20 Februar 2016

20. Februar, 2016


von ANNO HAAK @kemperboyd

Ausgang
„Virtually unguardable“. Das ist nicht Popovichs Lobeshymne auf Kawhi. Das ist auch nicht der Scouting Report der Lakers zu Stephen Curry. Es ist die Selbsteinschätzung von Lance Stephenson. Stand Dezember 2015. Das Problem ist damit beschrieben.

Es ist nicht allein, dass der Borderline All Star und drittwichtigste Spieler eines Back-to-Back Conference Finalisten 2014 in 2015 statistisch die gemessen an der Sample Size individuell schlechteste Saison aller Zeiten gespielt hat.

Es ist auch diese von der Realität Galaxien entfernt liegende Selbstwahrnehmung, die aus einem Topspieler einen Ladenhüter gemacht hat. Die Clippers-Bank stinkt auch nach Selbstüberschätzung. Also machte sich Doc Rivers auf die Suche.

Orlando will offenbar derzeit nur zwei Dinge. Geld und Sparen. Achso...Moment. Nochmal:

Memphis will nur zwei Dinge. Gegenwart und Zukunft. Man bereitet sich auf das Schlimmste vor (#HelloConley) und muss trotzdem aktuell relevant bleiben. Dabei kommen dann Aktionen raus wie diese: Gib mir einen Big Man, in dessen Skillsetspalte "Putbackdunk" ganz oben steht und ich gebe Dir Courtney Lee. Wenn Du Zweitrunder hast. Oder halt dieser hier.

Schuss
Stephenson sieht die vierte Stadt in zwanzig Monaten und geht nach Memphis. Im Gepäck bringt er den top-14-geschützten Erstrundenpick der Clippers 2019 mit. Im Gegenzug geht Jeff Green nach Los Angeles.

Clippers
Man ist Lance Stephenson los. So weit, so gut. Der Rest ist Fragwürdigkeit hoch drei.

Eins: Offenbar waren die Magic bereit, für den auslaufenden Deal von Born Ready Channing Frye herzugeben. Man darf schon fragen, ob der nicht für die nach Spacing dürstende zweite Einheit der Clippers der bessere Fit gewesen wäre.


Natürlich ist Frye weniger athletisch und offensiv eindimensionaler als Green. Aber wäre ein Inselbegabter (ca. vier von zehn Dreiern finden den Weg durch die Reuse) nicht sinnvoller, als ein Spieler wie Green, der nahezu alles leicht überdurchschnittlich, aber nichts richtig gut kann?

Zwei: Der Pick, Mann, der Pick! Noch vor Wochen hätte man den als Dreingabe vielleicht für den Preis gehalten, den es zu zahlen gilt, wenn man Coney Islands Second Finest wegladen will. Natürlich ist der Pick lotteriegeschützt und tut deshalb im Ergebnis L. A. wohl nicht weh.

Wenn Chris Paul in den nächsten drei Jahren nicht der Altersschwäche verfällt, gibt man Wahlrecht 15 + x ab und gut ist (*Schwenk auf einen grinsenden Kawhi Leonard*). Verfügen kann man darüber aber in den nächsten dreieinhalb Jahren nicht. Und Hennigan verlangt Picks offenbar nur an Weihnachten und Ostern. Was das für eine Rolle spielt? Siehe "Eins".

Drei: Greens Vertrag läuft aus. Was auch immer man von ihm hält – und ein Upgrade zu Stephenson ist er allemal – wenn man schon ein Erstrundenwahlrecht auf den Tresen legt, um ihn zu holen, dann wohl mit der Absicht, ihn über den Sommer hinaus zu halten. Das dürfte teuer werden. Spieler aus dem Qualitätssegment medium sind es, die den Sommer der explodierenden Gehaltsobergrenze am überzahltesten beenden dürften.

Grizzlies
Memphis, das hast Du schön gemacht. Allen, Stephenson, Barnes, Randolph, Andersen. Das löst nostalgische Jail Blazers Phantasien aus, und nicht nur wegen Zach. Wären die fünf eine Wrestling-Combo, wären sie Grindfather, Born Ready, Fisherkiller, Birdman und Zach-a-hack. 4 LIFE!

Man möchte daran glauben, dass sie brave Teams wie Atlanta oder Minnesota einfach durch Staredowns besiegen. Doch wollen muss ich nichts und müssen kann ich nicht wollen.

Wahr ist allerdings auch, der brav daherkommende Green soll in Ermangelung propperer Berufseinstellung mehrfach den Allen’schen Fön zu erdulden gehabt haben. Das Argument, man habe die Teamchemie mit den beiden Deadlinedeals verschlechtert oder wenigstens gefährdet, verflüchtigt sich schnell. Um so schneller, als der einst wegen Konsums harter Drogen gesperrte Ex-Heatle sich seit Jahren in Musterschülerlaune zeigt.

Sportlich sind die Täusche Lee / Hairston und Green / Stephenson fraglos Downgrades, aber darum ging es hier nicht. Im Ergebnis hat man für den sportlich nie ganz angekommenen Green und den auslaufenden Vertrag von Lee fünf Draft Picks akquriert. Das reicht für eine Conference-Finals-Teilnahme in der Sam-Hinkie-Liga.

Ich zahle mit Karte
Bis Saisonende gewinnen die Clippers den Trade, wenn Greens Attitüde sich unter Ex-Mentor Rivers erholt.

*Interlude: Green, Celtics, Scorsese’s Goodfellas go west, BMI, Big Baby. Wer daraus einen popkulturanspielungsgeschwängerten Tweet bastelt, gewinnt ein Luke-Ridnour-Grizzlies-Authentic.*

Langfristig haben die Grizzlies viel richtig gemacht, auch mit diesem Trade. Eine Assetansammlung und auslaufende Deals. Memphis ist gut aufgestellt für den Fall, dass man das Grindhouse kurzfristig demontieren muss. Rein sportlich dennoch natürlich

Vorteil: Clippers