14 März 2016

14. März, 2016


Die neue NBA-Saison ist gut unterwegs. Bei so viel irrsinniger Action pro Woche macht es nicht immer Sinn, traditionell zu berichten. Nicht weiter schlimm: die nbachefsquad ist zur Stelle wie Ricky Rubio in Crunchtime und versorgt euch wöchentlich mit artgerechten Häppchen zur NBA-Spielzeit 2015/16.

von NBACHEFSQUAD

Es wird Mad...
Axel Babst @CoachBabst ... Der Selection Sunday 2016 ist Geschichte und wie in jedem Jahr wird das Teilnehmerfeld der March Madness heiß diskutiert. Nicht nur auf Ben Simmons müssen Basketballfreunde in diesem März (verdientermaßen) verzichten, auch andere Teams stehen nach einem guten Jahr letztendlich mit leeren Händen da.

Allen voran die Monmouth Hawks und ihren Bench Mob werden wir im Tournament schmerzlich vermissen. Dass dafür dann Teams wie Syracuse oder sogar Tulsa noch als Teilnehmer reinrutschten, hätten teilweise die eigenen Spieler nicht mal mehr für möglich gehalten. Gerade der Tulsa Pick kann als eine der größten Frechheiten der jüngeren Tournament Geschichte gewertet werden.


Doch es gibt auch vieles, worüber sich die College Enthusiasten jetzt schon freuen können. So wird es in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch zu einem historischen Play-In-Spiel zwischen Vanderbilt und Wichita State kommen. Beide Teams haben durchaus Potential zu einem tiefen Run oder sogar dem Final Four, was man von den wenigsten Teams dieser Spiele in der Vergangenheit behaupten konnte. 

Neben diesen beiden bekannten Namen haben dieses Jahr so viele Teams wie nie eine realistische Chance, das Final Four zu erreichen oder gar den Titel zu gewinnen. Besonders in der West Region des Brackets werden sich die Kontrahenten heiße Fights ums Weiterkommen liefern.

Gleichzeitig haben in diesem Jahr viele Mid-Major-Teams und Underdogs das Zeug dazu, Favoriten zum Sturz zu bringen und Brackets zu busten. Cinderellas und Miracle Runs en masse warten nur darauf, am Bildschirm verfolgt zu werden. Das Ausfüllen der Brackets ist wie immer Pflicht und gehört zum guten Ton im Basketball-Frühjahr. 

Wer nicht gänzlich unvorbereitet seine Wetten abgeben will und einen detaillierteren Überblick in Sachen Titelfavoriten und Upset-Kandidaten erhalten möchte, sollte daher unbedingt wieder unsere in den folgenden Tagen erscheinenden Previews zu allen 64 Teams konsultieren. Wir haben für euch auch diesmal wieder die dickste Madness-Vorschau im deutschsprachigen Raum. 


Mad Mavs
Tiago Pereira @24Sekunden ... Schwarzpulver erfüllt die Luft, Explosionen lassen Autos samt Insassen durch die Luft fliegen und zwischen all dem TNT und Hollywood Testosteron grinst Dirk Nowitzki in die Kamera. Mad Mavs lautet die Kampagne der PR Abteilung der Texaner, in Anlehnung an den Preisgekrönten Film „Mad Max: Fury Road“.

Die Montage soll die Fangemeinschaft der Mavericks in Aufregung für den kommenden Road Trip ihrer Mannschaft versetzen. Gleichsam packend und erfolgreich, wie das mit sieben Oscars ausgezeichnete Original, sollen die Mad Mavs ihren Auswärtstrip bestreiten.

Dabei sind die Dallas Mavericks momentan alles andere als furchteinflößend. Fünf Niederlagen in Folge, u.a. gegen die Titanic Spielgemeinschaft der Sacramento Kings und die Denver Nuggets, lassen den Playoff-Sprint der Fohlen wie einen lahmen Trab aussehen. 


Fast schlimmer als die verlorenen Spiele ist die Tatsache, dass die Mavericks es verschlafen, die Hochphase ihres besten Spielers Dirk Nowitzki zu nutzen. Denn für Dirkules ist es wieder Frühling, nicht nur auf dem Kalender, sondern auch auf dem Parkett. Knapp 24 Punkte im Schnitt stehen für den Texaner auf Lebenszeit im Boxscore, seit dem Monat März. Darunter finden sich auch zwei 30 Punkte Spiele und ein Double Double. 

Leider konnte das Team von Coach Carlisle die Leistungen von „Vintage“ Dirk nicht nutzen, denn auch zu Hause gegen die Indiana Pacers zogen die Mavs den kürzeren Grashalm. Die nächsten zwei Wochen versprechen keine grüneren Aussichten. Zuerst müssen die Mavericks es vermeiden, in Charlotte von den Hornissen gestochen zu werden. Danach wird dem König und seinem Tross in Cleveland ein Besuch abgestattet.

Außerdem begegnen die Mavs dem Meister aus Oakland zwei Mal innerhalb von sieben Tagen. Zwischendrin heißt es eine doppelte Runde gegen den direkten Playoff Konkurrenten aus Portland zu bestreiten.  Für die an Platz 8 sitzenden Mavericks bedeutet dies, sich fest in ihren Sattel zu krallen und Spore zu geben, wollen sie in knapp einem Monat das Post-Season Rodeo nicht von unten betrachten. 



Fat Joe
Onur Alagöz @LakersParadigm ... Ohne nachzudenken: Wie viele NBA Refs kennt ihr beim Namen? Dick Bavetta kennen einige bestimmt noch wegen seines Wettrennens und anschließendem Knutschintermezzo mit Charles Barkley. Der ist aber längst in Rente. Ansonsten? Keiner? Doch: Joey Crawford.

Der berüchtigte Glatzkopf mit dem Hang zur Cholerik kündigte an, dass seine diesjährige 39. Saison seine letzte als Schiedsrichter in der besten Liga der Welt sein wird. Das jahrelange Jagen von Superstars, um ihnen möglichst viele technische Fouls in kurzer Zeit – unter anderem wegen Lachens – anzuhängen, hat an seiner Gesundheit genagt. 

Geplant war, diese Saison noch zu Ende zu bringen und dann die Pfeife an den Nagel zu hängen. Nun wurde aber vor einigen Tagen bekannt, dass sein Knie sich rapide verschlechtert hat bzw. nicht heilt, wie erwartet. Also wird Joey kein weiteres NBA Spiel mehr (ver)pfeifen. 

Alles Gehate aber mal beiseite: Am Ende bleibt eine beeindruckende Bilanz. 374 Playoff-Spiele hat Crawford geschiedsrichtert, mehr als jeder andere Ref in der NBA-Geschichte. Trotz seiner legendär kurzen Leine und seinem übertriebenen Geltungsbedürfnis, war Crawford stets auf maximale Fairness bedacht. 

Ob 12th Man oder Tim Duncan, das war ihm immer egal. Er behandelte alle gleich (mies). In der heutigen NBA-Welt, die Referees wie komplett charakterlose Roboter erscheinen lässt – ob gut oder schlecht – war Crawford die letzte polarisierende Persönlichkeit mit einer Pfeife im Mund. Respect, where respect is due: Gute Besserung, Joey! Und frohe Rente.


Der andere MVP
Peter Drews @PeterDrews90 ... True Story, bro: Kurz nachdem ich Anfang Januar meinen Player of the Month Vote abgab, erhielt ich folgende Nachricht in meiner Mailbox: „Ey Peter, was stimmt bloß nicht mit dir? Ich spiele den besten Monat meines Lebens, leg in zwei Spielen über 50 Punkte auf, bin der Hauptgrund, warum wir noch im Playoff Rennen sind, und du wählst Stephen Curry zum Spieler des Monats? Der Typ hat doch nur Glück, dass er bei Golden State spielt! Schäm dich!“

Der Absender war niemand geringeres als Damian Lillard persönlich. An dieser Stelle sorry dafür! Nachdem im Sommer fast die komplette Starting Five aus Oregon abwanderte, galten die Trail Blazers vor der Saison als eines der miesesten Teams in der Liga. Coach Terry Stotts störte das herzlich wenig, er rief zum offensiven Rebuild aus.

Erste Amtshandlung in der Ära nach LaMarcus Aldridge: Er legte das Team in die Hände von Damian Lillard. Der Superstar unterzeichnete im Sommer einen neuen 5-Jahres-Vertrag für knapp 120 Millionen Dollar. Wurde er im letzten Jahr aufgrund von Verletzungen für das All Star Weekend nachnominiert, blieb die Einladung in diesem Jahr komplett aus. Dabei hätte er es ohne Frage verdient gehabt, Teil des Trubels in Toronto zu sein.


Seine Spielzeit pro Abend stieg in dieser Saison auf knapp 36 Minuten an – Platz 13 in der NBA. In dieser PT ist er so produktiv wie noch nie: 25.8 Punkte und 7.0 Assists legt der Point Guard jeden Abend im Schnitt auf. Er zeigt voll und ganz, dass er mit der Verantwortung, die Coach und GM vor dieser Saison in ihn gesetzt haben, zurecht kommt.

Dass die Blazers im Westen im Moment vor den Houston Rockets und Dallas Mavericks stehen, liegt natürlich auch an C.J. McCollum. Der designierte Most Improved Player der Saison 2015/16 zeigt, wozu er in der Lage ist, wenn er genug Spielzeit erhält. Im Vergleich zur letzten Saison steigerte er seine Punktausbeute von gerade einmal 6.7 auf sensationelle 20.7 pro Partie. Dies macht ihn im Angriff zur gefährlichen zweiten Option für Portland.

Center Mason Plumlee stellt effektive Blöcke für seine beiden Guards, mit denen er ihnen entweder genug Platz für einen Abschluss verschafft, oder er rollt hart zum Korb ab. Al-Farouq Aminu zeigt Abend für Abend, dass er ein ernstzunehmender Three-and-D Spieler ist. Meyers Leonard, Ed Davis, Noah Vonleh und Allen Crabbe sind ebenfalls wichtige Teile der Rotation - die unmittelbare Zukunft in Portland sollte also gesichert sein.

Das gesamte Team ist im Durchschnitt gerade einmal 25 Jahre alt und extrem talentiert. Die Blazers sind dem Plan des Rebuilds klar voraus, haben die Möglichkeit, schon in dieser Saison wieder Playoff-Basketball zu spielen und können dank des ansteigenden Salary Caps im Sommer locker einen dicken FA-Fisch an Land ziehen. Wer weiß, wo diese Mannschaft dann in ein bis zwei Jahren stehen kann…


Fauler Zauber
Pascal Gietler @PascalCTB ... Die Worte des ehemaligen Football-Trainers Jim Moras dürften vielen Fans der Orlando Magic seit Anfang des Jahres im Unterbewusstsein herumspuken:

"Playoffs?! Don't talk about Playoffs! Are you kidding me? Playoffs?! I'm just hoping we can win a game, another game!"

Das Saisonziel war in Zentralflorida eigentlich eindeutig: Mindestens Platz acht sollte die Mannschaft rund um Victor Oladipo und Nikola Vucevic erreichen, um endlich wieder aus der Bedeutungslosigkeit herauszukommen. Doch davon sind die Magic rund einen Monat vor Saisonende meilenweit entfernt. Mit einer 28-37 Bilanz ist das Team aus der Hauptstadt der Vergnügungsparks und Kettenrestaurants genau dort, wo kein NBA-Team sein will: im unteren Mittelmaß der NBA.


Dabei hat das Front Office zur Trade-Deadline versucht, im Kampf um den achten Rang im Osten nachzulegen. Die Magic schickten Tobias Harris für Ersan Ilyasova und Brandon Jennings zu den Detroit Pistons und versprachen sich eine flüssigere Offensive und eine Stärkung der zweiten Garde hinter Evan Fournier, Nikola Vucevic und Co.

Das Ergebnis dieser Transaktion? Ernüchternd. Zwar wurde Spielzeit für Aaron Gordon frei und GM Rob Hennigan hat im Sommer etwas mehr finanziellen Spielraum, aber sportlich hatte der Trade kaum einen Impact. Seit dem 16. Februar konnten die Magic nur fünf Spiele (darunter zwei Spiele gegen die Philly Cheesesteaks und ein Spiel gegen boogielose Kings) gewinnen. Brandon Jennings - und das will schon was heißen - agiert ineffizienter (97 ORtg) denn je, Ersan Ilyasova kompensiert mit seinem gefährlichem Distanzwurf gerade mal die Verluste von Channing Fryes Überresten. 

Orlando muss allmählich die Personalpolitik des Front Offices hinterfragen, welches nun gemeinsam mit Coach Scott Skiles eine klare Struktur in O-Town schaffen muss. Mit wem wollen die Magic langfristig planen? Wer stört diese neue „Kultur“ und muss weg? Dies sind Fragen, die es schnellstmöglich zu beantworten gilt.


Memph'sches Krankenhaus
Tobi Mannhart ... Mario Chalmers ist gerade nicht zu beneiden. Der ehemalige Guard der Heat und Grizzlies, der erst am Anfang der Saison nach Memphis kam, wurde nach seiner saisonbeendenden Verletzung aus dem Kader gestrichen und darf sich nun schon einige Monate früher als ‚Free Agent‘ bezeichnen lassen.

Was brachte das Memphis-Management überhaupt dazu, so einen miesen Move mit einem Spieler durchzuziehen? Ganz einfach: Die Grizzlies kriechen auf dem Zahnfleisch durch die NBA. Das Lazarett wächst und wächst und man braucht sich nicht mehr über deutliche Niederlagen wie gegen die Atlanta Hawks wundern.

Zu den langfristigen Verletzungen von Marc Gasol (out for season), Mike Conley (3-4 Wochen), Chris Andersen (out indefinitely), Jordan Adams (2-3 Wochen) und Chalmers (out for season) kommen immer wieder kurzzeitige Ausfälle wie von Tony Allen letzte Woche, oder aktuell Vince Carter, Zach Randolph, Lance Stephenson und Brandan Wright. Es ist also quasi so, dass nicht nur die Starter, sondern teilweise auch der Backup und der Backup des Backups ausfällt.


Da war dem Management nichts mehr anders übrig geblieben als Chalmers zu entlassen, um im Anschluss eine Neuverpflichtung zu ermöglichen. Es mag aussehen wie eine ganz miese Behandlung eines gut spielenden Guards, allerdings ging das Grizzlies-Management wohl davon aus, dass Rio das Team in der Free Agency ohnehin wieder verlassen wird.

Daher ist diese harte Maßnahme wohl einigermaßen verständlich. Memphis versucht mit aller Macht zu retten, was von dieser Saison noch zu retten ist. Die Bären klammern sich an Rang fünf und verteidigen den bisher mit bewundernswerter Sturheit. Wieviel der angesichts eines so zerschossenen Kaders in den Playoffs wert sein wird, ist fraglich.

Das Licht am Horizont? Wer mit einer Mario Chalmers - JaMychal Green - P.J. Hairston - Tony Allen - Ryan Hollins plus Lance Stephenson, Vince Carter und Jarell Martin von der Bank Lineup gegen die Cavaliers gewinnt, der weiß auch in Notsituationen, wie Grit and Grind funktioniert!