19 Januar 2016

19. Januar, 2016


In knapp einem Monat dreht die NBA wieder kräftig am Rad – metaphorisch wie auch personell. Nur noch bis zum 18. Februar dürfen Spieler getradet werden. Auf dem Weg zur Deadline wirft die #NBACHEF Redaktion wie jedes Jahr einen genaueren Blick auf die wichtigsten Trade-Kandidaten.

von MARC LANGE @godzfave

Jamal Crawford ist seit Jahren die personifizierte Mikrowelle der NBA. Läuft er heiß, kann ihn –  selbst mit mittlerweile 35 Jahren auf dem Buckel – niemand stoppen. Der mehrfache Sixth Man of the Year ist zudem mit einem sagenhaften Ballhandling gesegnet und kann in entscheidenden Phasen eine Partie an sich reißen. 

Während die Offensive die große Stärke in seinem Spiel ist, offenbart der drahtige Guard dafür immer häufiger Schwächen am defensiven Ende des Parketts. Trotzdem ist J-Crossover aufgrund seiner „Instant Offense“ eine Bereicherung für jede Bank in der NBA.

Da Chris Paul, Blake Griffin und DeAndre Jordan für Coach Doc Rivers unantastbar sind, bietet sich also nur noch Crawford als Tradematerial an – für Smith oder Stephenson würden die Kalifornier momentan keinen guten Gegenwert erhalten. 

Außerdem spricht für den 35-Jährigen, dass er mittlerweile seinen Rhythmus gefunden hat: In den letzten sieben Spielen kommt er auf 15,7 PPG bei knapp 49 Prozent aus dem Feld. Teams mit wenig offensiven Waffen, wie etwa Milwaukee, New York oder Utah, sowie einige Contender wären also (grundsätzlich) passende Anlaufstellen für den wurffreudigen Shooting Guard. 


Doch was für Spieler brauchen die Clippers im Gegenzug? Mit Crawford würde Lob City seinen besten Auswechselspieler verlieren und damit gleichzeitig den berühmten „Scoring Punch“ von der Bank. Es ist fraglich, ob Austin Rivers, Josh Smith und/oder Wesley Johnson dieses klaffende Loch gemeinsam stopfen können. Von daher sollte ein potenzieller Neuzugang kein reiner Defensiv-Spezialist sein, wie etwa Luc Mbah a Moute.  

Als nächstes stellt sich die Frage, ob ein Backup für Chris Paul oder DeAndre Jordan wichtiger ist.
Für Variante eins spricht, dass Paul somit endlich mehr Verschnaufpausen erhält und nicht im Laufe der regulären Saison verheizt wird. Für einen tiefen Playoffs-Run brauchen die Clips den bestmöglichen CP3. Und den haben sie nur, wenn er noch auf irgendwelche Kraftreserven zurückgreifen kann.

Eine mögliche Trade-Option wäre daher beispielsweise Jerryd Bayless von den Milwaukee Bucks.
Mit lediglich 97,8 Punkten pro Spiel gehört die Bucks-Offensive zu den schlechtesten in der NBA (Platz 24). O.J. Mayo spielt zudem eine grausame Saison. Crawford könnte hier einige Minuten abgreifen und dem Offensivspiel des Teams aus Wisconsin neue Impulse einhauchen. 

Die Clippers hingegen würden mit Bayless endlich einen erfahrenen und grundsoliden Backup Point Guard erhalten, der offensiv ebenfalls Akzente setzt (11,6 PPG und 3,5 APG in dieser Saison). Somit würde das komplette Bench-Scoring nicht auf Austin Rivers' Schultern lasten, Paul würde seine dringend notwendigen Verschnaufpausen erhalten.


Sollten sich die Verantwortlichen der Kalifornier für solch einen Tausch entscheiden, vergeben sie allerdings auch die letzte Chance auf einen einigermaßen soliden Ersatz-Center, der keine Freiwurfphobie hat. Da auch Josh Smith immer Probleme von der Linie aufweist (60 Prozent diese Saison) und Cole Aldrich während der Playoffs wohl komplett aus der Rotation fällt, könnte nur Griffin auf der Fünf einspringen, wenn das gegnerische Team die Hack-a-Jordan Taktik einsetzt.

Doch was passiert, wenn dieser Mal früh in Foulprobeme gerät? Chris Andersen von den Miami Heat, Jeff Withey von den Utah Jazz oder (mit ganz viel Fantasie) vielleicht sogar ein Jordan Hill von den Indiana Pacers könnten für solche Fälle eine Option sein. Bei solch einem Trade muss sich Doc Rivers jedoch darauf verlassen, dass wiederum einer der Flügelspieler von der Bank Crawfords Scoring ersetzt. Ein Teufelskreis.

Die Vergangenheit hat bewiesen, dass etwas getan werden muss im Clipper-Land. Und Crawford ist die einzige Möglichkeit hierfür. Los Angeles kommt eigentlich nicht drum herum, etwas zu riskieren und sich für eine der beiden angesprochenen Varianten zu entscheiden. 

Naheliegender scheint allerdings ein Trade für einen Ersatz-Spielmacher. Solide Big Men sind rar gesät und Doc Rivers müsste schon ein äußerst kreatives Paket um Crawford schnüren, um solch einen Spieler für sein Team loszueisen.