20 Januar 2016

20. Januar, 2016


In knapp einem Monat dreht die NBA wieder kräftig am Rad – metaphorisch wie auch personell. Nur noch bis zum 18. Februar dürfen Spieler getradet werden. Auf dem Weg zur Deadline wirft die #NBACHEF Redaktion wie jedes Jahr einen genaueren Blick auf die wichtigsten Trade-Kandidaten.

von PETER DREWS @Pony1990

Dass die Franchise aus Salt Lake City (18-23) in der Western Conference Mitte Januar auf einem Playoff Platz rangiert, ist überraschend und der kollektiven Schwäche im Westen verschuldet. Von Verletzungen arg gebeutelt, haben sich die Jazz bei ca. 45% Siegesquote eingependelt. Mit Rudy Gobert, Alec Burks, Derrick Favors und Dante Exum fehlten den Jazz teilweise vier wichtige Säulen.

Neben den vielen Verletzten liegt das Hauptproblem im Offensivspiel. Diese Schwäche mitten in der Saison zu beheben, fällt allerdings schwer. Anfang Januar entließ Utah Elijah Millsap, kurz bevor sein Vertrag garantiert worden wäre. Der freie Platz im Roster wurde mit einem 10-Tages-Vertrag an Forward J.J. O'Brien vergeben. Der 27-Jährige war bereits in der Summer League für Utah unterwegs und spielte zuletzt in der D-League für die Idaho Stampede. Damit wurde kurzfristig auf die Rückenverletzung von Favors und die Gehirnerschütterung von Trevor Booker reagiert.

Was den Jazz fehlt, ist ein Point Guard, der verteidigt und den Dreier trifft. Der Brasilianer Raul Neto gewöhnt sich zwar immer mehr an das Spiel in der NBA, allerdings kommt von ihm in der Offensive zu wenig Impact.

Wer wird gehen?
Kandidat für einen Trade könnte Trey Burke sein. Nach der Verletzung von Dante Exum im Sommer gingen viele davon aus, das Burke starten wird. Coach Snyder plante allerdings mit Neto als Starter. Burke zeigt sich von der momentanen Situation nicht geschockt, kommt als Mikrowelle von der Bank und zeigt solide Leistungen. In 25 Minuten pro Abend legt er 12.7 Punkte bei 44% aus dem Feld auf. 


Probleme zeigt Burke aber immer wieder in der Defensive und im Spielaufbau. Sein Defensivrating liegt teamintern im unteren Bereich. Hinzu kommt, dass Utah oft eine Line-Up ohne echten Point Guard spielt und der Spielaufbau dann entweder von Gordon Hayward oder Burks (derzeit verletzt) übernommen wird. Burkes Entwicklung scheint zu stagnieren, denn bereits in seinen ersten beiden NBA-Jahren war er einer der schlechtesten Verteidiger auf der Point Guard Position. 

Burkes Vertrag läuft noch bis 2017. Er verdient nicht viel, könnte also von beinahe jedem anderen Team finanziell eingebunden werden, ohne großen Schaden am Salary Cap anzurichten. Sollte eine (Playoff-) Mannschaft auf der Suche nach einem Bankscorer interessiert sein, wäre ein kleiner Tausch relativ einfach unter Dach und Fach zu bringen.

Ein weiterer Trade-Kandidat ist Tibor Pleiss. Der einzige deutsche Center in der NBA kommt bisher noch nicht zum Zug. Hoffte man vor der Saison noch, dass Tibor als Backup von Gobert Minuten sammeln kann, muss man um den Jahreswechsel konstatieren, dass er das Duell gegen Jeff Withey klar verloren hat.

Zu Beginn der Saison tendierte Pleiss' Spielzeit gegen Null, so dass er folgerichtig in die D-Leauge geschickt wurde, um Spielpraxis zu sammeln. Nach der Verletzung von Gobert wurde er wieder ins Team berufen, um auf den großen Positionen flexibler zu sein. 

Zwar bekam Pleiss zuletzt einige Minuten, um zu zeigen, dass er das amerikanische Spiel mittlerweile besser versteht. Allerdings geht seine Spielzeit nach der Rückkehr von Gobert wieder gegen Null. 


Quin Snyder attestiert dem Deutschen zwar durchaus gute Trainingsleistungen. Allerdings musste Pleiss zuletzt selbst zugeben, dass er noch nicht in der NBA angekommen ist und sein Spiel radikal verändern muss. Nach etlichen Jahren FIBA Basketball bekommt Tibor immer wieder 3-Second-Calls unter dem Korb. 

Ob es einen Markt für Pleiss gibt, ist sehr schwer einzuschätzen. Realistischer ist, dass Utah keine Angebote erhält und den Bergisch-Gladbacher weiterhin zwischen D-League und NBA hin und her schieben wird, um ihm Spielpraxis zu gewähren. 

Wer kann kommen?
Ein Name der immer wieder in Gerüchten die Runde macht, ist C.J. McCollum von den Portland Trail Blazers. Der Shooting Guard und Backcourt-Partner von Damian Lillard wird allerdings nicht leicht aus Portland los zu eisen sein, wo er sich als Schlüsselspieler und Franchise-Eckpfeiler entpuppt hat. Ein möglicher Deal müsste vermutlich Alec Burks plus mindestens einen First Round Pick enthalten - ein hoher Preis.

Leichter zu bekommen wäre da Houstons Ty Lawson. Der Point Guard, der erst im Sommer aus Denver nach Texas wechselte, konnte dort nicht Fuß fassen. Nach der Entlassung von Kevin McHale und der Wiedergenesung von Patrick Beverley findet er sich mittlerweil auf der Bank wieder. Wenn Lawson es schaffen könnte, an seine alte Form anzuknüpfen, wäre er für das Offensivspiel der Jazz ein echter Gewinn.

Gerüchten zufolge ist Utah außerdem an einer Verpflichtung von Jimmer Fredette interessiert - allerdings als Free Agent. Der ehemalige zehnte Pick des 2011er Drafts war in der NBA bereits für die Sacramento Kings, Chicago Bulls und New Orleans Pelicans aktiv, konnte sich aber nirgends durchsetzen. Nachdem er im Sommer einen ungarantierten Vertrag bei den San Antonio Spurs unterschrieb und im Oktober 2015 wieder entlassen wurde, wählten die Westchester Knicks den Guard im D-League Draft. 

Dort zeigte er in 16 Spielen bisher recht ansprechende Leistungen und hat bedeutenden Anteil daran, dass das Farm-Team der Knicks mit einer Bilanz von 14-7 auf Platz zwei der Eastern Conference steht. In knapp 37 Minuten erzielt Fredette 23.6 Punkte, 5.2 Assists und 4.8 Rebounds. Dazu trifft er mit 50.2% aus dem Feld und 46% von Downtown hochprozentig. 

Zusammen mit seinen 91% von der Linie, kommt er auf einen True Shooting Wert von starken 63.5%. Sollten die Jazz bereit sein, Fredette noch eine Chance zu geben, z.B. in Form eines 10-Tages Vertrages, muss er sich endgültig beweisen, da es vielleicht seine allerletzte Möglichkeit sein könnte.

Ausblick
Für Utah ist es trotz der angesichts der Probleme soliden Saison kein Muss, in die Playoffs zu kommen. Daher wird sicherlich kein blinder Aktionismus stattfinden, der das Team kurzfristig besser macht. 

Coach Snyder hat es geschafft, trotz der vielen Verletzungen eine schlagkräftige Mannschaft aufs Parkett zu stellen, was von seinem guten Coaching zeugt. Wichtiger als Hauruck-Erfolg ist die fortgesetzte Entwicklung der vielen Youngster in einem der jüngsten Klubs der NBA.