15 Februar 2016

15. Februar, 2016


Am Donnerstag dreht die NBA wieder kräftig am Rad – metaphorisch wie auch personell. Nur noch bis zum 18. Februar dürfen Spieler getradet werden. Auf dem Weg zur Deadline wirft die #NBACHEF Redaktion wie jedes Jahr einen genaueren Blick auf die wichtigsten Trade-Kandidaten.

von TORBEN SIEMER @lifeoftorben

Die Minnesota Timberwolves bauen langsam, aber stetig an ihrem Gerüst für die nächsten Jahre – Karl-Anthony Towns spielt eine hervorragende Rookie-Saison, Andrew Wiggins lässt immer wieder sein großes Potenzial aufblitzen und Zach LaVine zeigt, dass er mehr kann als nur den Ball durch den Ring zu stopfen. 

Ricky Rubio ist auch immer noch erst 25 Jahre alt, Gorgui Dieng findet sich von Saison zu Saison besser zurecht und auch Shabazz Muhammad lernt stetig dazu. Der Kern in Minneapolis ist jung – und vielversprechend.

Kevin Martin ist Anfang Februar 33 Jahre alt geworden. Während Tayshaun Prince (35) und die beiden Alterspräsidenten Andre Miller und Kevin Garnett (beide 39) vorrangig als Mentoren, Lehrer und Vorbilder für die junge Garde gelten, befindet sich Martin noch nicht im Spätherbst seiner Karriere. 


Bei den Wolves aber ist er inzwischen entbehrlich geworden: Mit 22.6 Minuten pro Partie spielt er so wenig wie seit seiner Rookie-Saison nicht, auch die durchschnittlich 11.3 Punkte sind ein Wert, die der Shooting Guard in den Vorjahren zumeist mit Leichtigkeit überboten hat.

Dies liegt zum einen daran, dass Martin die schwächsten Feldwurf-Quoten seiner Laufbahn auflegt – zum anderen aber auch daran, dass die Wolves auch in diesem Jahr wieder die Lottery ansteuern und Headcoach Sam Mitchell deshalb mehr Minuten an die jungen Wiggins, LaVine und Co. verteilt. 

Zudem ist Martin schon länger defensiv mehr Drehkreuz als Stoppschild. Martins Gehalt von knapp über sieben Millionen Dollar sowie die Player Option fürs nächste Jahr machen ihn dennoch zum Trade-Chip: Trotz seiner schwachen Saison hat der Flügelspieler weiterhin den Ruf eines guten Scorers, der mit seinem veritablen Distanzwurf dem richtigen Team von der Bank kommend helfen kann. Die Timberwolves werden vermutlich einen Partner suchen, der mehr bietet als nur die Aufnahme des Shooting Guards; im besten Fall ein Talent und/oder Draftpick(s).

Wohin also könnte es ihn verschlagen? Zuerst ins Auge fallen dabei die Memphis Grizzlies – diesen fehlt es schon fast historisch an guten Distanzschützen. Auch in dieser Saison gehört das Team aus Tennessee wieder zum Bodensatz der NBA, was die Dreierquote betrifft. Die Grizzlies sollen bereits ein Angebot der Wolves für Courtney Lee abgelehnt haben, für Minnesota interessante Spieler aber finden sich außer Lee wenige im Kader – Jeff Green, Tony Allen oder gar Brandan Wright wären ebenso wenig zukunftsfähig wie Martin. Nach dem Saisonaus für Marc Gasol bleibt zudem abzuwarten, wie die Grizzlies – deren Schlüsselspieler auch nicht jünger werden - nun fortfahren.

Wer braucht noch (offensiv) Hilfe? Die Washington Wizards. John Wall spielt eine hervorragende Saison, dennoch stellen die Wizards eine der schwächsten Offensiven unter den Playoff-Kandidaten. Auch hier stellt sich zwar die Frage, welcher Gegenwert für die Wolves attraktiv wäre. Könnten Kris Humphries oder Alan Anderson in Verbindung mit Draftpicks den Deal schmackhaft machen?


Ähnliches gilt für die Chicago Bulls: Der Frontcourt ist trotz der Verletzung von Joakim Noah überbesetzt und die Bulls gehören wie die Wizards zu den mieseren Offensivteams der Liga. Martin würde zwar die Defensive schwächen, könnte aber offensiv für Schwung von der Bank sorgen und den Ausfall von Jimmy Butler etwas abfedern helfen. Fraglich ist, wen Chicago anbieten könnte: Sollte Taj Gibson tatsächlich verfügbar sein, dürfte für ihn mehr zu erlösen sein, als „nur“ Martin. 

Eine weiteres potenzielles Ziel für Martin sind die Detroit Pistons. Diese brauchen dringend Unterstützung aus der zweiten Reihe und könnten gewillt sein, Brandon Jennings abzugeben. Dieser spielt nach seiner Rückkehr zwar ordentlich auf, sitzt aber in der Rotation hinter Reggie Jackson fest. Jennings‘ im Sommer auslaufender Vertrag wäre – besonders in Verbindung mit einem Draftpick - ein passabler Gegenwert für Minnesota.

Die Wolves haben Martin vermutlich schon verschiedenen Teams angeboten – ob er bald in neuen Farben aufläuft, hängt vor allem davon ab, wie dringend das Front Office ihn abgeben möchte. Und vielleicht auch davon, ob und wie nachdrücklich Martin selbst um eine Luftveränderung bittet.