23 Februar 2016

23. Februar, 2016


Der zur Deadline getätigte Trade zwischen den Detroit Pistons, Houston Rockets und Philadelphia 76ers wurde rückgängig gemacht. Nach eingehenden medizinischen Untersuchungen war der Detroiter Führungsriege das Rückenleiden des wichtigsten Spielers im Deal, Donatas Motiejunas, zu heikel, weswegen sie sich für diesen drastischen Schritt entschieden.

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick

Wie schlimm es um den Gesundheitszustand Motiejunas steht, ist unbekannt. Zuletzt stand der 25-Jährige am 31. Dezember 2015 auf dem Parkett. Die medizinischen Bedenken kommen insofern überraschend, als dass das Comeback des Litauers im Rockets-Trikot schon vor der Deadline in absehbarer Zukunft erwartet wurde. Infolge dieses Widerrufs bleibt nun ein Scherbenhaufen – und ausschließlich Verlierer.


Detroit Pistons: Stan Van Gundy wollte sein Team für die Playoffs rüsten. Mit Tobias Harris hat sich der Champion von 2004 zwar namhaft verstärkt, jedoch fehlt es immer noch an Hilfe für Andre Drummond in der Zone sowie einem Scharfschütze als Entlastung des rekonvaleszenten Kentavious Caldwell-Pope. Motiejunas und Thornton hätten exakt diese Probleme gelöst. Nun sind die Aussichten auf Playoff-Basketball deutlich geschrumpft, der Kader weist Lücken auf, Detroit ist auch nicht die erste Adresse für begehrte Free Agents. Darüber hinaus hat der Ruf der Franchise für zukünftige Deals gelitten. Andere Teams werden kommendes Jahr einem Trade mit den Pistons zur Deadline zögerlich gegenüberstehen, um das Geschehene nicht am eigenen Leib wiederholt zu sehen. Ob der 2,13 Meter Mann im Sommer Interesse an Gesprächen über einen erneuten Trip in den hohen Norden zeigt, darf außerdem bezweifelt werden.

Houston Rockets: Die Texaner versuchten mit Nachdruck zur Deadline Dwight Howard und Ty Lawson zu traden – ohne Erfolg. Mit den Rückkehrern aus diesem Debakel sehen sich die Rockets nun ganzen vier alarmierten Spielern im Kader gegenübergestellt. Pures Gift für eine ohnehin schon schwer belastete Teamchemie. Im Sommer werden sie gezwungen sein, entweder Motiejunas oder Terrence Jones oder sogar beide ohne Gegenwert ziehen zu lassen. Im recht sicheren Lottery Pick verlieren die Raketen einen exzellenten Trade Chip und müssen zudem in diesem Jahr Luxussteuer bezahlen.


Philadelphia 76ers: In bester Sam Hinkie Manier hatten sich die Sixers einen Second Round Pick geschnappt und gleichzeitig in Joel Anthony sogar einen Mentor für Nerlens Noel, Jahlil Okafor und Joel Embiid gefunden. Sie tragen zwar keinen direkten Schaden aus dem Rückzieher, jedoch rutscht ihnen ein ordentlicher Profit aus den Händen. Außerdem entließen sie den im Locker Room beliebten JaKarr Sampson – der inzwischen bei den Denver Nuggets angeheuert hat – aus seinem Vertrag, im Irrglauben, Platz für Anthony schaffen zu müssen.

Donatas Motiejunas: Der Litauer hätte exzellent in Van Gundys System gepasst und einen nächsten Karriereschritt gemacht. Nun sinkt nicht nur kurzfristig für die Free Agency im Sommer sein Wert beträchtlich, Motiejunas ist für den Rest seiner Karriere als Risiko gebrandmarkt.


Marcus Thornton: Der Shooting Guard zeigte sich nicht gerade traurig über seinen vermeintlichen Wechsel zu den Pistons, immerhin war es Detroits GM Jeff Bower, der ihn 2009 mit den New Orleans Pelicans draftete. In Motor City wäre seine Rolle bedeutend größer gewesen, zusätzlich hätte er als Mentor und Vorbild der jungen Flügelspieler Stanley Johnson und Kentavious Caldwell-Pope vorangehen können. In Houston droht ihm bis zum Sommer das Ende der Bank.

Joel Anthony: Der 33-Jährige bringt es in der laufenden Spielzeit auf ganze 13 absolvierte Spiele mit im Schnitt vier Minuten Einsatzzeit. In Philadelphia, wo die Uhren schon lange auf Wiederaufbau stehen, hätte er sich neben erwähnter Mentorenfunktion ohne unmittelbaren Druck wieder in Form spielen können, um für einen letzten Vertrag noch einmal relevant zu werden.

Letztlich wiederholt sich die Geschichte mehrfach, bisher war sie auf der Seite Houstons: Ein Trade zwischen den Pistons und Rockets wurde schon einmal widerrufen, ebenfalls aus medizinischen Gründen. 1994 traf es den mit Nierenproblemen belasteten Sean Elliott, den heutigen Rockets-Kommentatoren Matt Bullard sowie Robert Horry, der ironischerweise in beiden Titelgewinnen der Rockets 1994 und 1995 entscheidende Würfe versenkte.


2011 verhinderte die Mehrheit der NBA-Teambesitzer als Vertreter der damals führungslosen New Orleans Hornets einen Trade, der Pau Gasol zu den Rockets und Chris Paul zu den Lakers bringen sollte. Ein knappes Jahr später schnappte sich Houston stattdessen mit den für den Gasol-Trade vorgesehenen Assets James Harden.