16 Februar 2016

16. Februar, 2016


Am Donnerstag dreht die NBA wieder kräftig am Rad – metaphorisch wie auch personell. Nur noch bis zum 18. Februar dürfen Spieler getradet werden. Auf dem Weg zur Deadline wirft die #NBACHEF Redaktion wie jedes Jahr einen genaueren Blick auf die wichtigsten Trade-Kandidaten.

von ONUR ALAGÖZ @LakersParadigm

Alle Jahre wieder kommen in Los Angeles die Gerüchte um potenzielle Superstar-Akquisitionen auf. Hauptsächlich: Die ständigen Diskussionen über die Kevin Durant und Russell Westbrook signings.
Nachdem aber beide ziemlich unmissverständlich klargemacht haben, dass sie in naher Zukunft nicht für Lila-Gold auflaufen werden, verdichten sich die Anzeichen bei einigen anderen Kandidaten.

Nick Young
Ganz oben auf dem Trading Block steht, wie immer, Nick Young. Der macht momentan lediglich Schlagzeilen mit seiner Anwesenheit bei Kanyes Albumrelease. Die Lakers arbeiten Gerüchten zufolge hinter den Kulissen mit Hochdruck an einem Tausch. 

Ein kleines Problem steht jedoch im Raum: 'Swaggy P' spielt eine miserable Saison. Gerade einmal 7 Punkte im Schnitt verbucht der 30-Jährige. Für jemanden, der Zeit seiner Karriere einzig und allein für Scoring und Exzentrik bekannt war, eine Blamage bis auf die Knochen.

Finanziell macht er genauer betrachtet eigentlich für niemanden wirklich Sinn. Nächste Saison beträgt sein Gehalt 5,4, im darauffolgenden Jahr mit Player Option – die er ziehen wird – 5,6 Millionen Dollar. Zu viel für jemanden, den die Lakers nicht wirklich spielen lassen.


Offensiv sollte Young eigentlich noch genug im Tank haben, um einer zweiten Garde bei einem guten Team helfen zu können. Spot-Up Shooter, Pick & Pop-Option, eine Versicherung für ein Team, das händeringend nach Spacing sucht. 

Spontan fallen einem da die Miami Heat, Memphis Grizzlies und mit viel viel Fantasie die Oklahoma City Thunder ein. Aber diese drei Teams werden einen Teufel tun und jemanden ertraden, der es nicht mal bei den Lakers in die Rotation schafft.

Young ist zu alt, um seine eklatanten Makel noch irgendwie verstecken zu können. Er spielt keine Defense, seine Pässe sind quasi Turnover und nicht mal irgendeinen sentimentalen Wert bietet er für sein Team.  

Für ihn allein wird kein Team der Liga auch nur ein müdes Lächeln aufbringen können. Wenn Kupchak versuchen sollte, ihn solo irgendwo anzubieten, wird er nichts bekommen außer zwei blaue Haken in WhatsApp ohne Antwort.

Roy Hibbert
Der Hüne, der aus Indiana kam und noch vor kurzem den Sabber bei jedem Defensiv-Fetischisten laufen ließ, hat ein paar traurige Jahre hinter sich. Wir erinnern uns an Gerüchte, wonach sein Privatleben sein game spektakulär negativ beeinflusste. So bleibt heute nur das Resümee zu ziehen, dass Roy Hibbert wohl nie so gut werden wird, wie er hätte sein können.

Das Front Office, das ihm 15,5 (!) Millionen für diese Saison bezahlt, war immerhin intelligent genug, ihm keine Verlängerung anzubieten. So kommt im Falle eines Nicht-Trades neben Kobes Mammutgehalt ein weiterer Batzen grüner Scheine von den Lakers-Büchern.

In der von Smallball dominierten Ära, in der wir uns befinden, wurde ein statischer Center, der kaum Athletik vorzuweisen hat, in den letzten Jahren immer irrelevanter. Für ein Playoff-Team, das die Aussicht auf einen tiefen Run mit einem Ringbeschützer zementieren will, könnte er aber noch einen Restwert besitzen.

In New Orleans als Ersatz für Asik neben Anthony Davis zum Beispiel, der immer weiter weg vom Ring spielen kann und will, in Memphis nach der Verletzung von Marc Gasol oder in Boston als dringend benötigter Defensivanker in der Zone, könnte Hibbert durchaus Sinn machen. Problematisch ist wie erwähnt sein gigantisches Gehalt, das es schwer macht, ein interessantes Trade-Paket zu schnüren.


Brandon Bass
Der vermutlich einzige Trade-Kandidat, der auch nur im Ansatz bei jemandem echtes Interesse wecken könnte, ist Brandon Bass. Der Forward ist verloren im nicht-vorhanden Frontcourt-Konzept, das Abend für Abend das Staples Center blamiert. Hinter Julius Randle, Hibbert und Larry Nance ist Bass einfach obsolet. Nance und Randle wollen für die Zukunft entwickelt werden, Hibbert steht längst auf dem Trading Block. Bass kämpft also gegen Windmühlen. 

Er ist schon 30, also schon seit einiger Zeit kein Langzeitprojekt mehr, verdient aber gerade einmal 6 Millionen über die nächsten zwei Jahre und ist somit leicht zu verscherbeln. Auf 36 Minuten gerechnet bringt er fast 12 Punkte und 8 Rebounds. Als Option, um die Bank mit etwas mehr Feuerpower zu versehen, ist Bass mehr als geeignet. In Purple-Gold hat er kurz- und langfristig keine Rolle. Idealerweise kommen mir zwei Tradepartner in den Sinn.

Again, die Celtics. In einem Deal für David Lee und Cap Space könnten sich die Lakers von Bass und Hibbert gemeinsam trennen. Bass hat bereits in Boston gespielt. David Lee hat seinen Platz in Beantown nie gefunden und dürfte mehr als froh sein, wieder nach Kalifornien zu kommen, um sich in den verbleibenden Monaten zumindest für einen neuen Vertrag im Sommer zu empfehlen - egal ob bei den Lakers oder woanders.

Ebenfalls anbieten könnten sich die Toronto Raptors. Dort spielen Luis Scola und Patrick Patterson, ein guter Backup fehlt den Dinos aber nach wie vor. Bass wäre hier eine hervorragende Entlastung als Power Forward, der sowohl charakterlich als auch spielerisch ins Konzept von Coach Casey passen würde. 

Deal or No Deal?
Wenn man ehrlich ist, haben die Lakers weder viel anzubieten, noch spezielle Macken im Team, die leicht auszubügeln wären. Der ganze Kader ist eine Macke. Man wird sicher versuchen, den Frühjahrsputz so gut wie möglich hinter sich zu bringen, aber Abnehmer für Young, Hibbert und Bass dürften in dieser Woche nicht gerade die Tür einrennen.

Kupchak wird sicherlich versuchen, möglichst viele junge Assets zu sammeln, Draftpicks, Langzeitprojekte, Rookies, um in den kommenden Jahren in bestmöglicher Ausgangslage in den Neuaufbau dieses Teams zu starten – diesmal hoffentlich richtig.