07 März 2016

7. März, 2016


Die neue NBA-Saison ist gut unterwegs. Bei so viel irrsinniger Action pro Woche macht es nicht immer Sinn, traditionell zu berichten. Nicht weiter schlimm: die nbachefsquad ist zur Stelle wie James Harden in Crunchtime und versorgt euch wöchentlich mit artgerechten Häppchen zur NBA-Spielzeit 2015/16.

von NBACHEFSQUAD

Chokelahoma
Marc Wudi @MarcCTB ... Das beste Duo der Liga. On Pace to win 60 games. Neben den Spurs das einzige Team, das eine Chance hat die Golden State Warriors zu besiegen. Das alles sagte man über die Oklahoma City Thunder. Vor dem All-Star Break. Und jetzt? Gar nicht mehr.

Seit der Pause haben die Thunder nur drei Spiele gewonnen, dafür sechs verloren und müssen jetzt sogar hoffen, den dritten Platz in der Western Conference gegenüber den Los Angeles Clippers zu behaupten, bei denen Chris Paul ohne Superstar Blake Griffin auf MVP-Niveau.

Alarmierend: Die einzigen Siege konnten die Thunder gegen die vermeintlich schwächeren Dallas Mavericks, Sacramento Kings und Milwaukee Bucks verbuchen, verloren jedoch Spiele gegen die Indiana Pacers, Cleveland Cavaliers, New Orleans Pelicans, die Los Angeles Clippers und zuletzt zweimal gegen die Golden State Warriors.

Zwar sieht der Record von 43-20 auf den ersten Blick nicht allzu schlecht aus. Führt man sich jedoch vor Augen, dass OKC aktuell nur 15 von 31 Spielen gegen die Teams, die Postseason-Basketball erleben dürfen, gewonnen, wird schnell deutlich, dass OKC mit dem Titel in diesem Jahr wohl eher nicht viel zu tun haben wird.


Der Knackpunkt liegt beim Team aus Oklahoma City ganz klar im Crunchtime-Basketball. Nach der Entlassung von Scott Brooks und der Einstellung von Billy Donovan wurde erwartet, dass im vierten Viertel nicht mehr der von OKC in der Vergangenheit zelebrierte "Hero-Ball" gespielt wird. Das hat sich mit dem Trainerwechsel jedoch nicht geändert.

Russell Westbrook oder Kevin Durant Isolationen, vielleicht mal ein High Pick & Roll mit Serge Ibaka - mehr hat man in dieser Saison in den letzten Minuten eines engen Spiels von OKC kaum gesehen. Natürlich - Russell Westbrook und Kevin Durant haben schon den einen oder anderen spielentscheidenden Korb getroffen - aber auch viele verworfen.

Dieser einseitige Basketball führt dazu, dass die Thunder in dieser Saison schon zehn Spiele verloren haben, in denen sie mit einer Führung ins letzte Viertel gegangen sind... „Spitzenwert" der NBA. Oklahoma City kann diese Probleme vor Ablauf der regulären Saison vielleicht noch in den Griff bekommen. Aber: ihnen läuft die Zeit davon.


Parsons und das gute Timing
Philipp Landsgesell @Phillyland ... Nach der durchwachsenen letzten Saison kam Chandler Parsons auch in der aktuellen Spielzeit sehr schwer in die Gänge. Im Mai musste er sich an seinem rechten Knie - das ihm schon länger Sorgen bereitet – einer OP unterziehen und verpasste sieben der ersten 21 Spiele der Mavericks.

Auch als er endlich wieder auf den Court zurückkehrte, war der vielseitig einsetzbare Flügel nicht wiederzuerkennen. Der Rost nach der Verletzung und die Minuten-Restriktion setzten dem ehemaligen Houston Rocket enorm zu. Im November stand er durchschnittlich nur 19 Minuten auf dem Feld, im Dezember waren es dagegen schon fast 29 Minuten.

Head Coach Rick Carlisle vertraute aber seinem Spieler in den entscheidenden Minuten nicht und so musste Parsons in der Crunch Time oft zusehen. Dabei entstanden erste Gerüchte über die angeblich schlechte Stimmung zwischen dem Head Coach und seinem Spieler, die zwar immer wieder dementiert wurden, aber sich ebenso hartnäckig weiter halten. 

Mit dem Jahreswechsel sollten jedoch besseren Zeiten für Parsons anbrechen. Der ehemalige Florida Gator spielt momentan seinen besten Basketball, seitdem er sich im Sommer 2014 den Mavericks anschloss: 20.5 PPG, 5.7 RPG, 2.8 APG, 54.4% FG, und 51.4 % vom Parkplatz legte Parsons in den letzten 20 Partien auf und deutete damit seine All-Around Fähigkeit an. Nichtsdestotrotz haben die Mavs trotz der enormen Entwicklung ihres Flügels große Probleme - sie gewannen nur die Hälfte der letzten 20 Partien.

Mit den Mavs befindet sich Parsons im Rennen um die Plätze sechs bis acht in der Western Conference. Mit ein wenig Glück können sie noch die Memphis Grizzlies abfangen. Aber es würde nichts daran ändern, dass die Texaner in jeder potenziellen Erstrundenpaarung klarer Außenseiter wären. Spannender dürfte da der Sommer von Parsons werden. 


Dass Parsons wieder nahe an seiner Topform angelangt ist, hat auch den Rest der Liga aufhorchen lassen. Vorausgesetzt er bleibt verletzungsfrei, wird er seine Spieleroption im Sommer nicht ziehen und die halbe Liga könnte sich um ihn bemühen. Parsons wird einen Maximalvertrag fordern, irgend ein Team wird ihm diesen wohl auch unterbreiten. Er ist definitiv kein Superstar, wird und kann aber Superstar-Gehalt verlangen. 

Idealerweise spielt er hinter einem solchen die zweite Geige. Flügel, die auch den Ball verteilen können, sind eine rare Spezies in der NBA. Zusammen mit Dirk Nowitzki steht Parsons noch lange nach Trainingsende in der Halle und arbeitet an seinem Dreipunktewurf. Erste Erfolge sind bereits zu sehen. Auch in der Defensive stellt er sich gegen die meisten Gegner zumindest okay an. Der Mix aus Größe, Shooting, Ball Handling und Passfähigkeiten machen ihn zu einem prototypischen Vierer in der heutigen NBA

Nahezu jedes Team wird im Sommer massig Platz unter dem Salary Cap haben. Ein gewisses Team aus seiner Heimat Florida wird sich besonders um ihn kümmern - die Orlando Magic. Diese haben einen interessanten jungen Kern, Platz für zwei Maximalverträge und wollen endlich wieder in die Playoffs. Doch auch die Heat, Lakers, Nets, Knicks, Blazers und Rockets dürften über ein Angebot nachdenken. Dass nicht viele Spieler dieser Qualität in diesem Sommer vertragslos werden, spielt Parsons in die Karten. Das Handy seines Agenten sollte also pausenlos klingeln. 


I need a Butler
Onur Alagöz @LakersParadigm ... Auch wenn Standing Ovations vom Publikum heutzutage inflationär verteilt werden, bedeutet es immer noch etwas. Eine spezielle Art der Verbindung zwischen Crowd und Protagonist, eine sichtbare, greifbare Art der Ehrung, die immer noch Gänsehaut hervorrufen kann.

Nach einem Monat auf der Bank, die er einer Knieverletzung zu verdanken hatte, durfte Jimmy Butler gestern Nacht das erste Mal wieder in Chicago aufs Parkett. Und prompt sprang nach einem Mini-Slide ein Sieg für die Bulls bei raus. Butler selbst glänzte mit 24 Punkten, 11 Rebounds und 6 Assists. 


Er war kritisch „Ich bin außer Form.“ Verzeihlich, nach einem Monat Pause. Wichtig gerade jetzt für die Bulls, ihren mittlerweile wichtigsten Spieler wieder dabei zu haben. Es geht Richtung Playoffs, die Bulls verteidigen Platz acht gegen Detroit, Washington und vielleicht sogar Orlando. So eng es im Osten ist, mit Butler sind die Bulls ein ganz anderes Team. 

Keine Lichtjahre besser, aber definitiv anders. Er ist Chicagos bester Verteidiger, die go-to Option in der Offensive und mittlerweile auch der klare emotionale Anführer der Bulls. Schön ihn wieder dabei zu haben! Die Playoff-Jagd kann beginnen.


BEASLEY!
Peter Drews @Pony1990 ... Dass die Rockets in dieser Saison wenig bis gar nichts zu lachen haben ist bereits bekannt. Nachdem Houston im letzten Jahr erst in den Conference Finals scheiterte, befinden die Texaner sich aktuell mitten im Kampf um die letzten Playoff Plätze. Nach der Entlassung von Ty Lawson verpflichteten die Rockets den frisch gekürten Internationalen MVP der Chinese Basketball League, Michael Beasley.

Der Forward, der unter anderem schon für die Miami Heat, Minnesota Timberwolves und die Phoenix Suns in der NBA spielte, wird bis zum Ende der Saison unter Vertrag stehen. Allerdings sicherten sich die Rockets zudem die Option, den ehemaligen zweiten Pick von 2008 über die Saison hinaus zu verpflichten. 


In Fernost konnte 'B-Easy' 31,9 Punkte, 13,2 Rebounds und 3,8 Assists auflegen und zeigte sich auch abseits des Courts endlich wie ein echter Profi. Es scheint so, als würde nun der Basketball sein Lebensmittelpunkt sein. Nachdem er vor seiner Zeit in China in der NBA eher durch inkonstante Leistungen und Verstöße gegen die Drogenpolitik sowie einer Anzeige wegen sexueller Belästigung auffiel, erhält er nun vermutlich seine letzte Chance, in Amerika zu zeigen, dass er an seine ersten Jahre anknüpfen kann.

Die Texaner gehen mit diesem Deal ein geringes Risiko ein. Dass Beasley keine 30 Minuten pro Abend spielen wird, sollte jedem klar sein. Allerdings wird er keine horrenden Gehaltsvorstellungen haben und könnte seine Mitspieler als Mikrowelle von der Bank entlasten – denn scoren konnte er schon immer, und das hat er auch nie verlernt.


The Tys that bind
Harald Mainka @Harrystocats ... Neulich bei den Anonymen Alkoholikern in Indianapolis:
"Hi, mein Name ist Tywon, meine Freunde nennen mich "Ty". Ich bin in den letzten Jahren sehr viel rumgekommen und hatte so meine Probleme. Basketball an der Oak Hill Academy, dann in North Carolina. Anschließend Profi bei den Denver Nuggets und in Litauen, und jetzt gerade ziehe ich aus Houston hierher. 

Mein neuer Boss schickt mich hierhin, er will, dass ich mein Leben auf die Reihe bekomme. Auch ich hatte meine Angelegenheiten mit dem Alkohol, das verleugne ich nicht. Darum bin ich hier. Das muss damals in Denver angefangen haben, es verlief alles so schnell. Ich genoss das Leben, eine Champagner-Kampagne nach der anderen, warum auch nicht?

@tylawson3's official #Pacers headshot.

A photo posted by Indiana Pacers (@pacers) on


Wir hatten ja Erfolg. Mit Kenneth verstand ich mich prächtig, wir waren ein aufstrebendes Team in der Western Conference. Deswegen ließ Coach nachts an der Hotelbar auch mal Fünfe gerade sein. Diese Freiheit tat mir nicht gut, ich bekam es nicht mehr in den Griff, und der Klub gab mich im letzten Sommer ab. 

Houston und ich war ein einzig großes Missverständnis. Versteht mich nicht falsch, die Jungs sind alle lässig drauf, gerade Dwight ist ein einziger michelinmanngroßer Kindskopf. Aber ich brauche für mein Leben klare Strukturen, auf dem Platz war ich einfach mies. Verdammt, ich komme hierhin als Point Guard mit dem schlechtesten NetRating der Liga!

Coach Vogel und Boss Bird sind echte Autoritäten und haben mir klar gemacht, dass das hier meine letzte Chance ist. Dass ich mir keine Undiszipliniertheit mehr erlauben darf. Sie glauben an mich, das tut mir gut. Ich hab's immer noch in mir und kann den Pacers weiterhelfen. Ich bin hier der einzige echte Point Guard und bin dafür da, für ein paar Minuten das Playmaking zu übernehmen, Paul reibt sich nämlich für seine Wurfchancen ganz schön auf. 

Ein paar Dreier und Drives bringe ich auch noch mit, brauche im Gegensatz zu anderen Guards nicht zwingend den Ball in den Händen und kann daher in variierenden Formationen eingesetzt werden. Und das Team läuft ohnehin zu wenige Pick & Rolls, dabei hat es doch mit Ian Mahimi und Myles Turner zwei prädestinierte Bigs. Ich kann uns für die Playoffs noch einmal einen Push geben.

Ich habe gehört, dass die Jungs hier nicht wirklich das Nachtleben genießen. Ich habe mich schon für den Angelschein angemeldet, damit ich an den spielfreien Tagen mit meinen Teamkameraden zur See fahren kann. Mein Kumpel Lance aus Memphis schwärmt heute noch davon... Grüße übrigens!"