18 März 2016

18. März, 2016


von AXEL BABST @CoachBabst

Für das erste Upset des diesjährigen March Madness Turniers sorgten die Yale Bulldogs (#12 Seed) gegen die Baylor Bears (#5).

Yale nutzte dabei vor allem die Schläfrigkeit in der Defense der Bears. Während in der ersten Hälfte vor allem Makai Mason als Point Guard dem Spiel seinen Stempel aufdrückte, waren es in der zweiten Halbzeit vor allem die Rollenspieler, die ihren Beitrag leisteten.

Mitte der zweiten Halbzeit konnten sich die Bulldogs absetzen und einen Vorsprung herausarbeiten, von dem sie bis zur Crunchtime profitierten. Am Ende stand ein 79-75 Sieg der Bulldogs und der überraschende Einzug in Runde zwei.


Besonders die Pick & Roll Defense war mangels Kommunikation anfällig bei den Bears. Im ersten Beispiels können die Bears zunächst ein Side Pick & Roll zur Baseline verteidigen. Doch im zweiten Anlauf sind sich Taurean Prince (Nr.21) und Rico Gathers (Nr.2) uneinig, wie sie das Pick & Roll verteidigen wollen. 

Gathers will switchen, Prince versucht hingegen halbherzig um den Block herum zu kommen. Im Endeffekt stehen beide im Niemandsland und können den Layup nicht verhindern. Sam Downey (Nr.44) ist der Profiteur. 


In der zweiten Situation passt Anthony Dallier (Nr.1) den Ball zu Trey Phills (Nr.13) auf den linken Flügel und sprintet sofort zu Weakside, wo er zwei versetzte Blöcke erhält und direkt wieder zur Dreierlinie cuttet. Er bekommt den Ball auf der rechten Seite wieder und penetriert direkt zur Mitte. Dabei nutzt er zwei Ballscreens. 

Phills kommt Dallier einen Schritt entgegen und bereitet damit den Backdoorcut vor. Lester Medford (Nr.11) rechnet nicht damit und da die anderen Angreifer alle in der Nähe der Freiwurflinie sind, fühlt sich kein Verteidiger dafür verantwortlich, Helpside-Defense zu geben.

Die nächste Szene erinnert wieder an das erste Beispiel. Das erste Pick & Roll wird noch gut verteidigt, doch beim zweiten ist Prince undiszipliniert und versucht den Ball zu stealen. Er bleibt dadurch am Block hängen, macht aber auch keine Anstalten sich um den Roller Justin Sears (Nr.22) zu kümmern. Sears kann dadurch das Dreipunktespiel versenken und den Vorsprung erstmals in den zweistelligen Bereich bringen.


Abgeschlossen wird der Run von Guard Mason. Erneut wird der Ball und damit die Defense von Seite zu Seite bewegt. Am Ende ist es ein Handoff, der Mason einen vollkommen offenen Jumper beschert. Medford kämpft sich nicht um Handoff herüber, geht aber auch nicht unten lang und wird dadurch nach der Ballübergabe perfekt getroffen. Auch eine Hilfe oder ein Switchen von Al Freeman (Nr.25) bleibt aus.


Erst Taurean Prince kann der Mannschaft wieder Leben einhauchen, indem er durch spektakuläre Putbacks, Alley-Oops und Pässe einbringt und damit das Team emotional wieder auf die Spur bringt. Gerade er selber war noch wenige Minuten zuvor mit Teamkollege Gathers aneinander geraten und schien damit einen Zerfallsprozess einzuleiten.


Angestachelt durch diese spektakulären Aktionen, festigt sich die Defense und auch im Halbfeld sucht Coach Scott Drew seinen Anführer Prince nun mit einem der Lieblingsplays der Bears, bei dem Prince eine Isolation auf der rechten Spielfeldseite bekommt.


In der ersten Situation zieht Prince entschlossen zum Korb, kann seinen Gegenspieler jedoch nicht gänzlich abschütteln und versucht es mit einem schwierigen Spinmove. Dieser ist zwar nicht drin, doch durch seinen Drive forciert er Sears zur Hilfe, weswegen dessen Gegenspieler Johnathan Motley (Nr.5) den Offensivrebound abgreifen und anschließend per Putback vollstrecken kann.


Im folgenden Angriff erhält Prince erneut aus demselben Play heraus den Ball auf der rechten Seite. Wieder entscheidet sich Prince sofort zum Drive. Dieses Mal stoppt er per Jumpstop ab und kreiert dadurch genug Platz, um seinen eigenen Verteidiger abzuschütteln und die Helpsideverteidiger auf Distanz zu halten. Dadurch ist sein Abschluss dieses Mal hochprozentiger und er kann selber scoren.


In diese Aufholjagd mischt sich an dieser Steller Sears ein, der mit zwei starken Aktionen an beiden Enden des Feldes den Run zu stoppen und dem Spiel eine Vorentscheidung verleihen zu scheint.

Zunächst laufen die Bulldogs ein Horns Play, bei dem Mason den Block von Sears nutzt. Das direkte Anspiel klappt nicht, also swingen die Bulldogs den Ball geduldig entlang der Dreierlinie über Brandon Sherrod (Nr.35) zu Dallier auf die rechte Spielfeldhälfte. Sears kommt mit. 

Da das Pick & Roll anfangs von Baylor geswitcht wurde, hat Sears nun Freshman Jalen Lindsey (Nr.3) gegen sich stehen. Lindsey hat keine Chance, Sears am Ballerhalt zu hindern. Sears reagiert sofort und zieht zum Korb. Da auch Motley nur dabei zusieht, wie Sears direkt an ihm vorbeigeht, kann Sears den Layup versenken. 


In der Defense schließt er anschließend sehr erfolgreich den Weg zum Korb für Ish Wainright (Nr.24) und zwingt ihn zu einem schwierigen Wurf mit geringer Erfolgsaussicht. 

Dennoch können die Bears wieder verkürzen und das Spiel noch einmal richtig eng gestalten. Wieder wird Prince mit dem Horns-Set gesucht. Er wird gut verteidigt und schafft es dieses Mal nicht, per Drive die Zone zu erreichen. Daher nimmt er den Stepback-Dreier und verkürzt auf vier Zähler Abstand.


Wenige Angriffe später hat Prince nun die Chance, den Rückstand weiter zu reduzieren. Prince erhält wie gehabt den Ball an der Dreierlinie auf Höhe der verlängerten Freiwurflinie. Statt erneut den Sprungwurf zu nehmen, will er dieses Mal wieder sein Glück mit der Penetration versuchen. 

Nick Victor (Nr.21) verteidigt den Drive jedoch exzellent, bleibt an Prince dran und forciert damit das Offensivfoul. Damit scheint das Spiel so gut wie gelaufen zu sein.


Doch Yale lässt an der Freiwurflinie einige Punkte liegen und so kann Baylor auf einen einzigen Punkt verkürzen. Bei noch neun Sekunden verbleibender Spielzeit muss Yale eigentlich nur den Ball einwerfen und Freiwürfe treffen. Die vorherigen Einwürfe waren jedoch allesamt sehr zittrig aufgrund des hohen Drucks der Baylor Defense. 

Baylor entscheidet sich Mason beim Einwurf zu doppeln. Gleichzeitig steht Medford mit dem Rücken zum Ball zwischen Einwerfer und Gegenspieler. Entsprechend muss sein Gegenspieler Victor nicht viel mehr machen, als einfach an seinen Bigs vorbei zu rennen und hat schon einen uneinholbaren Vorsprung. Mehr als zwei Sekunden verstreichen daher, ehe Baylor foulen kann.


Victor trifft nur den ersten Freiwurf und leistet sich beim zweiten einen Airball, was Baylor die Möglichkeit gibt, sich für den letzten Angriff zu sammeln. Dieser letzte Angriffsversuch endet jedoch in einem Ausrutscher von Aufbauspieler Medford und einem Ballverlust.  


Yale gewinnt das Spiel, weil der Underdog das cleverere und härter spielende Team war. Für Baylor ist es das zweite Erstrundenaus in Folge. Yale darf sich als nächstes an Duke versuchen. 

Beim Gastspiel im Cameron Indoor Stadium im Dezember gab es für den Ivy League Vertreter eine Niederlage. Dennoch sollten die Bulldogs nicht chancenlos in die Begegnung gehen und das Spiel mit einer ähnlichen Leistung lange ausgeglichen gestalten.