24 März 2016

24. März, 2016


von AXEL BABST @CoachBabst

Kansas Jayhaws (1)
Die Jayhawks rechtfertigten durch ihre souveränen Auftritte am ersten Turnierwochenende die Einschätzung als bester 1 Seed. In der ersten Runde hatten sie mit Austin Peay (105-79) keinerlei Probleme. Gegen UConn schien das Spiel nach dominanter erster Halbzeit ebenfalls vorzeitig entschieden zu sein, doch Unkonzentriertheiten ließen die Partie nochmal enger als nötig werden (73-61).

Im Vergleich zu Vorjahren wurde jedoch gerade in der zweiten Halbzeit gegen UConn deutlich, dass das diesjährige Team über mehrere Leader verfügt, die ihrem Team eine enge Partie durch Sicherheit und gelungene Offensivaktionen gewinnen können. Besonders Perry Ellis und Wayne Selden trafen viele Würfe und präsentierten sich in bester Spiellaune.

Sehr erfreulich war zudem das Auftreten von Big Man Landen Lucas. Selten wurde er in dieser Saison so oft und gezielt gesucht wie in den ersten Spielen des Tournaments. Und die Resultate waren äußerst ansprechend und glichen dem, was die Bigs vergangener Erfolgsteams produzieren konnten. Lucas hat von allen Big Men das beste Gefühl dafür, seinen Gegenspieler auf dem Rücken zu halten. Sein Touch ist akzeptabel, auch wenn er noch entschlossener finishen sollte.


Abseits von Lucas fehlt es den Bigs jedoch an Größe, weshalb die Jayhawks viele der altbewährten Self Plays nicht laufen können. Integraler Bestandteil war fast immer der Lobpass auf den Big. In diesem Jahr ist der Lobpass fast komplett verschwunden. Stattdessen nutzen sie umso häufiger Pick & Roll Situationen, die nur der Dekoration dienen. 

Während der eine Big Man einen Block am Ball stellt, verschafft sich der andere gute Position nah am Brett und wird mit einem oder zwei schnellen Pässen dort gefunden. Dadurch können die Bigs ihre Schnelligkeitsvorteile ausspielen und werden nicht in Postups verfrachtet, für denen ihnen Größe, Masse oder Fußarbeit fehlen.


Wie immer sind die Einwurfplays der Jayhawks dazu konzipiert, leichte Zähler zu ermöglichen. Besonders bei Einwürfen unter dem gegnerischen Korb hat Self gute Plays zur Hand und verschafft seinen Spielern einfache Abschlüsse. Sehr beliebt sind wie im gezeigten Beispiel Flex-Cuts, die spätestens nach dem zweiten Pass in sicheren Zählern münden.


Was am ersten Wochenende relativ selten zu sehen war, aber mit zu den gefährlichsten Waffen der Jayhawks gehört, sind Pick & Pops zwischen Aufbauspieler und Perry Ellis, sowie verschiedene Lobplays für Selden. 

Gerade das Pick & Pop betont Ellis’ neugewonnene Sicherheit vom Perimeter, wo er seinen sicheren Jumper gezielt einsetzen oder im Eins-gegen-Eins attackieren kann.


Villanova Wildcats (2)
Mit zwei sehr dominanten Auftritten konnte Villanova das Sweet Sixteen erreichen. Die Siege über UNC Asheville (86-56) und Iowa (87-68) waren teilweise deutlicher, als es die Ergebnisse suggerieren. Besonders gegen Iowa boten die Wildcats über 30 Minuten eine Clinic, wie Collegeteams verteidigen sollten und wie schon einfachste Offensivstrukturen ausreichen können, wenn die Spieler in der Lage sind gute Entscheidungen zu treffen.

In der Offense profitieren die Wildcats davon, dass fast immer vier Schützen auf dem Feld stehen und sich entlang der Dreierlinie aufhalten. Dadurch ist das Spacing hervorragend und die Zone frei, sodass Ballhandler sie ungestört attackieren können. Kommt doch eine Hilfe, macht sich die Uneigennützigkeit der Spieler bemerkbar und es folgt der sofortige Kickout. 

Die meisten Plays sind entsprechend nur konzipiert, um die Defense ein wenig zu bewegen und Drives oder Pick & Rolls vorzubereiten. Ab einem gewissen Zeitpunkt ist es jedoch den Spielern überlassen, die Verteidigung zu lesen und die richtigen Optionen auszuwählen. 

Eines dieser Plays ist das typische Horns. Dabei rollt sich Daniel Ochefu als Fünfer zum Korb ab, während Kris Jenkins als Vierer zur Dreierlinie rauspoppt. Erhält Jenkins den Ball, swingt er das Leder zum anderen Flügel und stellt direkt einen Ballscreen. Anschließend postet er sich in der Halbdistanz auf. Dort kann er entweder seine Fadeaways versenken oder geschickte Pässe auf die Weakside spielen.

Selbst wenn das Postup gut verteidigt wird, verfallen die Wildcats nicht in Einzelaktionen, sondern bewegen den Ball ruhig weiter und laufen noch mehr Pick & Rolls bis der Drive möglich ist oder ein Schütze einen offenen Wurf hat.

Erleichtert werden Drives durch die Tatsache, dass sich die Angreifer auf der Weakside immer bewegen und damit ihre Verteidiger ablenken. Zudem stehen in der Regel vier Spieler oberhalb der Freiwurflinie, was die Wege zu Hilfen verlängert.


Generell stechen die Ruhe und das Skillevel der Guards hervor. Neben Ryan Arcidiacono und Jalen Brunson, die sich die Rolle als Floor General brüderlich teilen, können mehrere andere Spieler Aufgaben als Ballhandler übernehmen ohne einen ernsthaften Qualitätsabfall erkennen zu lassen.

In der Defensive bringen die Wildcats ihre Kontrahenten durch die Variabilität ebenfalls in Bedrängnis. Sie switchen gerne bei Pick & Rolls. Da auch Ochefu oder Jenkins einen Guard vor sich halten können, entstehen nicht wirklich Mismatches am Perimeter. 

Auch im Lowpost können die Guards ihre Gegner in Schach halten und sich im Falle von Lobpässen auf die Hilfe ihrer Mitspieler verlassen. Die Teamverteidigung der Wildcats funktioniert hervorragend und stellt viele Gegner vor unlösbare Aufgaben.


Neben der herkömmlichen Mannverteidigung haben die Wildcats auch noch eine 2-3-Matchup-Zone in der Hinterhand, die den Gegner gern zu überhasteten Abschlüssen verleitet.


Miami Hurricanes (3)
Nach Siegen über Buffalo (79-72) und Wichita State (65-57) stehen die Canes im Sweet Sixteen und werden als ein möglicher Sleeper auf die Final Four Teilnahme oder gar den Titel gehandelt. Überragend in beiden Spielen war das erfahrene Guard Duo Angel Rodriguez und Sheldon McClellan. Gerade von Rodriguez hängt der Erfolg ab.

Das Match gegen Wichita State war in dieser Hinsicht eine perfekte Demonstration. Der Beginn und das Ende gehörten Miami, weil Rodriguez seine Würfe traf und die Offense im Alleingang schulterte. Für den mittleren Part des Spiels präsentierte sich Rodriguez jedoch unkonzentriert und verursachte viele Ballverluste. Daher konnten sich die Shockers nochmal zurückkämpfen.

Gerade im Pick & Roll ist Rodriguez jedoch eine Institution im Spiel der Canes. Der kleine Guard überblickt das Feld und ist bei aggressiven Verteidigungsvarianten in der Lage, den Ball zu behaupten und den entscheidenden Pass zu spielen.

In allen High Pick & Rolls ist Rodriguez daher nur sehr schwer zu verteidigen. Noch gefährlicher wird es jedoch bei Dragscreens und High Pick & Rolls, bei denen ein zweiter Guard entweder noch einen Backscreen stellt oder einfach im Rücken der Verteidiger zur Dreierlinie liftet.

Die folgenden Szenen illustrieren gut, wie schwierig es ist, ein solches Zusammenspiel zwischen Rodriguez, McClellan/Reed und einem Big Man zu verteidigen. Der kleinste Fehler der Verteidigung wird direkt bestraft


Sheldon McClellan favorisiert als Ballhandler eher das Side Pick & Roll. Dafür gibt es beispielsweise folgendes Play:



McClellan ist hierbei kaum zu verteidigen, weil Verteidiger einerseits auf den Lobpass achten müssen, dann aber bei der Pick & Roll Bekämpfung außer Position sind. Zudem hat McClellan den Pocket Pass perfektioniert und kann seine Bigs dadurch gekonnt in Szene setzen.


Es gibt noch weitere Sets im Playbook von Coach Jim Larrañaga, die dem Athleten McClellan Lobplays und Highlights garantieren. Eines davon präsentierten die Canes gegen Wichita State. Das schwierige ist bei diesem Play, dass McClellan ein Mal im Kreis läuft und dabei wieder zwei Screens erhält. Zudem verfügt der Senior über eine atemberaubende Körperkontrolle, die es ihm ermöglicht, selbst verunglückte Pässe oder noch zu verarbeiten und dabei intensive Störversuche der Defense auszublenden.


Neben den Plays für die beiden Guards laufen die Canes auch gerne ihre Single Double Offense, bei der sich vor allem Shooter Davon Reed austoben darf. Davon war bei den ersten Spielen jedoch kaum etwas zu sehen, was einerseits daran lag, dass die Pick & Roll Situationen sehr erfolgreich waren und andererseits beispielsweise Wichita State das Play im Keim erstickte. In den kommenden Spielen sollte dieses Play jedoch wieder öfter Anwendung finden.


Maryland Terrapins (5)
Die ersten beiden Runden beschreiben ganz gut, wieso die Terrapins trotz ihrer Qualität bislang noch nicht zu dem Team wachsen konnten, das vor der Saison im Idealfall der Favorit auf die Meisterschaft gewesen zu sein schien. Gegen South Dakota State (79-74) wirkte es Mitte der zweiten Halbzeit bereits so, als wäre das Spiel entschieden. 

Das veranlasste Coach Mark Turgeon dazu, sehr früh seine besten Spieler auszuwechseln und mit unausgewogenen Lineups zu spielen. Dadurch wurde die Partie tatsächlich nochmal eng und die Terrapins braucht eine große Portion Glück und die Unterstützung der Referees, um eigene Sorglosigkeit und Dummheiten ausgleichen zu können.

Auch im zweiten Spiel gegen Hawai’i spielten die Terrps lange Zeit nicht sonderlich gut und konnten sich erst Mitte der zweiten Halbzeit durch einige Fastbreaks absetzen. Der Endstand von 73-60 spiegelt die Partie nicht angemessen wider.

Besonders im Halbfeld konnten die Terrapins sich immer noch viel zu selten einfache Körbe erspielen. Einige go-to Sets funktionieren immerhin genauso effektiv wie gewohnt. Eines davon ist ein Horns-Set, bei dem Aufbauspieler Melo Trimble den Ball zu einem der beiden Bigs passt. Anschließend cuttet er auf die gleiche Seite.

Je nach angesagter Variante und Reaktion der Defense stellt er einen Downscreen für den Flügelspieler in der Ecke oder slippt ihn im letzten Moment. Der Slip ermöglicht ihm in der Regel einen Layup, wie in der ersten Szene zu sehen ist.

Funktioniert das nicht, bekommt der Flügelspieler aus der Ecke den Ball per Handoff vom Big Man und zieht hart über die Mitte zum Korb. In diesem Fall kann Layman sich so einen Layup erarbeiten. Allerdings sind seine Drives bei weitem nicht immer so aggressiv.


Am gefährlichsten sind die Terrapins aber in der Transition. Dafür muss ihre Defense genügend Stops generieren. Ist dies der Fall erzielt Maryland viele Punkte im Schnellangriff. Doch nicht nur die erste Welle sorgt für leichte Punkte. Gerade in der Secondary Offense sind die Terrps gefährlich, wenn Trimble der Ballhandler ist.

Oft bekommt er direkt einen oder gar zwei Dragscreens und trifft in solchen Situationen intelligente Entscheidungen. Die ungeordnete Defense kollabiert bei seinen Drives im Kollektiv, was Freiräume für Mitspieler öffnet.


Generell sind das Pick & Roll zwischen Trimble und Diamond Stone oder auch das Pick & Pop zwischen Trimble und Carter die gefährlichsten Situationen für jede gegnerische Verteidigung. Mit Stone harmoniert Trimble hervorragend, da beide ein gutes Timing haben und genau wissen, welche Aktion sie als nächstes durchführen muss und wann diese erfolgen muss.

Zudem sind Stones Hände gut genug, um Trimbles Anspiele zu verwerten. In der Regel zieht Trimble jedoch so viel Aufmerksamkeit auf sich, dass Stone sich sogar ein Nachgreifen erlauben kann, weil er mutterseelenallein unter dem Korb steht.

Im zweiten Beispiel versuchen die Terrapins eigentlich ein Play für Stone zu laufen. Dieses Play ist sehr beliebt nach Auszeiten. Stone wird im Lowpost platziert und kämpft um die Innenseite im Postup. Alle anderen vier Spieler befinden sich oberhalb der Freiwurflinie, weshalb niemand den Lobpass auf Stone abfangen kann. In dieser Szene überspielt Stones Verteidiger jedoch nicht und verhindert damit selber den Pass.


Im Pick & Pop mit Carter erhält Trimble oft mehr Platz für den eigenen Abschluss, da Carters Dreier zu respektieren ist und er selbst vom Perimeter zum Korb ziehen kann. Insofern kann es sich der Verteidiger von Carter selten erlauben, Trimble konsequent im Weg zu stehen, weil Trimble seinen Vierer sonst mit einem seiner gekonnten Pocket Pässe bedient.


Endstand
Die Jayhawks sind immer noch Favorit, allerdings überzeugten auch Miami und Villanova in ihren bisherigen Spielen. Dass die drei Top-Seeds der Region das erste Wochenende überstehen, war angesichts der starken Konkurrenz nicht garantiert und unterstreicht die Qualität in der Spitze dieser Region. Gerade das Spiel im Elite Eight dürfte sich schon auf sehr hohem Niveau bewegen.

Kansas muss jedoch erst dafür sorgen, dass Maryland nicht zum Stolperstein wird. So durchwachsen die Saison für die Terrapins bisher lief: Ihre Starting Five gehört immer noch zu den talentiertesten der NCAA und kann durch individuelle Qualität Spiele gewinnen. Daher müssen es die Jayhawks schaffen, die Terrapins möglichst oft ins Setplay zu zwingen und so wenige Fastbreakpunkte wie möglich zulassen. 

Interessant könnte das Duell zwischen Robert Carter und Perry Ellis werden. Beide Power Forwards sind sehr variable Offensivspieler, die ihrem Kontrahenten auf verschiedene Arten das Leben schwer machen können. Ellis hat wesentlich mehr Erfahrung und ist konstanter, dafür hat Carter physische Vorteile.

Im Spiel Villanova gegen Miami wird das Guardplay darüber entscheiden, wer in die nächste Runde einzieht. McClellan und Rodriguez haben mehr Erfahrung und ergänzen sich besser, dafür kann jeder der Guards Villanovas das Tempo kontrollieren und gute Entscheidungen treffen. Beide Teams leben vom Pick & Roll, weshalb es interessant sein wird zu sehen, wie das eine Team jeweils die Pick & Rolls des anderen verteidigt und wie gut das gelingt.

Insgesamt ist Miami athletischer und variabler, während Villanova die besseren Schützen hat und das Spacing dadurch besser ist.

Wer auch immer am Ende aus dieser Region ins Final Four einzieht, wird für die letzten Spiele und den Meisterschaftskampf gut gerüstet sein. Alle vier Teams sind absolutes Final Four Kaliber.