aber auch mit ihrer offensiven Ausrichtung zu begründen ist. In den seltensten Fällen laufen die Cavs mal einen Fastbreak bis zu Ende durch. Wo andere Teams nicht lange überlegen würden, entscheiden sich Cavaliers oft gegen den halbfreien Wurf im Schnellangriff, um den Gegner stattdessen im Setplay zu zermürben.

Größtenteils läuft Virginia eine Motion Offense, bei der auf der einen Spielfeldseite ein Big an der Dreierlinie einen Flarescreen für einen Außenspieler stellt, während zeitgleich auf der anderen Seite der andere Big einen Downscreen für einen Guard stellt. Die Cavaliers wägen ab, welche Option aussichtsreicher erscheint und ist keine der beiden Aktionen vielversprechend, laufen sie das gleiche nochmal.

Besonders Brogdon hat es perfektioniert, aus diesen Screens abseits des Balls herauszukommen und mit dem Leder in der Hand die richtige Entscheidung zu treffen. Das verdeutlicht er im ersten Beispiel.


London Perrantes erhält nach dem Flarescreen direkt einen Downscreen von Anthony Gill. Nach dem Pass zu Perrantes nutzt Brogdon seinerseits einen Flarescreen. Aus dem folgenden Pick & Roll ergibt sich nichts, weswegen nun Brogdon zunächst einen Flare- und sofort danach einen Downscreen gestellt bekommt. Aus dem Downscreen kann Brogdon dieses Mal seinen Verteidiger soweit abhängen, dass er sein Midrange Game anwenden und einen schwierigen Runner treffen kann.



Eine andere Option des Downscreen ist, den Blocksteller entweder per Pocket Pass anzuspielen oder ihm dem Ball im Lowpost zu geben. Das verdeutlicht die zweite ausgewählte Szene, bei der Brogdon wieder erst einen Flare- und dann einen Downscreen nutzt. Brogdon bedient nach Ballerhalt direkt den aufgeposteten Mike Tobey, der angesichts der guten Position keinerlei Schwierigkeiten beim Abschluss hat.



Eine weitere Option der Motion Offense ist der Flarescreen für den Schützen. Im Mittelpunkt steht dabei in der Regel Aufbauspieler Perrantes, der über den besten Wurf des Teams verfügt. Der Entry ist eine exakte Kopie der ersten beiden Angriffe, allerdings guckt Brogdon dieses Mal weder den Korb noch den Blocksteller an, sondern konzentriert sich nur darauf, dass er im richtigen Moment Perrantes in Szene setzt.



Für die Cavaliers ist es generell wichtig, dass die Bigs ihre Durchstecker und Postups verwerten und damit die Guards entlasten. Denn gelingt es einem Gegner die Downscreens ordentlich zu verteidigen, wirkt Virginias Offense auf Dauer sehr ideenlos und berechenbar.


Iowa State Cyclones (4)
Iowa State löste die beiden ersten Aufgaben gegen Iona (94-81) und gegen Arkansas Little Rock (78-61) äußerst souverän. In beiden Spielen erwies sich Georges Niang als der Schlüssel zum Sieg. Eine ähnlich entscheidende Rolle wird auf den vielseitigen Senior auch an diesem Wochenende zuteil werden.

Denn gerade unter Steve Prohm wird Niang noch gezielter gesucht und als zentrale Figur in der Offense festgelegt. Nach dem Abgang von Hoiberg waren die Erwartungen an Prohm immens und bisher hat er einen sensationellen Job gemacht. Prohm versuchte in dieser Saison nicht unbedingt ein eigenes System zu implementieren, sondern orientierte sich viel mehr an den Stärken der vorhandenen Spieler und versuchte diese zu betonen.


So ist es nicht verwunderlich, dass sich im Angriff immer noch Plays aus der Hoiberg Ära wiedererkennen lassen. Beispielsweise ist die Weave entlang der Sideline immer noch ein fester Bestandteil. Dabei übergibt Monté Morris als Aufbauspieler den Ball per Handoff zum Flügel, der ihn direkt dem nachkommenden Niang in die Hände drückt. 

Niang passt zurück zu Morris und die beiden spielen nach eigenem Ermessen ein Pick & Pop oder Roll. Da die beiden in solchen Situationen schlicht nicht zu stoppen sind auf College Ebene, erhalten die Cyclones aus solchen Angriffen immer einen hochprozentigen Wurf.


Doch in der Regel reichen sogar Eins-gegen-Eins-Situationen an den richtigen Spots aus, um Niang und den Cyclones einen kaum auszugleichenden Vorteil zu verschaffen. Niangs einzigartige Spielweise ist für die wenigsten Verteidiger im direkten Duell zu unterbinden.

Im ersten Fall demonstriert Niang seine Qualitäten als Lowpostscorer. Er weiß genau, wo er den Ball haben muss, um seine Bewegungen einzuleiten. Seine Bewegungen sind gemessen an seiner Masse und seiner Statur ausgesprochen schnell und sehr effizient. Nicht einen Zentimeter Platz verschwendet Niang dank seiner guten Fußarbeit. Da auch der Touch hervorragend ist und er das Brett geschickt als Hilfsmittel nutzt, scheint kein Abschluss zu schwer zu sein.


In der ersten Szene reicht ihm einfacher Dragscreen im Pick & Roll, um gute Position am Zonenrand zu beziehen. Beim Ballerhalt ist es schon zu spät und Niang kann am Punkten nicht mehr gehindert werden. Im Kontrast dazu versenkt er in der zweiten Szene scheinbar mühelos einen Dreier und unterstreicht damit seine Vielseitigkeit.


Eine weitere wichtige Fähigkeit Niangs ist zudem, als Playmaker in Erscheinung zu treten. Obwohl Morris einer der besten Aufbauspieler der NCAA ist, erweist es sich oft als hilfreich, dass Niang oft zum zweiten Point Guard mutiert und seine Mitspieler perfekt in Szene setzt. 

Gerade gegen Teams, die pressen oder gerne mal eine Zonenverteidigung praktizieren, kann diese Eigenschaft von großer Bedeutung sein. Zumal es Morris spürbar entlastet und er so 40 Minuten auf dem Parkett stehen kann, wozu er in Anbetracht der fehlenden Alternativen gezwungen ist.


Neben den Schützen profitiert vor allem Frontcourt Partner Jameel McKay von den Passfähigkeit und der Courtvision Niangs. Immer wieder kollaborieren die beiden in Form von Alley-Oops. Niang hat ein gutes Gespür dafür, wann McKays Verteidiger helfen und wohin er den Lobpass spielen muss. So sind drei bis vier Alley-Oops in einem Spiel durchaus keine Seltenheit.



Abseits von Niang, McKay und Morris sind die Schützen entscheidend. Das Spacing der Cyclones ist hervorragend und die Passfähigkeiten der beiden Anführer überdurchschnittlich gut bis exzellent. Daher haben die anderen Spieler auf dem Feld sehr viele offene Würfe, die sie mit ausreichend Selbstvertrauen nehmen müssen. Matt Thomas stach in dieser Hinsicht in den letzten Saisonmonaten hervor.


Syracuse Orangemen (10)
Dass die Orange am Ende doch noch ins Teilnehmerfeld reingerutscht sind, war nicht unbedingt nachvollziehbar, doch wie schon in den vergangenen Jahren mehrfach der Fall lösten, die negativen Reaktionen eine Trotzhaltung bei Syracuse aus. Dank dieser, einer interessanten spielerischen Mischung und etwas Glück konnten sie sogar das Sweet Sixteen erreichen. 

Gegen Dayton (70-51) übernahm Malachi Richardson. Zudem vergaben die Flyers haufenweise einfache Möglichkeiten zu punkten. In der zweiten Runde konnten sie Michigan State aus dem Weg gehen, hatten aber auch mit Middle Tennessee State alle Hände voll zu tun und mussten eine sehr starke Leistung abliefern, um letztlich 90-81 zu gewinnen.

Wie in jedem Jahr schafft die 2-3-Matchup-Zone die Grundlage für den Erfolg. Durch die Länge und Größe der Spieler ist es für die Offense schwierig, die Sweet Spots zu attackieren und Pässe an den gierigen Händen der Verteidiger vorbei zu schicken. Mit Dajuan Coleman hat das Team zudem wieder einen Anker in der Zone, der viele Würfe erschwert. Tyler Roberson überzeugt als Rebounder und Malocher unter den Brettern. Es gibt kaum einen Spieler, der seinem Team so viele Ballbesitze sichert wie Roberson bei Syracuse.

Doch auch offensiv spielen die Orange wieder planvollen Basketball, der schnörkellos den Score zum Ziel hat. Besonders das Pick & Roll nimmt dabei eine zentrale Rolle ein. Die Orange verfügen über drei talentierte oder erfahrene Ballhandler, die in solchen Situationen genügend Gefahr ausstrahlen, um die Offensive tragen zu können.


Oft ist jedoch nicht unbedingt der Ballhandler selber das Problem, sondern die Bewegung der Spieler ohne Ball im Rücken der Verteidigung. Syracuse nutzt bei einer 4-Out-Aufstellung gerne das Side Pick & Roll, um die Aufmerksamkeit auf den Ballhandler und Blocksteller zu richten, während ein weiterer Außenspieler aus der Ecke auf den Flügel liftet und auf den Kickout lauert. 

Trevor Cooney und Richardson treffen aus solchen Situationen viele Dreier. Besonders Richardson nutzt diese Aktionen aber auch, um Closeouts zu attackieren und kompromisslos zum Korb zu ziehen. Er kann dank seiner Athletik und Körperkontrolle entweder selber finishen oder auch den besser postierten Mitspieler bedienen.



Ähnlich verhält es sich bei den beiden, wenn sie aus Downscreens kommen. Richardson kann direkt werfen oder zum Korb ziehen. Zu Cooney stürzen meist direkt zwei Verteidiger raus, weshalb er über die Jahre ein gutes Gefühl für den Pocket Pass entwickelt hat.


Beide Elemente, das Pick & Roll und Downscreens, werden bei einem Play von Syracuse vereint, das auch bei anderen Teams sehr beliebt ist und oft als „Triple Double“ bezeichnet wird:



Hierbei wird die Defense bewegt und die Schützen können jederzeit aus den beiden Blöcken kommend den Wurf nehmen. Durch die Fähigkeiten der Außenspieler und die guten Screens der Bigs wird dieses Play erst so gefährlich.



Die Orange müssen aufgrund ihrer dünnen Rotation jedoch darauf achten, dass sie sich von Foulproblemen fernhalten. Gerade auf den großen Positionen sind sie zu dünn besetzt, als dass sie sich größere Ausfälle leisten könnten.


Gonzaga Bulldogs (11)
In den vergangenen 18 Jahren waren die Bulldogs selten so nah dran, das NCAA Tournament zu verpassen, wie in diesem Jahr. Doch nun stehen sie im Sweet Sixteen und konnten gegen Seton Hall (68:52) und Utah (82:59) sehr überzeugende Siege einfahren.

Wie in den Vorjahren auch leben die Zags von ihren Bigs. Selten haben sich die Big Men jedoch so gut ergänzt, wie es derzeit bei Kyle Wiltjer und Domantas Sabonis der Fall ist. Wiltjer bringt seinen tödlichen Distanzwurf und seine Fähigkeiten als Playmaker ein, während Sabonis die Zone aufmischt, jeden Rebound sichert und als Lowpostscorer in Erscheinung tritt. Beide sind gute Passgeber und können sich gegenseitig bedienen. 

Die Zags haben verschiedene Plays und Situationen, in denen sie ihre Bigs einsetzen wollen. Die Vielzahl an möglichen Post Feeds und die lückenlosen Übergänge zwischen den verschiedenen Optionen machen es der gegnerischen Verteidigung extrem schwer, die Postanspiele zu verhindern.


Viele Teams sind daher dazu übergegangen, die beiden Zags im Postup zu doppeln. Das ist allerdings oftmals aufgrund der guten Passfertigkeiten und des ausgezeichneten Spacings gar nicht so einfach. Ein einziges Doppeln kann eine Kette von Rotationen auslösen, an deren Ende die Zags dann doch scoren und die Defense düpieren. 



In Sachen Zonenoffense wissen die Bulldogs ebenfalls, was sie zu tun haben. Meistens ziehen sie das Spielfeld in die Breite, indem Wiltjer ans Perimeter herausgelagert wird und das Playmaking übernimmt. 

Die Defense muss seinen Schuss respektieren, weswegen er auf jeden Fall Verteidiger bindet. Sein Ballhandling, seine Übersicht und seine Passqualitäten sorgen dafür, dass er am Perimeter seine Größe optimal ausnutzen und Pässe spielen kann, zu denen kein Guard in der Lage wäre.



Entscheidend für den Teamerfolg ist jedoch, dass die Guards möglichst wenige Fehler und Ballverluste begehen und gleichzeitig auch noch möglichst viele Würfe treffen und mit Aggressivität zum Korb ziehen.


Endstand
Im Spiel zwischen Iowa State und Virginia wird viel davon abhängen, wie es den Cavaliers gelingt, Niang aus dem Spiel zu nehmen. In der zweiten Runde schadete Butlers Andrew Chrabascz Virginia lange Zeit, da er ähnlich wie Niang den Dreier treffen konnte und mit dem Ball in der Hand auf dem Weg zum Korb nur schwer zu stoppen war.

Erst als Virginia auf vier Guards umstellte und sich Brogdon um den Power Forward kümmerte, konnte Virginia die Partie drehen. Es dürfte spannend zu beobachten sein, ob Tony Bennett wieder Brogdon auf Niang ansetzt, sollte ein ähnliches Szenario eintreten.

Zudem wird das Tempo des Spiels eine Menge darüber aussagen, wer die besseren Chancen auf den Sieg hat. Je höher das Tempo, desto eher kann Iowa State die Partie für sich entscheiden.

Gonzaga könnte für Syracuse und die 2-3-Zone der Orange genau der falsche Gegner sein. Sowohl Wiltjer als auch Sabonis können als Playmaker vom Highpost in Erscheinung treten. Das könnte den Zags sogar zu Gute kommen, da somit die Guards weniger stark in der Verantwortung stehen, ihre Gegenspieler zu schlagen und für Punkte zu sorgen. Allerdings müssen sie umso besser auf den Ball aufpassen und halsbrecherische Drives vermeiden.

Eine Partie zwischen Gonzaga und Iowa State könnte sehr interessant werden. Solange Virginia jedoch Niang unter Kontrolle hat, werden die Cavaliers gute Chancen auf einen Final Four Einzug haben.