12 Februar 2016

12. Februar, 2016


In knapp zwei Wochen dreht die NBA wieder kräftig am Rad – metaphorisch wie auch personell. Nur noch bis zum 18. Februar dürfen Spieler getradet werden. Auf dem Weg zur Deadline wirft die #NBACHEF Redaktion wie jedes Jahr einen genaueren Blick auf die wichtigsten Trade-Kandidaten.

von STEFAN DUPICK @hoopsgamede

Brooklyn ist noch immer der angesagte Stadtteil in New York City. Brooklyn ist hip, trendy und cool, nicht so Mainstream wie Manhattan und nicht so langweilig wie Queens. Brooklyn ist am Nabel der Zeit und das war einer der Gründe für den Umzug der Nets aus New Jersey im Jahr 2012.

Mehrheitseigner Michail Prokhorov kam 2009 zu den Nets, da stand der Umzug nach Brooklyn bereits fest. Der Russe wollte aus den Nets eine Marke und einen Contender machen. Geworden ist daraus bis heute nichts, auch wenn das Management der Franchise vieles probiert hat.

Der Anfang vom Ende
Der erste Eckpfeiler der Nets war Center Brook Lopez, hinzu kamen Point Guard Deron Williams, Joe Johnson und im Rahmen eines Blockbuster Deals schließlich Paul Pierce und Kevin Garnett. Das war das Team, welches den Titel im Jahr 2013 nach Brooklyn bringen sollte. 

Drei Jahre später sind von dieser Starting Five noch Brook Lopez und Joe Johnson übrig geblieben. Der Titel kam nie nach Brooklyn, und inzwischen ist die Franchise weiter davon entfernt als je zuvor, denn auch im Draft der kommenden Jahre ist keine Hilfe zu erwarten, schließlich gehen die kommenden Erstrunden Picks nach Boston.

Zum Allstar-Break der Saison 2016/17 gehören die Nets mit einer Bilanz von 14 Siegen zu 40 Niederlagen zu den schlechtesten Teams der NBA. Die Celtics freuen sich bereits jetzt auf einen ungeschützten Lottery Pick im kommenden Draft.

Umbruch erzwingen
Nachdem die Nets in den letzten Jahren stetig versucht haben, das Ruder herumzureißen und dabei alles nur noch schlimmer gemacht haben, ist das Team inzwischen ein Haufen mäßiger Spieler. Inzwischen hören sich die Nets jedes Angebot für einen Spieler an und das könnte an der einen oder anderen Stelle interessant für andere Teams sein, denn auch für Brook Lopez oder Thaddeus Young sind sicherlich keine Mondpreise mehr zu bezahlen.

Die Nets sind auf der Suche nach Assets. Talente oder Picks sollen es sein, schließlich sind qualitativ hochwertige und fertige Spieler teuer und einen geeigneten Gegenwert haben die Nets im Zweifel nicht zu bieten.

Eine Analyse des Kaders zeigt jedoch schnell, dass für einen Trade tatsächlich nur Lopez, Young und Joe Johnson in Frage kommen. Mit Abstrichen können an dieser Stelle noch Bojan Bogdanovic, Jarrett Jack und Rondae Hollis-Jefferson genannt werden, diese Spieler haben für die Nets jedoch einen viel höheren Wert, als sie auf dem Markt bringen können und somit liegt der Fokus in der Betrachtung auf den drei vermeintlichen Stars.

Trade-Masse hat wenig Klasse
Lopez zählt zu den besseren Centern in der Liga und auch wenn er in der Defensive über begrenzte Fähigkeiten verfügt, so könnte er in der Offensive vielen Teams helfen und das eine oder andere Team sogar zum Contender machen.

Sein Vertrag läuft noch knapp drei Jahre und da beginnen auch schon die Probleme, denn Lopez ist mit einem Verdienst von $ 20 Mio. im Jahr relativ teuer für einen derart verletzungsanfälligen Spieler. Die Stats der aktuellen Saison stimmen jedoch, der Pivot kommt auf stolze 20,2 Punkte im Schnitt bei 8,2 Rebounds. Zuletzt konnte er seinen Punkteschnitt sogar noch etwas steigern.

Ein Trade wird jedoch schwierig, da die Teams, die einen Center brauchen könnten (Cleveland oder Boston) nicht bereit sein werden, viel zu investieren. Andere Teams haben nicht die Assets um das Management der Nets in einem Trade zufriedenzustellen. Folglich ist die Wahrscheinlichkeit auf einen Trade von Brook Lopez aktuell verschwindend gering.


Etwas besser sieht es da bei Johnson aus. Der Small Forward ist inzwischen 34 Jahre alt und zum Rollenspieler mutiert. Einst war Johnson einer der besten Shooter der Liga und hat mit seinem Dreier zahlreiche Spiele entschieden. Inzwischen ist er ein Schatten seiner selbst. In der Defensive war JJ noch nie eine Leuchte, das ist mit zunehmendem Alter auch nicht besser geworden.

Der größte Scherz an der Geschichte ist jedoch nach wie vor sein Vertrag. Johnson befindet sich zwar im letzten Jahr, verdient aber fast $ 25 Mio. in der laufenden Saison. Und dennoch dürfte der Small Forward in den Gedankenspielen des einen oder anderen General Managers eine Rolle spielen.

Ein erfahrener und solider Schütze (aktuell 37,1% von außen) ist in der Liga gefragt. 11,5 Punkte im Schnitt, gepaart mit 4,1 Assists und 3,8 Rebounds sind zwar nicht Johnsons Salär wert, könnten dem einen oder anderen Team jedoch helfen.

Joe Johnson könnte für einige Teams das Zünglein an der Waage sein. Da sein Vertrag am Ende der Saison ausläuft, ist das Risiko zudem gering. Trade-Szenarien sind schwierig, auch wenn die Nets im Gegenzug nicht viel Qualität einfordern dürften. In den Sinn kommen hier direkt die Bulls oder die Cavs, beide könnten Unterstützung von außen benötigen, werden jedoch kein sinnvolles Trade-Szenario auf die Beine stellen können... oder wollen.

Ein realistischeres Szenario könnten da schon die New Orleans Pelicans sein. Tyreke Evans fällt für den Rest der Saison aus, die Pelicans schielen immer noch mit einem Auge auf die Playoffs. Johnsons Salär macht es aber fast unmöglich, ein gutes Paket zusammenzustellen. Letztlich bleibt es dabei, dass ein Trade für Johnson schwierig wird.

Der aussichtsreichste Kandidat
Der realistischste Trade-Kandidat in Brooklyn ist folglich Thaddeus Young. Der Power Forward kann locker auch als Small Forward auflaufen, Young ist ein ehrlicher Fighter und kann vielen Teams in der Defensive weiterhelfen. Der Forward kommt in der aktuellen Saison auf 15,1 Punkte und 9,1 Rebounds pro Spiel und sorgt zudem für ordentliche 1,4 Steals pro Partie.

Young hat seinen Vertrag vor kurzem erst verlängert und ist mit knapp 12 Mio. $ pro Jahr bis 2019 ein guter Deal, speziell unter der Prämisse, dass der Salary Cap in den kommenden Jahren deutlich ansteigen wird.

Es gibt zahlreiche denkbare Trade-Szenarien aus Sicht der Nets, aber auch für andere Teams könnte Young zu einem vielversprechenden Asset werden. Nachfolgend werden zwei Optionen etwas näher beleuchtet:

Brandon Jennings (Detroit Pistons) für Young ist ein mehr als denkbares Szenario. Die Nets brauchen einen Point Guard für die Zukunft und Jennings könnte in Brooklyn wieder aufdrehen und Spielpraxis sammeln. Young auf der anderen Seite wäre ein Upgrade gegenüber Ersan Ilyasova und könnte an der Seite von Andre Drummond einen starken Frontcourt bilden.


Allerdings schießt Young derzeit nur 21,7% von außen und das spricht wahrlich nicht für einen Power Forward nach dem Geschmack von Stan van Gundy. Die Pistons wären somit ein möglicher, aber kein wirklich realistischer Landing-Spot für den Power Forward. Van Gundy dürfte eher an seinem alten Schützling aus Magic-Tagen, Ryan Anderson, baggern.

Auch die Toronto Raptors haben sich Gedanken über einen Young-Trade gemacht. Das wäre gleich in doppelter Hinsicht sinnvoll, schließlich könnte Young zunächst auf Small Forward die Löcher stopfen, die durch den Ausfall von DeMarre Carroll entstanden sind und dann ab der kommenden Saison die Nachfolge von Luis Scola als Power Forward antreten. Damit wären aus Raptors Perspektive zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.


Aus Sicht der Nets wird der Trade interessant, da die Raptors über enorm viele Assets von Interesse verfügen. Ein Paket aus Cory Joseph und Ruben Patterson wäre denkbar und funktioniert zumindest finanziell. Allerdings ist fraglich, ob die Nets in Joseph den Point Guard der Zukunft sehen. 

Das Gute aus Sicht der Nets: Toronto hat mit Terrence Ross, Bruno Caboclo, Delon Wright, Norman Powell und Lucas Nogueira gleich fünf junge Spieler, die zu haben wären. Dazu kommen mehrere künftige Erstrundenpicks - ein gewichtiges Argument für einen Deal mit Masai Ujiri und den Raptors. 

Brooklyn wird es schwer haben
Auch wenn zahlreiche Trade-Szenarien durch die Medien geistern und die Nets alles daran setzen, etwas für die Zukunft aufzubauen, so zeigt sich erneut, dass es sehr schwer werden dürfte, einen passenden Deal zu finden. Interessenten für Spieler der Nets gibt es reichlich, allerdings ist der Gegenwert für die Nets selten verlockend.

New York bleibt eine geile Stadt und Brooklyn ein verlockender Stadtteil. Die Medienpräsenz ist riesig, aber auf einen Contender aus Brooklyn müssen die Fans noch lange warten. Über den Draft kommen keine hoffnungsvollen Talente und auch via Trade dürfte es eher schwierig werden, einen vielversprechenden Umbruch zu forcieren.

Dennoch könnte in Richtung Deadline hier etwas passieren. Es wird vermutlich einen Nets-Trade geben. Fraglich ist dabei jedoch, ob die Nets der Gewinner des Trades sein können. Die Wahrscheinlichkeit ist eher gering.