25 März 2016

25. März, 2016


von AXEL BABST @CoachBabst

North Carolina Tar Heels (1)
In den beiden ersten Spielen brauchten die Tar Heels jeweils die erste Halbzeit, um ins Spiel zu finden und konnten sich währenddessen nicht wirklich absetzen. Gegen Florida Gulf Coast (83-67) machte sich die tiefere Rotation bemerkbar. Providence (85-66) hatte das ganze Spiel über mit Foulproblemen der beiden wichtigsten Akteure zu kämpfen und konnte daher nur bis zur Halbzeit auf Augenhöhe agieren.

Die Tar Heels sind ein extrem gefährliches Team, da sie ein Spiel in wenigen Minuten durch ihre berüchtigten Runs entscheiden können. Wenn die Heels erst mal ins Laufen kommen, können sie blitzschnell einen zweistelligen Vorsprung herstellen und damit vor allem den Willen des Gegners brechen. Selbst aus Scores des Gegners heraus führen die Heels den Einwurf schnell aus und können Fastbreakpunkte erzielen.

Klappt die erste Welle nicht, laufen die Heels automatisch ihre Secondary Offense, die mindestens genauso schwer zu verteidigen ist, wie der Fastbreak, da die Defense unstrukturiert ist und Hilfe nicht unbedingt gegeben sind.



Besonders der Backscreen für den Trailer ist sehr oft erfolgreich. Ist dann auch noch Brice Johnson der Rezipient des Alley-Oop-Passes, hat die Defense kaum noch eine Chance, einfache Punkte zu verhindern.


Wenn der Fastbreak mal nicht möglich ist, arbeitet Coach Roy Williams gerne mit Screen-the-Screener-Aktionen. Da die Guards in diesem Jahr endlich Gefahr von der Dreierlinie ausstrahlen und den offenen Wurf treffen, sind diese Plays wesentlich effektiver als noch in den vergangenen Jahren.

Beispielhaft für solche Sets ist der folgende Angriff. Hier wird der Ball nach dem Einwurf von einer Seite zur anderen bewegt. Anschließend stellt Guard Nate Britt zunächst einen Block für Isaiah Hicks, der per Shuffle Cut in den Lowpost strebt. Anschließend erhält er den Downscreen und versenkt den offenen Distanzwurf. Dieses Play laufen die Tar Heels sehr gerne aus Einwürfen, egal ob von der Seitenlinie oder der Baseline.


Sehr beliebt sind zudem diverse Box-Sets. Diese haben immer die gleiche Grundaufstellung, bei der ein Guard mit dem Ball an der Seite dribbelt und alle anderen Spieler ein Viereck um die Zone herum bilden. Die Variationen liegen dann darin, wo die Spieler starten und welche Aktionen sie durchführen. 

In dieser Szene wählen die Heels die klassische Elevator-Variante. Dabei stellt Shooter Marcus Paige einen Crossscreen für Big Man Johnson. Anschließend schlüpft er zwischen den Blöcken der beiden Spieler auf der Freiwurflinie durch. In diesem Fall bringt Joel Berry das Leder jedoch in die Hände von Johnson, der den Platz im Lowpost für einen guten Move nutzt, aber nicht finishen kann.


Neben den taktischen Aspekten im Halbfeld muss bei den Tar Heels das Hauptaugenmerk auf der Verteidigung des Pick & Roll liegen. Hier konnten sie sich über die Saison zwar verbessern, im Vergleich zu den anderen Topteams und Titelanwärtern hinken sie allerdings noch gewaltig hinterher. 

Zudem tendieren die Heels dazu, viele einfache Wurfgelegenheiten zu vergeben und sorglos mit dem Ball umzugehen. Dadurch können sie jeden Gegner, der eigentlich schon geschlagen zu sein scheint, wieder aufbauen.


Indiana Hoosiers (5)
Sowohl gegen Chattanooga (99-74) als auch gegen Kentucky (73-67) waren die Hoosiers das deutlich bessere Team. Zwar konnte Kentucky dank Tyler Ulis lange in Schlagdistanz bleiben, doch eine richtige Wende wollte nicht gelingen.

Die Hoosiers sind in erster Linie offensiv kaum zu halten. Anders als die meisten Collegeteams laufen sie nicht ihre bis ins letzte Detail festgelegten Spielzüge und agieren dabei wie Maschinen. Tom Crean überlässt seinen Spielern viele Freiheiten. Troy Williams und Yogi Ferrell sind die Katalysatoren. Die Sets oder Einstiege in die Halbfeldoffense dienen eher dazu, den beiden Drives zu ermöglichen, aus denen heraus die Hoosiers ihr Ballmovement einleiten.

Wird der Gegner zur Rotation gezwungen, hat er eigentlich kaum noch eine Chance, einen offenen Wurf zu verhindern. Dafür ist das Spacing zu gut und die Spieler sind zu uneigennützig.

Im ersten Beispiel beginnt das Unheil für Kentucky, als Williams seinen Gegenspieler schlägt. Murray kann zwar zur Hilfe kommen, allerdings ist Robert Johnson dadurch direkt am Korb frei. Johnson sieht den herannahenden Lee und findet dessen Gegenspieler O.G. Anunoby frei in der Ecke. Anunoby leitet den Ball direkt zu Bielfeldt weiter, der wiederum Ferrell einbezieht.

Ferrell kann nun ein Closeout attackieren. Mit zwei Dribblings ist er wieder mitten in der Zone und bindet drei Verteidiger. Dennoch behält er den Überblick und findet den freien Bielfeldt. Bielfeldt attackiert wieder geschickt, bindet erneut mehrere Verteidiger und plötzlich steht Anunoby ganz allein in der Zone.


Im zweiten Beispiel sind die Hoosiers in einer 5-Out-Aufstellung, die durch ein Pick & Roll von Ferrell und Collin Hartman eingeleitet wird. Kentucky switcht das Pick & Roll, um den Drive im Ansatz zu verhindern und keine langen Hilfen geben zu müssen. 

Ferrell übergibt den Ball anschließend per Handoff zu Williams. Kentuckys Verteidiger sind sich zunächst uneinig, wie sie diese Ballübergabe verteidigen wollen, entscheiden sich notgedrungen für einen erneuten Switch. 

Dadurch hat Williams zunächst zwar keinen Vorteil, allerdings hat wenige Augenblicke später Ferrell den Ball in der Hand und kein Problem damit, den deutlich langsameren Willis im Eins-gegen-Eins zu schlagen. Da die anderen Verteidiger so weit von der Zone entfernt sind, kommt keine Hilfe und Ferrell hat einfache Zähler auf dem Konto.


Auch im letzten Beispiel sind Ferrell und Williams die beiden Hauptakteure. Die Hoosiers laufen eines ihrer gezielten Setplays. Bei diesem Set sind auf der rechten Seite des Feldes die Shooter platziert, während Williams auf der linken Seite lauert. 

Ferrell passt ihm den Ball, erhält einen Backscreen von Thomas Bryant und cuttet in die linke Ecke. Nach dem Backscreen stellt Thomas direkt einen Ballscreen für Williams, der damit über seine stärkere rechte Hand attackieren kann. In dieser Situation versucht Kentucky, Williams auf der linken Seite zu halten, allerdings reicht sein erster Schritt, um die Hilfe zu erzwingen. 

Dadurch ist Ferrell frei und kann zum Korb ziehen. Sein Pass auf den cuttenden Bryant unterstreicht seine Entwicklung als Passgeber.


Defensiv konnten sich die Hoosiers dank der gestiegenen Minutenzahl für Bielfeldt, Anunoby und Johnson ebenfalls verbessern, sind aber von überdurchschnittlichem Niveau immer noch entfernt.


Notre Dame Fighting Irish (6)
Die Irish konnten sich in der ersten Runde gegen Michigan (70-63) durchsetzen und erhärteten damit ihren Ruf als eine Mannschaft, die in der zweiten Halbzeit am besten spielt. Gegen Stephen F. Austin mussten sich die Irish wesentlich länger strecken und konnten am Ende nur dank eines Tip-Ins von Freshman Rex Pflueger zum 76-75 den Einzug ins Sweet Sixteen feiern.

Auch in dieser Saison gehört die Offense der Irish zum besten, was die NCAA zu bieten hat. Die zentrale Rolle nimmt in diesem Jahr Demetrius Jackson ein, der mit Big Zach Auguste hervorragend harmoniert. Das Zusammenspiel der beiden im Pick & Roll ist von hoher Qualität und nur sehr schwer zu verteidigen. 

Jackson wird dabei oft abseits des Ball zunächst mit Blöcken freigespielt. Aus diesen Screens kommt er mit gutem Tempo und einem ordentlichen Vorsprung. Er liest sehr genau, wo sein Verteidiger ist und wie er ihn attackieren kann. Besonders aus Downscreens oder Floppy Sets curlt Jackson gerne zum Korb. Er kann entweder selber per Drive abschließen oder findet den Blocksteller mit seinen Pocket Pässen.


Bei den Floppy Sets macht sich positiv bemerkbar, dass immer mindestens zwei gute Ballhandler und ebenso viele Schützen auf dem Feld stehen. Selbst wenn Jackson nicht frei werden sollte, können andere Spieler den Weg zum Korb suchen. 

Durch das gute Spacing haben sie oft freie Bahn und selbst wenn sie nicht finishen können oder keinen Kickout spielen, räumen die Bigs Auguste und Bonzie Colson am offensiven Brett viele Rebounds ab.


Ein weiteres oft genutztes Play ist folgendes Set, bei dem Jackson zunächst einen Backscreen erhält. Dieser Backscreen soll die Defense eigentlich nur beschäftigen, doch oft genug verschlafen Jacksons Bewacher diese Aktion und Jackson landet per Alley-Oop auf den Highlight Tapes der Spielzusammenfassungen. 

Ziel ist es in der Regel aber eher, dass Jackson aus einem weiteren Downscreen herauskommt und den Ball auf dem Flügel erhält. Die Seite wird anschließend freigeräumt, damit Jackson ungestört das Pick & Roll mit Auguste laufen kann. 

Alle anderen drei Spieler, in der Regel allesamt Schützen, verteilen sich auf der Weakside entlang der Dreierlinie. Gelingt es Jackson nicht den Korb zu attackieren oder Abroller Auguste zu bedienen, kann er immer noch die Schützen in Szene setzen.


Offensiv geraten die Irish daher selten in Bedrängnis. Viel wichtiger ist hingegen, dass sie ordentliche Defense spielen und möglichst wenige leichte Punkte zulassen. Für gewisse Zeiträume können sie den Gegner mit ihrer 2-3-Zone irritieren, allerdings kann diese lückenhafte Verteidigungsform keine dauerhafte Lösung darstellen.


Wisconsin Badgers (7)
In der vermutlich schlechtesten Partie des bisherigen Tournaments besiegten die Badgers offensiv indisponierte Pittsburgh Panthers (47-43) und sicherten sich damit ein Aufeinandertreffen mit Xavier. Den X-Men schmeckte die abgebrühte Spielweise der Badgers überhaupt nicht, weswegen sie viele überhastete Abschlüsse nahmen. Am Ende konnte Bronson Koenig mit zwei wichtigen Würfen den Sieg und die Sweet Sixteen Teilnahme perfekt machen.

Zu Saisonbeginn war Bo Ryan von seiner Jahre lang erprobten Swing Offense abgekehrt, da er fürchtete, die auf Read-and-React-Prinzipien basierende Offense würde den jungen Kader überfordern und zu vielen Ballverlusten führen. Erst als Greg Gard ins Amt berufen wurde, kehrten die Badgers wieder zur Swing Offense zurück und waren damit auch wieder erfolgreicher.

Für Gegner ist es schwierig, genau zu durchblicken, worauf die Badgers genau aus sind. Alle fünf Spieler sind in der Lage, durch Postups, Drives oder Dreier für Gefahr zu sorgen. Gleichzeitig spielen sie sehr unaufgeregt und warten, bis sich eine günstige Gelegenheit ergibt. Sie haben kein Problem damit, die komplette Angriffszeit zu verbrauchen und unter Umständen einen Notwurf am Ende zu nehmen. 


Zwar sind die Spieler in diesem Jahr individuell nicht so stark wie bei den vergangenen beiden Final Four Runs, doch dafür spielen sie noch frecher. Allen voran Ethan Happ hat sich als Freshman zu einer tragenden Säule entwickelt. 

Seine Spielweise ist nicht immer schön anzusehen und wirkt oft improvisiert, doch seine Fußarbeit, sein Touch und seine Toughness beim Finish sind für sein Alter überragend. Dazu ist er vielseitiger, als er im ersten Moment wirkt, weshalb er seine Gegenspieler oft überrascht.


Neben der Swing Offense streuen die Badgers auch immer mal wieder Setplays ein. In diesem Beispiel erinnern die ersten Aktionen an die normalen Abläufe der Swing Offense, bis Happ gezielt den Screen slippt. Er behält den Überblick findet den freien Schützen auf der Weakside und Nigel Hayes spielt noch den Extrapass in die Ecke.


Für den Teamerfolg der Badgers ist es jedoch existenziell wichtig, dass Hayes endlich aufwacht und starke Leistungen abruft. Sein erstes Wochenende war nicht sonderlich überzeugend und er blieb deutlich unter seinen Möglichkeiten. Wollen die Badgers ihren Run fortsetzen, muss von ihrem wichtigsten Spieler mehr kommen.


Endstand
Die Sweet Sixteen Paarungen könnten nicht unterschiedlicher sein. In der einen Partie werden UNC und Indiana sich die Lungen aus dem Leib laufen. Die Voraussetzungen für ein mitreißendes Basketballspektakel stehen nicht schlecht. Zudem prallen Welten aufeinander, wenn die Tar Heels ihre Größenvorteile ausnutzen werden wollen, während Indiana sein Glück aus der Distanz probieren wird. Kein Match könnte die Glaubensfrage zwischen Small und Big Ball besser darstellen.

Auf der anderen Seite treffen mit Notre Dame und Wisconsin zwei der langsamsten Teams der NCAA aufeinander. Beide passen gut auf den Ball auf und wollen durch eigene Ballbesitze die Geduld des Gegners strapazieren. Notre Dame ist in der Offensiv talentierter, dafür spielt Wisconsin die bessere Defense. Wisconsin ist zudem eines der besten Teams im Angriff gegen Zone, weshalb Notre Dame bei einer solchen Verteidigungsstrategie aufpassen muss.

Insgesamt scheint UNC der unangefochtene Favorit dieser Region zu sein, doch sollten sie auf der Hut sein, da Indiana und Notre Dame zwei Stile pflegen, die den Tar Heels in dieser Saison bisher ganz und gar nicht bekamen. Indiana lässt den Ball schnell laufen und zwingt die Bigs zur Verteidigung am Perimeter, Notre Dame beherrscht das Pick & Roll so gut wie keine andere Mannschaft. Daher wäre es nicht verwunderlich, wenn eines dieser Teams am Ende ins Final Four einziehen würde, vorausgesetzt die Defense kann einigermaßen mithalten.