23 Februar 2016

23. Februar, 2016


von TIM SEITTER @Timuslav

Der Allstar-Break liegt hinter uns, mehr als die Hälfte der Saison ist absolviert. Höchste Zeit, sich bei den sicheren Teilnehmern mögliche Playoff-Matchups genauer anzuschauen. 

Die NBA-Spielplanmacher meinten es mit diesem Artikel nicht allzu gut. San Antonios Begegnungen mit den Top-Teams Toronto und Oklahoma City liegen schon eine Weile zurück. Die Spurs befanden sich damals noch in einer Findungsphase nach der Addition von LaMarcus Aldridge. 

Das erste Match gegen den amtierenden Champion Golden State gab es erst spät im Januar, just zu einer Zeit in der die Spurs auf Tim Duncan wegen einer Knieverletzung verzichten mussten. In diese Phase ohne Duncan fiel auch die zweite Partie gegen den letztjährigen Finalteilnehmer, Cleveland. 

Nichtsdestotrotz lieferten diese Spiele interessante Erkenntnisse. Im Folgenden werden die Aufeinandertreffen gegen die beiden Top-Teams im Osten, Cleveland und Toronto, sowie gegen die größten Konkurrenten im Westen, Oklahoma City und Golden State, aufgearbeitet. Welches Team könnte sich als Stolpersteine für die Texaner herausstellen, welche Hürden werden vermutlich leicht genommen?

Oklahoma City Thunder (0-1)
Das erste und bisher einzige Spiel gegen die Thunder ging mit 112-106 verloren. Es war das erste Saisonspiel überhaupt und somit auch das erste Spiel der neuformierten Spurs. In den letzten Minuten fanden die Männer in Silber und Schwarz auf die geballte Offensivpower der Thunder keine Antwort mehr. Besonders Enes Kanter, der von der Bank 15 Punkte und 16 Rebounds beisteuerte, konnte nicht effektiv verteidigt werden. 


Auf der anderen Seite kam Kawhi Leonard immer wieder zu Punkten. Die Thunder entschieden sich, den Defensive Player oft he Year nicht zu doppeln und so konnte Leonard im eins-gegen-eins mehrmals seine Klasse beweisen, da die Thunder keinen Spieler auf dem Feld hatten, der ihn effektiv verteidigen konnte. In der Defensive hielt Leonard Kevin Durant bei 6 von 19 aus dem Feld, wobei man bedenken muss, dass es KDs erstes Spiel seit Februar war.

Am 12. März treffen die Teams wieder aufeinander. Es wird interessant zu sehen sein, wie das Match mit einem eingespielten Durant und einem mittlerweile integrierten Aldridge verläuft. Schon in der Vergangenheit hatte San Antonio fast immer Probleme mit OKCs Länge und Athletik. 

Toronto Raptors (0-1)
Das erste Spiel gegen die Raptors bestritten die Spurs im ersten Drittel der Saison, noch bevor die kanadische Franchise sich auf den zweiten Platz im Osten katapultierte. San Antonio verlor 97-94. Das bemerkenswerte dabei: Toronto nahm in der gesamten Partie nur 64 Würfe aus dem Feld. Mit 57,8% schlossen sie dabei allerdings fabelhaft ab. 

Es war das erste Mal, dass die sonst so hochgelobte Spurs-Verteidigung mehr als 50% aus dem Feld zuließ. Besondere Probleme bereitete der Backcourt der Raptoren mit Kyle Lowry und DeMar DeRozan, die gemeinsam 16 von 26 aus dem Feld für 47 Punkte verbuchten und zu keiner Zeit verteidigt werden konnten.

Auf Seiten der Spurs wurde wie so oft in der regulären Saison, mit den Minuten für die wichtigen Spieler sparsam umgegangen. Mit Duncan (20 Minuten), Green (21 Minuten) und Leonard (27 Minuten) standen drei Starter mit deutlich verringerter Spielzeit auf dem Parkett. Der aktuell verletzte Manu Ginobili führte die starke Bank mit 17 Punkten an. 

Das nächste Spiel gegen Toronto findet am 2. April in San Antonio statt. Toronto hat seine schwankenden Leistungen vom Beginn der Saison mittlerweile stabilisiert und wird besonders mit ihrem starken Backcourt ein schweres Matchup bleiben.

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Cleveland Cavaliers (1-1)
Gegen Cleveland wurden bereits beide Spiele absolviert. Ein Wiedersehen wäre erst wieder in einer Final-Serie um die Meisterschaft möglich. Das erste Spiel in San Antonio konnte mit 99-95 gewonnen werden, wohingegen das zweite Spiel verloren ging. 

Wie schon häufig zuvor - so auch im NBA-Finale 2014 gegen die Miami Heat, verteidigte Leonard im siegreichen Spiel LeBron James gut. Offensiv trug Tony Parker die größte Last und konnte nicht gestoppt werden. Als in der ersten Halbzeit die Offensive fast zum Erliegen kam, riss Parker (24 Punkte) immer wieder Lücken mit seinen Drives zum Korb. Auf der anderen Seite verteidigte er Kyrie Irving solide.

Das „Rückspiel“ in Cleveland stand nicht nur wegen des zwischenzeitlichen Headcoach-Wechsels der Cavs (Tyronn Lue übernahm für David Blatt) unter anderen Vorzeichen. Tim Duncan fiel aufgrund einer Knieverletzung aus. In diesem Spiel wurde einmal mehr deutlich, dass Timmy trotz seines hohen Alters immer noch der defensive Anker in San Antonio ist. 

Immer wieder gelang es Cleveland erfolgreich zum Korb zu ziehen und entweder abzuschließen oder das Foul zu ziehen, auch weil Aldridge sich nach drei Fouls im ersten Viertel schnell auf der Bank wiederfand. James zeigte sich in dieser Partie deutlich aggressiver und legte 29 Punkte auf (10-11 Freiwürfe). Mit dem höheren Tempo, dass Lue gehen lässt, konnten die Spurs in dieser Partie nicht mithalten. Defensiv erlaubten sich die Texaner zu viele Fehler und ließen bei der 117-103 Niederlage die zweitmeisten Punkte der Saison zu. 

In einem möglichen Finals-Matchup wird es vor allem auf die Defensive der Spurs ankommen. Wenn Kawhi Leonard einen guten Tag gegen LeBron James erwischt und die Texaner ihre Big Men wieder an Bord haben, wird dieses Matchup ein offener Schlagabtausch werden.


Golden State Warriors (0-1)
Es war bis dato das Spiel der Saison. Die ganze Basketballwelt fieberte dem 25. Januar entgegen, dem ersten Aufeinandertreffen der beiden besten Teams der Association. Und dann war alles ganz schnell vorbei. In der Abwesenheit von Tim Duncan, gewann Golden State 120-90 und fegte die Spurs regelrecht aus der Halle. 

Bei den Spurs war schnell eine Defensivtaktik zu erkennen, die allerdings nicht aufging. Jeder Spur, der in der Nähe von Steph Curry war, schmiss sich vor den MVP, ungeachtet dessen, ob in seinem Rücken ein Mitspieler frei stand. Der Champion nutze die entstehenden Räume gnadenlos effektiv. Zu keiner Zeit hatte San Antonio Zugriff auf das Spiel. 25 Turnover standen am Ende im Boxscore, Saison-Negativwert.

Vor dem Spiel wurde besonders viel darüber spekuliert, wer Curry verteidigen sollte. Die Antwort: alle. Dabei stellte sich heraus, dass auch Leonard gegen den MVP nicht das aus Spurs-Sicht erhoffte Allheilmittel ist.

Zwischen 19. März und 10. April treffen beide Teams noch drei weitere Male aufeinander. Es wird interessant zu sehen sein, ob die Spurs eine Defensivtaktik gegen die Warriors-Offensive finden oder ob Popovich überhaupt preisgeben will, was seine Intention ist. Möglicherweise hält er sich damit auch bis zu einem möglichen Conference-Finale zurück. 


Satz mit X
Analysen von Spurs-Spielen während der regulären Saison sind immer mit Vorsicht zu genießen, da in San Antonio alles auf die Postseason ausgelegt ist. Doch die Spiele gegen die direkten Konkurrenten um den NBA-Titel und die magere 1-4 Bilanz in ihnen haben bewiesen, dass die Sporen alle Mann an Bord brauchen und sich mächtig strecken müssen, um mit den Besten der Liga mitzuhalten. 

Besonders in einem Matchup mit den rekordverdächtigen Titelverteidigern aus Golden State sowie den athletischeren Oklahoma City Thunder - und auf mindestens eine dieser beiden Mannschaften wird San Antonio gewiss treffen - müssen Popovich & co. noch viele Lösungen ausbrüten.