24 März 2016

24. März, 2016


von AXEL BABST @CoachBabst

Oregon Ducks (1)
Durch Siege über Holy Cross (91-52) und Saint Joseph’s (69-64) konnte sich der 1 Seed der West Region für das Sweet Sixteen qualifizieren. Während der Erstrundenauftakt zu keiner Zeit eine enge Partie war, stellten die Hawks in der zweiten Runde bereits einen gefährlichen Gegner dar. Doch speziell in der engen Schlussphase wurde deutlich, was das diesjährige Ducks-Team so stark macht. Die Vielseitigkeit an beiden Enden des Courts ist überragend und eine Waffe, die kein anderes Team aufbieten kann.

In der Defense nutzt Coach Dana Altman die Athletik und Länge aller seiner Spieler in seiner bewährten Matchup-Zone mit vorangehender Dreiviertelfeldpresse. 

Bei der Presse geht es nicht darum, aggressiv auf den Ballgewinn zu gehen, sondern sie ist eher so konzipiert, dass kleine Unachtsamkeiten entstehen und sofort ausgenutzt werden. Schrittfehler oder ungenaue Pässe sind hier in erster Linie die Resultate, die von Ducks provoziert werden. 

Ein netter Nebeneffekt ist zudem, dass der Gegner meistens einen gehörigen Teil der Angriffszeit für einen kontrollierten Spielaufbau verbrauchen muss und damit der Halbfelddefense noch mehr in die Karten spielt. Wer gegen die Ducks erst nach 15 Sekunden das Setplay initiieren kann, wird in der Regel keinen einfachen Wurf erspielen können.

Denn im Halbfeld ist die Matchup-Zone äußerst effektiv. Aus einer 2-3-Grundaufstellung werden alle Screens geswitcht und bei Drives sind direkt drei Ducks beim ballführenden Spieler und blocken entweder den Wurf oder erzwingen einen ungenauen Kickout.

Die Länge der Ducks ist dabei extrem hilfreich. Besonders die Präsenz der beiden elitären Shotblocker Chris Boucher und Jordan Bell flößt gegnerischen Spielern jede Menge Respekt ein. Spätestens nach den ersten Blocks überlegen sie sich genau, ob sie abschließen soll und bauen lieber ein paar Fakes mehr ein. Das geht oft so weit, dass offene Würfe verweigert werden.


Auch in der Offensive ist die Variabilität der einzelnen Spieler der größte Trumpf Oregons. Auf dem Court stehen immer mindestens vier Spieler, die den Dreier treffen oder vom Perimeter zum Korb ziehen können. Mit Boucher als einzigem Big Man auf dem Feld sind es sogar fünf. 

Sehr beliebt ist die Dribble Weave, bei der sich alle Ballhandler abwechselnd den Ball per Handoff nacheinander übergeben. Sobald sich eine Lücke in der Verteidigung auftut oder die Ducks ein Mismatch gefunden haben, nutzen sie das und greifen diesen Gegenspieler gezielt an.

Da kein Gegner genug Verteidiger für Elgin Cook, Dillon Brooks und Tyler Dorsey gleichzeitig aufweisen kann, hat fast immer einer der drei ein Matchup, das ihnen in die Karten spielt. Dadurch, dass die Ducks oft in eine 5-Out-Aufstellung fallen, wenn das Mismatch im Eins-gegen-Eins gesucht wird, sind Hilfen nur schwer zu geben und werden prompt bestraft.


Gegen Ende einer Partie mag Coach Altman die direkte Konfrontation zwischen den ungleichen Kontrahenten am meisten. Oft wird direkt die Isolation auf der linken Spielfeldseite nach einem einzigen Pass eingeleitet. Sollten Brooks, Dorsey oder Cook ihren Gegner nicht schlagen können, geht der Angriff meist in die Weave Motion über. Nur wenige Coaches suchen derart gezielt Vorteile und nutzen sie so konsequent aus.



Oklahoma Sooners (2)
Nach einem Arbeitssieg gegen Cal State Bakersfield (82-68), dessen Ergebnis sich deutlicher liest, als es letztendlich war, brauchten die Sooners auch gegen VCU (85-81) jeden einzelnen von Buddy Hields 29 Punkten in der zweiten Halbzeit.

Überraschend war vor allem im zweiten Spiel, wie oft die Sooners aus Setplays heraus scorten. Im Laufe der Saison erspielten sie sich den Ruf, von ihren Jumpern abhängig zu sein und zu wenig die Bigs zu suchen. Das war teilweise tatsächlich der Fall, allerdings gab es in jeder Partie Szenen, in denen die Bigs einfache Punkte erzielen konnten.

Besonders das Zusammenspiel zwischen den Bigs Ryan Spangler und Khadeem Lattin konnte sich in den vergangenen Monaten solide entwickeln und ist mittlerweile nicht mehr zu stoppen. 

Am liebsten nutzt Coach Lon Kruger die ersten Angriffe einer Partie oder Halbzeit, um gezielte Lobplays anzusagen. Auch aus Auszeiten gehen die Sooners gerne mit diesem Ziel im Hinterkopf heraus. 

Lattin stellt dabei meist im Side Pick & Roll einen Ballscreen zur Mitte. Diesen Block löst er jedoch schnell wieder auf und rollt sich zum Korb ab. Spangler wird auf der Weakside platziert und erhält vom Ballhandler den Pass. Ein simples High-Low-Anspiel sorgt dann für Breakdowns seitens der Verteidigung. Bei der Entstehung des Side Pick & Roll variieren die Sooners geschickt, sodass die Defense oft erst spät erkennt, ob das Pick & Roll die erste Option ist oder doch der Lob versucht wird.


Auch für Buddy Hield gibt es mittlerweile viele Plays bei den Sooners. Zwar erzielt er immer noch einen Großteil seiner Punkte in der Transition, doch der Anteil an Setplay ist in den vergangenen Wochen und speziell bei den beiden Tournament Spielen deutlich gestiegen.

Coach Kruger nutzt viele Standardplays, um Hield offene Würfe zu kreieren. Einige davon fallen unter die Floppy-Sets, bei denen Hield an der Baseline platziert wird und sich zwischen zwei Blöcken auf der einen oder einem Block auf der anderen Spielfeldseite am Zonenrand entscheiden kann. 

Hield liest dabei sehr gut, welche Seite er nutzen sollte und wie die Defense auf seine Entscheidung reagiert. Teilweise entscheidet er sich nach den ersten Schritten nochmal um und bringt damit die Verteidiger vollkommen aus dem Konzept. Manchmal sind diese plötzlichen Richtungswechsel oder auch Misdirection Aktionen gezielt geplant, wie beispielsweise in der zweiten Sequenz.


Auch Diamond-Plays sind allgegenwärtig bei den Sooners. Auch hier befindet sich Hield an der Baseline mit jeweils einem Blocksteller an jedem Zonenrand und einem zweiten Guard auf der Freiwurflinie. 


Bei all diesen Plays kann sich Hield einerseits seine gute Fußarbeit und sein schnelles Release beim Distanzwurf zu Nutze machen. Andererseits reicht mittlerweile das kleinste Muskelzucken aus, um Verteidiger ins Nichts springen zu lassen, wodurch ihm der Drive in die Zone offensteht.


Texas A&M Aggies (3)
Nach einem relativ unaufgeregten Auftakt gegen Green Bay (92-65) sorgten die Aggies mit ihrem Comeback gegen Northern Iowa für ein denkwürdiges Spiel, das in die Annalen der March Madness eingehen wird und diesen Begriff wie kein anderes Spiel symbolisiert.

Doch abgesehen von der schier unbändigen Moral, die bei den Spielern vorzuliegen scheint, gab es noch eine weitere Erkenntnis. Die Aggies sind in der Lage sowohl mit Small als auch mit Big Ball erfolgreich zu sein. Northern Iowa praktiziert Small Ball so effektiv wie kaum eine andere Mannschaft. Dennoch konnte Texas A&M am Ende triumphieren, indem Coach Billy Kennedy eine kleinere Formation auf das Parkett schickte und anschließend athletische Vorteile ausnutzte. 

Wie so oft in dieser Saison zeigte sich zudem, dass die Aggies nur dann erfolgreich sind, wenn Alex Caruso und Danuel House jeweils ihre Leistungen abrufen und das Team schultern. Während Caruso noch nicht mal als Scorer in Erscheinung treten muss und sich seine Aktionen auch alleine im Fluss des Spiels erarbeiten kann, ist House oft noch auf Hilfe angewiesen. 

Diese Impulse setzt Kennedy oft durch seine Zipper Plays, die gut ausgeführt nicht zu verteidigen sind. Dafür haben die Aggies zu viele Optionen/Ausstiege bei diesen Plays und zu viel individuelles Talent.


In der ersten Szene entscheidet sich Danuel House (Nr.23) für den Curl, da sein Gegenspieler ihm auf dem Rücken klebt und der Verteidiger des Blockstellers, zu früh zum Blocksteller zurückkehrt. Da auch vom Big Man keine Hilfe kommt, hat House einen einfachen Dunk.

In der zweiten Szene versucht House erneut den Curl, doch dieses Mal steht der Verteidiger Jeremy Morgan (Nr.20) besser und kann den Curl unterbinden. Also erhält House den Ball an der Dreierlinie. Er hat bei der Isolation genügend Platz, um in die Zone zu ziehen und kann daher den Floater zur Vorentscheidung einnetzen.


Eine weitere Variation, die Kennedy gerne mal einbaut, allerdings nicht für House gedacht ist, nutzen die Aggies beim letzten Angriff der ersten Verlängerung. 

Dabei stellt der Big Man keinen Downscreen, sondern erhält vom Guard einen Backscreen. Die Bigs Tyler Davis, Jalen Jones und Tonny Trocha-Morelos können allesamt im Postup scoren und in dieser Rolle brillieren. In der konkreten Szene ist es Davis, der gesucht wird. Auch wenn das Play nicht so klappt wie geplant, kreiert Davis  so viel Aufmerksamkeit, dass der Drive für Caruso kein Problem ist.


Neben diesen ausgewählten Optionen gibt es noch haufenweise andere Varianten, die das Play unberechenbar machen.

Ein weiteres Play, das die Aggies gerne laufen, um House einfache Zähler zu ermöglichen, ist ein Lobplay. Dabei startet House aus einer Ecke, erhält den Ball, gibt ihn ohne Dribbling per Handoff wieder ab und sprintet sofort um den Backscreen auf die andere Seite, die extra für ihn leer geräumt wird.

In dieser Situation wird der Backscreen gut verteidigt, allerdings gehen die Aggies einfach direkt in ein Pick & Roll über, weswegen House doch noch einfache Punkte erzielen kann.



Duke Blue Devils (4)
Dass Duke mit einer Rotation bestehend aus sechs Spielern das Sweet Sixteen erreicht hat und nun Aussichten auf eine erneute Final Four Teilnahme ist vorrangig Coach K’s exzellentem Coaching zu verdanken. Er hat viele seiner altbewährten Sets aufgebrochen, um sich das Shooting und Ballhandling auf vier Positionen zum Vorteil auslegen zu können.

Besonders Brandon Ingram ist das Schlüsselelement. Der Freshman läuft als Power Forward auf und ist in dieser Funktion ein dauerhaftes Mismatch in der Offense. UNC Wilmington (93-85) hatte keinen Gegenspieler, der groß genug war. Yale (71-64) hatte zwar die Größe auf der Power Forward Position, allerdings nicht die Beweglichkeit. Auch der Versuch, mit kleineren Gegenspielern Ingram zu stoppen, ging deutlich schief.

Krzyzewski hat für beide Fälle simple Sets, um Ingram Eins-gegen-Eins-Situationen zu ermöglichen. 

Gegen größere Gegenspieler wird er Ingram oft am Perimeter platziert. Im folgenden Set wird er in ein Two-Man-Game mit Grayson Allen verstrickt. Ingram täuscht den Downscreen an und bekommt anschließend den Ball auf dem linken Flügel. Die komplette Seite ist frei zum Drive. Doch Sears lässt so viel Abstand, dass Ingram den Dreier nimmt und dabei gefoult wird. Sears ist es einfach nicht gewohnt, so weit entfernt vom Korb verteidigen zu müssen, was in dieser Situation deutlich sichtbar ist.


Gegen kleinere Gegner wird Ingram vor allem in Horns-Sets gesucht. Oft erhält er am Elbow den Ball und alle anderen Mitspieler machen ihm wieder die Seite frei. In der ersten Szene tritt er jedoch gegen Sherrod an, der ein gelernter Big Man ist und gegen den Ingram körperlich einfach Nachteile hat, weswegen nur ein Fadeaway herausspringt.

In der zweiten Szene ist jedoch Backup Downey der Verteidiger Ingrams, was der Freshman sofort bestraft und dabei wieder einmal demonstriert, wie kräftig er trotz seiner schmalen Statur bereits ist.


Auch in der Defensive nimmt Ingram eine zentrale Rolle ein. Die 1-3-1-Zone der Blue Devils war in vielen Abschnitten der Saison die beste Verteidigungsvariante. Auch gegen Yale konnte sie dazu beitragen, den totalen Kollaps zu verhindern und Yales Run gerade noch rechtzeitig zu stoppen.

Ingram wird in dieser Verteidigung als Speerspitze eingesetzt. Durch seine langen Arme und seine Beweglichkeit macht er es gegnerischen Aufbauspielern schwer, das Feld zu überblicken und die eigene Offensive zu strukturieren. Er fälscht viele Pässe ab und trotzdem schnell und lang genug, um bei Wurfversuchen die Zone zu schützen und Rebounds zu holen.



Endstand
Oregon ist von allen Teams das variabelste und hat trotz der Vielseitigkeit und Ausgeglichenheit des Kaders in Brooks, Cook und Dorsey drei klare Anführer, die allesamt ein Spiel entscheiden können. Besonders das Aufeinandertreffen mit Duke wird sehr interessant, weil Duke dadurch seiner vielen Mismatch Vorteile beraubt wird und Chris Boucher das toughste Matchup für Ingram sein könnte, auf das er bisher getroffen ist. Zudem pressen die Ducks, was den Blue Devils überhaupt nicht schmeckt und ihnen oft große Schwierigkeiten bereitet.

Auch das Spiel zwischen Texas A&M und Oklahoma verspricht hohen Unterhaltungswert, da Danuel House der Gegenspieler sein könnte, der Buddy Hield mit seiner Kombination aus Athletik und Größe an die Kette legt. Entscheidend könnte zudem das Matchup der Power Forwards Jalen Jones und Ryan Spangler werden. Wer hier die Oberhand behält, wird die Siegchancen seines Teams beträchtlich erhöhen. Die Sooners werden versuchen, das Tempo schnell zu machen und die Bigs der Aggies zu Sprints zu zwingen.

Alle vier Teams haben hohe individuelle Qualität, bevorzugen jedoch zum Teil sehr unterschiedliche Stile. Wer am Ende ins Final Four einzieht wird vor allem davon abhängig sein, inwiefern jedes einzelne Team dem Gegner das eigene Spiel aufzwingt. Die Ducks scheinen durch ihre Vielseitigkeit ein wenig im Vorteil zu sein, doch sollten Duke oder auch Oklahoma heißlaufen von der Dreierlinie, wird es für die Ducks brandgefährlich. Oklahoma hat zudem keinerlei Schwierigkeiten mit Pressverteidigungen.