31 Januar 2016

31. Januar, 2016


In knapp drei Wochen dreht die NBA wieder kräftig am Rad – metaphorisch wie auch personell. Nur noch bis zum 18. Februar dürfen Spieler getradet werden. Auf dem Weg zur Deadline wirft die #NBACHEF Redaktion wie jedes Jahr einen genaueren Blick auf die wichtigsten Trade-Kandidaten.

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick

Vergangenen Sommer forderte James Harden, der Franchise Player der Houston Rockets, Unterstützung im Spielaufbau. Er sollte sie kriegen – zumindest auf dem Papier. GM Daryl Morey holte in einem der aufsehenerregendsten Trades der Off-Season Ty Lawson von den Denver Nuggets nach Texas.

Dessen private Verfehlungen hatten den Marktwert ins Bodenlose getrieben, sodass Houston auf fast unerhörte Weise einen Spieler, der in der Vorsaison im Schnitt 16 Punkte und 10 Assists aufgelegt hatte, praktisch ohne Gegenwert akquirierte.

In der Theorie ein exzellenter Deal, um Houstons Abhängigkeit von Harden – zu oft doppelten ihn gegnerische Teams und störten somit den Offensivfluss gehörig – aufzulösen. Eine halbe Saison später ist im Toyota Center Ernüchterung eingetreten, denn Harden und Lawson funktionieren gemeinsam auf dem Feld nicht, um effektiv zu sein. Mit diesem Duo im Spiel legt Houston ein bedenkliches Net Rating von -8,6 auf. Zusammen mit dem regulären Starter auf Lawsons Position, Patrick Beverley, ist Harden knapp im positiven Bereich.

Woran es beim Neuzugang hapert, lässt sich aus der Entfernung nicht klären. Hemmen ihn seine Promillefahrten mental? Kommt er mit dem Team, der Locker Room Kultur in Houston nicht klar? Stehen die falschen Spielertypen auf dem Feld? Ist er für die Rolle des Aufbauspielers neben einem balldominanten Shooting Guard ungeeignet?

Häufig lässt der 28-Jährige entweder freie Würfe oder Layups liegen, sucht noch einen weiteren, unnötigen Pass und schadet mit dieser gutgemeinten Aktion dem Team, weil dadurch keine bessere Abschlussposition entsteht. Kurzum: Lawson ist nicht die Hilfe, die man sich in Houston versprochen hat und der Februar ist die letzte Gelegenheit, einschneidende Kaderveränderungen für die laufende Saison vorzunehmen.

Das macht den Point Guard, entgegen Medienberichten, automatisch zu einem Trade-Kandidaten. Die meisten NBA-Teams sind auf der Point Guard Position auf Jahre bestens aufgestellt, an Interessenten für einen dynamischen Spielmacher, der abschließen und kreieren kann, wird es dennoch nicht mangeln.


Allen voran die Milwaukee Bucks brauchen dringend einen solchen Spielertypen und würden angesichts des deutlichen Rückstandes auf die Playoff-Plätze wahrscheinlich sogar das Risiko mit Lawson gehen, um eine Aufholjagd einzuleiten. Als Gegenwert können die Bucks allerdings nicht viel mehr als O.J. Mayo in den Topf werfen.

Als Fixpunkt für die Offensive, sobald Harden eine Auszeit bekommt, hätten die Rockets für den 28-jährigen Shooting Guard tatsächlich Verwendung, darüber hinaus besitzt er einen auslaufenden Vertrag und kennt als ehemaliger Grizzly und Maverick die Southwest Division bestens.

Jedoch legt der dritte Pick des 2008er Drafts in der aktuellen Spielzeit in fast allen Kategorien Karrieretiefstwerte auf, sodass Houston bei einem Tausch womöglich vom sprichwörtlichen Regen in die Traufe geriete. Die Involvierung eines weiteren Teams wäre wohl erforderlich.

Die New Orleans Pelicans stellen nach dem bisherigen Saisonverlauf alles in Frage, was mehr als eine Augenbraue hat. Ryan Andersons Zukunft ist bekanntlich ungewiss, Eric Gordon und Jrue Holiday stehen im Schaufenster, sind jedoch aufgrund chronischer Verletzungen respektive Inkonstanz wenig gefragt, sodass die Wasservögel nun sogar ihren zweitbesten Mann Tyreke Evans verfügbar machen.

Beim aktuellen Tabellenstand ist ein Experiment mit Lawson als klassischem Aufbauspieler in seiner Funktion wie in Denver denkbar, ein Pick and Roll mit Ömer Asik oder Anthony Davis klingt zumindest theoretisch durchaus gefährlich.

Von den Genannten würden die Rockets Anderson schon länger nur zu gerne in ihren Reihen wissen, dessen auslaufender Vertrag und das maximale Geld, das er im Sommer angeboten bekommen und das Houston nicht bereit sein wird zu zahlen, senkt den Marktwert beziehungsweise die Wahrscheinlichkeit eines solchen Tausches jedoch gehörig.


Auf dem Basar sehr aktiv sein werden auch die Brooklyn Nets, für die aber weniger Lawsons Fähigkeiten im Fokus stehen dürften, als vielmehr sein nicht-garantierter Vertrag, der zum Saisonende gekündigt werden kann und 13 Mio. $ von der Kostenliste streichen.

Brooklyn hat gefühlt bis ins nächste Jahrzehnt keinen Erstrundenpick, bezahlt aber fleißig Luxury Tax und wird somit bei jedem Angebot hellhörig, das die Personalausgaben senkt. Jarrett Jack wäre als zuverlässiger Backup auf der Spielmacherposition für die Rockets eine interessante Option gewesen, jedoch wird jener infolge seines Kreuzbandrisses in dieser Spielzeit nicht mehr auf dem Parkett stehen und kommt somit für einen Trade nicht infrage.

Weil sich Thaddeus Youngs Vertrag nicht mit Houstons Langzeitplanungen vereinbaren lässt und Gedankenspiele um den wiedererstarkten Joe Johnson verbieten, müsste auch hier ein drittes oder gar viertes Team ins Boot geholt werden, um diesen Zug möglich zu machen.

Lawson hat im Vergleich zu seinem desaströsen Saisonstart zuletzt durchaus Verbesserungen aufblitzen lassen. Im Januar legt er zumindest einigermaßen anständige 6,8 Punkte und 2,9 Assists in 22 Minuten auf. Sein Talent ist unbestritten, ebenso darf man vorsichtig optimistisch sein, dass er nach den Alkoholfahrten des vergangenen Jahres sein Leben ernsthaft in den Griff zu kriegen gedenkt.

Jedoch ist Houston keine Besserungsanstalt für Problemfälle: Die Rockets haben keine Zeit zu verlieren und denken eher an die laufende Saison, als an die Zukunft. Der Kampf um eine ausgeglichene Bilanz darf nicht der Anspruch sein, ebenso wenig nach dem Einzug in die Conference Finals wieder ein Rückschritt in Form eines Erstrundenausscheidens erfolgen. Dafür braucht das Team mehr Stabilität – ein Faktor, für den Lawson nicht steht.