06 Februar 2016

6. Februar, 2016


'5-Second-Violation' ist unser neuer, monatlicher-oder-so Newsletter, der euch in unregelmäßigen Abständen erschreckende Entwicklungen, unpopuläre Meinungen und einen Eimer voll Hass liefert - ohne Rücksicht auf Verluste, political correctness oder Live-Ball Turnovers.

von ROMAN SCHMIDT @sch_rom

White Side Story
Wer sich häufig in den hiesigen basketballerischen Binnengewässern aufhält, dem wurde in den letzten Wochen mit Sicherheit einmal an den Kopf geworfen, dass Hassan Whiteside Trash ist. Gerne mit dem Argument, dass er zwar die Liga mit Abstand bei den Blocks anführt, aber „nur“  47,8% seiner geblockten Würfe auch bei einem Mitspieler landen. 

Das ist durchaus wenig, wenn man Tim Duncans 80% (1,3 Blocks per game), Anthony Davis 64,4% (2,4 BPG) oder Brook Lopez 68,3% (1,9 BPG) betrachtet. Blöd von Hassan, dass er in der Millisekunde, in der sich der Wurf/Korbleger abzeichnet, nicht das Feld scant und sich den Mitspieler aussucht, zu dem er den Ball tippt. Das schafft doch auch jeder mittelmäßige NFL-Cornerback, der Richard Sherman heißt.

Mal kurz weg vom Plakatismus: Eine kleine Rechnung führt diesen, das will ich gar nicht bestreiten, cleveren Gedankengang, ein wenig ab absurdum. Multiplizieren wir doch kurz die Blocks pro Spiel mit den eben genannten Prozentsätzen.

Whiteside: 3,9 x 0,478 = 1,864
Duncan: 1,3 x 0,8 = 1,04
Davis: 2,4 x 0,644 = 1,546
Lopez: 1,9 x 0,683 = 1,298

Hassan Whiteside bringt 1,86 Blocks pro Spiel zu einem Mitspieler, mehr als jeder andere. Diese Statistik ist schön, doch macht sie 2,4 Blocks von Anthony Davis nicht automatisch wertvoller als 3,9 von Hassan Whiteside. 

Sicher, eine Menge seiner Blocks landen nicht bei D-Wade und Co., doch die Aussage, dass geblockte Würfe selten den Weg zu Mitspielern finden, suggeriert, dass seine Blocks zu Gegenspielern fallen, was schwierige Second Chance Situationen provoziert. Tatsächlich landen viele Blocks schlicht im Aus. Das ist zwar kein Ballbesitz für die Miami Heat, allerdings ist es eine Möglichkeit, sich vor dem Inbounds-Play neu zu positionieren. Und mit weniger als zehn Sekunden auf der Uhr hat die Offensive keine leichte Aufgabe vor sich.

Natürlich ist das nicht das einzige Problem. Gerügt wird vor allem sein, trotz imposanter Rebounding-Zahlen, mangelhaftes Reboundverhalten. Auch seine allgemeine Defense ist nicht berauschend, immerhin erzielen Gegner im Schnitt mehr Punkte mit ihm als ohne ihm auf dem Parkett. Whiteside ist schon ein merkwürdiger Fall. Und wenn es einen Fall gibt, spiele ich gerne den Advocatus Diaboli.

Dass Miami keine Center-freundliche Defense spielt, darf man nicht unter den Teppich kehren. Ein mobiler Big Man wie Chris Bosh, der schnell auf den Beinen ist und im Pick & Roll viel Raum abdecken kann, sieht im aggressiven Schema von Coach Spoelstra um einiges besser aus, als ein Oldschool-Center wie Hassan Whiteside. Außerdem hat er erst vor kurzem sein 100. NBA-Spiel absolviert. 

Von der Erfahrung her ist er ein verdammter Sophomore. Klar, mit 26 Jahren ist das äußerst verwunderlich, doch Miami hat ihn nicht ohne Grund als Free Agent bekommen. Er ist in seiner Basketballintelligenz noch lange nicht ausgereift und kann nur besser werden. Und das sollte doch Coach-Sache sein, oder? Wenn 'Spo' ihn mit seinen körperlichen Gaben nicht zu einem guten Verteidiger machen kann, sollte man die beiden trennen. Das wäre für alle Beteiligten das Beste.

Übrigens: Die Menschen, die euch solche Statistiken an den Kopf werfen, wollen Hassan eigentlich nichts Böses. Sie wollen euch nur klar machen, dass Zahlen, wie beispielsweise die Blockstatistik, nicht immer repräsentativ sind für Erfolg. Und das ist gar nicht mal so blöd. Also tut diesen Menschen einen Gefallen, nickt einmal, wenn sie sprechen und lasst sie wieder gehen. Danach könnt ihr euch wieder herum drehen und Spaß am Basketball haben.


Mit der Dampfwalze blatt gemacht
Hach, wie unglaublich schön, dass der Erfolg die Cleveland Cavaliers nicht verändert hat. Sie überraschen uns noch immer mit tollen Geschichten und Anekdoten. Die Causa Blatt ist nur das jüngste Beispiel eines tollen Abenteuers in Ohio.


Nochmal zum Mitschreiben: David Blatt, Coach des besten Teams des Ostens, wird gefeuert, während Byron Scott in LA weiterhin tun und lassen darf, was er möchte. Zum Rauswurf Blatts wurde bereits viel geschrieben, darum lasst mich nur noch eins hinzufügen: Never change, Cavs!


Auf die Hörnacek genommen
Was ist mit diesem Team passiert? Vor gefühlt zwei Monaten waren sie mit Dragic, Bledsoe und Frye das große neue Ding der Liga. Und nun? Die Suns sind zu den Cavs des Westens mutiert. Dummerweise sind es die Bynum-Cavs und nicht die Lebron-Cavs. ¯\_()_/¯



Was Neues im Westen
Der Westen dominiert wie eh und je. Nehmen wir allerdings die Premium-Teams heraus (Golden State, San Antonio und Oklahoma City), schwindet die Dominanz vergangener Jahre. Portland, Dallas, Houston und Memphis haben abgebaut und nachgerückt ist praktisch niemand. Verschieben sich da etwas die Kräfteverhältnisse?! Tun wir alle kurz so, als sei diese Frage in irgendeiner Form berechtigt.


Been There Done That
Wisst ihr noch damals, als Chris Paul, Dwyane Wade und LeBron James everybody’s darling waren? Nein? Nun, das gleiche wird euch mit Stephen Curry passieren. Ihm beim scheinbar mühelosen Zerstören von NBA-Teams zuzusehen, ist nur so lange lustig, bis es das eigene Team erwischt. Es reicht bereits, Tweets unter verlinkten ESPN-Artikeln über ihn zu lesen und man hat eine Vorstellung. Der Hate-Train hat den Bahnhof längst verlassen. Mark my words.


Technical Foul: Randy, what man?
Die Wizards sind zu diesem Zeitpunkt 11-16 zu Hause. That is all.