04 Februar 2016

4. Februar, 2016


von PASCAL GIETLER @PascalCTB & PETER DREWS @Pony1990

In diesem Jahr wählten die Minnesota Timberwolves an erster Stelle Karl Anthony Towns, gefolgt von D'Angelo Russell (L.A. Lakers) und Jahlil Okafor (Philadelphia 76ers). Die Top-Picks des jeweiligen Drafts gehen immer mit der Bürde, auf Schritt und Tritt beobachtet zu werden, in ihre erste Profisaison. Diesen Spielern wird eine große Zukunft vorhergesagt, die jeweiligen Teams hoffen, einen zukünftigen All-Star oder sogar Franchise Player gezogen zu haben.

Aber auch Abseits des Medienrummels um diese Spieler (oder Kristaps Porzingis in der Medienhochburg New York) kommen selbstbewusste und talentierte Spieler in die NBA, die ihren jeweiligen Teams auf ganz unterschiedliche Weise helfen können. NBACHEF stellt euch ein paar Frischlinge vor, die in ihrer Rookie Saison vermeintlich unter dem Radar fliegen.


Devin Booker
Phoenix Suns, 13. Pick
21.2 MPG, 9.5 Punkte, 1.9 Rebounds, 1.4 Assits, 46.5% FG, 41.7% Dreier

Peter Drews: Devin Booker ist mit 19 Jahren der jüngste Spieler in der NBA. Kevin Garnett und Kobe Bryant spielten bereits in der Liga, da war Devin Booker noch nicht geboren. Der Shooting Guard von der hochdekorierten University of Kentucky ist für die Suns einer der wenigen Lichtblicken in der abgelaufenen Saison. Booker - der aufgrund seines butterweichen Wurfs oft mit Klay Thompson verglichen wird - kann in Phoenix durch seine Offense überzeuge und erhielt direkt von Beginn an Spielzeit. Nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Eric Bledsoe, stellt Booker mit Brandon Knight zusammen den Backcourt bei den Suns. Der Guard konnte in seinen 16 Spielen als Starter für einen Rookie ordentliche 14.1 Punkte auflegen. Vor allem mit seinen Catch and Shoot Fähigkeiten kann er die Suns-Fans begeistern. Möchte man Booker Schwäche zu gestehen, dann z.B. das er in der Offense zu wenig für sich selbst kreiert. Gerade einmal 4 % seiner Offensivaktionen kommen aus der Isolation. Sollten die Suns nach der Saison den Umbruch einläuten, ist Devin Booker definitiv ein Spieler auf den man setzten sollte.


Pascal Gietler: Ich gebe dir da absolut recht. Devin Booker ist einer der vielen Kentucky Wildcats, die es in diesem Jahr in die NBA geschafft haben. Er galt als Langzeitprojekt, der hinter seiner Defense und seinem aktuellen Leistungspeak am Draftabend einige Fragezeichen stehen hatte. Ein paar Monate später wurde Booker der drittjüngste Spieler in der NBA-Geschichte, der in einem Spiel mehr als 30 Punkte erzielen konnte. Das Fragezeichen hinter der Defense von Booker sollte man noch lange nicht ausradieren, aber eines steht mal fest: Der Junge ist ein absolut solider Rotationsspieler, der aktuell besonders mit tollen Effizienzwerten (46,5% FG; 41,7% 3PT) Coach Jeff Hornacek überzeugen dürfte. Der Saisonverlauf der Suns und die Verletzungssorgen im Backcourt kommen Booker natürlich gelegen. Ich habe wirklich befürchtet, dass Booker viel Zeit in der D-League verbringen müsste, aber nun wird der blutjunge Rookie ins kalte Wasser geworfen und dabei macht er echt eine gute Figur. „Sky is the limit“ würde ich mal sagen und werfe drei Euro ins Phrasenschwein.

Justise Winslow
Miami Heat, 10. Pick
27.4 MPG, 5.7 Punkte, 4.8 Rebounds, 1.4 Assists, 40.8% FG, 26.8% Dreier

Drews: Der ehemalige Duke Blue Devil wurde vor dem Draft mit Vorschusslorbeeren überhäuft und galt mit seinen 19 Jahren durch seine Athletik und Defense als einer der komplettesten Spielern. Ein wenig überraschend war es dann, dass Winslow erst an zehnter Stelle von den Miami Heat ausgewählt wurde. Mit einem Definsivrating von 97.5 gehört er ohne Frage zu den besten Spielern am eigenen Ende des Feldes. Bereits in seiner ersten Saison stellten die Heat ihn aufgrund seiner Lockdown Fähigkeiten gegen Durant, Harden und Co. auf. Paul George zum Beispiel traf nur 5 seiner 22 Würfe im Matchup gegen den Rookie. Auch deshalb sind die Heat dieses Jahr eines der besten Defensivteam in der Association. In der Offensive muss Winslow noch einiges draufpacken, möchte er langfristig am South Beach als Starter auflaufen. Nur jeden vierten Wurf jenseits der 7,24-Meter-Linie findet seinen Weg ins Ziel. Auch sein Wurf aus dem Feld lässt bisher noch zu wünschen übrig - nur zu 27.6 % fällt sein Jumper. Am College war eine seiner Stärken sein Zug zum Korb - diesen lässt er bisher in der NBA vermissen. Lediglich 1.9 mal pro Spiel setzt er zum Drive an und erzielt daraus 0.9 Punkte pro Spiel. Auch im Eins-gegen-Eins wirkt Winslow unkreativ und geht zu oft mit dem Kopf durch die Wand. Die Heat sollten Winslow trotz seiner noch limitierten Offensive Winslow aufbauen und Spielzeit geben. Schon jetzt ist er ein überdurchschnittlich guter Verteidiger und macht die Heat Defense zur einer der besten der Liga.


Gietler: Ich bin noch immer der Meinung, dass es absolut sinnfrei gewesen ist, Stanley Johnson vor Justise Winslow zu draften. Aber um die Detroit Pistons soll es ja an dieser Stelle nicht gehen. Winslow, Johnson und Rondae Hollis-Jefferson eilte allen der Ruf voraus am Perimeter großartig verteidigen zu können und ich würde mal behaupten, dass alle diesem Ruf durchaus gerecht werden, jedoch mit einem kleinen aber feinen Detail: Winslow ist für sein Alter absolut überragend am defensiven Ende. Darüber sollte es auch keine zwei Meinungen geben - in der Defense ist er auf einem ganz anderen Level, als seine Rookie-Konkurrenz. Was für Winslow natürlich ungewöhnlich ist im Vergleich zu seiner College-Karriere: Er ist neben Spielern wie Dwyane Wade, Chris Bosh oder Goran Dragic offensiv kein großer Faktor. Du hast schon einige Zahlen in den Raum geworfen und das größte Problem ist aktuell wohl, dass sein Distanzwurf längst nicht so gut fällt, wie noch auf dem College. Winslow ist für mich jemand, der sich zu einem guten „Three-and-D“-Spieler entwickeln könnte und dem ich aufgrund seines Ballhandlings, seiner Athletik und seines IQs sogar einen ähnlichen Weg zutraue wie Spieler der Kategorie „Leonard-George-Butler“. Doch aktuell fahre ich mit meinem Winslow-Bandwagon durch die 30er-Zone und muss auf die Bremse drücken, er ist jung, zeigt gefühlt von Monat zu Monat mehr, was er kann, jedoch habe ich mir offensiv doch etwas mehr erhofft von ihm.

Nikola Jokic 
Denver Nuggets, 41. Pick (2014)
19.0 MPG, 8.9 Punkte, 5.5 Rebounds, 1.8 Assists, 54.3% FG, 35.7% Dreier

Drews: Der 2.11 Meter große Center wurde bereits im Draftabend 2014 an 41. Stelle von den Denver Nuggets ausgewählt. Nach dem der U19-Weltmeister aus Serbien noch ein Jahr in der Heimat spielte und dort zum MVP gewählt wurde, unterschrieb er in diesem Sommer bei der Franchise aus Colorado. Nach dem Jusuf Nurkic zu Beginn der Saison verletzt ausfiel, hatten die Nuggets auf den großen Positionen Bedarf und Jokic erhielt sofort Spielzeit. Sein Spiel zeichnet sich durch seinen hohen Basketball IQ aus. Er kann das Geschehen auf dem Court lesen und sofort handeln. Teilweise glänzt er durch starkes Passspiel. In der Offensive ist der Serbe durchaus vielseitig. Er kann direkt am Korb per Layup abschließen, hat jedoch durchaus ein feines Handgelenk, so dass er auch den Dreier zu fast 35 % trifft. Zu dem steht er jeden Abend 2.2 mal an der Freiwurflinie und trifft diese zu 81 % (Grüße an Drummond & Co.). Leider wirkt am eigenen Ende des Courts zu behäbig. Diese liegt daran, dass er nicht besonders schnell ist. Zu dem ist er nicht der beste Athlet, was ihm in einen Matchup gegen athletische Center wie zum Beispiel Gobert, oder Whiteside einen Nachteil verschafft. Ebenfalls muss er sich als Shotblocker steigern - gerade einmal 0.5 Blocks pro Spiel lassen sich in einer Statlinie lesen. Für die Nuggets muss es wichtig sein, dass Jokic es versteht seinen Körper/Spannweite besser in der Defense zu nutzen.


Gietler: Hast du sein Ballhandling mal beobachtet? Der Typ hat mich ein paar Mal echt richtig begeistert. Zuletzt in der vergangenen Woche gegen die Atlanta Hawks. Jokic bekommt am eigenen Korb den Ball, verdaddelt ihn auf Höhe der Mittellinie fast und vernascht trotzdem ganz souverän Jeff Teague mit einem „behind-the-back“-Dribbling. Für einen Big Man war das echt nicht von schlechten Eltern. Achja...der angesprochene Angriff endete nach einem No-Look-Pass von Jokic auf Galinari natürlich mit dem Spalding im gegnerischen Netz. Ich muss gestehen, dass ich wenige Spiele der Nuggets gucke, weil ich den aktuellen Haufen aus der Mile High City nicht wirklich ansehnlich finde, aber für Jokic lohnt sich das Einschalten auf jeden Fall. Ich bin gespannt, was die Zukunft für Jokic bereit hält, denn du hast schon eine wichtige Sache angesprochen: Kann Jokic eine Defensive ankern? Ich bin mir da noch nicht wirklich sicher, aber es macht Spaß ihm zuzusehen und Offensiv dürfte er seinen Platz in der NBA finden.

Larry Nance Jr.
Los Angeles Lakers, 27. Pick
20.5 MPG, 5.8 Punkte, 5.1 Rebounds, 53.8% FG, 33.3% Dreier

Drews: Der 2.06 Meter große Power Forward spielt am College für Wyoming und konnte die Mannschaft das erste Mal seit 14 Jahren wieder in das NCAA Tournament führen. Mit seiner Größe und Athletik bringt er ideale Voraussetzungen mit um in der NBA zu spielen. Nance jn. erlitt im Februar 2014 einen Kreuzbandriss – davon lässt er sich allerdings nicht beirren. Er hat seine Stärken in der Offensive mit dem Gesicht zum Korb. Verfügt aber auch über die Fähigkeit, das Spiel nach dem Rebound schnell zu machen. Zudem ist er so gut zu Fuß unterwegs, dass er den Fastbreak vorne selber anschließen kann. Auch in der Defensive kann er überzeugen. Er forciert Turnover der Gegner und verteidigt in Pick & Roll Situationen passabel. Trotz seiner körperlichen Vorausetzungen, ist er ein schlechter Spieler im Post – gerade einmal fünf Mal in 36 Spielen versuchte er so zum Korberfolg zu kommen. Um eine Mischung aus Face Up und Stretch Vierer zu werden, muss er sich einen verlässlichen 3-Punkt-Wurf aneignen und seine Mitspieler besser finden. Nach dem Byron Scott- seines Zeichen immer noch Coach der Lakers – den ehemaligen Nr. 7 Pick Julius Randle von der Bank kommen lässt, bekommt Larry Nance jun. den Platz in der Starting Five.


Gietler: Ich habe schon befürchtet, dass wir über einen Laker sprechen müssen. Jetzt mal im Ernst: Was denkst du von mir? Dass ich als Nets-Fan so masochistisch veranlagt bin und mir nach der Autounfall-Offense aus Brooklyn noch die Zugunfall-Offense aus Tinsletown anschaue? So viel Geld könntest du mir gar nicht zahlen. Larry Nance Jr. habe ich dennoch (wieso auch immer) mal in Action gesehen und der Typ ist ja mal unfassbar athletisch. Ich habe ihn während seiner College-Zeit überhaupt nicht auf dem Schirm gehabt und hatte ein lautes „Who?“ auf den Lippen, als die Lakers ihn gedraftet haben. Ich bin zwar der Meinung, dass es mit Jordan Mickey oder Kevon Looney an #27 langfristig spannendere Projekte für die Lakers gegeben hätte, aber Nance Jr. könnte sich aufgrund seiner Athletik und seiner Defensive zu einem passablem Rollenspieler entwickeln. Ob er in der Offensive mit seinen 22 Jahren noch genug Upside hat um langfristig für die Lakers auf der Vier zu starten? Bei Byron S. aus L. weiß man ja nie genau, welche Flausen sich gerade in der Höhle südlich der Schädeldecke befinden, aber bei Nance Jr. stehen die Zeichen eher auf Rollenspieler, der dennoch eine überraschend große Rolle als Rookie spielen kann. Ob berechtigt oder nicht steht auf einem anderen Blatt.

Trey Lyles
Utah Jazz, 12. Pick
18.5 MPG, 4.8 Punkte, 4.2 Rebounds, 41.8% FG, 43.2% Dreier

Drews: Lyles ist definitiv einer der Gewinner in der bisherigen Saison von den Jazz. Durch die Rückenverletzung von Derrick Favors kurz nach Weihnachten, wird er ehemalige Kentucky Wildcat seit dem als Starter auf Power Forward eingesetzt. Durch sein Gesamtpaket, von guter Größe, hohem Basketball IQ (offensiv) und einem guten Skill Paket ist Lyles für Utah zu einer guten Alternative auf den großen Positionen geworden. Er hat einen annehmbaren Jumpshot mit hohem Release, was es seinem Gegenspieler schwer machen seinen Wurf zu verteidigen. Lyles kann sein Offensivspiel gut variieren, in dem er aus dem Post agiert, zum Korb schneidet, oder aber seinen Jumpshot aus der Mitteldistanz anbringt. Seinen Dreier trifft er bisher nur aus den beiden Ecken – dann aber auch zu 58%. Problematisch wird es, wenn es um die Defense geht. Trotz seiner körperlich guten Voraussetzungen wirkt er oft behäbig und langsam und hat Probleme sobald er schnelle Verteidiger als Gegenspieler hat. Zudem ist er kein guter Ringbeschützer und liest das Spiel zu Langsam. Dadurch findet die gegnerische Offense immer wieder Lücken im Spiel und kommt zu einfachen Korberfolgen.


Gietler: Ich habe mir damals für den Playoffkampf der Jazz eher einen Spieler wie Frank Kaminsky oder Myles Turner gewünscht, aber mit Trey Lyles hat Utah einen kleinen Glücksgriff gemacht. Du hast viele Vorzüge von Lyles schon aufgelistet - ich finde er wird gefühlt von Spiel zu Spiel besser. Sein Dreier fällt (natürlich muss man die kleine Sample Size berücksichtigen) viel besser als erwartet und er könnte offensiv ein moderner Big Man werden, der das Feld breit macht und dank seiner Spielmacher-Qualitäten eine Art „Draymond Green light“ werden könnte - zumindest offensiv. In der Defensive hat er noch Probleme, die Coach Snyder in Line-Ups mit Rudy Gobert durchaus kaschieren kann. Lyles ist ein absoluter Glücksfall für die Utah Jazz. Lyles, Rudy Gobert, Rodney Hood und auch Dante Exum könnten den Jazz einiges an Flexibilität für die Zukunft geben. Wir müssen mal realistisch sein: Mit dem aktuellen Kern sind die Jazz ein typisches Mittelklasse-Team, doch durch die leistungsfähigen Rookies/Sophomores und die tradebaren Verträge von Gordon Hayward und Derrick Favors könnten die Jazz ein nettes Tradepaket für einen All-Star schnüren. Grundvoraussetzung für einen solchen „Blockbuster“-Trade wäre das Vertrauen von Coach Snyder in das Potenzial von unter anderem Trey Lyles. Ich bin definitiv gespannt, was sich in Salt Lake City in der Zukunft tut.