15 Januar 2016

15. Januar, 2016


In knapp einem Monat dreht die NBA wieder kräftig am Rad – metaphorisch wie auch personell. Nur noch bis zum 18. Februar dürfen Spieler getradet werden. Auf dem Weg zur Deadline wirft die #NBACHEF Redaktion wie jedes Jahr einen genaueren Blick auf die wichtigsten Trade-Kandidaten.

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick

Erst vor etwas über einem Jahr kam Corey Brewer via Trade aus Minnesota nach Houston, im Sommer verlängerte er den auslaufenden Vertrag in Osttexas um drei Jahre. Dennoch wird der Flügelspieler stets genannt, wenn es darum geht, die bisher überwiegend enttäuschenden Rockets (21-19) umzukrempeln. Das liegt einerseits an den überschaubaren Leistungen des 29-Jährigen, aber auch an seinem Vertrag.

Brewers Verpflichtung im Dezember 2014 war ein ausdrücklicher Wunsch des vor zwei Monaten entlassenen Coaches Kevin McHale gewesen. Dass sein Interims(?)-Nachfolger J.B. Bickerstaff andere Personalvorstellungen hat, zeigen die Umbauten in der Startformation: Bickerstaff schickt von Beginn an Clint Capela und Patrick Beverley statt Terrence Jones und Ty Lawson aufs Parkett.

Die Rolle Brewers im Team hat sich seit dem Wechsel auf der Trainerbank zwar nicht signifikant verändert, unter McHale wäre die Wertschätzung und somit die Wahrscheinlichkeit, in Houston zu bleiben, trotz Rockets' GM Daryl Moreys bekannte Vorliebe für Kaderoptimierung definitiv größer gewesen.

Im Schnitt steht der Champion von 2011 20 Minuten pro Spiel auf dem Parkett und ist ein fester Bestandteil der Rotation, dadurch auf den ersten Blick kein zwingender Trade-Kandidat. Allerdings sind sowohl die Minuten, als auch die nackten Zahlen im Vergleich zu seinem ersten Jahr in Houston zurückgegangen – und das, obwohl auf der Bank keine nennenswerte Konkurrenz als möglicher Backup für Trevor Ariza sitzt.


Hätten seine spielerischen Fähigkeiten mehr Konstanz, würde der 2,06 Meter große Allrounder längst zu den besser bezahlten Spieler der Liga gehören. Hier liegt Brewers Krux: Er kann (spielerisch) nichts wirklich gut, aber auch nichts wirklich schlecht. An guten Abenden trifft er Dreier wie Curry und verteidigt wie Leonard, an schlechten trifft er kein Scheunentor und reißt am eigenen Korb Lücken in derselben Größe auf.

Sinnbildlich für diese Inkonstanz stehen seine Auftritte in den letztjährigen Playoffs, die ein Spektrum vom Totalausfall – vor allem in den Conference Finals gegen die Warriors – bis hin zum (mit)entscheidenden Faktor – beispielsweise als er wichtige Dreier gegen die Mavericks versenkte oder wesentlich am längst legendären Comeback gegen die Clippers beteiligt war – offenbaren.

Brewer ist ein Spieler, den man einerseits aufgrund der Allround-Fähigkeiten und den durchaus vorkommenden Aussetzern nach oben (man denke an die 51 Punkte gegen die Rockets im Trikot der Timberwolves) zwar gerne in den eigenen Reihen weiß, der jedoch aufgrund der ebenfalls regelmäßig auftretenden Aussetzern nach unten niemals unersetzbar ist.


Nicht ganz zufällig wurde er in seiner acht Spielzeiten dauernden Karriere bereits drei Mal getradet. Sein jährliches Salär von circa acht Mio. $ eignet sich, um ihn gemeinsam mit den ebenfalls zur Disposition stehenden Spielern, beispielsweise Terrence Jones oder Ty Lawson, zu verschiffen – gegebenenfalls um einen großen, ungeliebten Vertrag zusammen mit einem Wunschspieler aufzunehmen.

Trotz genannter Mängel ist Brewer jedoch nicht als reine Dreingabe aus Salary-Gründen zu verstehen. Erfahrene Allround-Wings sind ligaweit rar, jeder Coach kann sich auf Brewers Einsatzfreude und ein gesundes Maß an Selbstvertrauen verlassen.

Der im März 30 Jahre alt werdende Veteran ist kein Spieler, der jemals zögert oder für mentale Schwächephasen bekannt ist. Teams, die gerne aufs Tempo drücken und mit Vorliebe Fastbreaks laufen oder aber einfach nur Tiefe auf dem Flügel suchen, werden sich mit dem siebten Pick des 2007er Drafts beschäftigen. Denkbare Ziele sind die Boston Celtics, Chicago Bulls, Milwaukee Bucks, Phoenix Suns, Sacramento Kings sowie die Toronto Raptors.

Sollte es zu einem Wechsel kommen, ist nicht zwingend davon auszugehen, dass ein gleichwertiger Spielertyp im Gegenzug seine Zelte in Houston aufschlägt, die Position des Power Forwards ist noch immer ungeklärt und Sophomore Clint Capela noch zu roh, um in Richtung Championship zu greifen.

Dennoch kommen die Rockets langsam in Fahrt und haben die laufende Saison selbstverständlich noch nicht abgeschrieben – das wäre mit James Harden und Dwight Howard an Bord ohnehin undenkbar. Sollte die Position hinter Ariza vakant werden, könnte der in Houston kaum in Erscheinung getretene K.J. McDaniels seine Chance erhalten.

Weiter denkbar sind zusätzliche Minuten Hardens auf der Small Forward Position, was angesichts der wachsenden Tendenz zum Small Ball und der vorhandenen Tiefe unter den Guards (Jason Terry, Marcus Thornton) durchaus realisierbar ist.

Ab dem 15. Januar kann Brewer getradet werden. Überraschen würde es angesichts von Houstons bisherigem Saisonverlauf niemanden, doch die zuletzt gestartete Siegesserie mit erst einer Niederlage im Jahr 2016 lässt GM Morey womöglich noch eine Weile innehalten, um zu sehen, ob es mit dem bestehenden Personal zumindest bis zur Trade-Deadline funktioniert. Spätestens dann wird der Name Brewer in den hektischen Gesprächen kurz bevor die Schranke fällt immer wieder zur Sprache kommen.