16 Februar 2016

16. Februar, 2016


von ANNO HAAK @kemperboyd

Ausgang
Die Pistons spielen keine schlechte Saison, haben kein unattraktives, nicht überaltertes Team und tauchten dennoch in fast jedem Tradegerücht diesseits von Dwight Howard auf. Ob Ryan Anderson oder der unvermeidliche Markieff Morris, wo immer ein Spieler über 2,03 Meter auf dem Block stand, schien ein Anruf von Stan van Gundy eine Frage von Tagen, nicht Wochen zu sein.

Bei den Magic ist mit der Ankunft von Feldmarshall Skiles erwartungsgemäß einiges ins Rutschen geraten. Den relativ guten Saisonstart hat man in den Lokus gespielt, Oladipo liefert gefühlt seit Oktober eine Seifenoper, und bewirbt sich mit seinem Gequengele über fehlende Gute-Nacht-Küsschen vom Trainer und mangelnden Respekt ob seiner (Teilzeit-) Bankrolle für den "One-Man-Sacramento-Kings-of-the-year"-Award.

Tobias Harris war dem Vernehmen nach dank seiner nicht immer preisverdächtigen Defensivarbeit beim Trainer früh in Ungnade gefallen. Das war nun deshalb besonders misslich, weil erst im Sommer der knapp 90-jährige Owner zwei Schwippschwager enterben musste, um Harris zum ersten "In einem Jahr ist der Vertrag ein Schnäppchen" Spieler zu machen. So wurden denn zwei der vermeintlichen drei Säulen der leuchtenden Magic-Zukunft zu Deadlineopferkandiaten.


Schuss
Kandiat eins wurde aus dem Kinderparadies nahe Disney-World abgeholt. Die Magic bekommen Ersan Ilyasova und Brandon Jennings, die Pistons Tobias Harris. Vorweg sei gesagt: Ich finde es sympathisch, einen Spielertausch der alten Schule zu sehen.

In der Regel geht ja heute kein Trade mehr über die Bühne, ohne dass nicht wenigstens ein Team das Recht erhält, einen Zweitrundenpick 2027, der irgendwo unter den Akten des GM vor sich hin schimmelte, mit dem aufnehmenden/abgebenden/dritten Team zu tauschen. Danke dafür.

Pistons
Jennings Abgang ist im Grunde geschenkt. Den hatte die Leistungsexplosion des ewigen Presti-Gott-sei-bei-uns (Reggie Jackson) ohnehin überflüssig gemacht. Ilyasova, den Detroit erst im Sommer für (relativ) teures Geld aus der Metropole Milwaukee in die Industriewüste gelockt hatte, für Harris einzutauschen, ist noch nicht R. C. Buford, aber es ist auch weit weg von „Sacramento“.

Harris ist offensiv vielseitiger, jünger und damit entwicklungsfähiger und athletischer als der Türke. Aus der Mitteldistanz muss man ihn – ja, komm Geberlaune – respektieren, zum Korb kommt er, wie er will, der Dreier ist ausbaufähig und zum Verteidigen hat Stan van G. noch jeden getragen.


Die einzige Downside ist der Äonen längere und teurere Vertrag, aber das ist zu verknusern. Zum einen soll die Jugend forschen und dafür anders als an Universitäten auch anständig bezahlt werden, zum anderen sage ich mit Horst Hrubesch nur drei Worte: Salary. Cap. 90. Millionen. In 18 Monaten ist Harris unterbezahlt. Oder so.

Guckt man auf das große Bild, das van Gundy locker ausfüllen könnte, ist der Turnaround recht berückend. Aus der Basketball-Vorhölle, die er vor 20 Monaten erbte, hat der drittgrößte Feind von Dwight Howard (nach alleinerziehenden Müttern und Kobe) einen jungen, ja fast aufregenden Kern aus Jackson, S. Johnson, Drummond, Harris und Caldwell-Pope geschnitzt, und unterwegs noch den vermeintlichen Franchise Player Monroe und seine bösen Forderungen geschlabbert.

Die Generation der jungen, fleißbefreiten Menschen, die van Gundy zu nützlichen Mitgliedern der NBA-Gemeinde formen muss, würde ihm wohl zurufen: "Läuft bei Dir, Dicker!"

Magic
Mit Harris ist man einen potentiellen Spaltpilz losgeworden. Ob man den Deal in Florida noch abfeiert, wenn Skiles entlassen wird (und das wird er, eher früher als später), steht auf einem anderen Blatt. Harris war der talentierteste Zauberer neben Payton, Formdelle hin oder her. Für ihn nicht einmal einen Draft Pick zu erlösen, ist wenig erbaulich.

Für Brandon Jennings gilt, was für Anwälte gilt. Wenn Du ein Problem hast, hol Dir Brandon Jennings. Dann hast Du zwar ein Problem mehr, aber dafür hast Du auch Brandon Jennings. Dass die Magic mit ihm ihre Zukunft planen, darf man – vorsichtig gesprochen – bezweifeln. In Orlando wird er, wenn überhaupt, in erster Linie das Handtuch für den windschiefsten Afro der NBA wedeln.


Attraktiv an ihm war in erster Linie sein Vertrag. Der läuft im Sommer aus. Geht der Trend der Magic weiter Richtung Kellergeschoss, kann man ihn gleich entlassen, bevor er Oladipo beibringt, wie erwachsene Menschen Coaches in den Wahnsinn treiben. Vielleicht findet sich ja ein Contender oder jemand, der gern ein Contender wäre (ja, Dich guck ich an, Daniel!), der Jennings als Backu...aber das gehört nicht hierher.

Ilyasova bringt knapp 2,10 Meter, einen soliden Dreier, durchschnittliche Defense und überdurchschnittliche Bescheidenheit mit nach Orlando. Ach, ja, und einen kurzen, im nächsten Jahr nicht garantierten Vertrag.

Wenn jetzt noch der nörgelige Heilsbringer außer Diensten an den Mann gebracht wird, dann sind die Magic…ja, wo eigentlich? Im besten Fall da, wo sie schon im letzten Sommer waren.

Kann ich zahlen?
Kurz: Orlando nimmt ein Näschen von NBAs liebster Partydroge: SPACING! Daneben spart es Geld, sonst nichts. Geld, das die Magic erst im Sommer an Harris verteilt hatten. Den sie jetzt abgeben. Das sie dann im Sommer Fournier geben können. Den sie dann wahrscheinlich zur Deadline 2017 gegen Ty Lawson tauschen. Das wäre schon eher "Sacramento".

Der Sieger heißt Detroit. Wenn Harris die Entwicklung zum Borderline All Star nimmt, die ihm viele voraussagen, wird der Trade als Steal in die Bücher eingehen. Nicht „Pau-Gasol-Lakers“-Steal, aber immerhin ein anständiger Diebstahl.

Vorteil: Detroit