08 Januar 2016

8. Januar, 2016


In knapp einem Monat dreht die NBA wieder kräftig am Rad – metaphorisch wie auch personell. Nur noch bis zum 18. Februar dürfen Spieler getradet werden. Auf dem Weg zur Deadline wirft die #NBACHEF Redaktion wie jedes Jahr einen genaueren Blick auf die wichtigsten Trade-Kandidaten.

von STEFAN DUPICK @hoopsgamede

Ryan Anderson verkörpert den modernen Stretch Four wie kaum ein anderer Vierer in der Liga. Nicht zuletzt daher ist er bei vielen Teams sehr gefragt und einer der prominentesten Trade-Kandidaten dieser Saison. 

Er legt derzeit starke 16,6 Punkte und 6,2 Rebounds für die New Orleans Pelicans auf, ist neben Anthony Davis eine der wenigen Konstanten in einer rabenschwarzen Saison bei den Pelicans. Anderson nutzt sein 'Contract Year' um sich für einen neuen Vertrag zu empfehlen. Das gelingt ihm bisher sehr gut – die halbe Liga jagt den Power Forward. Aber das war nicht immer so…

Stretch
Im Jahr 2008 wurde Ryan Anderson im Draft von den New Jersey Nets an 21. Stelle ausgewählt und spielte eine recht unauffällige Rookie-Saison. Vor seiner zweiten Saison wurde der 2,08m große Power Forward gemeinsam mit Vince Carter nach Orlando getradet, spielte künftig für die um den Titel mitkonkurrierenden Magic und entwickelte sich in Zentralflorida kontinuierlich weiter. 

Der endgültige Durchbruch gelang Anderson in der Saison 2011/12 unter Stan van Gundy und an der Seite des damals besten Centers der Liga, Dwight Howard. van Gundy formte mit Anderson und Howard ein modernes Front Court Gespann und war somit ausschlaggebend dafür, dass Anderson am Ende der Saison nach durchschnittlich 16,1 Punkten und 7,7 Rebounds zum Most Improved Player gewählt wurde.

Nach der Saison und insgesamt drei Jahren in Orlando wechselte Anderson als Free Agent nach New Orleans. Dort war gerade Nummer eins Pick Anthony Davis gelandet, die Pelicans suchten nach der idealen Front Court Ergänzung für den jungen Big Man aus Kentucky.

Die Wahl fiel auf Anderson, und in seiner ersten Saison im 'Big Easy' brachte der Power Forward aus Kalifornien auch gewohnt gute Leistungen. Allerdings wurde früh deutlich, dass Anderson mit Davis nicht so gut harmoniert wie zuvor mit Howard.


Anderson benötigt einen Big Man an seiner Seite, der ausschließlich in der Zone agiert und unter dem Korb die Gegner bindet, so dass für Anderson Freiräume entstehen. Ein solcher Spieler ist Davis jedoch nicht, da Davis seine Stärken auch besser auf der Vier ausspielen kann. Die Chemie zwischen den beiden stimmt dennoch, beide Spieler bringen gemeinsam auf dem Feld ordentliche Leistungen. Der absolute Durchbruch ist diesem Duo zusammen aber nie gelungen. Die defensiven Probleme überschatten ihre offensive Feuerkraft.

Auch in seine zweite Pelicans-Saison startete Anderson bärenstark, legte in den ersten 22 Spielen der Saison fast 20 Punkte im Schnitt auf und traf mehr als 40 Prozent seiner Wurfversuche von jenseits der Dreierlinie. Dann kam der große Bruch.

Andersons damalige Freundin Gia Allemand beging Selbstmord. Als wäre die psychische Belastung nach einem solch tragischen Ereignis nicht bereits genug, wurde Andersons Saison durch eine schwere Nackenverletzung in Boston abrupt beendet. Er musste sich einer komplizierten OP unterziehen, hätte seine Karriere beinahe beenden müssen. Anderson brauchte fast ein Jahr, um sich von den Strapazen zu erholen und wieder aufs Parkett zurück zu kehren, fand jedoch nicht zu alter Leistungsstärke zurück.

Back!
Erst mit dieser, der aktuellen Saison, ist Anderson wieder in der Lage, gewohnte Leistungen abzuliefern. Der Wurf fällt und Anderson kratzt schon wieder an einer 40% Quote von der Dreier-Linie. Seine Bewegungen sind geschmeidig und er wirkt befreit. Anderson kann endlich wieder lächeln und das Spiel genießen. 

Diese Leistungsexplosion kommt genau zur richtigen Zeit, schließlich geht es für den Power Forward um einen neuen Vertrag im Sommer. Mit inzwischen 27 Jahren ist Anderson im besten Basketballer-Alter, um noch einen langfristigen, gut dotierten Vertrag zu unterzeichnen.


In New Orleans lief zuletzt gar nichts wie geplant. Es sollte ein Contender um Anthony Davis aufgebaut werden. Dafür waren Anderson, Omar Asik, Jrue Holiday, Tyreke Evans und Eric Gordon als zentrale Stützen gedacht. Überzeugen konnte von den genannten Spielern kaum einer (aus unterschiedlichen Gründen, hauptsächlich Verletzungen). Es scheint, dass ein Umbruch bevor steht. Begonnen wird mit den auslaufenden Verträgen.

Ryan Anderson rückt dadurch in den Fokus, denn es ist klar, dass die Pelicans mit ihm nicht verlängern wollen. Um den Power Forward also nicht ohne Gegenwert ziehen zu lassen, werden zahlreiche Trade-Szenarien heiß diskutiert. Es gilt als sicher, dass Anderson noch im Laufe der aktuellen Saison für ein anderes Team auflaufen wird. Die aktuelle Leistungsexplosion spricht folglich dafür, dass die Teams Schlange stehen und um den Vierer buhlen werden, wenn in wenigen Wochen der Tag der Trade-Deadline naht.

Die Suns, die Rockets, die Wizards, die Grizzlies, die Pistons oder auch die Kings dürften ein starkes Interesse daran haben, Anderson zu verpflichten. Speziell an der Seite von Dwight Howard, Andre Drummond, Marc Gasol oder auch DeMarcus Cousins könnte Ryan Anderson seine Qualitäten sehr gut ausspielen und dabei helfen, mehr Siege einzufahren als derzeit in New Orleans.