03 Februar 2016

3. Februar, 2016


von AXEL BABST @CoachBabst

Im Rahmen der Big 12/SEC Challenge, die eine nette Abwechslung zum Conference Alltag bot und damit an einem einzigen Tag mehrere packende Duelle zu bieten hatte, trafen Kansas und Kentucky im Allen Fieldhouse aufeinander. Es entwickelte sich ein enges Match, in dem vor allem Kansas Trainer Bill Self zu überraschen wusste.

Das war auch bitter notwendig, denn das Team ist dringend auf Impulse von der Seitenlinie angewiesen, um die Erfolge des vergangenen Jahrzehnts wiederholen zu können. Kansas hat bereits drei Niederlagen in der Big 12 Saison angehäuft und läuft damit Gefahr, die Serie von elf Conference Titeln in Folge nicht aufrecht erhalten zu können. 

Besonders in den vergangenen drei Wochen nach dem wichtigen Heimsieg gegen Oklahoma erweckten die Jayhawks nicht den Eindruck, als wären sie die Topfavoriten in der Conference. Die Auswärtsniederlagen bei West Virginia, Iowa State und Oklahoma State waren nicht wegen des Resultats Rückschläge. 

Speziell die Art und Weise der Niederlagen war schmerzhaft. Die Guards Frank Mason und Devonte´ Graham liefen ihrer Form hinterher. Einen verlässlichen Big Man konnte Self auch noch nicht neben Perry Ellis in der Starting Five installieren. 

Auch bei Kentucky lief die Saison bislang alles andere als rund. Als möglicher Titelkandidat gehandelt, rangieren die Wildcats zwar immer noch unter den besten 25 Teams, sind aber im Vergleich zu anderen Teams aus der eigenen Conference nicht annähernd so nah am Final Four dran. 

In den letzten Wochen war es vor allem Playmaker Tyler Ulis zu verdanken, dass die Wildcats nach der Niederlage in Auburn zurück in die Spur fanden.


Ein zweiter wichtiger Grund für die jüngsten Erfolge ist zudem die Installation von Stretch Big Man Derek Willis in die Starting Five. Gepaart mit Alex Poythress sind die beiden ein Duo, das sowohl offensiv als auch defensiv ein angemessenes Niveau an den Tag legt und gleichzeitig komplementär zu den balldominanten Guards agieren kann. 

Insgesamt müssen die Freshmen mehr Konstanz in ihre Leistungen bringen. Der vielgescholtene Skal Labissiere, der in den ersten Saisonmonaten vom gehandelten Top-Pick zum Bankwärmer degradiert wurde, zeigte zuletzt aggressivere Auftritte und ist auf dem besten Wegen sich mit kleinen Trippelschrittchen aus seiner Formkrise zu strampeln. 

In der ersten Halbzeit beim Gipfeltreffen im Phog Allen drückte besonders Tyler Ulis der Partie seinen Stempel. Er initiierte so gut wie jede erfolgreiche Offensivaktion und war an den meisten Punkten direkt beteiligt (zur Halbzeit 14 Punkte und 5 Assists).

Mit der Mischung aus quirligen Drives, übersichtlichem Pick & Roll Spiel und gnadenloser Kaltschnäuzigkeit, brachte er Kansas Coach Self der Verzweiflung nah. Auch verschiedene Verteidiger konnten den Point Guard nicht aus dem Konzept bringen, wie die folgenden Szenen eindrucksvoll belegen.

Direkt in einem der ersten Angriffe sucht Tyler Ulis (Nr.3) das direkte Duell mit seinem Pendant Frank Mason (Nr.0). Ulis sagt kein Play an und braucht keine drei Sekunden, um Mason über die Mitte zu schlagen und sich seinen Weg in die Zone zu bahnen. Entscheidend ist dabei, dass Ulis beim Drive einen wesentlich tieferen Körperschwerpunkt als Mason hat.

Wenige Minuten später drückt Ulis auf das Gaspedal und treibt den Ball nach vorne. Als Teil der Early Offense erhält Ulis einen Block von Alex Poythress (Nr.22) zur Baseline. Cheick Diallo (Nr.13) schafft es nicht, die Baseline zu schließen, weshalb Ulis problemlos die Zone erreicht. Diallo und vor allem Mason traben nur hinterher. Gleichzeitig sehen auch die Weakside Verteidiger nicht besser aus.

Perry Ellis (Nr.34) reagiert sehr spät auf den Drive. Wayne Selden (Nr.1) rotiert von seinem Gegenspieler weg und kümmert sich stattdessen um Blocksteller Poythress, der allerdings in diesem Momentan keinerlei Gefahr ausstrahlt, womit die Rotation unnötig ist. Isaiah Briscoe (Nr.13) erkennt Seldens Fehler und nutzt den Freiraum zu einem Cut. Ulis findet ihn und Briscoe hat keine Probleme beim Abschluss.


Nachdem Mason keinen Erfolg gegen Ulis hatte, lässt Self als nächstes den deutlich größeren Brannen Greene (Nr.14) Ulis verteidigen. Doch Ulis nutzt seinen Geschwindigkeitsvorteil und schlägt Greene scheinbar mühelos mit dem ersten Schritt. Nach zwei Dribblings verschafft sich Ulis mit einem schnellen Stepback ein wenig Platz und hat dadurch keine Probleme, über den deutlich größeren Verteidiger zu werfen.


Das Experiment Greene wird damit schnell ad acta gelegt und Devonte´ Graham (Nr.4) darf sich bereits als dritter Jayhawk als Bewacher von Ulis versuchen. Graham gibt Ulis viel Platz und will ihn dazu verleiten, einen Sprungwurf zu nehmen.

Doch Ulis denkt nicht dran und hat offensichtlich Spaß daran, die Jayhawks schwindelig zu spielen. Erneut kann Ulis relativ ungehindert die Zone erreichen. Mit einem kurzen Fake lässt er Graham aussteigen und wirft schnell genug ab, um Carlton Braggs (Nr.15) Blockversuch zu entgehen.


In dieser Szene ist Mason wieder Ulis’ Verteidiger. Erneut entsteht der Drive aus einem Pick & Roll von der rechten Seite. Kansas versucht per Ice-Defense, die Penetration über die Mitte zu verhindern. Mason steht jedoch zu nah an der Dreierlinie, weshalb Marcus Lee (Nr.00) ihn mit seinem Screen gut trifft.

Mason sollte mit seinem rechten Bein oberhalb des rechten Beins von Lee stehen, doch offensichtlich will er Freshman nicht die alleinige Verantwortung für die Baseline Penetration übertragen. Ulis bereitet den Block exzellent vor und lockt Mason immer weiter zur Dreierlinie, bis der Winkel beim Block stimmt und Ulis den Pick nutzen kann.

Mason bleibt als Ergebnis im Block hängen, weshalb Bragg sich plötzlich um Ulis kümmern muss. Da ihm jedoch die Schnelligkeit fehlt und er zudem nicht in der richtigen Ausgangsposition steht, lässt Ulis ihm keine Chance und wirft ihm den nächsten Jumper ins Gesicht.

Gegen Ende der Halbzeit ist Self angesichts der dauerhaften Lücken in der eigenen Verteidigung sichtlich genervt und zieht das letzte Register mit der Einwechslung von Freshman Lagerald Vick (in den bisherigen acht Big 12 Spielen mit 15 Minuten Gesamtspielzeit).

Doch auch Vick kann Ulis nicht halten. Ulis sieht, dass er den Freshman gegen sich hat. Daher schickt er Skal Labissiere (Nr.1), der gerade auf dem Weg zu Ulis ist, um diesem einen Block zu stellen, sogar weg. Ulis guckt sich seinen neuen Kontrahenten genau aus und lässt ihn mit einem gezielten Crossover hinter sich.

Vier Jayhawks betreten zaghaft die Zone, doch keiner kümmert sich so recht um Ulis. Alle gucken nur den Ball an, weshalb Poythress aus der Ecke zum Korb schneidet und den Durchstecker von Ulis kraftvoll finisht.


Von dieser Art gab es mindestens ein Dutzend Szenen, die alle ähnlich anmuteten und die Schwächen der Jayhawks Defense gnadenlos aufdeckten. Dank Ulis und eines Schlussspurts gehen die Wildcats mit einer Sechs-Punkte-Führung in die Kabine.

Kansas konnte zu diesem Zeitpunkt nicht ein einziges Mal den Drive erfolgreich unterbinden. Auch offensiv läuft es nicht rund. Anführer Perry Ellis fehlte nach seinen zwei frühen Fouls sichtlich. Immerhin konnten die Freshmen Bigs Bragg und Diallo ordentlich offensive Minuten liefern und unterstützten damit Alleinunterhalter Wayne Selden.

Auch der Beginn der zweiten Halbzeit verläuft aus Sicht der Gastgeber nicht sonderlich vielversprechend und lässt keinerlei Ansätze zur Verbesserung erkennen. Ulis erzwingt in zwei Pick & Rolls nacheinander Switches und wirft locker über Landen Lucas und Perry Ellis in den Korb.

An dieser Stelle wird es nun extrem interessant. Kansas stellt auf eine Triangle-and-Two-Defense um. Bei dieser Verteidigungsvariante handelt es sich um eine Mischung aus Zonenverteidigung und Mannverteidigung. Zwei Spieler (der „Two“-Part) verteidigen ihren Gegenspieler im Eins-gegen-Eins und versuchen ihn nach Möglichkeit nicht an den Ball herankommen zu lassen. Die restlichen drei Verteidigen positionieren sich in einer dreieckigen Grundaufstellung und sichern die Zone („Triangle“-Part).

Grundsätzlich wird diese Art der Verteidigung dann praktiziert, wenn ein Team zwei starke Individualisten des Gegners nicht kontrollieren kann und der Rest der Mannschaft offensiv keine Rolle spielt. Interessant ist diese Umstellung in mehrfacher Hinsicht.

Zunächst ist das eine klare Kapitulation von Self in Bezug auf die Verteidigung am Perimeter und sollte allen Guards und Wings im Kader zu denken geben. Dieser Botschaft verstärkt sich in ihrer Bedeutung durch die Tatsache, dass Self eigentlich nicht dafür bekannt ist, etwas anderes als Mannverteidigung praktizieren zu lassen.

Im Gegenteil: in vergangenen Jahren brachte er sogar gerne Mal seine Abneigung gegen solche Verteidigungsvarianten zum Ausdruck, auch wenn er stellenweise auch betonte, wie effektiv sie, sofern gezielt eingesetzt, sein können. Die folgende Sequenz ist die erste in der Triangle-and-Two-Defense. Mason verteidigt Ulis, Graham Jamal Murray (Nr.23). Landen Lucas (Nr.33) und Perry Ellis (Nr.34) stehen jeweils am Zonenrand, während Selden an der Freiwurflinie lauert.


Kentucky erkennt diese Defense noch nicht, was beim ersten Mal auch verständlich ist, und stellt ein Horns-Set auf, bei dem der Ball von Ulis zum Highpost, namentlich zu Labissiere, gepasst wird. Ulis cuttet direkt hinterher. In der ersten Halbzeit hätte er hier eventuell freie Bahn gehabt, doch nun ist Selden in Alarmbereitschaft und in der Position zur Hilfe. Dadurch muss Ulis abstoppen und auf den Pick von Labissiere warten.

Den Pick kann Ulis jedoch nicht wirklich nutzen. Selden ist bereit, zu helfen oder komplett zu switchen. Nutzt Ulis den Block jedoch nicht, dribbelt er genau in Ellis rein, der nur darauf wartet, Ulis am Drive zu hindern. Ulis sieht sich daher dazu gezwungen, in der Midrange für eine Mischung aus Jumpshot und Floater hochzusteigen. Da Mason jedoch an ihm dran ist, hat der Wurfversuch kaum Erfolgsaussichten.

Da die Jayhawks offensiv jedoch nicht erfolgreich sind und keine Zeit erhalten, um diese Defense aufzustellen, dauert es fast drei Minuten, bis die Triangle-and-Two zum zweiten Mal zum Einsatz kommt.

Kentucky will per „Handoff Weave“ attackieren, doch sobald Briscoe den Ball in den Händen hält spielen Graham und Mason gute Defense gegen Murray und Ulis, weshalb Briscoe sich gezwungen sieht zu attackieren. Allerdings sinkt Selden extrem weit ab, da er seinen Wurf schlicht nicht respektieren muss.

Dadurch gibt es für Briscoe kein Durchkommen und es bleibt nur der Dreier für Poythress, der von Calipari nach seinem Freshman Jahr ein Wurfverbot aufgebrummt bekam, das bis heute gilt. Entsprechend unglücklich dürfte Cal über diesen Angriff gewesen sein.

In den folgenden zwei Angriffen Kentuckys wird jedoch deutlich, welche Schwächen mit einer solchen Junk-Defense einhergehen. Besonders in Transition Situationen ist Kommunikation unerlässlich, damit alle fünf Spieler als Einheit funktionieren.

Mason geht davon aus, dass die Jayhawks Mannverteidigung spielen wollen. Alle anderen vier Mitspieler sind aber auf ihren Spots in der Triangle-and-Two. Graham und Selden verteidigen Murry und Ulis, während die beiden Bigs die Zone sichern.

Da Mason nicht die Freiwurflinie sichert, hat Briscoe freie Bahn zum Korb. Lucas macht den Fehler und geht einen Schritt vom Korb weg, um zu helfen. Dadurch ist Lee frei am Korb und hängt Ellis beinahe sein drittes Foul an.

Nachdem sich Kentucky nun auf KU Defense einstellen konnte, attackieren die Wildcats die Schwächen der Defense gezielt. Der Ball wandert in die Hände von Briscoe, der nun gegen diese Verteidigung zum Korb ziehen soll. Briscoe erhält von Ulis einen Ballscreen, was eine gute Strategie ist, da Ulis’ Verteidiger nicht helfen kann und Briscoe damit die drei mittleren Verteidiger zu höchster Aufmerksamkeit zwingt.

Der erste Anlauf scheitert zwar, doch letztlich schafft es Briscoe, vom linken Flügel aus zum Korb zu ziehen. Selden und Lucas begehen den Fehler, dass sie sich splitten lassen und Briscoe damit in die Zone gelangt. Der Abschluss des Guards findet nicht sein Ziel, doch Lee hat sehr viel Platz und Zeit am offensiven Brett und keine Mühe per Putback zu scoren.


Self sieht sich gezwungen, in der Verteidigung wieder auf normale Mannverteidigung umzustellen. Immerhin wacht Selden in der Folge auf und bringt die Jayhawks wieder in die Spur. Eigentlich soll Perry Ellis in diesem Angriff gesucht werden.

Als Ablenkung stellt Bragg einen Block für Mason, während Ellis um gute Position am Korb ringt. Poythress verteidigt den Entrypass jedoch geschickt, weshalb Mason zu Selden passt. Poythress ist nun in schlechter Position, da er zwar den Pass verteidigen, nicht aber den Korb schützen kann.

Selden erkennt sofort, dass sich ihm eine gute Gelegenheit zum Drive eröffnet. Blitzschnell schlägt er seinen Verteidiger, während Ellis Poythress auf dem Rücken hält und ihn an der Hilfe hindert.


Auch wenige Angriffe später sind Ellis und Selden die Protagonisten, um die sich das Set dreht. Das Play gehört seit Jahren zum Standardrepertoire von Self. Ellis und Mason laufen zunächst ein Pick & Roll, in dessen Verlauf Kentucky die Gegenspieler switcht.

Sobald das Missmatch zustande kommt, bringen die Jayhawks den Ball auf die Seite des Postspielers, der gerade den Vorteil genießt. Gelingt das direkte Anspiel nicht, schleicht sich der zweite Big Man für ein High-Low zur Freiwurflinie.

Auch das Zusammenspiel der beiden Big Men können die Wildcats in diesem Fall unterbinden. Allerdings zieht das soviel Aufmerksamkeit auf sich, dass Traylor problemlos zum Korb ziehen kann. Da er für einen Power Forward einen guten Blick für den offenen Mitspieler hat, sieht er Selden sofort und spielt den Kickout. Selden bedankt sich und bringt Kansas wieder auf zwei Zähler heran.


Nun, da das Momentum wieder aufseiten der Jayhawks liegt, streut Self wieder die Triangle-and-Two ein. Kentucky versucht daraufhin erfolglos, Ulis entlang der Baseline frei zu blocken. Als Resultat nimmt Poythress erneut einen vollkommen überhasteten Sprungwurf, was direkt in einem Fastbreak für Kansas mündet.


Zu diesem Zeitpunkt ist speziell Kansas’ schlechte Freiwurfquote der Grund, weshalb die Jayhawks noch nicht in Führung liegen. Dazu gesellen sich viele unkonzentriert ausgespielte Angriffe – wie der folgende. Aus einer Auszeit heraus gehört Kansas normalerweise zu den gefährlichsten Teams der NCAA.

Doch wieder ist der Angriff nicht sorgfältig zu Ende gespielt. Self lässt erneut das Play laufen, das Selden wenige Minuten zuvor noch einen Drive ermöglichte. Allerdings ist dieses Mal Traylor statt Ellis auf der Strongside positioniert. Traylor versteht es weniger gut, seinen Gegenspieler abzuschirmen, weshalb Selden auf halber Distanz abstoppen muss und ein Foul schinden will. Kansas vergibt damit erneut eine Chance, die Führung zu erobern, was sich in der Regel rächt.

Bis zur Crunchtime bleibt es eng, weil beide Teams in der Offense unnötige Fehler begehen und Punkte liegen lassen. Eröffnet wird die heiße Schlussphase von Kentucky. Kansas verteidigt wieder in der Triangle-and-Two. Ulis läuft ein Side Pick & Roll mit Poythress. Graham und Ellis verteidigen Ulis zunächst gut und zwingen ihn dazu, sich vom Korb abzuwenden.

Dann begeht Ellis aber den Fehler, zum Doppeln zu gehen, womit Poythress frei ist. Ulis beweist mal wieder seine Ruhe und seine Spielübersicht und findet Poythress. Traylor geht zur Hilfe, lässt sich jedoch von Poythress mit einem unscheinbaren Passfake verladen, womit Kentucky durch einen Dunk in Führung geht.


Kansas antwortet mit einem Play, das Self gerne laufen lässt, wenn er unbedingt Punkte braucht. Die vier Außenspieler übergeben sich den Ball in hohem Tempo per Handoffs. Schließlich schleicht sich Selden in die Ecke. Murray schläft nur eine Sekunde, doch das genügt, damit Selden unbedrängt in der Corner steht und den Dreier zur Führung versenkt.


Coach Cal nimmt seine letzte Auszeit. Beim Einwurf stellen die Wildcats ein Boxset auf, bei dem Ulis und Poythress auf der Ballside stellen und Murray den Einwurf ausführt. Alles rechnet damit, dass Ulis einen Downscreen erhält und wieder das letzte Play übernehmen soll. Doch stattdessen bekommt Poythress direkt den Ball. Murray holt sich den Ball wieder und zieht im Eins-gegen-Eins zum Korb.

Sein Mitteldistanzwurf landet im Korb und Kentucky führt. Kansas hat nun die Chance, mit dem letzten Angriff das Spiel zu gewinnen. Nachdem ein erster Anlauf Seldens von Murray geblockt wird, nimmt auch Self seine letzte Auszeit. Einwerfer Mason erhält einen Downscreen und anschließend den Handoff von Ellis. Kentucky verteidigt die Aktion geschickt und Mason bleibt nur der Pass zu Graham.

Graham hat ein Mismatch gegen Poythress und kann daher erfolgreich penetrieren. Sein Drive erfordert die Hilfe Labissieres. Graham steckt den Ball zu Ellis durch, der immerhin das Foul schindet. Er kann nur einen von zwei Freiwürfen versenken, sodass Kentucky ein letzter Angriffsversuch bleibt, um der Verlängerung zu entgehen.

Ulis treibt den Ball nach vorne und fordert einen Block von Poythress. Dieser stellt den Screen zur linken Seite, wo sich nur Murray auf dem Flügel befindet. Ulis nutzt den Pick.

Murray bleibt stehen, was problematisch ist, da so sein Verteidiger Ulis entscheidend stören kann, ohne Gefahr zu laufen, Murray einen offenen Wurf zu gestatten. Von Ulis springt der Ball ins Aus. Masons letzter Dreier von der Mittellinie landet auf dem hinteren Teil des Rings. Verlängerung.

In der Verlängerung hat Kansas nun klar die Oberhand. Kentuckys fehlende Tiefe macht sich nun deutlich bemerkbar. Alle vier Bigs sind zu Beginn der Verlängerung in Foultrouble, teilweise sogar schon ausgefoult.

Dazu spielt Briscoe, obwohl er seit Minuten von Krämpfen geplagt wird. Kansas nutzt diesen Vorteil geschickt aus und zieht in der Verlängerung sehr konsequent zum Korb. KU läuft wieder das „Weave“ Play und zwingt damit die müden Kentucky Verteidiger zu viel Bewegung und Kommunikation.

Selden erkennt, dass Ulis, der bis dahin nicht eine einzige Pause hatte, unkonzentriert ist und den Weg zum Korb nicht richtig schließt. Ein Hesitation Dribbling reicht aus, um Ulis zu schlagen und Selden nutzt Labissiere als Postermotiv.


Wenige Momente später entscheidet Kansas die Partie. Die Jayhawks sind in der Triangle-and-Two Defense. Wie bereits zuvor versucht Kentucky durch einen Handoff mit anschließendem Ballscreen eine Lücke in die Verteidigung zu reißen, doch das gelingt nicht. Selden und Mason switchen geschickt.

Auch das zweite Pick & Roll bekämpft Mason intelligent und stibitzt daher Ulis den Ball aus den Händen. Selden trifft die aus dem Fastbreak resultierenden Freiwürfe und Kentucky kann nicht mehr herankommen.

Unterm Strich bleibt zunächst festzuhalten, dass beide Teams insgesamt der Qualität vergangener Jahre hinterher hinken. Die Intensität des Spiels war als kleine Entschädigung aber sehr hoch und durch die vielen Führungswechsel bis zum Ende blieb Spannung gewährleistet. Kansas muss dringend in der Defense zulegen.

Dieses Spiel war nicht das erste, bei dem die Jayhawks von einem einzigen Aufbauspieler schwindelig gespielt werden. Auch Monté Morris (Iowa State) und sogar Freshman Jawun Evans (Oklahoma State) stießen auf wenig Gegenwehr und konnten ihre Mannschaften zum Sieg führen.

Generell muss von den Guards einfach viel mehr kommen. Frank Mason und Davante´ Graham sind bei weitem nicht so gut, wie ihr Ruf vermuten ließe. Die defensiven Probleme der beiden sollten zur Genüge Thema gewesen sein, doch auch offensiv können die beiden das nicht kompensieren. Mason trifft viele schlechte Entscheidungen und hindert das Team daran, einen offensiven Rhythmus durch die eigenen Sets zu etablieren.

Graham ist in dieser Hinsicht etwas ruhiger veranlagt, nimmt dafür aber viel zu viele gut verteidigte Würfe. Besonders früh in der Shotclock muss er dieses Verhalten abstellen.

Außerdem fehlt immer noch der Big Man, der Perry Ellis den Rücken freihält. Diallo ist immer noch sehr fehleranfällig, hat aber offensichtlich die meiste Energie und das größte Potential. Carlton Bragg ist momentan der zweitbeste Big Man. Sein Stil kollidiert aber an zu vielen Stellen mit Ellis’ Spielweise, weshalb Self die beiden nur kurzzeitig nebeneinander stellen kann.

Die einzigen Lichtblicke sind momentan die beiden Leader Ellis und Wayne Selden, die endlich ihrer Verantwortung gerecht werden und das Team in brenzligen Situationen tragen.

Bei Kentucky steht und fällt der Erfolg mit Tyler Ulis. Der Guard ist einer der besten fünf Spieler seiner Zunft und hat in dieser Saison bereits mehrere bärenstarke Performances abgeliefert.

Ihm fehlt auf Dauer jedoch die Unterstützung von seinen Backcourt Kollegen. Besonders Jamal Murray muss endlich Konstanz in seine Leistungen bringen. An guten Tagen schießt er einen Gegner im Alleingang ab, an schlechten ist er kaum existent. Da es keine validen Backups gibt, kann er sich von den schlechten Tagen gerade im März kaum welche erlauben.

Die Big Men Rotation funktioniert mittlerweile besser, allerdings nur solange, bis sich die vier Bigs kollektiv in Foulprobleme stürzen, was im Endeffekt im Großteil der Spiele der Fall ist. Sobald sie lernen diszipliniert zu verteidigen, wird Kentucky ein ganz anderes Team sein.