21 Februar 2016

21. Februar, 2016


Auch wenn die Deadline überwiegend unspektakulär über die Bühne ging: Auf Daryl Morey ist Verlass. Wieder einmal war der General Manager der Houston Rockets zur Stelle mit einem Deal, den so niemand hat kommen sehen.

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick

Dass die Rockets nicht mit ihren beiden jungen Big Men Terrence Jones und Donatas Motiejunas, die beide Restricted Free Agent sein werden, in den Sommer gehen, war absehbar. Dass es allerdings Motiejunas ist, der die Koffer packen muss, überrascht sehr. Immerhin stand der Litauer in dieser Saison verletzungsbedingt kaum auf dem Parkett, ist aber auch wesentlich talentierter und vielseitiger als Jones.

Gute Gründe also für das eigene wie für andere Teams, von Verhandlungen um den 2,13 Meter großen Forward-Center abzusehen. Und doch einigte sich Morey mit dem Regenten der Detroit Pistons, Stan Van Gundy, sowie seinem einmal mehr als Müllschlucker in Erscheinung tretenden Ex-Lakaien Sam Hinkie von den Philadelphia 76ers auf folgenden Trade:

DET: Donatas Motiejunas, Marcus Thornton
HOU: 2016 1st Round Pick (DET), Draft-Rechte an Chukwudiebere Maduabum [copy+paste approved]
PHI: Joel Anthony, 2017 2nd Round PICK (DEN via HOU)


Doppeltes Risiko
Die Pistons erhalten in Motiejunas einen echten Wunschspieler Van Gundys. Schon beim letzten Draft soll er nachdrücklich um den Litauer gebuhlt haben. Immerhin gibt es nicht viele 7-Footer, die sowohl über ein exzellentes Post Game verfügen, als auch auch aus der Distanz Gefahr ausstrahlen.

Van Gundy treibt in Detroit kompromisslos seine Strategie aus Zeiten in Orlando voran: Einen dominanter Center (damals: Dwight Howard, heute: Andre Drummond) mit möglichst vielen Shootern umgeben.

Motiejunas bringt exakt die offensive Variabilität, die dem wuchtigen aber ungelenken Drummond abhanden geht. Nicht zufällig funktionierte unter den vielen Power Forwards, die Dwight Howard in Houston in den letzten Jahren neben sich sah, das Zusammenspiel mit Motiejunas am besten.

Vergangene Saison legte der litauische Nationalspieler im Schnitt 12,0 PPG und 5,9 RPG auf, traf knapp 37% seiner Dreier. Offensiv wie defensiv zeigte er sich deutlich verbessert, die Handschrift der Sondereinheiten mit Kevin McHale und Hakeem Olajuwon war unübersehbar.

Die Pistons erhalten also einen vielversprechenden und talentierten Spielertypen, den es so nicht häufig in der Liga gibt. Dennoch bleibt dieser Trade für die Motorstadt nicht ohne Risiko. Eine Rückenoperation warf „D-Mo“ im April 2015, kurz vor den Playoffs, aus dem Rennen. Von der längeren Auszeit infolge dessen hat sich der 25-Jährige bis heute nicht erholt.

Zwar ist ein Comeback in näherer Zukunft absehbar, dennoch sind Rückenverletzungen speziell bei Athleten dieser Größe heikel und weitere Rückfälle, wie er sie schon im Dezember letzten Jahres kurz nach seiner ersten Rückkehr hatte, nicht ausgeschlossen.


Darüber hinaus ist die Gefahr der Free Agency nun an Detroit übergegangen. Restricted Free Agents wurden in den letzten Jahren gefährlich überbezahlt – man denke an Chandler Parsons oder Enes Kanter.

Ein Vertrag in dieser Reichweite ist zwar nicht zu erwarten, angesichts des steigenden Salary Caps wird Motiejunas jedoch seine Angebote erhalten und die Pistons dann womöglich höher als erwünscht mitziehen müssen, um den Litauer nicht nach vier Monaten schon wieder zu verlieren und somit als klarer Verlierer aus diesem Trade zu gehen.

Morey wettet gegen Detroit
Die Rockets verschlechtern auf den ersten Blick das Team nicht wesentlich und heimsen dafür einen Pick ein. Thornton hatte als Shooter von der Bank seine Momente, wurde jedoch nur sporadisch eingesetzt, in den Playoffs zugunsten von Jason Terry wahrscheinlich gar nicht mehr.

Motiejunas fehlte aufgrund besagter Verletzung fast die komplette Spielzeit. Jedoch war er wegen seiner offensiven Vielseitigkeit der Hoffnungsträger auf einen Wendepunkt in Houstons bisher dürftigen Saison. Weil die Texaner nun bis Sommer die Position neben Howard mit dem unbegabteren Terrence Jones, dem unberechenbaren Josh Smith sowie den rohen Clint Capela und Montrezl Harrell besetzen, haben sich die ohnehin trüben Aussichten weiter verdunkelt.

Um aus diesem Trade als Gewinner hervorzugehen muss der erworbene Draft Pick Früchte tragen. Die Pistons spielen um die Playoffs, belegen derzeit aber mit 27-28 Siegen nur den neunten Rang im Osten. Ihre direkten Konkurrenten, die Charlotte Hornets (28-26) und Washington Wizards (25-29), haben sich namhaft verstärkt, während die strauchelnden Chicago Bulls (28-26) zumindest in absehbarer Zeit in Jimmy Butler ihren besten Spieler zurückerwarten und es daher viel Phantasie bedarf, jene aus den Playoff-Plätzen rutschen zu sehen.


Die Chancen stehen also passabel, dass es sich um einen späten Lottery Pick handeln wird – voraussichtlich zwischen #12 und #14 – und die Top-8 Protection folglich nicht greift. Nach aktuellem Tabellenstand dürften die Rockets an 13. Stelle auswählen.

Dass dieser Pick in Houston nicht für Freudensprünge sorgt, verrät ein Blick auf die jüngere Draft-Historie Daryl Moreys, der bei späten Erstrunden- oder frühen Zweitrundenpicks häufiger richtig mustert, als mit dem, was nun zu erwarten ist. Von 2010 bis 2012 waren die Rockets in dieser Region, in der der Pistons Pick landen wird, zuhause.

2010: 14. PickPatrick Patterson (statt: Eric Bledsoe, Avery Bradley)
2011: 14. PickMarcus Morris (statt: Kawhi Leonard, Nikola Vučević, Tobias Harris)
2012: 12. PickJeremy Lamb, 16. PickRoyce White, 18. PickTerrence Jones (statt: Evan Fournier, Jared Sullinger)

Von den gewählten Spielern steht einzig Jones noch in Houstons Aufgebot, als Starter etabliert hat sich lediglich Morris – der allerdings infolge der Akquisitionen von Motiejunas sowie Tobias Harris um seinen Platz in der ersten Fünf der Detroit Pistons zumindest mittelfristig bangen muss.

Auch wenn es einfach ist, Draft-Entscheidungen im Nachhinein zu kritisieren – in diesen Jahren hat Morey bei zahlreichen Versuchen das Ziel nie getroffen, was ihm besonders im Falle Kawhi Leonards zur Last gelegt werden muss. Die prekäre Wahl des für seinen Ballast bekannten Royce White war sogar der größter Fehler in seiner Amtszeit als GM der Rockets.

Im als eher schwach erwarteten Draftjahrgang 2016 ist der Wert dieses Picks also mit Vorsicht zu genießen und kein Spieler, der Houston sofort weiterbringt, zu erhoffen. Es sei denn – und davon ist auszugehen – die Rockets machen am Draft-Abend den Pick verfügbar.

Mit diesem, dem für 2016/17 nicht-garantierten Vertrag von Ty Lawson über 13,2 Mio. $ sowie dem 2nd Round Pick der New York Knicks (aktuell: #40) als Tauschmasse werden sie am wichtigsten Tag vor der Free Agency zu den aggressivsten Teams an der Trade-Front gehören. Erst dann lässt sich der am Donnerstag getätigte Deal endgültig bewerten. Dass sie bis dahin dank der zwei Abgänge unter den Hard Cap gerutscht sind, freut höchstens Teambesitzer Les Alexander.

Vorteil: Pistons