21 März 2016

21. März, 2016


von AXEL BABST @CoachBabst

Spätestens nach dem Upset von Middle Tennessee State (15) gegen Michigan State (2) dürfte es schwer werden, noch intakte Brackets zu finden. Michigan State war bei vielen als sicherer Final Four Teilnehmer fest eingeplant. Doch die Blue Raiders bewiesen wieder einmal, dass der März seine eigenen Gesetze hat und ein #15 Seed für den Conference USA Champ einfach zu tief war.

Bereits zu Beginn der Partie konnten die Blue Raiders von einer schläfrigen Verteidigung des Favoriten profitieren und dank einer phänomenalen Wurfquote mit 15:2 in Führung gehen. Diese Führung gab der Underdog bis zum Schluss nicht mehr ab und lag das ganze Spiel über nicht ein einziges Mal in Rückstand. 

In der zweiten Halbzeit beeindruckten sie daher mit einer großartigen Resistenz gegen alle Versuche der Spartans, einen Run zu starten und die Partie somit noch zu drehen.


Gleich zu Beginn der zweiten 20 Minuten können die Spartans auf zwei Punkte verkürzen, lassen aber in der Folge zwei Dreier durch Forbes und Valentine liegen und verpassen daher den Führungswechsel. MTSU gerät nicht in Panik, sondern spielt geduldig seine Angriffe runter.

Das wird in der folgenden Offense belohnt. Wie immer arbeiten die Blue Raiders mit vielen Screens abseits des Balls. Einem Backscreen für Giddy Potts (Nr.20) werden mehrere weitere Screenmöglichkeiten angeschlossen. Potts kann entweder zum linken Flügel hochlaufen und einen Downscreen erhalten oder die Baseline entlang sprinten und dort zwei Screens erhalten. Für letzteres entscheidet er sich, wird zwar nicht frei, doch die Blue Raiders suchen einfach die nächste Option.

Nun soll Upshaw gesucht werden, wozu der Ball von Seite zu Seite bewegt wird und Upshaw sich aufpostet. Auch das wird gut verteidigt, weswegen zu guter Letzt alle fünf Spieler in einer 5-Out-Aufstellung entlang der Dreierlinie platziert werden, was Standard für die Blue Raider ist, sobald ein Set nicht funktioniert. 

Dadurch haben sie viel Platz zum Operieren und forcieren längere Closeouts. Am Ende ist es Adonis Foote (Nr.15), der nach einem Screen von Potts zum Jumper hochsteigt. Denzel Valentine (Nr.45) gibt in dieser Situation, wie so oft, defensiv keine gute Figur ab und ist zu spät, um den Wurf zu stören.


Sofort stellt Coach Kermit Davis auf die 1-3-1-Halbfeldtrap um. Dadurch erwischt er die Spartans und besonders Valentine auf dem falschen Fuß. Gleich zwei Mal hintereinander verliert er dadurch den Ball. Der erste Turnover resultiert in einem Dunk für Perrin Buford (Nr.2). 


Nach dem zweiten Ballverlust hat MTSU nicht die Möglichkeit zum Fastbreak, was Aufbauspieler Jaqwan Raymond (Nr.10) sofort erkennt. Stattdessen brillieren die Raiders wieder mit ihrem guten Setplay. Folgendes Play nutzen die Raiders:


Dieses Mal bauen sie jedoch gezielt eine Variation ein: Buford cuttet dieses Mal als Drei nicht hart zum Korb bei seinem Backdoorcut, sondern sprintet die Freiwurflinie entlang. Gleichzeitig bekommt Potts als Zwei nicht den Handoff, sondern cuttet selber hart zum Korb und hat einen Layup. Weil die ganze Zone frei ist, hat Potts einen einfachen Layup.


Die nächste Sequenz verdeutlich, wie wach und fokussiert die Raiders das ganze Spiel über waren. Bryn Forbes (Nr.5) trifft einen Dreier, wodurch er in dieser Saison schon so manchen Run der Spartans einleiten konnte. Doch direkt im Gegenzug überlaufen die Blue Raiders einfach die Defense der Spartaner und können in Person von Quavius Copeland (Nr.24) ein Dreipunktespiel erzielen. Wieso Forbes, der selber den Korb erzielte, der erste ist, der den Korb schützen möchte, wird aufgrund der schlechten Kameraführung leider nicht ersichtlich. Allerdings stehen hier die anderen vier Mitspieler auf dem Feld in der Verantwortung, schneller umzuschalten.


Im folgenden Angriff wird zudem deutlich, dass Michigan State große Probleme mit der Tatsache hatte, dass alle fünf Raiders auf dem Court schießen können. Wieder ist das Play geprägt von viel Bewegung und vielen Pässen. Alle fünf Spieler berühren in diesem Angriff den Ball und die zahlreichen gleichzeitigen Cuts überfordern die Defense des Favoriten. Das Play zielt letztlich darauf ab, dass Reggie Upshaw (Nr.30) eine Isolation bekommt und direkt beim Catch attackieren kann. 

Upshaw ist als Vierer ein wahrer Offensivallrounder und von seinen Gegenspielern in der Regel nicht zu halten. Matt Costello (Nr.10) guckt daher Upshaw zu und ist nicht aufmerksam genug, um zu sehen, dass sich sein Gegenspieler und nomineller Center Darnell Harris (Nr.0) aus der Ecke hochschleicht. Upshaw passt ihn sofort an und Harris versenkt den Dreier.


Michigan State kommt dank Forbes und Costello dennoch wieder bis auf zwei Punkte heran. Doch erneut geraten die Raiders nicht in Aufruhr und machen sich die Vielseitigkeit ihrer Bigs zu Nutze. Aus einem Horns-Set heraus rollt sich Harris zunächst ab, während Upshaw rauspoppt. Upshaw erhält den Ball und übergibt ihn Potts. 

Potts kommt dem Ball mit Tempo entgegen und zieht die Aufmerksamkeit der Verteidigung auf sich. Er kreiert genügend Unruhe, um Raymond einen guten Entrypass zu Harris zu ermöglichen und Harris den Platz im Lowpost zu verschaffen. Harris zeigt, dass er auch mit dem Rücken zum Korb erfolgreich sein kann und vollstreckt das Dreipunktespiel.


Im nächsten Angriff ist Harris wieder der entscheidende Faktor. Zunächst stellt er einen Backscreen für Potts. Direkt im Anschluss slippt er einen Ballscreen für Buford und poppt zur Dreierlinie heraus. Valentine und Costello üben beide keinen Druck am Ball aus und dennoch ist Harris vollkommen frei an der Dreierlinie. Buford findet ihn. Costello ist zu weit entfernt, um den Dreier zu verteidigen und Gavin Schilling (Nr.34) sieht überhaupt nicht, dass er jetzt helfen sollte. Als er Harris anguckt, ist dieser schon im Begriff zu werfen.


Auch daran anschließend gibt Schilling keine gute Figur ab. Er verteidigt immer noch Upshaw am Perimeter, was er einfach nicht gewohnt ist. Zwei Handoffs reichen, um Usphaw den Weg zum Korb zu öffnen. Eron Harris (Nr.14) tut ein wenig so, als würde er helfen, doch das hindert Upshaw nicht wirklich am Drive und dem Dreipunktespiel.


Tom Izzo behält seine Aufstellung aus zwei Bigs jedoch vorerst bei, was die Raiders nochmal gezielt attackieren. Wieder laufen die Raiders ihr skizziertes Play in der Reinform. Geduldig wandert der Ball von Seite zu Seite. Erst als Upshaw das zweite Mal den Ball berührt nutzt er den Raum, um Schilling im Eins-gegen-Eins zu schlagen und das Foul zu ziehen.


Selbst einen dritten Anlauf der Spartans können die Raiders erfolgreich abwehren. Bis auf einen einzigen Zähler kann MSU verkürzen. Wieder ergibt sich genau rechtzeitig wieder ein Drive aus der guten Offense der Raiders. Nach mehreren Back- und Flarescreens erhält Buford einen weiteren Backscreen von Harris. 

Verteidiger Eron Harris will den Weg abkürzen und geht unter dem Block lang. Buford liest diesen Fehler exzellent und bleibt an der Dreierlinie stehen. Harris muss nun herausstürzen, um den Wurf stören zu können. Das Closeout ist viel zu überhastet und Buford kann die Mitte attackieren. Beim Pick & Roll hilft Costello nicht, da er sich lieber auf Darnell Harris konzentriert und verhindern will, dass ihm dieser wieder entwischt. Buford kommt zum Korb durch und finisht trotz Foul.


In den letzten Minuten lässt sich bei den Raiders trotz kurzer Rotation auch kein Kräfteverschleiß erkennen und sie schmeißen sich nach wie vor auf jeden Ball. Die folgenden zwei Szenen unterstreichen eindrucksvoll, wie MTSU Michigan State das ganze Spiel über in den entscheidenden Hustle Plays bezwingen konnte, was Gegnern der Spartans nur sehr selten gelingt.

Die Shotclock läuft runter und Upshaw muss einen Notwurf nehmen. Da jedoch alle fünf Angreifer am Perimeter verteilt sind und die verteidigenden Bigs nicht unter dem Korb stehen, haben die Spartans schlechte Karten beim Rebound. Zudem hat Buford auch noch Insideposition beim Boxout und kann dadurch den nächsten Ballbesitz sichern, der zwar keine Punkte bringt, aber weitere Zeit von der Uhr nimmt.


In der zweiten Szene haben nun die Spartans den Ball und können ausgleichen oder wieder auf einen Zähler herankommen. Die gute Defense der Blue Raiders lässt das jedoch nicht zu. Izzo lässt ein beliebtes Play für Forbes laufen, das als zweite Option ein Postup für den Big Man, in dem Fall Costello, beinhaltet. Die Raiders switchen geschickt, weswegen Forbes nicht frei wird. Beim Postup von Costello stört Upshaw geschickt, weswegen Costello nie wirklich den Ball kontrolliert. Bei der Loseball Situation sind drei Raiders beteiligt und von den Spartans nur Costello – ein sehr seltenes Bild.


Der entscheidende Angriff der Raiders nach einer Auszeit ist wieder exzellent aufgebaut. Upshaw wird dieses Mal als Dekoration genutzt. Er läuft einen Iverson Cut entlang der Freiwurflinie. Der erste Blocksteller ist Buford, zu dem der Ball gelangen soll. Denjenigen, der am Ende den Ball erhalten soll, als Blocksteller zu nutzen, ist ein sehr geschicktes Mittel, um einen unfallfreien Pass auf den richtigen Spieler zu ermöglichen. 

Buford ist am Elbow gegen Valentine, einen mäßigen Verteidiger, isoliert. Abseits des Balls gibt es viel Bewegung, weswegen kein Verteidiger zum Doppeln kommt. Buford sieht, dass Potts auf der Weakside frei ist. Sein Pass ist zwar nicht optimal, doch Potts schaltet schnell und kann die Situation mit einem Pullup-Jumper retten.


Im folgenden Angriff der Spartans  gelingt den Raiders der Stop, der den Upset besiegelt. Das Play von Izzo ist sehr einfallsreich und schwierig zu verteidigen, da viele Misdirection Aktionen in kurzem Abstand stattfinden. Valentine erhält zunächst einen dekorativen Ballscreen von Forbes, der ein ähnliches Prinzip wie zuvor bei Buford befolgt. Forbes wird jedoch auch nach dem Flarescreen nicht frei. Sofort stellt Costello einen Downscreen für Harris. 

Harris hätte vielleicht die Möglichkeit zum Wurf, allerdings schien die Ansage gewesen zu sein, den rollenden Costello zu suchen. Harris wirft den Ball daher direkt in dessen Richtung. Allerdings riecht Raymond den Braten und rotiert von Forbes zu Costello. Die Raiders können dadurch den Pass abfangen. Der Dunk mit Foul von Upshaw auf der anderen Seite markiert den Schlusspunkt.


Der Upset ist also mehreren Faktoren zu verdanken. In erster Linie liegen diese bei Middle Tennessee State. Das Team ist exzellent gecoacht, läuft in der Offense viele gute Sets und ist schwer zu verteidigen, da alle fünf Spieler werfen und ziehen können. Zudem waren die Raiders das härtere Team, was gegen Michigan State eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit ist. Sie kontrollierten die Bretter und konnten Stops generieren, wenn sie welche brauchten.

Michigan State hingegen lieferte nicht unbedingt ein schlechtes Spiel, war aber in den entscheidenden Momenten einfach nicht konzentriert und konsequent genug. Es boten sich mehrere Gelegenheiten, erstmals in Führung zu gehen. Doch offene Würfe konnten nicht getroffen werden und auch Valentine hinterließ keinen guten Eindruck aufgrund seiner kostspieligen Fehler.