27 März 2016

27. März, 2016


von MARC LANGE @godzfave44

Schlägerei, Handbruch, Sperre. Am Sonntag, den 3. April wird all dies Vergangenheit sein. Dann kehrt Blake Griffin zurück in die Lineup der Los Angeles Clippers und kann endlich wieder auf dem Parkett für Aufsehen sorgen. Die Frage ist jedoch: Ist Griffins Comeback wirklich ein Grund zur Euphorie?

Als Ende Januar klar wurde, dass der Power Forward mehrere Monate wegen seiner gebrochenen Hand (in Kombination mit einer Suspendierung) ausfällt, hatten manche Pessimisten die Saison der Clippers wohl schon abgehakt. Der Westen sei zu tief und zu stark für das bis dahin enttäuschende Team aus L.A.

Es kam anders. Los Angeles drehte in den ersten Spielen ohne Griffin richtig auf. Die Clippers gewannen ihre ersten neun Spiele ohne den ehemaligen Slam Dunk Champion. JJ Redick, DeAndre Jordan und natürlich Chris Paul sprangen in die Bresche und etablierten ihr Team wieder in den Top 4 im Westen. Ein Blick auf die Statistik ohne BG macht deutlich, dass das Team von Doc Rivers kaum an Produktivität verlor:


Diese Zahlen sollte jedoch niemand in den falschen Hals kriegen. Die Clippers spielten speziell im November teilweise grauenhaften Basketball. Eine Kombination aus steigender Treffsicherheit von außen, die Entscheidung, Pablo Prigioni und Cole Aldrich für Josh Smith und Lance Stephenson (die später beide aussortiert wurden) spielen zu lassen und CP3s MVP-Saison seit Griffins Ausfall, brachten das Schiff langsam wieder auf Kurs.  

Doch so gut die Clippers lange auch ohne ihren Star zurecht kamen: Langsam geht ihnen die Puste aus. Von den letzten 19 Spielen wurden nur neun gewonnen, insgesamt ergibt das in der Blake-freien Zeit eine Bilanz von 27-14. Grund zur Beunruhigung macht außerdem eine andere Statistik. Gegen die drei besten Mannschaften im Westen (Golden State, San Antonio und Oklahoma City) wurden nur zwei Spiele gewonnen, aber acht verloren. 

Die Frage ist nun: Wird Griffin sich einen Monat vor den Playoffs wieder richtig ins Team einfinden? Die Postseason steht vor der Tür und er wird nur sehr wenig Zeit haben, wieder auf Betriebstemperatur zu kommen. Das Traurige: Es wird wahrscheinlich egal sein. Die Spurs und Warriors spielen zur Zeit wie von einem anderen Stern. 

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Golden State wird wohl den Rekord für die beste Bilanz aller Zeiten in der regulären Saison knacken. Die Spurs sind währenddessen auf dem Weg, die Bestmarke für die durchschnittlich höchste Punktedifferenz in der NBA-Geschichte aufzupolieren. In der Saison 1971/72 gewannen die Lakers ihre Spiele im Schnitt mit 12.3 Punkten Unterschied – San Antonio liegt momentan mit 11.7 nur knapp dahinter. 

Mit anderen Worten: Selbst im besten Szenario, also wenn Blake nicht viel Anlauf braucht, um wieder der Alte zu werden, scheiden die Clippers vermutlich in der zweiten Runde der Playoffs aus. Weder die Spurs noch die Warriors verlieren zu Hause – und sie werden in den Playoffs definitiv Heimrecht haben. 

Nicht falsch verstehen: Natürlich könnte 'Lob City' einen der beiden Big Boys rauskegeln – Wunder gibt es schließlich immer wieder. Und nicht nur der letztjährige Erstrundensieg gegen San Antonio ist noch frisch. Auch in der eigenen Halle konnte Los Angeles die Spurs in dieser Saison zumindest einmal bezwingen. Aber: rein objektiv betrachtet müsste für eine Überraschung in den Playoffs schon einiges zusammenkommen. Danach sahen die letzten Monate einfach nicht aus.


Fakt ist: Wir werden gar nicht so genau wissen, wie gut Blake wirklich spielt, wenn er zurückkehrt. Das liegt zum Großteil daran, dass die Gegner im April sehr schwach sind. Gegen Teams wie Phoenix und den großen Bruder gewinnen die Clippers auch ohne ihren Modell-Athleten. Es ist also gar nicht so unwahrscheinlich, dass L.A. den April unbesiegt übersteht – nur sagt das leider nicht viel aus. 

Als Clipper-Fan kann man nur hoffen, dass die Mannschaft von Doc Rivers so viel Momentum wie möglich mit in die Post-Season nimmt und relativ easy die Marc Gasol-freien Memphis Grizzlies in der ersten Runde abfertigen kann. Danach kommt es unausweichlich zum großen Showdown mit den Spurs oder Warriors - vermutlich Golden State. 

Die entscheidende Frage bleibt: Haben die Clippers mit einem All-NBA-Level Griffin in einem gut aufgelegten Team, das auch ohne ihn fast zwei Drittel seiner Partien gewann, wirklich eine Chance gegen eines der besten NBA-Teams aller Zeiten? Selbst mit Fan-Brille habe ich Angst, die Antwort auf diese Frage bereits zu kennen.