19 März 2016

19. März, 2016


von AXEL BABST @CoachBabst

Das spektakulärste Upset des ersten Tages legten die Little Rock Trojans gegen die Purdue Boilermakers hin. Beim Stand von 63-49 etwa fünf Minuten vor dem Ende schien es unwahrscheinlich, dass Little Rock das Spiel noch drehen könnte. 

Doch gerade die Boilermakers bewiesen in dieser Saison mehrfach, wie schnell sie einen hohen Vorsprung abgeben. Gerade wenn der Gegner aggressiv presst, macht sich das Fehlen eines routinierten Ballhandlers bemerkbar. Das wussten die Trojans und Coach Beard sehr gut zu nutzen.


Bei eingangs beschriebener Situation, 14 Punkte Rückstand und noch viereinhalb Minuten regulärer Spielzeit, entscheidet sich Beard, den Druck zu erhöhen und aggressiv zu pressen, statt die Zonenverteidigung beizubehalten. 

Marcus Johnson (Nr.13) verlässt seinen Gegenspieler und attackiert Ballhandler Johnny Hill (Nr.1), der damit überhaupt nicht rechnet und nach kurzem Gefecht den Ball hergeben muss. Johnson wird im Fastbreak gefoult und hat die Chance zu verkürzen.


Zwar vergibt der athletische Guard seine Freiwürfe, doch auch A.J. Hammons (Nr.20) zeigt mal wieder, warum er nicht schon längst in der NBA spielt. Er scheint mit dem Spiel bereits abgeschlossen zu haben und leistet sich folglich einen fatalen Lapsus beim Freiwurfboxout. 

Er lässt den deutlich kleineren Maurius Hill einfach zum Rebound springen, der ihm den Ball einfach vor der Nase wegschnappt. Hill findet Josh Hagins (Nr.3) in der Ecke für den schwierigen Dreier. 

Dieser Wurf ist nicht nur wichtig, weil er den Rückstand reduziert, sondern gleichzeitig auch noch die Initialzündung für den bis dahin blass gebliebenen Aufbauspieler Little Rocks bedeutet. 


Das rächt sich direkt im nächsten Angriff. Hagins ist nun aufgewacht und hat seine Spielfreude wiedergefunden. So kann er ohne große Probleme Vince Edwards (Nr.12), seines Zeichens einer der besten Verteidiger der Big Ten, schlagen und sich bei Hill für den Assist revanchieren. 

Sofort stellt Little Rock die Presse auf. Der Ball landet in den Händen von Edwards, der beim besten Willen kein Ballhandler ist. Entsprechend macht er einen großen Fehler. Er nimmt nach zwei Dribblings den Ball auf ohne zu wissen, wohin er eigentlich passen möchte. 

Hagins übt viel Druck aus und kann den Pass abfälschen und sichern. Wieder scoren die Trojans schnell und sind haben die magische Grenze des zweistelligen Rückstands unterschritten. 


Zwar gelingt es den Boilermakers beim nächsten Versuch, die Mittellinie zu überqueren, doch auch im Halbfeld herrscht jetzt Verunsicherung und keiner will Verantwortung übernehmen. Als Resultat ist Edwards zu einem Notdreier gezwungen, der UALR die nächste Einladung zum Fastbreak ausstellt. Hagins sagt gerne zu und baut den Lauf aus


Den Boilermakers gelingt es anschließend endlich wieder, Hammons im Lowpost zu finden. Doch der Big Man verfällt in die für ihn typische Lethargie. Statt seinen Größenvorteil und seine gute Fußarbeit zu nutzen, lässt er sich ein wenig zu weit nach draußen drängen und nimmt direkt nach Ballerhalt einen Turnaround-Hookshot. 

Der Wurf ist zu kurz. Immerhin gehen Edwards und Hammons dem Wurf nach und kämpfen sich eine zweite und sogar eine dritte Wurfchance, allerdings sind beide beim Putback/Tipin-Versuch zu unkonzentriert und halbherzig, weswegen Little Rock am Ende doch den Rebound kontrollieren und den nächsten Schnellangriff initiieren kann. 


Der Abstand ist inzwischen auf sechs Zähler Abstand geschmolzen und Purdue wirkt ziemlich konzeptlos. Daher ist es nicht erstaunlich, dass auch der nächste Angriff Purdues kein Erfolgserlebnis vorweisen kann. 

Dieses Mal forcieren Johnson und Jalen Jackson (Nr.1) durch ein kurzes Doppeln, dass Aufbauspieler P.J. Thompson (Nr.3) den Ball aus den Händen geben muss. Der Ball landet bei Rapheal Davis (Nr.35), der zwar einer der besten Verteidiger der NCAA ist, jedoch nicht als Ballhandler genutzt werden sollte. 

Davis wird von Jackson derartig unter Druck gesetzt, dass er sich dafür entscheidet diesen Druck zu attackieren. Bei seinem Drive ist er jedoch vollkommen außer Kontrolle und hat keinen Plan B in der Hinterhand. Er verliert folglich den Ball.

Little Rock macht das einzig richtige und gibt den Ball in die Hände von Hagins. Hagins fackelt nicht lange und drückt aus sieben Meter ab, womit er sein Team wieder in unmittelbare Schlagdistanz bringt.


Coach Matt Painter hat nun endgültig genug gesehen und nimmt eine Auszeit. Aus Auszeiten heraus gehört der Coach der Boilermakers zu den besten der NCAA. Das zeigt er auch dieses Mal, indem er sich richtigerweise dafür entscheidet, den Ball ans Brett zu Hammons zu bringen. 

Dafür sprintet Dakota Mathias (Nr.31) die Baseline entlang auf die Ballside und bekommt den Ball in der Ecke. Hammons postet sich sofort auf und wird von Mathias in Szene gesetzt. Roger Woods (Nr.0) liest allerdings sofort, was Purdue machen möchte und sprintet zur Hilfe. Hammons rechnet nicht so schnell mit der Hilfe und Woods kann den Turnover forcieren.


Little Rock sucht wieder das Eins-gegen-Eins für Hagins. Hagins schlägt auch dieses Mal seinen Gegenspieler und dringt in die Zone ein, wo er seinen Big Man Lis Shoshi (Nr.12) genau im richtigen Moment bedient. Shoshi finisht gut und Little Rock ist auf einen einzelnen Zähler herangekommen.

Im direkten Gegenzug findet Purdue zum ersten Mal die richtige Antwort und scheint damit gerade noch rechtzeitig das Spiel wieder unter Kontrolle zu bekommen. Mathias sprintet die Baseline entlang und erhält dabei von Hammons den letzten der beiden Screens. 

Anschließend postet er sich direkt auf und wird von Mathias angepasst. Sofort stürzen sich drei Trojans auf Hammons, der nun geistesgegenwärtig genug ist, den freien Mathias zu finden. Mathias trifft daraufhin einen wichtigen Dreier.


Erneut ist Arkansas jedoch nicht um eine Antwort verlegen. Der erste Dreier von Hagins landet in den Händen von Big Shoshi und der Kosovar trifft den Dreier.


Little Rock foult anschließend und Edwards trifft beide Freiwürfe. Den Trojans bleiben noch knapp 15 Sekunden, um den Ausgleich zu erzielen oder auf einen schnellen Zweier zu gehen. Beard und Hagins entscheiden sich für den Dreier und liegen dank Hagins’ Wahnsinnswurf damit goldrichtig. 

Kurios und bezeichnend ist nach dem Dreier jedoch, dass Edwards gut zwei Sekunden verstreichen lässt, weil er nicht weiß, ob sein Trainer eine Auszeit nehmen möchte. Dadurch kriegen die Boilermakers keinen guten Wurf mehr zustande und es geht in die Verlängerung.


Dort präsentieren sich die Boilermakers ebenfalls konfus im Angriff, während Little Rock sich durch Hagins Korberfolge erspielen und damit am Ende die nächste Runde erreichen kann.

An diesem Spiel lässt sich gut illustrieren, wie wichtig Guardplay im Tournament ist. Denn die letzten fünf Minuten und auch in beiden Verlängerungen herrschten großes Chaos und Verantwortungslosigkeit im Angriff Purdues.

Erschwerend hinzu kam noch, dass Hammons wieder in vielen entscheidenden Momenten in seine lethargische Art verfiel und dadurch die Möglichkeiten verpasste, das Spiel doch noch zu retten. 

Little Rock tritt nun in der nächsten Runde gegen Iowa State an.